Reizvolles Kopfkino: Die 10 besten Erotikbuch-Klassiker

Es darf beim Lesen gerne prickeln – aber ein bisschen anspruchsvoller als „50 Shades of Grey“ wäre auch ganz schön? Kein Problem: Wir präsentieren dir die 20 besten Erotikbuch-Klassiker für alle, die es bei der schönsten Nebensache der Welt niveauvoll mögen.
 

1) Hakuri Murakami: Naokos Lächeln

Naokos LächelnWorum geht’s?
In Rückblicken lernen wir das komplizierte Liebesleben des heute fast 40-Jährigen Tōru Watanabe kennen. In den 1960er Jahren kann er sich nicht zwischen Naoko und Midori entscheiden. Er beginnt eine Dreiecksbeziehung mit den sehr unterschiedlichen Mädchen, hat aber auch Sex mit anderen – nur um schließlich zu erkennen, wen er wirklich liebt.

Ist das sexy?
Selbstbefriedigung und Sex sind zwar ein wichtiges Thema, es geht in „Naokos Lächeln“ aber vor allem ums Erwachsenwerden und um Verlust. Hakuri Murakami verarbeitet diese Themen in einer bittersüßen Liebesgeschichte, garniert mit jeder Menge Sex.

Warum soll ich das lesen?
Weil es von Hakuri Murakami ist. Den mehrfach ausgezeichneten japanischen Autor sollte man allein darum schon lesen, damit man mitreden kann. Und außerdem schreibt er fabelhaft.

 

2) Benoite Groult: Salz auf unserer Haut

Salz auf unserer HautWorum geht‘s?
Gebildete liebt Fischer: George und Gauvain sind ein ungewöhnliches Paar. Zu mehr als Leidenschaft reicht es bei George allerdings nicht, denn sie will Gauvain nicht heiraten – die gesellschaftlichen Unterschiede sind zu groß. Doch im Laufe ihrer beider Leben treffen sich die zwei immer wieder und pflegen ihre Liebe heimlich.

Ist das sexy?
Sehr. „Salz auf unserer Haut“ wurde zeitweise als „Frauen-Porno“ verschrien. Das lag vor allem daran, dass Benoite Groult es gewagt hatte, ihre Protagonistin als starke Frau darzustellen, die ihre Sexualität frei auslebt. Aus heutiger Sicht wirken die Schilderungen vergleichsweise züchtig. Aber sinnlich ist der Roman auf jeden Fall.

Warum soll ich das lesen?
Der Roman brachte 1988 feministische Züge in deutsche Schlafzimmer. Eine solch freizügige, weibliche Hauptfigur war man nicht gewohnt. Die Liebesgeschichte ist zeitlos, die Erotik einfühlsam.

Salz auf unserer Haut: Roman
  • Benoîte Groult (Autor)

 

3) Jonathan Franzen: Freiheit

FreiheitWorum geht’s?
Walter und Patty sind ein amerikanisches Durchschnittspaar in den 1980er Jahren. Patty entdeckt ihre persönliche sexuelle Freiheit beim Fremdgehen. Versuchungen sehen sich auch Walter und der gemeinsame Sohn Joey gegenüber. Verschiedene, komplexe Beziehungen scheinen das Familienleben zu zerstören.

Ist das sexy?
Es gibt jede Menge Sex, und der ist gut ge- und beschrieben. „Freiheit“ ist durchaus anregend. Für die Protagonisten geht es dabei auch um die Erfüllung heimlicher Wünsche – damit dürften sich viele Leserinnen identifizieren können.

Warum soll ich das lesen?
Weil es natürlich nicht nur um Sex geht, sondern um eine Abrechnung mit der amerikanischen Gesellschaft, um Moralvorstellungen und natürlich um die Familie. Der Roman ist eine Art soziologischer Betrachtung, dabei unterhaltsam zu lesen.

Freiheit: Roman
  • Franzen, Jonathan (Autor)

 

4) Anaïs Nin: Das Delta der Venus

Das Delta der VenusWorum geht‘s?
In 15 erotischen Kurzgeschichten geht es mal nicht um romantische Lovestorys, sondern ausnahmslos um Lust und Leidenschaft. „Das Delta der Venus“ beschreibt die sexuellen Erlebnisse von Frauen aus der Sicht von Frauen. Sechs Jahre nach seinem Erscheinen 1977 galt der Band in Deutschland als jugendgefährdend und wurde beschlagnahmt.

