Mit ihrem kurzen Bob und dem charismatischen Lächeln war Wanda Badwal eine der herausragenden Mädchen bei Heidi Klum: Schon damals eine absolute Powerfrau, avancierte sie schnell zum Publikumsliebling der dritten Staffel  Germany’s next Topmodel und wurde deutschlandweit bekannt. Bereits während der Sendung machte sie sich als Model einen Namen, konnte verschiedenste Kunden für sich gewinnen und ergatterte zum Schluss Platz 4. Es folgten diverse Modelaufträge, unter anderem für große Kampagnen von Nokia oder Betty Barclay.

Auch für Fernsehen und Theater übernahm Wanda, ausgebildete Musical-Darstellerin, einige Rollen, so zum Beispiel in den Serien Danny Lowinski oder Ein Fall für Zwei und auf der Bühne von Drei Nüsse für Aschenbrödel und Gloria. Heute lebt das Multitalent in Berlin, arbeitet neben der Model- und Schauspielkarriere erfolgreich als Fotografin und Model-Coach. Wie sie alles unter einem Hut bekommt, was sie antreibt und wo sie sich in Zukunft sieht, verrät sie Ajouré in einem exklusiven Interview.

 

Bei Germany’s next Topmodel vor 5 Jahren hast du es von über 18.000 Bewerberinnen auf Platz 4 geschafft und bist in ganz Deutschland bekannt geworden. Es gab ja einige Fälle, bei denen sich ehemalige Kandidatinnen aus ihrem Vertag geklagt haben, anderen hat die Sendung zu erfolgreichen Modelkarrieren verholfen. Wie verlief deine Karriere nach dem Ende der Sendung? Würdest du sagen, das war das perfekte Sprungbrett?

Ich glaube, ich muss dazu sagen, dass ich unter anderen Voraussetzungen an diesem Format teilgenommen habe. Ich habe schon mit 14 angefangen zu modeln, habe also an diesem Zeitpunkt bereits acht Jahre lang gemodelt, da hat man einen anderen Blick auf‘s Business. Außerdem hatte ich auch eine Musical-Ausbildung gemacht, war damals im dritten Jahr und hatte schon eine gewisse Vorerfahrung mit der Bühne und der Kamera. Viele Mädchen, die da mitmachen, sind erst 16 und haben noch nie etwas gemacht, ich hatte da vielleicht einen größeren Realitätsblick. Dadurch hatte ich das alles von vornherein als Chance gesehen und auch wahrgenommen. Als ich mich beworben habe, habe ich mir schon gesagt: „Das könnte ein Sprungbrett in die Medienbranche sein“, als Model und als Schauspielerin. Man ist drei Monate den ganzen Tag von Kameras umgeben, hat Interviews und Verträge vor sich liegen. Besonders der Umgang mit Filmkameras hat mich persönlich sehr gut auf meine Arbeit als Schauspielerin vor der Kamera unterstützt. Ich glaube, es kommt auch immer darauf an, was man selbst aus dieser Chance macht. Ich war zu dem Zeitpunkt auch schon relativ reif mit 22 und mit meinem Hintergrund und meinen Fähigkeiten hatte ich auch andere Voraussetzungen, da konnte ich viel draus machen.

 

Verfolgst du die aktuelle Staffel? Was sagst du zu den strengeren Regeln, beispielsweise die neu eingeführte Mindestgröße oder die Altersschranke?

Ich schaue ab und zu mal rein, wenn ich Zeit habe. Es gehört für mich nicht zum festen Wochenprogramm, aber ich muss sagen, ich bin sehr positiv überrascht von dem neuen Ansatz, den sie jetzt verfolgen …dieses Closer than Ever… dass Heidi jetzt sehr nah an den Mädchen dran ist und mehr involviert ist. Ich finde, das macht sie toll und sie kommt dabei auch viel entspannter rüber. Das tut dem Format mit Sicherheit sehr gut. Was die Altersgrenze betrifft, denke ich, dass fürs Modeln, wenn man international erfolgreich werden will, es sinnvoll ist jung zu starten, mit 16 ist es schon optimal.

 

Casting-Sendungen wie GNTM oder Das perfekte Model sind in der Modebranche nicht unbedingt das beliebteste Format. Sie verzerren angeblich die Realität des Modelbusiness‘ und bereiten die jungen Mädchen nicht optimal vor. Stimmt das?

