Diese 5 Mädchen verändern die Welt

In öffentlichen Reden und im allgemeinen Bewusstsein der breiten Bevölkerung werden sie einerseits gelobt, aber auch mit der Bürde der Zukunftsgestaltung behaftet: Heranwachsende Menschen, insbesondere junge Frauen, sind derzeit so präsent in den Medien vertreten, wie selten zuvor. Die jugendlichen Damen haben es sich dabei zur Pflicht gemacht, für eine bessere Welt zu kämpfen. Im Gegensatz zu vielen Mitgliedern der alteingesessenen Politiker-Garde, nehmen Greta, Malala und Co. jedoch kein Blatt vor den Mund.

Den prominenten Aktivistinnen geht es in erster Linie darum, die Problemherde, die derzeit auf unserem Globus schwelen, klar zu benennen und ihre Mitmenschen zum Umdenken zu animieren. Gefallen wollen sie dabei nicht. Aus diesem Grund treffen die ausgerufenen Ziele jener Mädchen nicht nur auf Befürworter. Der Gegenwind, der den jungen Frauen derzeit um die Ohren weht, ist harsch. Umso bemerkenswerter ist es deshalb, dass die oftmals minderjährigen Protagonistinnen keine Spur von Schwäche zeigen und sich mit unerbittlicher Treue ihren Zielen widmen.

Es sind vor allem konservative Parteien und Staatsleute, die immer wieder versuchen, die Bestrebungen ihrer jugendlichen Widersacher ins Lächerliche zu ziehen. Das prominenteste Beispiel dürften zweifelsfrei die öffentlichen Fehden zwischen Thunberg und Donald Trump sein, wobei sich der Präsident der Vereinigten Staaten, mittlerweile in altbewährter Manier, nicht immer mit Ruhm bekleckert. Dabei wollen die jungen Frauen jedoch keinen blinden Aktivismus um der bloßen Erneuerung willen schüren. Sie wollen unsere Welt sinnvoll verändern. Und das gelingt ihnen.

Wir stellen dir die bekanntesten Aktivistinnen vor, die derzeit mit ihren öffentlichen Auftritten und ihren Lebensgeschichten für Schlagzeilen sorgen. Dabei behalten wir jedoch stets im Hinterkopf, dass die präsentierten Damen lediglich als Stellvertreter einer gesamten Generation betrachtet werden sollten.

1. Malala Yousafzai

Malala Yousafzai

Fast acht Jahre ist es her, seit Malala Yousafzai dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Im Oktober des Jahres 2012 wurde Malala in ihrer pakistanischen Heimat, dem idyllischen, von grünen Wiesen und malerischen Gebirgsketten durchzogenen Swat-Tal im Norden des Landes, von einer Kugel in den Kopf getroffen. Der Täter: Ein Extremist, der in den Reihen der Taliban kämpfte. Doch was könnte einen Terroristen dazu bewegen, einem jungen Mädchen, das gerade einmal 15 Geburtstage gefeiert hatte, gezielt das Leben zu nehmen?

Die Geschichte, die Malala letztlich ins Fadenkreuz der Taliban manövrierte, beginnt im Jahre 2004. Dies ist nämlich der Zeitpunkt, an dem die islamistische Terrorgruppierung die Oberhand in der Heimatregion von Malala gewann. Die radikalen und erzkonservativen Doktrinen, die fortan zum ungeschriebenen Gesetz im Swat-Tal wurden, lagen wie ein Damoklesschwert über der einheimischen Bevölkerung. Die Taliban verfolgte vor allem das Ziel, junge Frauen von allem fernzuhalten, was in unseren Breitengraden als normal gilt, im Bewusstsein der Terroristen jedoch einen gotteslästerlichen Frevel darstellt. Dazu gehörte es auch, dass den Mädchen strengsten verboten wurde, zur Schule zu gehen. 2009 fasste Malala schließlich den Entschluss, der Welt von dem Schrecken, unter dem sie und ihre Mitmenschen tagtäglich litten, zu berichten. Mit der Hilfe eines Freundes der Familie, der in den Diensten der britischen Fernsehanstalt BBC stand, begann Malala einen Blog zu schreiben, den sie anschließend auf die Reise in die Weiten des World Wide Webs schickte. Dies bot der Teenagerin eine Plattform, um nicht nur die Gräueltaten der ansässigen Taliban ohne Umschweife nachzuzeichnen, sondern gleichzeitig die Möglichkeit, ein verändertes Bewusstsein für die Verbesserung der Frauenrechte in der gesamten Bevölkerung der arabischen Nationen zu schaffen. Mit der zunehmenden öffentlichen Resonanz stieg jedoch auch die Gefahr, in die sich Malala bei ihrem Vorhaben begab. Während viele Menschen, die den Blog des Mädchens regelmäßig mitverfolgten, die ausgerufenen Ziele unterstützten, beobachteten die Mitglieder der Taliban das rebellische Treiben der Jugendlichen mit purer Abscheu. Für die Terroristen stand fest: Malala muss sterben.

