Emotionale Reife: Was zeichnet emotional stabile Menschen aus?

Im Lauf unseres Lebens werden wir älter und gewinnen an Lebenserfahrung. Oft setzen wir die Lebenserfahrung mit emotionaler Reife gleich. Doch emotionale Reife hat nichts mit dem Alter oder der Menge an Lebenserfahrung zu tun, sondern damit, wie wir mit der Zeit gelernt haben, mit unseren Gefühlen und Gedanken umzugehen.

Je älter wir werden, umso häufiger merken wir, dass gewisse Verhaltensweisen oder gar Muster zwar tief in uns drinsitzen, uns aber irgendwie nicht mehr dienlich sind, uns sogar behindern.

Um reife Verhaltensweisen herauszufiltern und zu entwickeln, müssen wir nicht sofort Neues hinzulernen, sondern können damit beginnen, alte Muster zu bearbeiten und wegzulassen und so unseren Umgang mit Gefühlen zu lernen.

Schau dir die folgenden Verhaltensweisen an und überlege, welche von ihnen dir bekannt vorkommen.

Unreife Verhaltensweisen

Aus emotional herausfordernden Situationen fliehen

Manchmal ist es sinnvoll, für einen Moment die Flucht zu ergreifen. Abstand zu der Situation zu gewinnen hilft, das größere Ganze zu sehen und die Situation besser bewerten zu können. Du erhältst einen frischen Blick darauf und kannst mit klarerem Geist wieder hinein gehen.

Wenn du aber wegläufst, weil du Angst hast oder dich überfordert fühlst und es dir so leichter machen willst, wenn du die Gedanken verdrängst und dich auf etwas anderes konzentrierst, wird dich diese Situation immer wieder einholen, und du lernst nicht dazu.

Verhalten anderer persönlich nehmen

Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Muster, seine eigenen Unsicherheiten. Das Verhalten anderer Menschen hat nur etwas mit ihnen selbst zu tun, nicht mit dir. Das, was andere in deiner Gegenwart tun, sagt alles über sie selbst aus, und nichts über dich.

Die Schuld bei anderen suchen

Es ist ganz natürlich, wenn du für ein Problem erst einmal die Ursache suchen willst. Es ist leichter, Fehlverhalten bei anderen zu suchen als bei sich selbst. Oft sind mehrere an einer Problemsituation beteiligt. Es macht Sinn, in sich selbst hineinzuschauen und zu überlegen, wo man selbst einen Fehler gemacht hat, diesen anzuerkennen und zuzugeben und daraus zu lernen. Das öffnet auch anderen gegenüber die Möglichkeit, in sich selbst hineinzuschauen, weil sie sich nicht in eine Verteidigungshaltung bringen müssen. So können sie freier über sich selbst nachdenken und den Mut finden, ihre Fehler zu sehen und zuzugeben.

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Unbedacht und schnell reagieren, statt rational zu handeln

Situationen, die dich aus der Bahn werfen oder verunsichern, führen häufig dazu, dass du als eine Art Schutzreaktion erst einmal schnell das nächstbeste tust, was dir in den Sinn kommt. Die Kunst ist jedoch, das Unbehagen und die Unwissenheit, was zu tun ist, auszuhalten, mit etwas Abstand einen klaren Geist zu bekommen und dann aktiv den nächsten Schritt zu tun.

Harsche Selbstkritik

Sich selbst kritisch hinterfragen ist sinnvoll und hilft, dich selbst besser kennenzulernen. Du findest Fehler oder ungünstiges Verhalten und kannst daraus lernen. Wenn du aber in der Kritik stecken bleibst und dich immer wieder selbst fertig machst für deine Fehler oder Unzulänglichkeiten, hast du keine Chance, daraus zu lernen und dich zu verändern. So bleibst du immer in der negativen Gedankenspirale hängen, und entwickelst dich nicht weiter.

Entwickle Mitgefühl mit dir und eine ganzheitliche Sicht auf dich selbst, sodass du nicht immer nur deine Fehler siehst. Werde dein eigener bester Freund und hab den Mut, du selbst zu sein. Mit all deinen Fehlern, die dazu da sind, aus ihnen zu lernen und dich weiterzuentwickeln.

In Selbstzweifeln versinken

Als emotional instabiler Mensch wirst du immer wieder von Zweifeln geplagt, die irgendwann dein Selbstbild bestimmen. Du hast wenig Vertrauen in deine eigenen Fähigkeiten und stellst dich selbst grundlegend in Frage. Das hindert dich daran, an dich und deine Ziele zu glauben und im Leben voranzukommen.

In der Vergangenheit leben

Vergangenes immer wieder aufzurollen und zu durchdenken, hält dich in der Vergangenheit fest. Wenn du dir immer wieder vor Augen führst, was alles schiefgelaufen ist oder was du oder andere falsch gemacht haben, vergeudest du all die Energie, die du darauf verwenden könntest, daraus zu lernen und im Hier und Jetzt so zu leben, dass du später deine Vergangenheit nicht mehr bereuen musst.

Veränderungen nicht zulassen wollen

Wir haben es uns in unserem Alltagsleben gemütlich gemacht. Wir wissen, was zu tun ist, wir haben uns mit unserem Leben arrangiert. Neues auszuprobieren kommt uns nicht in den Sinn, denn es bedeutet Kraftaufwand und Unsicherheit in Kauf nehmen. Es bedeutet jedoch auch, Chancen auf Weiterentwicklung nicht wahrzunehmen.

