Pickel ade! Hautunreinheiten erfolgreich bekämpfen

Pickel, Pusteln, Mitesser: Hautunreinheiten können jeden treffen – und das nicht nur in der Pubertät. Welche Ammenmärchen halten sich auf dem Pflegemarkt und was hilft tatsächlich gegen die lästigen Unreinheiten?

Wie entstehen Hautunreinheiten?

Für die einen sind Pickel alle paar Wochen ein ästhetisches und schnell lösbares, für die anderen ein dauerhaftes Problem. Wie aber genau entstehen Pickel eigentlich?

In den Poren unserer Haut wird Talg produziert. Werden die Talgdrüsen nun durch alte Hautzellen oder durch Verschmutzung verschlossen, kann der Talg nicht mehr abfließen und es bildet sich ein Mitesser, auch Komedon genannt, der schwärzlich schimmert. Dies ist ein offenes Komedon – der ideale Bedingungen für die Bakterien, die sich auf unserer Haut tummeln, bietet. Die Folge können dann Anschwellungen, Entzündungen und Eiterbildung sein. In diesem Stadium spricht man von geschlossenen Komedonen, die ganz anders behandelt werden müssen als die offenen Komedonen.

Doch bevor die Mission „Pickelbeseitigung“ angegangen werden kann, muss zunächst einmal zwischen zwei Dingen unterschieden werden: Pickel, die durch uns nicht verhindert werden können, und Pickel, die durchaus durch uns beeinflussbar sind. Hautunreinheiten im Gesicht, Dekolletee und auf dem Rücken, die wir nicht kontrollieren können, sind solche, die durch hormonelle Veränderungen im Körper wie beispielsweise während einer Schwangerschaft entstehen, also endogener Natur sind. Auch unsere genetische Veranlagung, also das, was wir von unseren Eltern vererbt bekommen, ist entscheidend bei der Pickelentstehung.

Aber hier die gute Nachricht: Meist ist unser Lebenswandel die Ursache für Pickel und Hautunreinheiten. Unzureichende Hygiene und falsche Reinigung des Gesichts und Körpers, unausgewogene Ernährung und zu viel (komedogene) Kosmetika provozieren regelrecht die Pickelbildung. Weitere Faktoren können ein ungesunder Lebenswandel mit wenig Schlaf und viel Stress, oder aber die viel zu enge Bekleidung, die die Haut nicht atmen lässt, sein.

Hautunreinheiten auslösen können unter anderem:

  • Pickelauslösende Kosmetika (Produkte mit Paraffinen oder anderen komedogen Inhaltstoffen)
  • fetthaltige Cremes
  • Abdeckende Kosmetika (Make-up, Puder und Co)
  • Bestimmte Lebensmittel.
    Dazu gehören aber NICHT Chips und Schokolade, wie es früher oftmals hieß. Milch ist beispielsweise ein Getränk, das unserer Haut nicht gut tut, denn Milch enthält Wachstumshormone und wirkt bei übermäßigem Genuss wie eine Hormontherapie, da die enthaltenen Hormone den menschlichen sehr ähnlich sind und Hautunreinheiten auslösen. Nur Dosenmilch enthält keine Hormone. In manchen Untersuchungen konnte ein Zusammenhang zwischen Akne und Milchkonsum (Studie an der School of Public Health in Harvard) sowie zwischen Akne und Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index, wie Weißbrot oder Kekse, (Studie am Royal Melbourne Hospital am Department of Dermatology von Smith et al.) nachgewiesen werden.

Die 5 Effloreszenzen

(von Dr. Kai Rezai, www.hautarzt-muenster.de)

Als Effloreszenz wird in der Dermatologie ein Grundelement krankhafter Hautveränderungen bezeichnet. Man unterscheidet zwischen Primär- und Sekundäreffloreszenzen.

Die primäre Effloreszenz der Acne vulgaris ist der Komedo. Durch sekundäre Entzündung können sich Papeln und Pusteln (A. papulopustulosa) entwickeln. Durch Umkapselung von Follikelresten können schmerzhafte Knoten (Nodus) und Abszesse entstehen.

Manipulationen der Komedonen (Ausdrücken, Kratzen, Stechen) können zur Bildung von Narben und Zysten führen und sollten daher unterlassen werden. Narben, Zysten und Fistelbildungen können jedoch auch ohne Manipulation bei besonders schweren Verläufen entstehen (A. conglobata)

Gut gereinigt, ist halb gewonnen

Unreine Haut kann in den meisten Fällen zwischen sensibler, feuchtigkeitsarmer und öliger Haut unterschieden werden. Wichtig ist stets eine gründliche und gut verträgliche Reinigung der Haut. Porentief rein – eine schöne Phrase, die aber genau das auf den Punkt bringt, was wichtig ist.