An jenem schicksalhaften Tag, dem 9. Oktober 2012, befand sich Malala gerade mit ein paar Freundinnen in einem Bus. Eine vermummte Gestalt blockierte die Straße, verschaffte sich Zutritt in das Vehikel und schoss der damals 15-Jährigen in den Kopf. Das schwerstverletzte Mädchen wurde sofort auf die Intensivstation eines nahegelegenen Krankenhauses gebracht und rang fortan mit dem Tod. Wie durch ein Wunder überlebte Malala das Attentat und erholte sich anschließend in einer Spezialklinik in Birmingham. Die Britische Insel sollte nun auch das neue Zuhause der Aktivistin werden. Noch immer lebt die heute 22-jährige Malala mit ihrer Familie in Großbritannien. Dort studiert sie derzeit an der renommierten Oxford-Universität die Fächer Wirtschaft, Politik und Philosophie. Der Schrecken, den der Anschlag in der Seele des jungen Mädchens verursacht hat, muss zweifelsohne groß gewesen sein. Nichtsdestotrotz ließ sich Malala von dem heimtückischen Mordversuch nicht entmutigen. Noch immer engagiert sie sich für die Menschenrechte in ihrer Heimat und tritt überdies als UN-Botschafterin in Erscheinung. Die Bestrebungen der Aktivistin wurden im Jahre 2014 mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Unser Tipp:

Malala Yousafzai


2. Greta Thunberg

Greta Thunberg

Wenn es ein Paradebeispiel für eine engagierte, junge Klimaaktivistin gibt, dann ist dies ohne jeden Zweifel Greta Thunberg. Die mediale Aufmerksamkeit, die der 17-jährigen Schwedin aktuell zuteil wird, gleich fast schon den nicht enden wollenden Berichterstattungen über die größten Stars aus der Musik- und Filmwelt.

Die jugendliche Greta, die am Asperger-Syndrom leidet, trat im Sommer des Jahres 2018 eine Klimastreikbewegung unbekannten Ausmaßes los, als sie alleine vor dem Schwedischen Reichstag in ihrer Heimatstadt Stockholm dazu aufrief, der Schule fernzubleiben, um auf diese Weise ein Zeichen im Kampf gegen den Klimawandel zu setzen. Die Welle an weltweiter Zustimmung, die Greta mit ihrer ungewöhnlichen Aktion auslöste, dürfte sich die Tochter einer Opernsängerin und eines Schauspielers wohl in ihren kühnsten Träumen nicht ausgemalt haben. Immer mehr Nachahmer beteiligten sich an den Bestrebungen ihres schwedischen Vorbilds. In den verschiedensten Nationen auf unserem Globus wurden große Teile der jugendlichen Bevölkerung aktiviert. Die Aktionen mündeten schließlich in der weltbekannten „Fridays for Future“-Bewegung.

Abseits dieser kollektiven Streiks tritt Greta aber auch immer wieder als Einzelkämpferin in Erscheinung. Unvergessen ist noch immer ihre emotionale Rede während des UN-Klimagipfels im Spätsommer des vergangenen Jahres. Während sie durch ihre Worte versucht, das Bewusstsein für den Klimaschutz in uns allen zu wecken, zeigt die junge Schwedin bereits selbst, wie dies am besten geht. Greta ernährt sich vegan, lehnt Reisen mit dem Flugzeug kategorisch ab. Stattdessen zieht sie für lange Distanzen das E-Auto oder die Fahrt mit der Bahn vor. Das, was Greta so einzigartig macht, ist ihre rhetorische Klarheit, die schonungslos auf bestehende Probleme aufmerksam macht. Dabei wendet sie sich nicht selten direkt an die mächtigen Staatsleute und scheut vor keinem Konflikt zurück. Es gibt viele, besonders konservativ eingestellte Personen, die das Treiben der Umweltaktivistin mit Argwohn verfolgen. Ihr Ziel, die Welt zu verändern, hat Greta trotz aller Widerstände allerdings bereits erreicht.