Im Umgang mit den Medien könnte man die Kandidatinnen noch mehr schulen. Es gibt spezielle Medien- und Interviewtrainer, die einen auf besondere Situationen im TV vorbereiten. Die Kandidatinnen werden zu Talkshows eingeladen und extrem mit den Medien konfrontiert. Auch in den vergangenen Staffeln gab es Gewinnerinnen, die waren erst 16 und sitzen dann bei Wetten Dass? auf der Couch und können zu gewissen Themen gar nichts sagen. Ich finde, da kann man die Models besser vorbereiten. Es ist ja schon ein Unterschied, ob du ein normales Model bist oder aus diesem Format kommst, das sind ja eher Medienmodels.

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Wanda Badwal
 

Du bietest ja selbst Model-Coachings an, wo du deine Erfahrungen als erfolgreiches Model weitergibst. Du hilfst jungen Mädchen beim Einstieg und bereitest sie auf das harte Business vor. Wie kam es dazu und wo sind die Vorteile eines solchen Coachings gegenüber dem Einstieg über Formate wie GNTM?

Da ich auch als Schauspielerin arbeite, ist mir über die letzten Jahre aufgefallen, dass bei Castings immer wieder Models neben Schauspielern sitzen, wo ich mir immer gedacht habe: „Wie sollen die das können? Wie sollen die auf nem Werbespot-Casting überzeugen, wenn sie noch nie Schauspielunterricht hatten?“ Oft sind das noch sehr junge und sehr unsichere Mädchen und die haben anders als Schauspieler keine Coaches. Modeln bedeutet viel mehr als nur groß, schlank und hübsch sein. Um langfristig erfolgreich zu sein, braucht man das richtige Selbstbewusstsein, schauspielerische Fähigkeiten, ein gewisses Körpergefühl, man muss fit und gesund sein. Da gehört auch Spontaneität dazu und Selbstständigkeit, man ist schließlich oft allein unterwegs. Das sind alles Attribute, die man lernen und trainieren kann. Und so etwas übe ich mit den Mädchen, wir spielen z.B. Casting-Situationen durch oder üben an den schauspielerischen Fähigkeiten. Oft wissen die Mädchen auch nicht, wo ihre Stärken liegen, dabei finde ich es ganz wichtig, dass man weiß, wie man sich präsentiert, zu wissen, wo die eigenen individuellen Besonderheiten als Model liegen. Wenn die äußerlichen Voraussetzungen schon stimmen, kann ich im Coaching viel an den inneren Qualitäten und Fähigkeiten mit einem Model arbeiten. Hingegen kann man bei Showformaten natürlich schwieriger auf die einzelnen Bedürfnisse eines jeden Model eingehen. Beim Einzelcoaching kann ich viel individueller mit den Stärken und Schwächen  eines Models arbeiten.

 

Ist Modeln ein Traumberuf? Neben den vielen Reisen und Erlebnissen hört man immer wieder schreckliche Sachen über das Business, vom überzogenen Schönheitsideal, über Konkurrenzdruck bis hin zur Unberechenbarkeit der Branche. Was kannst du über die Sonnen- und Schattenseiten des Modelns erzählen?

Ich kann es total verstehen, dass Modeln für viele Mädchen ein Traumberuf ist. Im Rampenlicht und auf der Bühne zu stehen, Anerkennung zu bekommen. Außerdem kann man als Model viel Geld verdienen, ist unabhängig und kann die Welt bereisen. Mir macht das Modeln auch nach wie vor großen Spaß. Aber natürlich kostet das alles auch einen Preis, weil man einem großen Schlankheits- und Jugendwahn unterliegt. Es ist unumgänglich, dass man direkt abgemessen wird und in eine bestimmte Konfektionsgröße passen muss. Ich habe eine sehr kritische Meinung dazu. Ich finde, die Modebranche trägt eine große Verantwortung, eine meinungsbildende Verantwortung gegenüber den Menschen, die sich an diesen Schönheitsidealen auf den Laufstegen orientieren. Es ist schon sehr besorgniserregend, in welche Richtung das geht. Ich hatte eigentlich gehofft, dass dieser Magerwahn so langsam vorbeigeht, aber das scheint leider nicht so. Wenn man sich z.B. die Fashion Weeks anschaut, da sind viel zu viele magere Mädchen dabei, die nicht nur dünn sondern richtig mager sind. Und der Bezug zur Realität fehlt da komplett. In Deutschland ist die meistverkaufte Größe immerhin 40, da kann man auch gesünder aussehende Mädchen nehmen und das sieht realistischer und trotzdem noch gut aus. Die Modeindustrie hat eine große Verantwortung und auch Agenturen sollten mit jungen Mädchen darüber sprechen, aber Themen wie Magersucht und Bulimie werden immer noch gerne totgeschwiegen. Ich rede auch als Coach mit meinen Mädchen darüber und gebe ihnen Tipps für einen gesunden Umgang.

