Equal Pay Day am 10. März: Das solltest du über den Gender Pay Gap wissen

Es gibt für nahezu jeden Anlass einen bestimmten Tag. Neben dem Tag der Jogginghose, dem Tag der Sonnencreme oder auch dem Tag des Zebrastreifens gibt es noch weitere zahlreiche verrückte Feiertage, die keine tiefere Bedeutung zu haben scheinen, als den Menschen ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern.

Anders sieht es beim Equal Pay Day am 10. März 2021 aus. Im Gegensatz zu vielen anderen Tagen hat dieser nämlich durchaus seine Berechtigung – leider! Würde es die enormen Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen nämlich nicht mehr geben, dann könnte auch der Equal Pay Day bald endlich der Vergangenheit angehören.

Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist ein zentrales Thema, das nicht nur Feministinnen seit Jahrzehnten immer mehr beschäftigt. Auch in Politik und Gesellschaft wird es zu einem immer wichtigeren Anliegen. Auch wenn Frauen – in Deutschland zumindest – die gleichen Verpflichtungen, aber auch Rechte haben wie Männer, trifft das auf die Bezahlung jedoch nicht zu. Dass die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau nach wie vor noch in den Kinderschuhen steckt, zeigt der sogenannte Gender Pay Gap. Das ist die Gehaltslücke, die zwischen Mann und Frau herrscht und die du in nahezu jeder Branche beobachten kannst. Rund 20 Prozent weniger Gehalt erhalten Frauen als Männer.

Eine höhere Bezahlung von Männern ist nur dann angemessen, wenn es triftige Gründe dafür gibt

Wenn du denkst, dieser enorme Unterschied sei auf die unterschiedliche Qualifikation von Mann und Frau zurückzuführen oder auch darauf, dass Männer tendenziell eher andere und damit besser bezahlte Berufe ergreifen als Frauen, hast du damit nur teilweise recht. Diese Sichtweise nennt sich in der Wissenschaft „ungereinigter Pay Gap“. Das bedeutet tatsächlich die reine Betrachtung der Gehaltsunterschiede völlig unabhängig davon, welche Qualifikationen Mann und Frau haben oder wer eher welche Berufe ergreift.

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In dem ungereinigten Gender Pay Gap sind Gründe einbegriffen, die eine unterschiedliche Bezahlung oftmals rechtfertigen. So arbeiten Frauen tendenziell häufiger in Berufen, die als schlecht bezahlt gelten – beispielsweise als Friseurin, in der Altenpflege oder als Erzieherin. Männer sind hingegen häufiger in Führungspositionen vertreten.

Im Gegensatz zu Männern haben Frauen häufig mehr Erwerbsunterbrechungen, besonders dann, wenn es um das Thema Familienplanung geht. Schwangerschaften, der Mutterschutz, Elternzeit oder einfach auch eine langjährige Auszeit zugunsten der Familie – Frauen stecken beruflich eher zurück als Männer, um sich um ihre Familie zu kümmern. Auch wenn das natürlich finanzielle Einbußen mit sich bringt.

Außerdem arbeiten Männer eher Vollzeit, während Frauen oft Teilzeit- oder Minijobs annehmen, um Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Auch wenn sich diese Art der Familienstrukturierung an alte Rollenmuster anlehnt, ist eine höhere Bezahlung der Männer in diesen Fällen zumindest gerechtfertigt. Immerhin sind diese in den genannten Beispielen besser gebildet, haben besser bezahlte Jobs oder arbeiten schlicht und ergreifend mehr.

Gender Pay Gap: Männer und sogar Frauen selbst halten häufig an starren Rollenbildern fest

Doch auch wenn exakt die gleichen Voraussetzungen bezüglich des Alters, der Qualifikation und der Ausbildung bei Mann und Frau betrachtet werden, wie es bei dem bereinigten Gender Pay Gap der Fall ist, verdienen Männer tendenziell sechs Prozent mehr, als Frauen es tun. Und das bei exakt der gleichen Arbeitszeit! Der bereinigte Gender Pay Gap beträgt damit rund ein Viertel des unbereinigten Gender Pay Gap. Eine ganze Menge Geld also, auf das du sicher ungern verzichten würdest.

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Wissenschaftler sehen hierfür zwei Gründe. Zum einen zeigen sich viele Frauen weniger selbstbewusst in Gehaltsverhandlungen als Männer. Auch wenn es in Vorstellungsgesprächen um Gehaltsvorstellungen geht, sind Frauen häufig eher zurückhaltend. In vielen Köpfen ist nun einmal noch immer fest verankert, dass der Mann mehr verdienen muss als die Frau. Dadurch machen sich Frauen häufig kleiner, als sie es eigentlich müssten.

Doch auch Personaler weisen genau diese Sichtweise in zahlreichen Fällen auf. Sie bieten Frauen damit eine geringere Bezahlung an, als sie es bei Männern tun würden, die noch immer als Hauptverdiener zählen. Auch wenn diese Sichtweise mehr als veraltet sein dürfte. Immerhin zeigt die Bundeskanzlerin höchstpersönlich, dass es auch anders geht. Der Gender Pay Gap klingt damit also nicht nur ungerecht, sondern ist es auch. Doch was kannst du als Frau gegen diese unfaire Behandlung tun?

Unterschiedliche Bezahlung bei gleicher Leistung und Voraussetzungen ist eigentlich gesetzwidrig

Dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zufolge ist eine unterschiedliche Bezahlung nur aufgrund des Geschlechts gesetzwidrig. Wer vermutet, dass diese Tatsache den eigenen Vorgesetzten herzlich wenig interessiert, der hat zumindest eine Möglichkeit, diesen Missstand aufzudecken. Seit dem 6. Januar 2018 haben Angestellte eines Unternehmens Anspruch darauf, die Gehälter vergleichbarer Kollegengruppen zu erfragen. Sollten sich hierbei Gehaltsunterschiede aufzeigen, die nur einem Geschlecht zuzuführen sind, ist das ein Grund, um vor Gericht zu gehen. Es sei denn, dein Vorgesetzter gibt im Falle einer solchen Aufdeckung nach und ist bereit dazu, das Gehalt entsprechend anzupassen und zu erhöhen.

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Mehr Selbstbewusstsein vor allem in Gehaltsverhandlungen schadet nicht

Auf ein höheres Gehalt solltest du – wie alle anderen Frauen auch – dabei bei Vorstellungsgesprächen setzen – falsche Zurückhaltung oder das künstliche Kleinmachen ist hierbei unangebracht. Denn auch wenn es noch ein langer Weg zur Gleichbehandlung in finanzieller Hinsicht ist, den vor allem auch die Politik vorantreiben muss, ist es Aufgabe jedes einzelnen, dagegen vorzugehen, sich gegen eine ungerechte Behandlung zu wehren und darauf aufmerksam zu machen.

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet immerhin nicht umsonst der Equal Pay Day, der sich schon zu einem wichtigen Ereignis der deutschen Geschichte etabliert hat. Bis es endgültig so weit sein wird und sich Frauen in allen Branchen über eine angemessene und faire Bezahlung freuen dürfen, wird es jedoch noch eine Weile dauern.

Zwar hat sich Deutschland dazu verpflichtet, die Bezahlung von Mann und Frau einander anzugleichen, lässt sich dafür jedoch noch eine Menge Zeit. Im Jahr 2030 spätestens soll es jedoch endlich so weit sein. Bis dahin gilt es, für seine Rechte zu kämpfen und sich dafür einzusetzen.

 

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