Ist das sexy?
Anaïs Nin hat diese Geschichten mit einem sehr direkten, aber dennoch sinnlichem Stil geschrieben. Der Akt an sich wird häufig sehr genau beschrieben, „Schwanz“ und „Fotze“ sind keine seltenen Wörter.

Warum soll ich das lesen?
Gerade weil „Das Delta der Venus“ so direkt ist – in den 1970er Jahren, noch dazu von einer Frau, war das ziemlich skandalös. Außerdem sind die Geschichten auch sehr poetisch und sprachlich ausgefeilt.

 

5) Henry Miller: Wendekreis des Krebses

Wendekreis des KrebsesWorum geht’s?
In Tagebuchform und deutlich autobiografisch gefärbt erzählt „Wendekreis des Krebses“ die Geschichte eines Mannes, der zügellos in den Tag hinein lebt. Es geht um Lebensfreude, um das Abstreifen eines gesellschaftlichen Korsetts in jeglicher Hinsicht, auch sexuell gesehen.

Ist das sexy?
Weniger sexy als vulgär. Der Sex in „Wendekreis des Krebses“ ist roh und animalisch. Der Protagonist hat Sex (nicht nur) mit Prostituierten, beiläufigen und schmuddeligen Sex, den Henry Miller ziemlich präzise beschreibt.

Warum soll ich das lesen?
Zugegeben: Heute sind die expliziten Passagen des Romans gar nicht mehr so aufregend. Aber in den 1930er Jahren war das Buch ein Manifest gegen die Prüderie seiner Zeit – und so sollte es auch gelesen werden. Auch in Deutschland stand der Roman auf dem Index.

Wendekreis des Krebses: Roman
  • Miller, Henry (Autor)

 

6) Erica Jong: Angst vorm Fliegen

Angst vorm FliegenWorum geht‘s?
Die Amerikanerin Isadora reist trotz Flugangst mit ihrem Mann zu einem Kongress nach Wien. Dort lernt sie Adrian kennen, verliebt sich und verliert ihre andere Angst vorm „Fliegen“, nämlich die, sich beim Höhepunkt wirklich hinzugeben. Im wahren Leben enttäuscht Adrian jedoch.

Ist das sexy?
Isadora ist eine sehr freizügige Frau, die es im Laufe des Romans ziemlich häufig treibt. Allerdings ist das meist sehr mechanischer, kopflastiger Sex – was sich erst ändert, als Isadora ihre Angst verliert, sich fallen zu lassen.

Warum soll ich das lesen?
Weil „Angst vorm Fliegen“ eine präzise Analyse eines schizophrenen weiblichen Sexlebens ist. Die Protagonistin hat so lange oberflächlichen Sex, bis sie endlich erkennt, was sie wirklich will. Das kann für manche Frauen auch heute noch eine befreiende Erfahrung sein.

Angst vorm Fliegen: Roman
  • Jong, Erica (Autor)

 

7) Vladimir Nabokov: Lolita

LolitaWorum geht’s?
Eine frühreife 12-Jährige ist das Objekt der Begierde des deutlich älteren Humbert mit pädophilen Neigungen. Um sie zu erreichen, heiratet er ihre Mutter. Als die einen tödlichen Unfall hat, brennen die beiden durch. Humbert wird Lolita sexuell hörig – die allerdings spielt nur mit ihm.

Ist das sexy?
Eigentlich nicht: Ob „Lolita“ Porno oder Liebesgeschichte ist, darüber wird immer noch gerne gestritten. In jedem Fall ist der Roman weniger prickelnder Anheizer als vielmehr ein tief- und hintergründiges Beziehungsdrama.

Warum soll ich das lesen?
„Lolita“ ist ein Klassiker, der in verschiedenen Sichtweisen interpretiert werden kann. Der Roman ist nicht so sehr wegen seiner Anstößigkeit interessant, sondern wegen seiner Bedeutung für die Literatur, seinen Nachhall bis in die heutige Zeit.

