In den USA hatte kürzlich ein Polygamist gegen das Anti-Polygamie-Gesetz von Utah geklagt – und überraschender Weise ein Umdenken ins Rollen gebracht. Mit mehreren Frauen verheiratet zu sein, das scheint für so einige Männer das Non-plus-Ultra darzustellen. Zwar ist das in manchen Gefilden gang und gäbe und war beispielsweise bei den Mormonen vor langer Zeit ein normaler Status, aber hierzulande ist es weiterhin sehr exotisch. Und ich frage mal umgekehrt:
Wann darf ich bitte zwei, drei, vier Männer halten, äh, haben? Hm?

Ach ja, die USA sind doch immer für einen Spaß zu haben. Wenn die wüssten, dass sie für uns Europäer nicht die Weltpolizei, sondern den dümmlichen Drittklässler darstellen, würden sie vielleicht über so manches Gesetz nachdenken. Dann dürften beispielsweise endlich verheiratete Männer an einem Sonntag in ein Flugzeug steigen und Frauen in Kalifornien dürften sich nur mit einem Bademantel bekleidet ins Auto setzen.

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Doch durch die Klage eines Mannes, der Mitglied einer kirchlichen Abspaltung ist, die Polygamie praktiziert, kommt nun das Land – oder zumindest der Staat Utah – ins Schwanken: Darf man gesetzlich vorschreiben, mit wie vielen Frauen ein Mann kleine Rollenspielchen spielen und dabei Kinder in die Welt setzen darf? Der betroffene Richter sagte nein und öffnet damit die Tore für – ja, für was eigentlich? Polygamie ist weiterhin offiziell verboten, heiratet man aber die Frauen nur kirchlich, geht das Ganze klar.

Ich bin mit der ganzen Materie der Polygamie reichlich überfordert und kann da auch glücklicherweise nicht aus dem Nähkästchen plaudern. Viele feministisch angehauchte Frauen, die genauso wenig damit zu tun haben (wollen), beklagen die automatische Unterwürfigkeit der Frau, wenn zwei (oder drei oder vier) weitere neben ihr stehen. Doch das stimmt eventuell so nicht ganz, denn die Frauen einer Mehrfach-Beziehung sind meist über Generationen hinweg so erzogen worden und gehen mittlerweile selbst vor Gericht, um ihren Platz weiterhin zu sichern. Die Frage ist natürlich, inwiefern sich diese Frauen eventuell dazu gezwungen fühlen oder ob dies komplett aus freien Stücken geschieht. Und abgesehen davon, sind Gefühle wie Eifersucht und Neid einfach menschlich und nur schwer abzulegen, wenn man verliebt ist und das Herz längst vergeben hat. Daher kann ich mir kaum vorstellen, dass innerhalb von Mehrfach-Ehen nur Bienchen-Blümchen-Harmonie herrscht und komme irgendwie nicht drumherum, an den sagenumwogenen Harem und die Geschichten, die mit dieser Lebensweise einhergehen, zu denken.

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Ich finde grundsätzlich, dass jeder seine eigene Liebe so praktizieren sollte, wie er es möchte. Wenn sich mehrere zusammenfinden und sich nicht entscheiden können, warum dann nicht mal die Polygamie ausprobieren? Solange niemand zu etwas gezwungen wird, wer darf sich dann bitte herausnehmen, darüber zu urteilen?

Versteht mich nicht falsch, für mich ist das nichts. Aber für mich ist es auch nichts, eine Beziehung mit einer Frau zu führen – und ich setze mich trotzdem gegen Homophobie ein. Ich glaube, es ist schwierig, sich mit Lebensformen vorurteilsfrei auseinanderzusetzen, mit denen man keine Erfahrungen hat. Die Frage, warum ein Mann das Bedürfnis hat, mehrere Frauen um sich zu scharen, bleibt aber trotzdem mit einem blöden Beigeschmack zurück.

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In einer Welt, in der man den Eiffelturm heiraten darf oder wahlweise auch sich selbst, bleibe ich schlichtweg überfordert. Und froh darüber, dass sich meine Bedürfnisse sehr unkompliziert regeln lassen.
Trotzdem finde ich diese ganze Entwicklung spannend. Und schau da gerne von außen zu. Vor allem belustigt darüber, dass gerade in den über-prüden und gesetzesliebenden USA genau diese Fragen gestellt werden. Weil die Freiheit dort über allem steht! God bless America!

 

Foto: „H A R E M“ von BOMBMAN via flickr.com, cc by 2.0