Ovid-Effekt: Mit einem Adrenalin-Kick beim Date auf Wolke 7 schweben

Immer wieder hört man von Opfern eines Unfalls, die sich in die Person verlieben, die sie retten. Auch Beziehungen, deren Beteiligte sich während einer Naturkatastrophe kennengelernt haben, sind häufig durch nichts zu trennen. Dass es sich bei diesem Phänomen um nichts Neuartiges handelt, zeigt das Werk des römischen Dichters Ovid, der ungefähr zu Zeiten von Christi Geburt lebte. Dass das Werk bis heute noch brandaktuell ist, zeigen Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Wir geben dir Tipps, wie du diese Erkenntnisse und den nach ihm benannten Ovid-Effekt optimal für dein erstes Date nutzen kannst.

Kleiner Exkurs: Ovids Aussagen

Für alle, die Ovid nicht kennen oder mit seinem Werk nicht bewandert sind, fassen wir ein paar wichtige seiner Aussagen mit zeitgenössischen Worten grob zusammen: Als Faktoren, die nach Ovid wichtig für das Flirten sind, seien zu nennen:

  • Selbstbewusstsein: Jemand dürfe gar nicht daran zweifeln, jemanden für sich gewinnen zu können. Aufgrund dieser Zuversicht sei er auch erfolgreicher beim Flirten.
  • Äußeres Erscheinungsbild bzw. gepflegtes Auftreten: Etwa solle jemand darauf achten, dass keine Nasenhaare sichtbar sind. Auch solle Mundgeruch vermieden werden.
  • Bevor du nun anfängst, zu gähnen, kommt nun der wesentliche Punkt: Die individuelle Situation ist für das Flirten entscheidend. Wenn ein Date nämlich von Aufregung geprägt ist, weckt das die Leidenschaft.

Was die Wissenschaft zum Ovid-Effekt sagt

Zwei Studien haben nachgewiesen, dass Herzklopfen oder gefährliche Situationen eine Person eher dazu animieren, eine bestimmte attraktive Person (d. h. eine Person, die für den Experiment-Teilnehmer sexuell anziehend ist) anzurufen bzw. sich in diese zu verlieben.

Jetzt lesen:  What‘s New: Neue Highlights im September

Eines davon ist das „Hängebrückenexperiment“, das 1974 von den US-Psychologen Donald Dutton und Arthur Aron durchgeführt wurde. Das Experiment kam zu dem Ergebnis, dass Männer eine Frau als attraktiver einschätzten, wenn sie dieser in einem Moment des Nervenkitzels begegneten. Es mag sich um ein älteres Experiment handeln. Doch der beschriebene Effekt ist jederzeit reproduzierbar, wie etwa in einer Studie von 2003 nachgewiesen wurde.

Einfach auf den Punkt gebracht: Weil unser Herz wie verrückt schlägt (oder wir auch nur denken, es würde schneller schlagen), verlieben wir uns leichter. Zurückführen lässt sich das auf die Ausschüttung von Adrenalin. Das Gehirn vermutet dann, die jeweilige attraktive Person sei für diese Emotion verantwortlich. Da Adrenalin mit Dopamin und Noradrenalin verwandt ist, die auch „Liebeshormone“ genannt werden, verliebt man sich in einer solchen Situation leichter, bzw. man entwickelt zumindest eine emotionale Verbundenheit zu der jeweiligen Person.

Warum wünschen wir uns Aufregung?

Eine wichtige Frage, die wir uns selbst zum besseren Verständnis des Ovid-Effekts beantworten sollten: Warum mögen wir es eigentlich, wenn unser Körper Adrenalin ausschüttet? Wäre es nicht zu bevorzugen, wenn alles gemütlich und bequem ist?

In unserer heutigen Zeit sind wir von Routinen umgeben und an einen wohlgeordneten Alltag gewöhnt. Doch leider auch von viel Monotonie, die uns langweilt und uns das Gefühl gibt, kein wirklich interessantes Leben zu führen. Deshalb lieben wir den Kick. Wir sehnen uns nach etwas Besonderem, wollen, dass unser Leben wirklich lebenswert ist und eine besondere Geschichte hat! Angestachelt wird ein solcher Ehrgeiz auch von dem Konsum spannender Filme und Bücher.

Jetzt lesen:  Das Studium geht los – 5 Tipps für den neuen Lebensabschnitt

Was sollte man also beim Date beachten?