 

8) Pauline Réage: Die Geschichte der O.

Die Geschichte der OWorum geht‘s?
Die im Berufsleben durchaus erfolgreiche und anerkannte O. mag es in der Liebe unterwürfig: Sie lässt sich von ihrem Geliebten René zum „Sub“ ausbilden. Sie geht sehr weit, um sich ihm und seinem väterlichen Freund Stephen vollkommen zu unterwerfen.

Ist das sexy?
Wenn man auf BDSM steht, schon: O. wird auf jegliche nur erdenkliche Art gedemütigt, allerdings vollkommen freiwillig. Wie das geschieht, wird erstaunlich nüchtern beschrieben.

Warum soll ich das lesen?
„50 Shades of Grey“ mag moderner sein, aber „Die Geschichte der O.“ war schon lange vorher da. Außerdem beschreiben BDSM-Fans die Schilderungen hier als sehr viel authentischer. Abgesehen davon ist das ein Klassiker – muss man mal gelesen haben.

 

9) Sandra Henke: Meister der Lust

Meister der LustWorum geht’s?
Kate möchte sich bis zu ihrem 30. Geburtstag noch einige sexuelle Wünsche erfüllen. Dazu gehören auch SM-Erfahrungen. Als sie den attraktiven Ronan kennenlernt, erfüllen sich viele ihrer Sehnsüchte – und sie lernt ganz neue Seiten von sich kennen.

Ist das sexy?
Auch wenn das Motiv der sexuellen Unterwerfung mittlerweile ziemlich bekannt ist: Ja. Sandra Henke schreibt sehr sinnlich. „Meister der Lust“ ist SM-Literatur für Anfänger, dafür aber schön prickelnd.

Warum soll ich das lesen?
Weil wir alle mal geheime Wünsche haben und uns vorstellen, wie wir sie ausleben. Außerdem geht es nicht nur um Sex, ein bisschen Krimi ist auch noch mit drin. Also sehr vielseitig – und gut geschrieben.

 

10) D. H. Lawrence: Lady Chatterley

Lady ChatterleyWorum geht‘s?
Der im Ersten Weltkrieg verwundete Gatte von Lady Chatterley ermuntert sie dazu, sich einen Liebhaber zu suchen. Sie entscheidet sich für einen Wildhüter, der ihrem prüden Leben etwas Einzigartiges geben kann: Eine erfüllte Sexualität.

Ist das sexy?
Eigentlich ist „Lady Chatterley“ vor allem ein Liebesroman vor der Kulisse der 1920er Jahre. Skandalös waren die heute ziemlich unspektakulären Sexszenen aber 1928, als der Roman zum ersten Mal erschien. Die unterschwellige Erotik ist aber immer noch sehr lesenswert.

Warum soll ich das lesen?
In „Lady Chatterley“ geht es um ganz große Gefühle und um gesellschaftlichen Skandal. Und: Der Roman gehört einfach in jede Auflistung erotischer Literatur, selbst wenn er heute vor allem historischen Charme ausstrahlt.

Lady Chatterley: Roman
  • Lawrence, D. H. (Autor)

 

11) Giovanni Boccaccio: Das Dekameron

Giovanni Boccaccio: Das DekameronWorum geht‘s?
Während einer Pestepidemie im Jahr 1348 ziehen sich sieben junge Frauen und drei Männer in ein Landhaus nahe Florenz zurück. Während des zehntägigen Aufenthaltes erzählt man sich zum Zeitvertreib täglich 10 Geschichten teilweise erotischen Inhalts zu vorgegebenen Themen.

Ist das sexy?
Wer es schafft, seine Abwehrreflexe gegen 100 Novellen der italienischen Renaissance zu unterdrücken, wird mit reichhaltigen Ausflügen in die erotische Vorstellungswelt der Zeit belohnt, und die hat es durchaus in sich.

Warum soll ich das lesen?
Wie bei allen Klassikern der Literatur ist man nach dem Lesen in der Lage, auf Parties nicht nur beim Thema Prosecco ein kluges Gesicht, sondern auch gleich mächtig Eindruck zu machen. Die ein wenig altbackene Ausdrucksweise lehrt zudem, wie man pikante Sachverhalte dezent auf den Punkt bringen kann, ohne vulgär zu erscheinen.

