Frugalismus

Was genau ist das eigentlich?

Hinter dem Begriff Frugalismus verbirgt sich der Wunsch nach einem verkürzten Arbeitsleben. Durch unser verbessertes Gesundheitssystem werden die Menschen immer älter. Dies hat aber auch zur Folge, dass wir länger arbeiten müssen. Durch den Trend des Frugalismus kannst du versuchen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und dein Leben nicht komplett der Arbeit zu verschreiben.

Die Begrifflichkeit des Frugalismus leitet sich von dem französischen Begriff „frugal“ ab oder auch dem lateinischen Wort „frugalis“. Dies bedeutet übersetzt im übertragenen Sinne soviel wie „fruchtig“, „üppig“ oder auch konträr „sparsam“ oder „mäßig“. Der Frugalismus steht dabei für ein Leben in Bescheidenheit. Ziel ist es, nur das Notwendigste zum Leben auszugeben und den Rest des Geldes auf die Seite zu legen. Entstanden ist dieser Trend übrigens in den USA. Hier hat sich eine regelrechte „Frugalistenszene“ entwickelt, welcher inzwischen mehrere tausend Menschen angehören.

Dem Trend liegt das Wissen zugrunde, dass im Leben nur wenige Dinge wirklich sicher sind. Geld oder Konsum verlieren an Bedeutung. Besonders Krisen bringen diese Tatsachen immer wieder zum Vorschein. Hinter dem Frugalismus steht aber auch der Freiheitsgedanke. Frugalisten möchten unabhängig von Geld und Arbeit leben. Der Fokus soll wieder vermehrt auf den Dingen des Lebens liegen, die Spaß machen und wirklich wichtig sind, wie Freunde, Hobbys und Familie.

Der Frugalismus beinhaltet auch eine Kritik an unserer heutigen Konsumgesellschaft. Gerade in der westlichen Welt stehen wirtschaftliche Interessen immer mehr im Fokus. Hier sprechen manchen Menschen schon von Kaufsucht und Konsumzwang. Alles muss immer neu sein und die besten Funktionen beinhalten. Viele Dinge werden als Statussymbole gewertet und sollen nach außen hin ein Zeichen setzen. Wir definieren uns über unsere Besitztümer.

Zusätzlich hat sich eine Wegwerfgesellschaft entwickelt. Viele Dinge sind mittlerweile viel billiger, wenn wir sie neu kaufen, so dass wir die alten Dinge schneller wegwerfen.

Daher ist ein großes Ziel des Frugalismus, schon im Alter von 40 Jahren den Renteneintritt zu erreichen. Doch wie kann das funktionieren?

Frugalismus leben

Den Frugalismus können wir in Anlehnung an den Minimalismus betrachten. Du solltest dir überlegen, was du wirklich zum Leben benötigst. Es geht also darum, deinen Lebensstil zu überdenken. Dies kann dir unter Umständen schwerfallen, wenn du dich schon an ein gewisses Niveau gewöhnt hast. Es ist für uns selbstverständlich, alle Dinge des täglichen Bedarfs jederzeit zur Verfügung zu haben. Wir haben alle das neueste Handy, ein eigenes Auto, verreisen mehrmals im Jahr und geben viel Geld für Kleidung, Kosmetik und Lifestyle aus. Viele dieser Dinge sind aber nicht wichtig, um tatsächlich zu überleben. Sie werden daher im Sinne des Frugalismus als unwichtige Kostenstelle betrachtet.

Es geht vereinfacht gesagt darum zu sparen und tatsächlich nur Geld für das Nötigste im Leben auszugeben. Manch ein Frugalist schafft es dabei, mit nur einem Drittel seines Gehaltes im Monat auszukommen.

Bei vielen Dingen im Leben kannst du auf Alternativen zurückgreifen. So musst du den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen vielleicht nicht notwendigerweise mit dem Auto oder einem öffentlichen Verkehrsmittel zurücklegen, sondern kannst auf preiswerte Alternativen wie das Rad umsteigen.

In Bezug auf deine Bekleidung muss es vielleicht nicht immer das neueste Teil aus der aktuellen Kollektion sein. Hier kannst du dich alternativ auch sehr gut mal auf Flohmärkten oder im Second-Hand-Laden umschauen und so deutlich preiswerter shoppen. Vielleicht bist du aber auch handwerklich geschickt und kreativ und kannst dir deine Kleidung selbst nähen oder deine vorhandene reparieren.

Einhergehend mit dieser neuen Lebenseinstellung werden auch weitere positive Folgen sichtbar. So kannst du deutlich nachhaltiger leben und dich von der Wegwerfgesellschaft distanzieren. Ein positiver Nebeneffekt ist zudem ein verminderter CO2-Ausstoß.

Was machst du mit dem ersparten Geld?

Hier empfehlen wir, das gesparte Geld in Aktien anzulegen. Aktien bringen Kapitalerträge, so dass sich dein Vermögen automatisch vermehrt. Mit Erreichen des 40. Lebensjahres hast du so ein attraktives Polster zur Verfügung, um die restlichen Jahre deines Lebens ohne Arbeit über die Runden zu kommen. Wichtig ist dabei allerdings, dass du weiterhin den bisher gelebten Lebensstil einhalten musst, damit das Geld ausreicht.