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Neben dem Modeln und dem Model-Coaching hast du dir ein Standbein als Fotografin aufgebaut. Woher kommt das Interesse und wie lange machst du das jetzt schon?

Ich hab ehrlich gesagt schon angefangen zu fotografieren, als ich selbst mit dem Modeln begonnen habe, also mit 14. Das mit dem Modeln ist mir eher „passiert“. Ich fand mich damals gar nicht hübsch, war sehr früh sehr groß und hatte ein geringes Selbstbewusstsein. Als dann jemand das mit dem Modeln vorgeschlagen hat und ich es versucht habe, tat es gut durch den Job als Model Bestätigung zu bekommen, und das wollte ich meinen Freundinnen auch geben. Ich wollte ihnen zeigen, wie hübsch sie eigentlich sind. Die haben auch immer gesagt: „Ich sehe doch gar nicht gut aus“ aber ich wollte ihnen das Gegenteil beweisen. Wir hatten damals noch mit Analogkameras und ohne technisches Know-How Shootings gemacht. Aber als dann Digitalkameras und Photoshop kamen, hab ich mich ein bisschen davon verabschiedet, da ich nicht der größte Technik-Freund bin. Durch die Beziehung zu meinem Freund, dem Fotografen Felix Rachor, habe ich mich dem aber wieder angenähert. Er hat mich an die Hand genommen und mir die Technik beigebracht, mich z.B. an Photoshop herangeführt und mir sehr unter die Arme gegriffen. Alleine hätte ich zu viel Respekt davor gehabt. Vor etwa einem Jahr habe ich mir dann einen richtigen Plan gemacht, ich habe mir ein Portfolio zusammengestellt und mir überlegt, in welche Richtung das alles gehen soll. Und seitdem bin ich professionell dabei.
 

Pure Mandy
Model Mandy Bork
Foto: Wanda Badwal
 

In welche Richtung geht deine Fotografie? Wen oder was hast du am liebsten vor der Linse?

Also ich fotografiere am liebsten Menschen. Ich versuche in den Bereich Peoplefotografie zu gehen, aber auch im Commercial- und Fashionbereich arbeite ich. Ich hatte auch schon ein paar Veröffentlichungen und Fotostrecken in Magazinen. Manchmal mache ich auch Promiportraits, shoote Models und Schauspieler. Im Moment versuche ich den Lifestyle-Bereich weiter auszubauen. Es macht wirklich unglaublich viel Spaß, Menschen zu fotografieren. Auch Kinder hatte ich schon vor der Kamera gehabt.
 

Wie ist es, zur Abwechslung mal hinter der Kamera zu stehen? Hier musst du ja beispielsweise nicht darauf achten, immer perfekt auszusehen. Ist es entspannter auf der anderen Seite der Kamera? Fühlst du dich hier wohler?

Ich muss sagen, ich finde das ganz herrlich hinter der Kamera. Ich bin ja auch mehr so der sportliche Typ, trage gerne Boyfriendjeans mit Turnschuhen. Und es ist ganz toll, dass ich das hinter der Kamera auch darf und auch nicht ständig auf mein Aussehen oder meine Ernährung achten muss. Das genieße ich total und fühle mich super wohl.

 

Für viele Fotografen ist das Fotografieren eine Möglichkeit, Ideen und Gedanken auszudrücken und sich kreativ auszuleben. Sicherlich bist du auch einer dieser Kreativköpfe mit hunderten von neuen Ideen am Tag. Was bedeutet dir die Fotografie und was bietet sie dir, was dir das Modeln nicht bietet?

Ich kann hier sehr aktiv sein. Als Model ist man eher in einer passiven Position, man führt Dinge aus, die einem gesagt werden, aber letztendlich sind das nicht deine Ideen. Als Fotograf entwickelt man seine eigene Idee, sein eigenes Konzept, kann in einem Team zusammenarbeiten und das ist einfach genial und macht sehr viel Spaß. Und da ich auch weiß, wie es ist vor der Kamera zu stehen, habe ich auch einen sehr sensiblen Umgang mit den Models, ich weiß wie die sich fühlen… bei mir friert kein Model. Und Hunger hat auch keins, ich achte drauf, dass es ihnen gut geht. Als Fotograf wird man auch in verschiedensten Feldern gefordert, Kreativität und Konzeption oder gestalterische Mittel wie Licht und Farbe, der Umgang mit Menschen und die technische Nachbearbeitung… das ist alles viel umfangreicher als der Modeljob. Da geht man zum Job und nach einem Tag ist der vorbei, als Fotograf sitzt man manchmal Monate an einem Projekt. Das ist zeitaufwendiger, aber auch viel belebender. Auf Dauer wäre mir das Modeln vielleicht zu langweilig, die Fotografie fordert da schon mehr den Geist.