Das Dekameron: Vollständige Ausgabe
  • Boccaccio, Giovanni (Autor)

 

12) Marquis de Sade: Die Geschichte der Justine

Marquis de Sade: Die Geschichte der JustineWorum geht‘s?
Nach dem Tod ihrer verarmten Eltern werden die Schwestern Justine und Juliette aus der Obhut eines Klosters heraus sich selbst überlassen. Sie sehen sich vor der Wahl, den Weg der Tugend oder den des Lasters einzuschlagen. Juliette wählt ein Leben als Prostituierte, während die naive Justine auf dem Pfad der Tugend missbraucht, misshandelt und zur Begehung schwerer Verbrechen gezwungen wird. Ihr hartes Los erzählt sie bei einer letzten Begegnung ihrer Schwester.

Ist das sexy?
Justines Abenteuer werden in zum Teil schonungsloser Grausamkeit sehr detailliert geschildert. Allzu schwache Nerven sind daher fehl am Platz. Für diesen und andere Texte wurde der Autor erst mit Festungshaft belegt, zuletzt in eine Irrenanstalt verbracht.

Warum soll ich das lesen?
Jenseits der zeitgenössischen Perversionsvorwürfe kann man das Buch auch von einem philosophischen und gesellschaftskritischen Standpunkt her lesen. In SM-Kreisen genießt es zudem Kultstatus, die Komponente der Einvernehmlichkeit sucht man allerdings vergebens. Doch auch darin mag für das Kopfkino ein gewisser Reiz liegen.

 

13) John Cleland: Die Memoiren der Fanny Hill

John Cleland: Die Memoiren der Fanny HillWorum geht‘s?
Im England des 18. Jahrhunderts lernt die Waise Fanny Hill für kurze Zeit die wahre Liebe kennen, um dann doch in die Abgründe der Prostitution gedrängt zu werden, der sie sich durchaus mit Hingabe und Sachkenntnis widmet. Nachdem sie ihren Geliebten dann doch als Ehegattin in die Arme schließen darf und durch die Gunst eines ehemaligen Kunden zu Vermögen gekommen ist, schildert sie in zwei langen Briefen einer Freundin ihr Schicksal.

Ist das sexy?
Den Leser erwartet keineswegs die schnöde Prüderie einer vergangenen englischen Epoche, sondern eine Geschichte aus deftigen erotischen Appetithappen, unterhaltsam und anregend zugleich.

Warum soll ich das lesen?
Zunächst ist es einmal mehr der Skandal, der das Interesse weckt: der Autor schrieb das Buch, um sich aus dem Schuldnergefängnis loskaufen zu können, wurde aber für den Inhalt erneut vor den Kadi gezerrt. In vielen Ländern war das Buch lange Zeit verboten, allein in Deutschland bis 1969. Doch davon abgesehen: es ist einfach interessant und kurzweilig.

 

14) Jacqueline Susann: Die Liebesmaschine

Jacqueline Susann: Die LiebesmaschineWorum geht‘s?
„Love machine“ ist nicht nur der Spitzname des erfolgreichen Fernsehtycoons Robin Stone, sondern auch eine Metapher für den erbarmungslosen Moloch des TV-Business, auf dessen Welle Robin rücksichtslos reitet und alle, die an seinem Erfolg teilhaben wollen, mit nach oben zieht oder fallen lässt.

Ist das sexy?
Robin unterhält drei Liebschaften gleichzeitig, was schon einiges an Energie fordert. Doch hinter der scheinbar unzerstörbaren Fassade einer reibungslos funktionierenden Welt breitet sich ein weiteres Universum aus Glamourparties, Orgien und unsauberen Geschäften aus, in der Robin sich mit der Sinnfrage konfrontiert sieht.

Warum soll ich das lesen?
Diese Frage stellte sich das amerikanische Publikum nicht. Von den Kritikern als Leichtgewicht abgetan, gingen die Verkaufszahlen dermaßen durch die Decke, dass es sich zweiunddreißig Wochen auf der Bestsellerliste der Times halten konnte, dreizehn davon auf Platz eins. Können so viele Leser irren?

