Elena García Gerlach: „Ich liebe die Abwechslung, neue Menschen und Orte kennenzulernen.“

Elena García Gerlach: „Ich liebe die Abwechslung, neue Menschen und Orte kennenzulernen.“

#Interview

Elena García Gerlach: „Ich liebe die Abwechslung, neue Menschen und Orte kennenzulernen.“

Nach ihrem Serien-Austritt bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ im Frühjahr dieses Jahres ging es für die Halb-Spanierin erstmal auf große Reise. In der beliebten Daily Soap durchlebte ihre gleichnamige Rolle viele Höhen und Tiefen. Privat sieht es bei Elena García Gerlach zum Glück um Einiges ausgeglichener aus. Die gebürtige Frankfurterin lebt seit langem schon in Berlin – und das mit einer ziemlich entspannten Einstellung zum Leben.
 

Ajouré: Nach deinem Ausstieg bei GZSZ bist du erst mal gereist. Wohin ging es genau?

Nach meinem letzten Drehtag habe ich mir eine Auszeit auf Bali gegönnt. Ich bin dort vier Wochen alleine gereist, war am Meer, im Landesinneren und auf drei Inseln unterwegs. Ich habe jeden Tag Yoga-Klassen besucht, es gibt auf Bali wunderbare Yoga-Studios. Ich habe sehr liebe Menschen kennengelernt und viel erlebt, war meistens auf meinem Scooter unterwegs, habe Boots-Touren, Mountainbike-Touren durch Reisfelder und den Dschungel gemacht, war surfen, schnorcheln … Ich brauche schon viel Bewegung um mich gut zu fühlen, habe aber auch die ruhigen Momente mit mir alleine, bei gutem Essen und einem guten Buch genießen können.

Nach den letzten drei Jahren, die durch die Dreharbeiten sehr strukturiert waren, habe ich mich danach gesehnt, mal wieder spontan sein zu können, meinen Impulsen zu folgen. Außer meiner ersten Destination hatte ich nichts geplant und konnte mich so wunderbar treiben lassen. Wenn ich mich an einem Ort wohlfühlte, bin ich länger geblieben als gedacht, wenn es mich weitertrieb, habe ich meinen Rucksack gepackt und bin aufs nächste Boot oder in den nächsten Bus. Alles kann, nichts muss. Diese Freiheit war großartig und beängstigend zugleich. Im Endeffekt war aber genau das eine gute Vorbereitung für mein Leben jetzt, ohne den durch die Serie strukturierten Alltag.

Ajouré: Was waren eigentlich die Gründe für deinen Ausstieg?

Ich habe mich nach zwei Jahren immer mehr danach gesehnt, wieder freier zu sein, andere Projekte wahrnehmen zu können, andere Rollen zu spielen, neue Geschichten zu erzählen. Ich liebe die Abwechslung, neue Menschen und Orte kennenzulernen. Deswegen habe ich die Produktion gebeten, mich zum Frühjahr gehen zu lassen. Ich freue mich darauf, mich in neuen Projekten einer Rolle nochmal ganz anders annähern zu können, ohne den Produktionsdruck einer täglichen Serie. Darauf, als Schauspielerin wieder mehr Risiko eingehen zu können, mehr Zeit zum Ausprobieren zu haben.


Ajouré: Nach deinem Serien-Ende hast du dir erst einmal ein Herzensprojekt erfüllt und in Polen einen Kurzfilm gedreht. Um was geht es darin und wann und wo wird man den Film sehen können?