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Zeichen für emotionale Reife und Stabilität

Nichts persönlich nehmen

Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte. Als emotional stabiler Mensch weißt du das und nimmst Verhaltensweisen von anderen, die eventuell unangenehm sind, nicht persönlich. Du weißt, dass das mehr über die anderen aussagt als über dich selbst.

Veränderung als Chance zur Weiterentwicklung sehen

Veränderungen zulassen bedeutet Unsicherheit, aber auch die Chance, Neues zu lernen und im Leben weiterzukommen.

Fehler akzeptieren und daraus lernen

In der Schule wurden wir für einen Fehler schlechter bewertet, und so haben wir gelernt, dass wir Fehler möglichst vermeiden sollten. Dabei ist es wichtig, Fehler zu machen. Denn nur so kannst du wirklich lernen. Nur so kann dir der richtige Weg gezeigt werden. Fehler machen hilft dir dabei, eine Situation anzuschauen und bewusst wahrzunehmen, was richtig ist und was nicht. Dann kannst du Entscheidungen treffen, die dich weiterführen.

Verwundbarkeit zulassen

Rechthaben-Wollen, Stolz und Trotz schützen vor Verletzbarkeit, aber sie verhindern auch, dass sich echte Verbindung zu anderen aufbaut. Sich emotional zu öffnen kostet anfangs ein wenig Mut, aber mit der Zeit lernst du, dass es Wege ebnet, anderen Menschen echt und nah zu begegnen.

Mitgefühl haben, ohne von fremden Gefühlen überwältigt zu sein

Emotional reife Menschen können mit anderen mitfühlen, ohne sich von diesen Gefühlen einnehmen zu lassen. Sie können diese kontrollieren und einordnen und gemeinsam mit dem anderen verarbeiten.

Agieren statt Reagieren

Du musst nicht auf jedes deiner Gefühle impulsiv reagieren. Nimm deine Gefühle wahr und mache dir bewusst, dass jedes Gefühl kommt und geht, ohne dass du etwas tun musst. Du kannst trotz des Gefühls entscheiden, ob du handeln möchtest oder nicht.

Loslassen können

Emotionale Wunden, die in der Vergangenheit geschehen sind, brauchen Zeit, um zu heilen. Sie brauchen bewusstes Hinschauen und Verarbeiten. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt ist es sinnvoll, nach vorne schauen und die Wunden heilen lassen, ohne dass sie dein aktuelles Leben weiterhin kontrollieren. Du akzeptierst deine emotionale Vergangenheit als das, was sie ist, nimmst sie an als Teil von dir und lässt den Schmerz, den du bereits verarbeitet hast, los.

Nicht jammern

Emotional reife Menschen halten sich nicht mit Jammern auf. Was sie ändern wollen, ändern sie. Was sie nicht ändern können, akzeptieren sie und nehmen sie als gegeben an.

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Klarheit

Emotional reife Menschen haben gelernt, sich Klarheit über eigene Gedanken und Gefühle zu verschaffen. Sie sind ehrlich sich selbst gegenüber und schauen genau hin, untersuchen ihre eigenen Gedanken und Gefühle und halten es aus, wenn Schmerz auftaucht. Sie nehmen ihn wahr und wagen es, ihn wirklich zu fühlen. Dabei wissen sie, dass jedes Gefühl wie eine Welle kommt und wieder geht. Sowohl schöne als auch schmerzvolle Gefühle gehören zum Leben dazu. Jedes von ihnen hat einen bestimmten Grund und weist uns auf etwas hin, was wir uns anschauen können, um daraus zu lernen und uns weiterzuentwickeln.

Dankbarkeit

Emotional reife Menschen kultivieren Dankbarkeit und Wertschätzung allem gegenüber. Denn jede Situation im Leben hat genau den Wert, den wir ihr geben. Unsere Gedanken und Gefühle entscheiden, ob eine Situation für uns gut oder schlecht ist. Egal, ob sie schmerzhaft ist oder nicht, du kannst entscheiden, ob du unter ihr leidest oder ob du sie als eine Erfahrung annimmst, aus der du lernen und dich weiterentwickeln kannst. Und du weißt, dass das Gefühl der Dankbarkeit für diese Situation dich gleich besser fühlen lässt.

Emotionale Intelligenz

Emotionale Menschen besitzen einen hohen Grad an emotionaler Intelligenz. Emotionale Intelligenz bedeutet, die eigenen Gefühle und Gedanken zu beobachten und verstehen und darauf angemessen reagieren zu können. Sie bedeutet, Intuition vom momentanen Bauchgefühl zu unterscheiden, die Gefühle richtig einordnen zu können.

Emotionale Intelligenz ist erlernbar. Du kannst lernen, mit deinen Gefühlen und Gedanken angemessen umzugehen. Es erleichtert das Leben, du kommst weiter, die Kommunikation mit anderen wird leichter, du fühlst dich besser. Du fühlst dich deinen Gefühlen und dem Leben gegenüber nicht mehr ausgeliefert.

 

Als emotional reifer Mensch weißt du: Wie du emotional auf etwas oder jemanden reagierst, liegt nicht an der Situation oder deinem Gegenüber, sondern an dir selbst. Du hast dein Leben in der Hand, und du hast in der Hand, was du daraus machst.

Du bist mutig genug, deine Komfortzone zu verlassen und Herausforderungen anzunehmen, anstatt vor ihnen zu flüchten. Und du übernimmst die Verantwortung für dein Leben, anstatt die Schuld für Schwierigkeiten im Außen zu suchen. Du nimmst dein Leben in die Hand und gehst bewusst die Schritte, die dich weiterführen. So kreierst du das Momentum, das dein Leben vorantreibt, und du übernimmst die Verantwortung für dein Glück.

 

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