Bei der Reinigung, die zwei Mal am Tag (morgens und abends) gründlich stattfinden sollte, empfiehlt der Dermatologe Dr. Kai Rezai aus Münster sogenannte Syndets. Diese Waschstücke, die optisch einem Stück Seife gleichen, sind äußerst schonend für den natürlichen Säureschutz der Haut. Syndets enthalten künstlich erzeugte waschaktive Substanzen, die wirkungsvoll selbst hartnäckigste Schmutzpartikel und Fettschmutz abspülen. Und schmutzig sei unsere Haut nach einem Tag in jedem Fall, so Dr. Rezai: „Abgase lagern sich beispielsweise auf unserer Haut ab und haben dann dort eine ähnliche Wirkung wie Kosmetika mit Erdöl-Produkten, wie beispielsweise Paraffin: Sie verstopfen die Poren.“

Syndets sind stark gegen den Schmutz, aber eben auch sanft zur Haut: Sie enthalten hautpflegende, feuchtigkeitsbindende Substanzen sowie rückfettende Öle und sie sind dem pH-Wert unserer Haut (etwa 5,5) ähnlich. Das heißt: Sie trocknen selbst empfindlichste Haut nicht aus. Nach der Reinigung mit Syndets empfiehlt sich ein mildes, alkoholfreies Gesichtswasser, das noch einmal Schmutz von der Haut nimmt, sie mit Feuchtigkeit versorgt und beruhigend wirkt.
 

 

Klassische Seife hingegen hat in der Gesichtsreinigung nichts zu suchen. Der pH-Wert von Seife liegt meist bei 7, was den Säureschutzschild der Haut angreift. Die Folge: Sie quillt auf, trocknet schneller aus und ist deutlich anfälliger für Reizungen und Infektionen.

Auch wenn ein Peeling oftmals als super Mittel für reine Haut angepriesen wird, ist es das nicht unbedingt, wie Dr. Kai Rezai sagt. „Ein Peeling sollte nicht zu häufig angewendet werden, denn es regt die Talgproduktion an und lässt unter Umständen weitere Pickel entstehen, da es die Haut anfälliger macht für Bakterien.“ Etwa zwei Mal pro Monat ist ein Peeling aber ein schönes Kosmetikum, um überschüssige Hornhaut loszuwerden.

Hautunreinheiten lokal behandeln

Während Alkohol in der großflächigen Gesichtsreinigung keine Rolle spielen sollte, da er die Haut austrocknet, ist er für die lokale Pickelbehandlung durchaus sinnvoll, denn er wirkt gegen Entzündungen und hilft so, Pickel schneller abklingen zu lassen. „Entzündete Hautstellen können mit Alkohol abgetupft werden“, so Dr. Rezai. Auch wenn die Haut durch den Alkohol im ersten Moment etwas trocken erscheint, jetzt bitte nicht mit einer fetthaltigen Creme nacharbeiten! Hausmittelchen wie Heilerde, Teebaumöl, Zahnpasta, Zinksalbe oder Honig haben manchmal einen ähnlichen Effekt und können problemlos ausprobiert werden. Honig, Heilerde und Teebaumöl wirken in Einzelfällen entzündungshemmend. Zahnpasta und Zinksalbe trocknen aus, bekämpfen somit erst einmal den Pickel, schützen aber nicht davor, dass sich die Stelle wieder entzündet. Antibakterielle Mittel, wie das antibiotische Tyrosur-Gel beispielsweise, können lokal helfen, Hautunreinheiten zu beseitigen.

Ausdrücken oder nicht?

Offene Komedonen (Mitesser) kann man selber ausdrücken, wie Dr. Rezai betont. „Alle anderen bitte nicht. Man drückt Bakterien und Entzündungen dadurch nur tiefer in die Haut und fördert weitere Entzündungsherde und manchmal sogar Narbenbildung!“

Was du gegen Pickel unter der Haut tun kannst, verraten wir dir hier.

 

Die Haut versilbern

Hautpräparate, die Silber enthalten, wirken stark entzündungshemmend und bekämpfen übermäßiges Bakterienwachstum auf der Haut und somit auch Pickel. Silber ist seit der Antike bekannt für seine antibakterielle Wirkung.

 

 

Mit Vitaminen punkten

Vitamine und eine gesunde Ernährung sind nicht nur wichtig für die Gesundheit. Ein Mangel an den wichtigen Vitaminen kann das Hautbild drastisch verschlechtern und somit Auslöser für Mitesser, Pickel und auch starke Akne sein. Von innen kann man eine Menge machen.

