Kolumne: Männer, was könnt ihr eigentlich noch?

Kolumne: Männer, was könnt ihr eigentlich noch?

by Diana Debatin

Kolumne: Männer, was könnt ihr eigentlich noch?

Vielleicht mag es an meinen Wurzeln liegen, dass ich mir diese Frage immer wieder aufs Neue stelle! Als Tochter eines Bauunternehmers habe ich den Großteil meiner Kindheit auf Baustellen verbracht und wurde frühzeitig mit Hammer, Schleifpapier und Kreuzschlitz-Schraubenzieher bekannt gemacht. Graben und Baggern brachte ich in meiner Jugend also nicht direkt mit der erotischen Annäherung zweier Individuen in Verbindung. Die Aufklärung meiner Eltern konzentrierte sich stattdessen eher auf die wichtigen Dinge im Leben! „Wie verwende ich einen Spanngurt?“, „Wozu brauche ich einen Dübel?“ und „Wie wechsle ich Glühbirnen?“ Selbst ist die Frau – ein Motto, nach dem ich auch heute noch lebe! Auf Männer möchte ich mich einfach nicht verlassen. Außer auf Papa – der ist aber auch der einzige, auf den man zählen kann!

2018 scheint bei den meisten Männern nicht nur das handwerkliche Geschick, sondern vor allem auch das Interesse verloren gegangen zu sein. Der Anspruch an sich selbst lässt maximal zu wünschen übrig. Dass man bei jeder Kleinigkeit zum Dienstleister greift, ist für mich schlichtweg nicht nachvollziehbar und entspricht so absolut nicht meinem Naturell. Auch nicht dann, wenn es die finanziellen Mittel zulassen würden. Wieso mit dem Geld um sich werfen, wenn es doch gar nicht so schwer ist, sich selbst zu helfen? Noch nie war es leichter Fähigkeiten zu erlernen und Anwendertipps einzuholen. Im Zeitalter der Tutorials und Ratgeber-Foren bekommt man zu fast jedem Thema eine passende Hilfestellung geliefert. Damit meine ich nicht Bibi, die uns zeigt, was der neueste Beautyshit ist, sondern Manfred, der selbst dem ungeschicktesten Menschen auf dieser Welt erklärt, wie man ein Loch in die Wand bohrt. Das alles sogar kostenlos – auf YouTube!

SELBST IST DIE FRAU: MEIN WEG ZUM HANDWERKER-PROFI

Da ich mein Umfeld nur sehr ungern um Hilfe bitte, war Manfred also stets erste Anlaufstelle. Ein echter Mann, der mit Leib und Seele um den Erhalt der Handwerkskunst kämpft und sein gesamtes Wissen weitertragen möchte. Zum Beispiel an mich – die 32-jährige Singlefrau, die möchte, dass ihre Lampe sofort an der Decke hängt und nicht erst in zwei Wochen, wenn der Elektriker einen freien Termin hat. Auf Manfred muss man nicht warten! Er verlangt auch keinen Stundenlohn. Manfred hilft mit Herzblut, in unter drei Minuten! Solch aufmerksamen Mitbürgern habe ich es zu verdanken, dass ich in kürzester Zeit zum Handwerker-Profi mutiert bin. Möbel aufbauen, Heizung entlüften, Fernseher reparieren – mittlerweile traue ich mir fast alles zu. Nur selten muss ich aufgeben, weil mir etwas nicht gelingt. Zu groß der Ansporn, das Problem doch zu lösen. Schafft man das Unmögliche, ist das Erfolgserlebnis doppelt so schön. Ein großartiges Gefühl, wenn man eine Herausforderung selbst meistert.

Leider ein Gefühl, das vielen Männern fremd ist. Das Leitbild vom hart arbeitenden Coke Man vollkommen unauthentisch. Cola trinkt Mann nur noch mit Jack Daniels … im Anzug … nach Feierabend. Dass er dabei unglaublich gepflegt und schön aussieht, mag für die erste Kontaktaufnahme sicher vorteilhaft sein. Die anfängliche Verliebtheit dürfte aber recht schnell verfliegen, wenn sie ihm beibringen muss, wie man einen Nagel an der Wand befestigt. Emanzipation hin oder her! Ich liebe es eigenständig zu sein, fände es ab und an aber auch ganz nett, wenn ich von einem Mann noch etwas lernen könnte. Damit meine ich nicht, mit welcher Technik der Man Bun am besten gelingt, welche Bartpflegeprodukte besonders gut sind oder wie man den günstigsten Handwerker im Internet findet. Eher wie man Dinge selbst anpackt, statt das Ganze anderen zu überlassen.

MAN(N) SOLLTE SCHON ETWAS ZU BIETEN HABEN!

Ist das weibliche Geschlecht deutlich selbständiger als er, wirkt das nicht nur unmännlich, sondern auch unbeholfen. Eine Frau mit Helfersyndrom mag das vielleicht noch anziehend finden, eine gestandene dagegen eher abschreckend. Ich für meinen Teil finde es jedenfalls deutlich schöner, von einem Mann mit kräftigen Arbeiterhänden gegen die Wand gedrückt zu werden, statt von einem, der gerade von der Maniküre kommt. Meine eigenständige Art möchte ich dabei zwar gerne behalten, mich im besten Fall aber über einen Zugewinn freuen. Vielleicht über einen Manvid, mit der Männlichkeit von Manfred und dem Einfühlungsvermögen von David. Ein Mann, der mich beschützt und zu dem ich aufschauen kann. Einer mit Gefühl, der mir aber auch zeigen kann, wie ich das Laminat noch schneller verlege. Einer, der von beiden Seiten glänzen kann! Wir Frauen können heutzutage doch auch alles! Gut aussehen, Essen kochen und den neuen Wandschrank aufbauen!

 

Diana Debatin

Diana Debatin

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Fotos: dbunn / stock.adobe.com; Diana Debatin privat

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3 Kommentare zu “Kolumne: Männer, was könnt ihr eigentlich noch?

  1. Die typische „Beta-Klage“: „Och menno, ihr blöden Kerle, seid meine Lastenesel! Aber denkt immer dran, egal wieviel ihr für mich macht, habt ihr keinen Anspruch auf garnix!!!11“ 🤔

    Sprich: Ran dürfen coole &smoothe, der „Bohrmaschienenmann“ (siehe youtube)darf höchstens gratis ackern
    Stellt sich ne einfache Frage, da die wenigsten Männer bock auf unbelohnte Zusatzarbeit haben: Wozu den shit machen?

    Mädels, ihr seid stark, powertools machen Körperkraft überflüssig – wozu sollte ein nicht-hirnamputierter, im heute lebender Mann euren shit machen?
    Eure Regeln, euer Spiel. Kapieren scheinbar immer mehr Typen – gut so. (Und mal ehrlich, was die Lastenesel sich erhoffen, weiß jede Frau ganz genau – ausgeritten wird aber auf dem Spaßhengst, keine Prinzessin will schließlich auf ’nem Esel gesehen werden. 😎)


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