3. Yeonmi Park

Yeonmi Park

Die abgeschottete Welt Nordkoreas, welche die Bewohner des diktatorisch geführten Landes ihr Zuhause nennen, wirkt von unserem westlichen Standpunkt aus wie eine skurrile Dystopie. Das, was wir aus der Ferne mit Skepsis und zuweilen Angst betrachten, war 13 Jahre lang die Lebenswirklichkeit von Yeonmi Park. Unter der Furche eines brutalen Systems, das jeden Widerstand gegen die Staatsführung gnadenlos verfolgt, entschied sich Yeonmi im Jahr 2007, zusammen mit ihrer Mutter aus Nordkorea zu flüchten. Zuvor war der Vater des jungen Mädchens vom Regime wegen Schmuggels inhaftiert worden. Schon bald rückten auch die Tochter und die Ehefrau des Unruhestifters in den Fokus der Behörden. Um einer möglichen Verfolgung zu entgehen, setzten sich die beiden nach China ab.

Später verarbeitete Yeonmi ihre Erlebnisse in dem Buch „Mut zur Freiheit – Meine Flucht aus Nordkorea“, welches im Jahre 2015 auf den Markt kam. Obwohl sie aus ihrer nordkoreanischen Heimat entkommen konnte, sollte es noch einige Jahre dauern, bis Yeonmi endlich auch dem Schrecken ihres Lebens entkam. In China angelangt, gerieten Yeonmi und ihre Mutter schon bald in die Fänge von Menschenhändlern, die ihre wehrlosen Opfer immer wieder sexuell missbrauchten. Nach zwei Jahren des Martyriums konnte sich das Mutter-Tochter-Duo schlussendlich in die Vereinigten Staaten flüchten.

2015 trat Yeonmi mit ihrer Geschichte zum ersten Mal an die Öffentlichkeit. Die Besucher des „One Young World Summit“ in Dublin zeigten sich angesichts der Ausführungen der Teenagerin tief betroffen. Yeonmi berichtete den Zuhörenden von einer Nation, die ihre Einwohner scheinbar willkürlich hinrichtet. So sollen beispielsweise Menschen umgebracht worden sein, weil sie Telefonanrufe über die Grenzen Nordkoreas hinaus getätigt hatten. Als Yeonmi gerade einmal neun Jahre alt war, musste sie mit eigenen Augen ansehen, wie eine gute Freundin der Familie exekutiert wurde. Die Getötete hatte sich zuvor einen amerikanischen Spielfilm angesehen.

Wie so oft, stießen auch die öffentlichen Auftritte von Yeonmi Park nicht nur auf Begeisterung. Kritiker monieren, dass sich die Berichte der Teenagerin immer wieder voneinander unterscheiden würden. Dass Yeonmi zum Zeitpunkt ihrer Flucht aber noch ein kleines Kind war, das zudem unter panischer Angst gelitten hatte, wird als Erklärung für die Abweichungen im Detail jedoch oftmals außer Acht gelassen. In ihren Reden und auf ihren Social-Media-Kanälen leistet Yeonmi wichtige Aufklärungsarbeit über ein von außen uneinsehbares Staatsregime. Gleichzeitig appelliert sie an den Gemeinschaftsgeist des gesamten koreanischen Volkes und macht sich für die Wiedervereinigung einer lange geteilten Nation im Licht des Friedens stark.

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Yeonmi Park
Meine Flucht aus Nordkorea
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4. Nadia Murad

Nadia Murad

Die Lebensgeschichte von Nadia Murad gleicht lange Zeit einem Horrorszenario. Als sich der Islamische Staat im Jahr 2014 immer weiter ausbreitet, fallen die extremistischen Kämpfer schließlich auch in die nordirakische Heimat der damals 21-Jährigen ein. Die Stadt Kodscho wird anschließend der Schauplatz eines grausamen Massakers. Während die Terroristen alle Frauen und Kinder des Ortes in der städtischen Schule zusammenpferchen, werden die männlichen Bewohner kaltblütig hingerichtet. Noch immer unter den schrecklichen Eindrücken des Blutbades stehend, wird Nadia von einigen IS-Kämpfern nach Mossul verschleppt. Dort wird die junge Frau auf einem Sklavenmarkt wie Vieh verkauft. Fortan ist sie das Eigentum eines bestialischen Ehemanns, der Nadia immer wieder missbraucht, schlägt und foltert. Nach drei endlosen Monaten gelingt Nadia letztlich die Flucht.