Folgende Vitamine sind u.a. bei Akne und Pickeln wichtig:

  • Biotin: Eine Ursache für Hautprobleme, Haarausfall sowie brüchige Haare und Nägel ist häufig ein Mangel an Biotin. Zu finden ist Biotin unter anderem in: Nüsse, Naturreis, Kleie, Hefe, Tomaten, Leber, Eigelb, Soja Kalbsleber, Lachs, Sojabohnen, Blumenkohl, Erdnüsse, Haferflocken, Naturreis, Hefe, Tomaten, Eigelb und Champignons.
  • Bierhefe: Bierhefe ist seit über 5.000 Jahren als Heilmittel bekannt. Bierhefe liefert einen hohen Gehalt an B-Vitaminen, Aminosäuren und diversen Mineralstoffen und Spurenelementen und wirkt prima bei Erkrankungen der Haut.
  • Niacin: Niacin ist für die Zellbildung und den Aufbau des Bindegewebes verantwortlich. Zu finden ist Niacin in: Fisch, Geflügel, Leber, Eier, Bierhefe…
  • Vitamin B5: Vitamin B5, auch als Pantothensäure bekannt, spielt eine wichtige Rolle für gesunde Haut und Schleimhäute und wirkt bei entzündlichen Hauterkrankungen (Dermatitis). So kann Vitamin B5 die Talgproduktion der Haut verringern. Leber, Rinderherz, Joghurt, Steinpilze, Champignons, Avocados, Sojabohnen, Linsen, Brokkoli, Blumenkohl und Haferflocken enthalten das Vitamin
  • Zink: Zink besitzt eine ähnliche Wirkung wie Vitamin B5. Zu finden in: Fisch, Erbsen, Fleisch (Lamm, Rind, Schwein, Geflügel), Milchprodukten, Meeresfrüchten
  • Vitamin C: Vitamin C wird auch als Ascorbinsäure bezeichnet und unterstützt das Immunsystem, die Abwehrkräfte und das Bindegewebe. Folgende Nahrungsmittel enthalten unter anderem Vitamin C: Paprika, Brokkoli, Schwarze Johannisbeeren, Erdbeeren, Kiwis, Zitronen, Orangen, Gemüse, Hagebutten, Kartoffeln, Sojabohnen

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Schwitzen gegen Hautunreinheiten?

Schwitzen tut der Haut gut, so der Volksmund. Und ganz Unrecht hat er damit nicht. Gerade beim Sport treiben und in der Sauna kommt es zu starkem Schwitzen, die die verstopften Poren der Haut öffnen. Dadurch können alte Hautzellen, Verschmutzungen und überflüssiger Talg abfließen. Aber Sport erhöht zunächst auch einmal die Testosteronproduktion, um Muskeln aufzubauen. Somit kann es bei Sportneulingen erst einmal kurzfristig zu vermehrter Pickelproduktion kommen, die aber schnell wieder abklingt. Sport und Sauna verbessern die Durchblutung und somit auch die Blutversorgung in der Gesichtshaut. Schlacken können schneller abtransportiert werden. Zudem hilft körperliche Aktivität, die Abwehrkräfte zu stärken und Stress abzubauen. Aufpassen sollte man aber, wenn man mit verschwitzten oder verschmutzten Händen über die geöffneten Poren wischt. Somit könnten Bakterien in die Haut gelangen. Dazu also immer nur frische Handtücher benutzen! Gleich nach dem Sport oder der Sauna sollte eine gründliche Reinigung des Körpers und Gesichts erfolgen.

Äußere Anwendungen

Auch die ästhetische Dermatologie hält eine ganze Menge an Anwendungen parat, die gegen unreine Haut oder gar Aknenarben helfen können. Dr. Kai Rezai empfiehlt bei Aknenarben eine Kombination aus „Dermaroller“ und Lasern. Beim Dermaroller perforieren feine Mikronadeln das verhärtete Narbengebilde und nehmen ihm seine Spannung. Schon wenige Tage nach der Behandlung wandern neue Blutgefäße und Bindegewebszellen in das Narbengewebe und „füllen“ es langsam mit einer neuen Collagenstruktur. Mit dem Fractional oder Mosaic-Laser wird die Haut ebenfalls mit winzigen Löchern perforiert. Von der umgebenden gesunden Haut kommt es zur Neubildung von kollagenen und elastischen Fasern und einer deutlichen Hautstraffung.

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Auch das Chemical Peeling ist groß im Kommen. Es ist die kontrollierte Schälung der Haut, die dadurch zu einer Regeneration und Remodellierung der behandelten Haut führt: Abgestorbene Zellen der Oberhaut werden beseitigt, störende oberflächige Pigmentierungen verringert und die Zellteilung sowie Kollagenproduktion wird angeregt und deutlich gesteigert. Akneausprägungen können signifikant reduziert werden. Chemical Peelings sind laut Dr. Rezai aber nur dann gut und effektiv, wenn man sie regelmäßig macht. Sie schleifen die Hautoberfläche ab und befördern dadurch entzündliche Aktivitäten nach draußen.

 

von Dagmar Lühn

Foto: Romario Ien / stock.adobe.com