Aus diesen Aussagen und wissenschaftlichen Erkenntnissen können wir einiges für die Praxis unserer Dates lernen. Wir alle kennen erste Dates, die mit dem Gefühl enden „ganz nett, aber nicht der Überflieger“, und man sagt zueinander „Man sieht sich.“ Wieder ein verlorener Tag oder Abend, und immer länger schon ist man nun Single.

Um dein Dating effizienter zu gestalten, solltest du dir deshalb überlegen, was das Herz schneller schlagen lassen könnte! Ein Kinobesuch wohl eher nicht, weil es sich ja nur um spannende Filmszenen und nicht um reale Gefahren handelt. Auf einem Jahrmarkt Achterbahn zu fahren hingegen birgt reale Risiken. Doch auch ein Casino-Besuch, eine Fahrt mit einem Flugzeug oder das gemeinsame Blicken von einer Aussichtsplattform können euch den gewünschten Nervenkitzel bereiten.

Meist werden beim ersten Date keine kostspieligen oder besonders ungewöhnlichen Aktivitäten geplant wie etwa Bunjee-Jumping, eine Ballon-Fahrt oder Fallschirmspringen. Doch ihr könnt zum Beispiel Inline-Skaten oder Reiten gehen. Auch eine Motorrad-Tour sorgt für Nervenkitzel. Sie hat jedoch den Nachteil, dass man sich nicht in die Augen sehen und sich nicht unterhalten kann.

Das Gehirn wird mit dem Ovid-Effekt überlistet

Bei all solchen Aktivitäten wird Adrenalin ausgeschüttet. Unser Gehirn kann nicht klar unterscheiden, ob die hohe Adrenalinausschüttung auf das jeweilige Erlebte zurückzuführen ist, oder auf die attraktive Person, die wir mit dabei haben. Meistens sind wir uns in solchen Situationen jedoch sicher, dass der andere Mensch selbst der Hauptauslöser gewesen ist.

 

Erlebnis Mix Mydays
Dates mit Abenteuer-Feeling findest du bei mydays

 

Man kann sich nicht „zwangsverlieben“

Du kennst eine Person, mit der dich schon zahlreiche deiner Freunde gern verkuppeln wollten, doch er oder sie gefällt dir einfach nicht? Auch dann, wenn bei eurem ersten Date viel Adrenalin im Spiel ist, wird es in diesem Fall eher unwahrscheinlich sein, dass der Funke überspringt. Denn Grundvoraussetzung für den Ovid-Effekt ist, dass man den jeweils anderen attraktiv findet.

Jetzt lesen:  Somuchmore: Die neue Art zu trainieren

Ein Tipp für Menschen in langjährigen Beziehungen: Auch in eure angestaubte Liebe können die oben genannten Aktivitäten frischen Wind bringen. Plötzlich spürt ihr endlich wieder, dass der jeweils andere euch etwas bedeutet. Das Problem ist jedoch in der Praxis häufig, dass mindestens einer der Beteiligten sich nicht einmal zu einer solchen Aktivität aufraffen kann, da man keine Motivation verspürt, etwas an der aktuellen Gefühlslage zu ändern.

Der Ovid-Effekt: Unser Fazit

Ein stilvoller Besuch im Restaurant? Den solltet ihr euch lieber für später aufheben. Beim ersten Date empfiehlt es sich, etwas Spannendes zu unternehmen, das euch beiden Nervenkitzel pur bereitet und euer Gehirn auf diese Weise überlistet. Denn: Wenn wir einem für uns attraktiven Menschen in einer Situation begegnen, die von Aufregung geprägt ist, dann werden unsere Gefühle für diesen Menschen intensiver ausfallen, als wenn uns diese Person in einer alltäglichen Situation begegnen würde.

Klar denken wir alle rational. Doch das Verlieben ist ein komplexes Zusammenspiel im Gehirnstoffwechsel, den wir mit all unseren Argumenten nicht zu 100 % steuern können. In jedem von uns steckt ein inneres Kind, und wir freuen uns über spannende Situationen, die unser Leben lebenswert machen. Und an euren ersten Kuss, den ihr im Hochseilgarten hattet, werdet ihr euch mit Sicherheit auch noch dann erinnern, wenn ihr bereits Kinder habt!

 

Foto: GutesaMilos / stock.adobe.com