Zunächst entkommt sie in ein nahegelegenes Flüchtlingslager, später wird ihr ein Platz im Programm des Bundeslandes Baden-Württembergs zugesprochen, das Geflüchtete psychotherapeutisch unterstützt. In Deutschland angekommen, gelingt es Nadia, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten und ein neues Leben zu beginnen. Ein essentieller Kernpunkt dieses neuen Lebensabschnitts ist die Aufklärungsarbeit, welche die junge Frau bis zum heutigen Tage leistet. Sie setzt sich vor allem dafür ein, den Fokus auf die weit verbreitete sexuelle Gewalt gegen Frauen zu lenken. Dabei verweist Nadia immer wieder auf jene Mädchen, die nicht so viel Glück hatten wie sie selbst und sich noch immer in den Händen der IS-Kämpfer befinden. Die öffentlichen Reden der Irakerin sind dabei emotional und fesselnd und rangen schon so manchem Zuhörer eine Träne ab.

Von Mitleidsbekundungen möchte Nadia indes nichts wissen. Sie fordert ihre Mitmenschen, und dabei insbesondere die mächtigen Staatenführer, zum Handeln auf. Nadia selbst steht dabei stellvertretend für Millionen von Frauen, die nach wie vor unterdrückt werden. 2016 wurde die Menschenrechtsaktivistin zur „Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel“ ernannt. Zwei Jahre später wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Unser Tipp:

Ich bin eure Stimme
Ich bin eure Stimme – Das Mädchen, das dem Islamischen Staat entkam und gegen Gewalt und Versklavung kämpft“ auf Spotify anhören


5. Emma González

Emma González

Als der 19 Jahre alte Nikolas Cruz am 14. Februar 2018 an seiner Schule in Parkland, Kalifornien Amok läuft, befindet sich auch die 18-jährige Emma González im Gebäude. Der Täter erschoss in seinem Blutwahn insgesamt 17 Menschen, 15 weitere Personen wurden verletzt. Nach der Gräueltat von Parkland kam in den Vereinigten Staaten die Diskussion um verschärfte Waffengesetze erneut ins Rollen.

Eine der Ersten, die sich öffentlich für eine strengere Handhabung der geltenden Schusswaffenreglementierung einsetzte, war Emma. Die Schülerin hatte hautnah miterleben müssen, welches Leid Waffen über wehrlose, unschuldige Opfer bringen können. Die junge Frau richtete ihren Appell dabei direkt an den mächtigsten Mann der Nation, den Präsidenten Donald Trump. Sie warf dem Staatsoberhaupt vor, von Lobbyisten bestochen zu werden. Für das Geld, das Emma auf die Summe von 30 Millionen Dollar bezifferte, solle sich Trump im Gegenzug verpflichten, die geltenden Waffengesetze unangetastet zu lassen.

Um eine breite Masse zu aktivieren, gründete Emma mit einigen Freunden die Gruppierung „Never Again MSD“. Auch wenn die Organisation, welche die Waffenlobby der USA aufs schärfste kritisiert, mittlerweile riesige Mitgliedszahlen zu verzeichnen hat, gilt Emma González noch immer als das Aushängeschild der Protestbewegung.

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I Don’t Want My Friends to Die Anymore

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Wie du siehst, können Einzelne mit ihren Aktionen viel mehr bewegen, als wir im ersten Augenblick annehmen würden. Nicht selten sind die Taten Weniger jener Funke, der am Ende ein leuchtendes Lauffeuer entzünden wird.

 

Fotos: Halfpoint / stock.adobe.com; Malala: Russell Watkins/Department for International Development. – https://www.flickr.com/photos/dfid/14714344864/, CC BY 2.0, Link; Greta: Anders HellbergEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link; Yeonmi: Tore SætreEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link; Nadia: U.S. Department of State from United States – https://www.flickr.com/photos/statephotos/42733243785/, Gemeinfrei, Link; Emma: The Office of Congressman Ted Deutch – https://www.facebook.com/CongressmanTedDeutch/photos/pcb.1842517902449711/1842517839116384/?type=3&theater, Gemeinfrei, Link