Die Liebesmaschine
  • Susann, Jacqueline (Autor)

 

15) Arthur Schnitzler: Reigen

Arthur Schnitzler: ReigenWorum geht‘s?
Zehn Personen schlafen miteinander: die Dirne mit dem Soldaten, der anschließend mit dem Stubenmädchen, und am Schluss des Reigens findet der Graf zur Dirne aus der ersten Paarung. Die dazugehörenden zehn Dialoge sind für den Leser bestimmt, von der Kopulation darf nur er wissen.

Ist das sexy?
Wien zwischen den beiden letzten Jahrhunderten – eine Melange aus frivoler Erotik, achselzuckender Schicksalsergebenheit und schonungslosem Sezieren des menschlichen Sexualtriebs. Dem Leser wird der eigentliche Akt jeweils vorenthalten, was ihn aber mehr zum Voyeur und Mitwisser macht als ein direkter Blick auf das Geschehen.

Warum soll ich das lesen?
Der „Reigen“ sorgte als Bühnenstück in den 1920er Jahren für einen handfesten Theaterskandal samt Gerichtsprozess. Zur eigenen Lektüre ist er bestens geeignet und eröffnet einen vielschichtigen Blick auf menschliche Sehnsüchte, den schnöden Akt und das Verhalten verschiedener gesellschaftlicher Klassen zueinander bei der gemeinsamen Triebbefriedigung.

 

16) Giacomo Casanova: Aus meinem Leben

Giacomo Casanova: Aus meinem LebenWorum geht‘s?
Zur Ruhe gekommen fasst der italienische Abenteurer Casanova am Ende des achtzehnten Jahrhunderts seine Lebenserinnerungen aus seinen Reisen durch ganz Europa zusammen. Egal in welche Rolle er schlüpft, vom Diplomaten bis zum Betrüger, er kann gar nicht anders, als jede Frau, die ihm gefällt, zu verführen, und zwar mit Erfolg. Das Buch ist ein kompakter Querschnitt durch ursprünglich zehn mit Liebesabenteuern prall gefüllte Bände.

Ist das sexy?
Der große Reiz beruht darauf, dass die geschilderten Begebenheiten von der Forschung als unbestritten wahr anerkannt werden. Ein weiterer besteht in dem Aufwand und der Hingabe, die Casanova jedes mal aufs Neue in seine Verführungskunst gelegt hat, um letzten Endes die Nachwelt mit den Schilderungen seiner unzähligen Liebschaften zu erfreuen.

Warum soll ich das lesen?
Als Weltliteratur ein Muss. Als erotische Unterhaltung ein Will, denn man wird geradezu versessen darauf, dem Meister bei der Arbeit über die Schulter zu blicken. Und auch der Teil seines Lebens, in dem er nicht mit dem Verführen von Damen beschäftigt ist, ist ungemein spannend.

Aus meinem Leben (Reclam Taschenbuch)
  • Casanova, Giacomo Girolamo (Autor)

 

17) Mallanaga Vatsyayana: Das vollständige Kamasutra

Mallanaga Vatsyayana: Das vollständige KamasutraWorum geht‘s?
Das „Kamasutra“ ist nur Teil eines alten erotischen Lehrwerks aus Indien über den Umgang der Geschlechter miteinander. Die westliche Rezeption hat sich mit dem zweiten Buch des Werks zufriedengegeben, der sich mit den Liebestechniken befasst.

Ist das sexy?
In diesem Fall ist „sexy“ einfach unpassend, genauso wie die Vorstellung, man halte einen Leitfaden für angehende Spitzenakrobaten in der Hand. „Anregend“ dürfte den Kern wohl am ehesten treffen, und zwar für den Kopf und dann auch für den Körper.

Warum soll ich das lesen?
Das Kamasutra handelt von einer gelingenden Sexualität, insofern kann man für daraus persönlichen Gewinn ziehen. Oder man nimmt ganz entspannt die Möglichkeiten körperlicher Anstrengung zur Kenntnis.