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Fotografin Wanda Badwal
Fotografie: Wanda Badwal
 

Wie sieht die Zukunft deiner Fotografie aus? Gibt es etwas, das du unbedingt erreichen willst und worauf du hinarbeitest?

Ich fände es toll, wenn ich in Zukunft gut davon leben könnte. Das wäre ein großes Ziel. Gerne würde ich mit Magazinen arbeiten. Im Lifestyle- und Commercialbereich möchte ich noch gerne was machen, aber auch mit Kindern, das macht mir sehr viel Spaß. Beispielsweise das Kindermagazin Luna ist ganz toll. Da gibt es sehr hochwertige und sehr schöne Projekte. Wenn ich mit denen zusammenarbeiten könnte,  wäre das schon sehr cool.

 

Wir konnten dich auch schon mehrfach im Fernsehen und auf Musical-Bühnen bewundern. Du hast ja auch schon vor GNTM professionell als Musical-Darstellerin gearbeitet. Was bedeutet dir die Schauspielerei? Gehst du diesem Beruf heute noch nach?

Ich habe nach Topmodel auch einige Sachen gedreht wie u.a. z.B. Same Same but different, Danni Lowinski, Ein Fall für Zwei und das macht mir nach wie vor sehr viel Spaß. Wenn mal in der Richtung ein Angebot kommen sollte und ich Lust drauf habe, dann mach ich das auch gerne. Es ist aber auch wie das Modeln oder die Fotografie ein sehr unbeständiger Job. Wirtschaftliche Umstände machen die Joblage leider ziemlich unsicher und man kann nicht immer auf Arbeiten oder Projekte bauen. Von daher ist es für mich sehr sinnvoll, auf mehreren Standbeinen zu stehen und mich vielseitig kreativ ausleben zu können.

 
Ice Ice Baby
Fotografie: Wanda Badwal
 

Model, Model-Coach, Schauspielerin, Fotografin – Wofür schlägt dein Herz? Was macht dich am glücklichsten?

Im Moment ist es die Fotografie, darauf liegt gerade mein Hauptfokus. Aber auch das Model-Coaching liegt mir sehr am Herzen, vor allem weil ich mir selbst am Anfang immer jemanden gewünscht habe, der mich an die Hand genommen und mich auf das Business vorbereitet hätte. Mir machen alle Berufe Spaß, aber in Zukunft will ich in Richtung Fotografie gehen. Als Model kann man ja auch nicht ewig arbeiten, da bin ich  realistisch. Ich will auch diesen Jugendwahn nicht mitmachen oder mir ordentlich Botox in die Haut reinjagen. Andere Dinge rücken für mich in den Vordergrund und diese Entwicklung finde ich auch schön und sehr passend, dass ich jetzt hinter die Kamera treten kann.

 

Dein Terminkalender scheint buchstäblich aus allen Nähten zu platzen. Bleibt da denn überhaupt Zeit für Privates wie Familie, Freunde oder einfach mal Zeit für dich allein? Was machst du, wenn du nicht am Arbeiten bist?

Dadurch, dass das Business recht unbeständig ist, bleibt eigentlich genug Zeit für Privates. Ich muss aber sagen, dass ich schon ziemlich viel arbeite, wobei sich das für mich nicht wie Arbeit anfühlt. Ich möchte nicht das Gefühl haben „Wann ist denn endlich wieder Wochenende?“. Das ist auch mein Lebenskonzept, dass ich jeden Tag gerne meinen Job mache. Natürlich gibt es Dinge, die man weniger gerne macht und auch sehr anstrengend sind, aber grundsätzlich macht mir mein Job sehr viel Spaß und ich empfinde es auch nicht als Arbeit. Was ich sonst mache, wenn ich nicht arbeite… Ich gehe sehr gerne zum Yoga und zum Sport, super gerne auch ins Kino oder treffe mich mit Freunden zum Kaffee, eben ganz normale Dinge.

 

Sebastian Deyle
Schauspieler Sebastian Deyle
Foto: Wanda Badwal

 

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Foto top: Felix Rachor