Als ich Anfang Mai aus Bali zurückkam, ging es für mich direkt nach Polen. Dort habe ich zusammen mit einem Freund aus New York einen Kurzfilm namens „POEM 1“ gedreht, dessen Konzept ich während meiner Zeit auf Bali mit ihm zusammen entwickelt habe. Wir hatten die Genehmigung am „The Krzysztof Penderecki European Music Centre“ in der Nähe von Warschau drehen zu dürfen. Das war eine großartige Möglichkeit. Wir waren mit kleinem Film-Team allein auf dem riesigen Anwesen mit mehreren Konzertsälen und konnten uns da filmisch ausleben. Das war ein großes Geschenk, die Räume dort haben eine tolle Atmosphäre. In dem Film geht es um eine junge Frau, die in einem Recovery Center versucht, ihre verlorengegangene Inspiration im Leben wiederzufinden. Für diese Geschichte haben wir im Center, aber auch in den Bergen Richtung Slowakei, sehr schöne Bilder gefunden. Ich war nach Bali zwar die kompletten Drehtage in einem Kälteschock, als wir in den Bergen gedreht haben, lag dort sogar noch Schnee, hatte aber wahnsinnig viel Spaß bei dem Dreh und es als großen Luxus empfunden, mich bei diesem Projekt kreativ einbringen zu können. Der Film wird jetzt erstmal auf Festivals laufen.
 

Elena Garcia Gerlach
 

Ajouré: Wo fühlst du dich zuhause?

Das ist eine schwierige Frage, über die ich auch immer wieder nachdenke. Ich mag ja die Abwechslung, habe selten länger als drei Jahre in einer Wohnung gelebt, ich reise gerne, führe eine Fernbeziehung, meine Familie und Freunde sind in ganz Deutschland verteilt … Natürlich ist mein Lebensmittelpunkt seit zehn Jahren in Berlin und ich liebe meine Wohnung. Aber ich brauche auch immer mal wieder eine Auszeit von Berlin. Ich folge immer meinem Herzen und mein Herz schlägt nun einmal an verschiedenen Orten.

Ajouré: Du bist sportlich viel aktiv – wie hältst du dich am liebsten fit?

Ich sehe mich nicht wirklich als sportlichen Menschen. Es ist nicht so, dass ich morgens den Drang verspüre, erstmal eine Stunde durch den Park zu joggen, bevor ich in den Tag starte. Ich muss mich zu den meisten Sportarten überwinden. Aber ich liebe es, in der Natur zu sein, lange Spaziergänge zu machen, wandern zu gehen. Seit ich als kleines Mädchen Flamenco getanzt habe, liebe ich tanzen, habe bis auf klassisches Ballett schon fast alle Tanzrichtungen mal ausprobiert. Das hält auf jeden Fall fit. Flamenco tanze ich immer noch, vor kurzem hat mich eine Freundin zum African Dance mitgenommen. Das war ein tolles Training und macht wahnsinnig Spaß. Yoga liebe ich für das gute Körpergefühl und die spirituelle Inspiration, ich fahre auch gerne auf Yoga-Retreats, um da ein paar Tage komplett einzutauchen. Danach fühle ich mich wie neugeboren.

Ajouré: Du bist ja selber auch in den sozialen Medien unterwegs. Wie gehst du damit um? Wo sind deine Grenzen?

Vor der Serie wäre ich vermutlich gar nicht auf die Idee gekommen, mich bei Instagram anzumelden, weil ich eigentlich ein sehr privater Mensch bin. Aber durch die öffentliche Aufmerksamkeit hatte ich Lust, den Menschen, die mich als Schauspielerin mögen, auch etwas von mir als Privatperson zu zeigen, von meinen Reisen, Konzerten, Alltagsschnappschüssen, Fotoshootings … Ich freue mich, wenn Menschen Freude an meinen Bildern haben und mir schreiben, dass ich sie inspiriere. Gleichzeitig finde ich es sehr befremdlich, eine Vorbildfunktion für junge Mädchen einzunehmen. Das möchte ich mir nicht anmaßen. Ich genieße mein Leben, möchte authentisch sein und nicht anfangen, Bilder zu inszenieren, um ein gewisses Image oder ein Produkt zu verkaufen. Und natürlich gibt es sehr private Momente, die ich für mich behalten möchte, um auch die Menschen um mich herum vom öffentlichen Interesse fernzuhalten.
 

Elena García Gerlach
 

Ajouré: Nachhaltigkeit ist ein Thema, mit dem du dich intensiv befasst. Wie genau lebst du das?