Das vollständige Kamasutra
  • Mallanaga Vatsyayana (Autor)

 

18) Marguerite Duras: Der Liebhaber

Marguerite Duras: Der LiebhaberWorum geht‘s?
Eine Fünfzehnjährige, die in den 1930ern im damaligen Indochina aufwächst, lernt während einer Fahrt auf dem Mekong einen zwölf Jahre älteren Chinesen aus wohlhabendem Hause kennen und beginnt mit ihm eine sexuelle Beziehung, bis sie eineinhalb Jahre danach Asien in Richtung Europa verlässt.

Ist das sexy?
Die lose zusammengefügten Episoden mit Sprüngen in die Zeit des zweiten Weltkriegs ergeben keine stringente Romanhandlung und schon gar keinen Liebesroman. Es sind Aneinanderreihungen autobiographischer Erinnerungen, in denen auch das persönliche Umfeld der Autorin eine bedeutende Rolle spielt. Die sexuelle Komponente ist nur ein wenn auch nicht unwesentlicher Aspekt beim Erwachsenwerden des Mädchens.

Warum soll ich das lesen?
Hier schreibt eine sehr starke Frau über die Anfänge ihres vor allem politisch und künstlerisch äußerst bewegten Lebens. Hierbei muss sie nicht mit jeder geschriebenen Silbe auf den Literaturnobelpreis schielen.

 

19) Marquis de Sade: Die Philosophie im Boudoir

Marquis de Sade: Die Philosophie im BoudoirWorum geht‘s?
Der Vater der fünfzehnjährigen Eugénie legt die sexuelle Erziehung des Mädchens in die Hand der erfahrenen Madame de Saint-Ange und eines ihrer Bekannten. Die beiden nehmen den Auftrag sehr ernst und wollen Eugénie in kurzer Zeit an ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz teilhaben lassen. Hierzu rekrutieren sie Personen aus ihrem Umfeld, so dass ein sehr umfassender und praxisorientierter Unterricht stattfinden kann.

Ist das sexy?
Das beschriebene Repertoire an sexuellen Praktiken ist umfangreich und aufgrund starker Übertreibungen auch recht unterhaltsam. Allerdings kommt De Sade auch hier nicht umhin, anhand sexueller Brutalitäten der Gesellschaft seiner Zeit den Spiegel vorhalten zu wollen.

Warum soll ich das lesen?
Zusammen mit „Die 120 Tage von Sodom“ und „Justine“ bildet „Die Philosophie im Boudoir“ eine Art literarisches Dreigestirn des Autors, dessen vollständige Kenntnis sich durchaus lohnt, selbst wenn man sich eher für die Ausführlichkeit der Darstellungen interessiert als für Literaturgeschichte.

 

20) Arthur Schnitzler: Traumnovelle

Arthur Schnitzler: TraumnovelleWorum geht‘s?
Der Arzt Fridolin und seine Frau Albertine führen ein Eheleben, das mit Vorstellungen und Geschlechterrollen der Wiener Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts konform ist. Ein Maskenball ist für beide der Anlass, sich gegenseitig ihre sexuellen Wünsche und Phantasien offenzulegen. Was Fridolin für sich als selbstverständlich in Anspruch nimmt, verübelt er bald schon seiner Frau.

Ist das sexy?
Das eigentliche (und symbolisch sehr verschachtelte) sexuelle Abenteuer verdichtet sich, als Fridolin am Maskenfest einer geschlossenen Gesellschaft teilnimmt und anschließend tief in die erotische Welt seiner Träume und unbewussten Vorstellungen eintaucht. Die Erkenntnis, dass seine Frau wegen eines vergessenen Kostüms hiervon Kenntnis erlangt hat, führt schließlich zu einer Heilung ihrer Beziehung.

Warum soll ich das lesen?
Schnitzler war von Haus aus Psychiater. Die auf Traumdeutung beruhende Analyse menschlicher Sexualität wird hier also von einem Arzt vorgenommen und einem Schriftsteller in Personalunion zu Papier gebracht. Wer sich zum „Wie?“ auch die Frage nach dem „Warum?“ stellt, ist hier besonders gut aufgehoben.

Traumnovelle
  • Schnitzler, Arthur (Autor)

 

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Letzte Aktualisierung am 16.08.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API