Die Berechnung

Um von deinem Ersparten leben zu können, solltest du mindestens das 25-fache deines Jahresbedarfs zurückgelegt haben. Dieses Geld investierst du in Aktien. Je mehr du von deinem monatlichen Einkommen sparen und investieren kannst, desto schneller hast du das 25-fache Niveau erreicht. Schaffst du es, ganze 75 % deines Gehaltes zu sparen, so benötigst du nur 7 Jahre, bis du das Level erreicht hast.

Wie wirst du zum Frugalisten?

Frugalist wird man nicht von heute auf morgen. Es bedarf einer gewissen Vorbereitung und Auseinandersetzung mit sich und seinem Leben. Du solltest dir darüber klar werden, welche Prioritäten du in deinem Leben setzen möchtest. Bist du ein Mensch, dem materielle Dinge wichtig sind, oder möchtest du den Fokus verstärkt auf die immateriellen Werte legen? Du kannst damit anfangen, dich von überflüssigen Dingen zu trennen. Hier kannst du manche Dinge vielleicht substituieren und auf eine kostengünstigere oder einfachere Alternative umsteigen. Manche Dinge sind aber vielleicht auch völlig überflüssig oder schlucken monatlich einfach nur Geld.

Aber nicht nur das Ausmisten sollte mit Sinn und Verstand erfolgen. Du musst auch zukünftig vor Neuanschaffungen genau überlegen, ob diese wirklich notwendig sind. Hier solltest du vermehrt auf die Möglichkeiten der Reparatur setzen. Nicht immer sind wir aber beim Konsum so rational. Viele Käufe sind auch einfach impulsgesteuert und befriedigen uns. Ist dies der Fall, so solltest du dein Verhalten hinterfragen und den Ursachen auf den Grund gehen. So kannst du in Zukunft bestimmt den einen oder anderen unnötigen Kauf vermeiden.

Das Sparen gilt zudem auch für den Bereich der Ernährung. So schön es auch ist, gemeinsam mit der Familie oder Freunden ins Restaurant zu gehen und sich dort bedienen zu lassen, so tief muss man hier auch im Vergleich in die Tasche greifen. Es ist deutlich ökonomischer, selbst zu kochen.

Konkrete Tipps

Zunächst einmal solltest du dir deine monatlichen Fixkosten anschauen. Hierin enthalten sind vor allem deine Miete, die Nebenkosten, Versicherungen, Handyverträge und weitere Verträge wie das Fitnessstudio. Versuche, diese Kosten so weit wie möglich zu reduzieren. Das Fitnessstudio beispielsweise kannst du kündigen und alternativ lieber Sport in der Natur machen. Auch bei der Miete kannst du schauen, ob du nicht eine günstigere Wohnung findest.

Versuche, so viele Aktivitäten nach Hause zu verlegen oder dir Alternativen zu überlegen, die kein Geld kosten. Wie wäre es mal wieder mit einem Spieleabend? Anstatt ins Kino zu gehen kannst du es dir auch vor dem Fernseher gemütlich machen.

Fange an, auszumisten. Alle Dinge, die du nicht mehr brauchst, kannst du versuchen zu Geld zu machen. Gehe zum Flohmarkt oder setze die Sachen bei gängigen Internetplattformen rein. Bei Neuanschaffungen kannst du schauen, ob es eine gebrauchte Alternative gibt.

Ein paar weitere Tipps hat auch Marie vom YouTube-Kanal Mindful Money für dich:

Nachteile des Frugalismus

Wenn du dich dem Frugalismus verschreibst, musst du aber auch wissen, dass du dich zukünftig einschränken musst. An vielen Stellen wirst du auf Konflikte stoßen und Entbehrungen machen müssen. Frugalisten schränken sich beispielsweise auch bei ihren Urlauben ein. Auf Reisen müsstest du daher weitestgehend verzichten.

Um auf das preisgünstigere Fahrrad umsteigen zu können, müsstest du idealerweise eine zentrale Wohnlage wählen. Diese wird aber wiederum höher in der Miete sein. Andererseits kannst du dich auch für eine kleinere Wohneinheit entschließen. Vor allem dann, wenn du Kinder hast oder planst, kann der Lebensentwurf in vielen Bereichen schwieriger werden.

Es ist in jedem Fall verlockend, schon mit 40 Jahren in Rente gehen zu können. Dafür musst du aber auch eine Menge Dinge entbehren. Wenn du dich in einem niedrigen Gehaltslevel bewegst, das nur knapp über dem Existenzminimum liegt, dann wirst du den Frugalismus im Übrigen nur sehr schwer ausleben können. Hier dauert es entsprechend lange, bis du das nötige Geld zusammengespart hast.

Der Wunsch nach einer frühen Rente ist zudem auch nur für die Menschen interessant, die ein erfülltes Leben haben. Wenn du nicht mehr arbeitest, dann brauchst du Alternativen. Sorge daher für ein großes soziales Umfeld und Beschäftigungen, die dich erfüllen.

Für die Anlage deines Geldes in Aktien solltest du dich zudem ein wenig auf dem Aktienmarkt auskennen, damit du keine Fehlinvestitionen tätigst und dein gespartes Geld auf einmal weg ist.


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