Ich achte hauptsächlich darauf, nicht so viel Müll zu produzieren und interessiere mich für nachhaltig produzierte Möbel und Fashion. Außerdem liebe ich Naturkosmetik. Ich finde aber zum Beispiel auch, dass man nicht immer alles neu kaufen muss. Meine Wohnungseinrichtung besteht hauptsächlich aus Vintage-Möbeln, die ich über Kleinanzeigen oder in eben Vintage-Läden kaufe. Denn ich liebe es, Möbel und Einrichtungsgegenstände mit Geschichte und Seele zu besitzen.

Ich hatte auch schon sehr schöne Begegnungen, als ich Möbel über Kleinanzeigen abgeholt habe. Zum Beispiel wurde ich mal von einer libanesischen Großfamilie zum Essen eingeladen, als ich einen alten Kirschholztisch abholen wollte. Am liebsten mixe ich dänisches mit modernem Design. Auch Kleidung kaufe ich viel in Second-Hand-Läden oder tausche sie mit Freundinnen. Was zu lang ungenutzt bei mir im Schrank hängt, verkaufe ich dann auch manchmal auf dem Flohmarkt. Inzwischen fühle ich mich wohler, wenn ich gar nicht so viel besitze. Das erleichtert mich. Denn ich besitze lieber wenige, aber für mich wertvolle Dinge. Wenn ich Kleidung neu kaufe, dann achte ich immer mehr auf fair produzierte und ökologisch nachhaltige Mode. Zu dem Thema habe ich zum Beispiel auf dem Fair Fashion Blog „Fairknallt“ von Marie Nasemann viel erfahren.

Ajouré: Apropos leben: Dein Motto ist „Keep it simple!“ – was kann man sich darunter genau vorstellen?

Es ist nicht unbedingt mein Lebensmotto, aber etwas, das ich mir im Alltag oft sage, um mich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und auch mit wenigen Dingen glücklich zu sein. Seitdem mein Auto den Geist aufgegeben hat, fahre ich wieder mit dem Rad durch Berlin und finde das gar nicht so schlecht. Statt im Hotel zu schlafen, habe ich gerade zwei Wochen mit Freunden auf dem Anwesen eines Freundes in der Provence gezeltet, weil es keinen Platz mehr im Haus gab. Anfangs war ich skeptisch, im Endeffekt habe ich mich selten so wohl und frei gefühlt wie in diesem Urlaub.

Ich neige zum Perfektionismus, will oft zehn Dinge gleichzeitig schaffen und versuche daher, vieles einfach etwas entspannter zu sehen. Denn eigentlich brauche ich nicht viel, um glücklich zu sein und eine gute Zeit zu haben. Trotzdem vergesse ich das immer wieder, messe mich an anderen und denke, ich bräuchte jetzt unbedingt dies oder das oder müsste ganz schnell Dinge erreichen, für die vielleicht noch gar nicht die Zeit ist. Dann besinne ich mich wieder darauf, wie glücklich ich mich schätzen kann und freue mich über das, was da ist, anstatt mich auf das zu konzentrieren, was (noch) nicht da ist. Auch mit mir bemühe ich mich entspannter zu sein, trage selten Make-up und freue mich zum Beispiel, wenn ich im Urlaub zugenommen habe, weil es der Beweis ist, dass ich die Zeit und das Essen dort genossen habe.

Ajouré: Welche Projekte hast du jetzt und für die Zukunft geplant? In welche Richtung soll deine Reise weitergehen?

Wenn ich diesen Winter nicht drehe, möchte ich ein paar Wochen in Barcelona leben, der Heimatstadt meines Vaters. Ich möchte mich nochmal mehr ausführlicher mit der spanischen Sprache beschäftigen und einen Examens-Sprachkurs belegen. Die Möglichkeit, auch in Spanien drehen zu können, wäre natürlich wunderbar. Ich liebe das Land und fühle mich auch dort zuhause.

 

Fotos: Isabel Hayn


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