Never Ending Lovestory: Wieso die On/Off-Beziehung nicht aus der Mode kommt!

Er liebt mich, er liebt mich nicht! Heutzutage ein weit verbreitetes Phänomen in der Welt der Beziehungsgeschichten. On/Off-Beziehungen sind die Regel, nicht die Ausnahme. Wir können nicht mit, aber irgendwie auch nicht ohne den anderen. Liebesaus, Versöhnung, Neuanfang – ein altbekanntes Spiel, das fast jeder von uns schon mal durchlebt hat. Dabei geht für gewöhnlich auch die fünfte 2. Chance nach hinten los. Eine Tatsache, die den meisten von vornherein bewusst ist. Und trotzdem – so richtig möchte man es nicht wahrhaben. Vielleicht gehört man ja doch zu dieser extremen Minderheit, bei der der zweite Anlauf klappt. Eine wahrlich naive Einstellung, mit der auch ich schon glänzen durfte.

On/Off-Beziehungen wollen einfach nicht aus der Mode kommen. Woran das liegt? In meinen Augen an mehreren Faktoren. Zum einen schmeißen wir in der heutigen Zeit die Flinte oftmals viel zu früh ins Korn. Kompromisse spielen dabei eine nicht zu verachtende Rolle. Jeder fordert sie, aber keiner möchte sie eingehen. Die meisten von uns haben eine klare Vorstellung davon, wie der Traumpartner auszusehen hat, welche Charakterzüge und welche Eigenschaften er mitbringen soll. Dabei sind wir allerdings nur selten bereit, unsere Freiheiten aufzugeben und wollen uns so wenig wie möglich verbiegen.

Nun, der ein oder andere mag es eventuell schon bemerkt haben, aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Nicht immer werden die Erwartungen voll und ganz erfüllt. Dann kann es durchaus ratsam sein, in gewissen Situationen einen Schritt aufeinander zuzugehen, statt auf Tinder direkt nach etwas „Besserem“ Ausschau zu halten. Tatsächlich haben wir verlernt an etwas festzuhalten und sind ständig auf der Suche nach dem „perfekten Gegenstück“. Bleibt diese erfolglos, überkommt uns der Gedanke, dass das was wir hatten doch eigentlich gar nicht so schlecht war.

Der Einsichtige und das gebrochene Herz

Auf die Einsicht folgen in der Regel Reue und Versöhnung. Wie dumm man doch war, das alles wegen ein paar Nichtigkeiten hinzuschmeißen. Man möchte alles besser machen, an sich arbeiten und das Gegenüber mehr wertschätzen. Dabei wird oftmals vergessen, dass ein gebrochenes Herz nicht von jetzt auf gleich wieder im Takt schlägt. Im Gegenteil! Zwar versucht es mit vollem Einsatz seinen gewohnten Rhythmus wiederzuerlangen, wird durch diverse Rückschläge aber regelmäßig in die Knie gezwungen. Der Einsichtige geht größere Schritte als das gebrochene Herz, wodurch das gemeinsame Ziel außer Reichweite zu sein scheint. Auf der einen Seite lassen Geduld, auf der anderen Seite Vertrauen nach. Es kommt wie es kommen muss – wieder trennen sich die Wege und das gebrochene Herz zersplittert in weitere Teile.

Ein Weg – zwei Richtungen

In meinem Fall war es anders! Beide waren wir bereit Kompromisse einzugehen und trotzdem standen wir uns gegenseitig im Weg. Auf eine gewisse Weise waren wir uns ähnlich und trotzdem verliefen unsere Wege in zwei unterschiedliche Richtungen. Zwei Charakterwelten, die so gerne miteinander funktioniert hätten, aber einfach nicht füreinander geschaffen waren. Unterschiedliche Ansichten – aber ein Humor. Gleiche Zukunftspläne – aber verschiedene Ziele. Eine Partnerschaft, mit der man verzweifelt, an die man aber trotz allem glaubt. Eine Beziehung, die einen weiterbringt, in gewisser Weise aber auch immer wieder zurückwirft. Eine Liebe, die man nicht einfach so hinschmeißen möchte und doch aussichtslos ist. Wahrscheinlich wäre es an dieser Stelle sinnvoll, die Flinte etwas früher ins Korn zu werfen, aber stattdessen hält man fest! Das alles, weil man sich ständig einredet, gewisse Dinge könnten alles ändern.

Letztendlich werden sie das aber nicht, solange man nicht dazu gewillt ist, die Karten auf den Tisch zu legen und neu zu mischen. Konfliktlösungen basieren auf geführten Diskussionen mit zielführenden Ansätzen. Können diese nicht geführt werden, muss man wohl oder übel loslassen. Man muss einsehen, dass eine gemeinsame Zukunft nie vorgesehen war, auch wenn da irgendwo Liebe ist.

Es ist nie zu spät – für ’nen Neuanfang

Was den meisten von uns dann Angst bereitet, ist der Neuanfang! Gerade bei einer vergangenen, langjährigen Beziehung fällt dieser besonders schwer. Zwar wollen wir alle bei Null starten, begegnen der Kennenlernphase aber trotzdem skeptisch. Wir wünschen uns das gewohnt Unkomplizierte zurück, das eigentlich gar nicht unkompliziert war.

Und trotzdem… der Ex-Partner kannte Stärken und Schwächen und wusste mehr oder weniger gut damit umzugehen. Er war über sexuelle Vorlieben informiert und konnte auch damit mehr oder weniger gut umgehen. Über die Jahre war man in gewisser Weise eben doch ein eingespieltes Team. Mit ein Grund, weshalb viele nach missglückten Neuanfängen immer wieder beim Ex-Partner landen. Trotz der Differenzen fühlt man sich geborgen und kann gemeinsame Erlebnisse und Erfolge verbuchen. Man muss sich nicht neu kennenlernen, man weiß bereits, wie der andere tickt. Man hat nicht das Gefühl, das Rad neu erfinden zu müssen, sondern findet sich in einem gewohnten Umfeld wieder.

Plötzlich hat man erneut das Gefühl, man wäre angekommen. Ein Trugschluss, denn man hat lediglich aufgehört, das zu finden, was man eigentlich sucht. Ein Vorhaben, das sich eben nicht immer leicht gestaltet, aber den Aufwand vielleicht wert ist! So sollte man der Wahrheit ins Auge schauen und sich klarmachen, dass eine On/Off-Beziehung in der Regel eben doch zum Scheitern verurteilt ist.

 

Diana Debatin

Diana Debatin

Mehr von unserer Kolumnistin Diana Debatin findest du
auf ihrem Blog Lavie Deboite unter laviedeboite.com
oder auf Instagram @laviedeboite

 

Fotos: AleksandarNakic / Getty Images; Diana Debatin privat