Der Liebesfilm des Jahres: „303“ – Mala Emde und ihre Reise durch Europa

Der Liebesfilm des Jahres: „303“ – Mala Emde und ihre Reise durch Europa

#Interview

Der Liebesfilm des Jahres: „303“ – Mala Emde und ihre Reise durch Europa

Mala Emde, zu Drehbeginn vor drei Jahren noch 19 Jahre jung, spielt ihre Rolle als Jule im Kinofilm „303“, der am 19. Juli im Kino startet, überragend. Der Zuschauer wird von ihr bereits in der ersten Sekunde abgeholt und taucht ein in eine Welt voller Ehrlichkeit, Offenheit und Aufregung. Wir wollten natürlich wissen, ob Mala auch außerhalb eines Sets so überzeugend ist und waren begeistert, als wir herausgefunden haben, dass Mala irgendwie auch ein kleines Bisschen wie Jule ist. Wir hatten fast das Gefühl, mit ihr bereits durch halb Europa in einem Wohnmobil gereist zu sein. Da saß sie also, die blonden Haare offen, mit einem Kleidungsstil wie im Film „303“ und einem Lächeln im Gesicht, das der Welt zeigt, wie viel ihr der Film bedeutet.

 

AJOURE´: Wie findest du, ist der Film geworden? Wie gut ist die Story umgesetzt?

Ich war sehr positiv überrascht, denn ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass man auf diese Reise eingeht und die Höhen und Tiefen, die Jule und Jan erleben, miterlebt. Wir haben so lange und so viel gedreht, dass Hans (Anm. d. Red.: Hans Weingartner: Regisseur, Produzent und Drehbuch) jede Geschichte hätte damit erzählen können. Ich war also selbst sehr gespannt, was passiert, denn ich habe irgendwann gar nicht mehr gewusst, ob es jetzt eine Liebesgeschichte wird, oder doch eher eine Geschichte über Freundschaft. Jetzt, nachdem alles fertig ist, finde ich, dass „303“ so ein schöner Film geworden ist und ich bin sehr froh und dankbar, dabei gewesen zu sein. Das hat Hans schon toll gemacht.

Mala Emde Interview
Mala Emde im AJOURE´ Interview

AJOURE´: Was war der ausschlaggebende Punkt für dich, die Rolle anzunehmen?

Die Dialoge und wie es geschrieben ist, denn ich habe noch nie ein Drehbuch gelesen, in dem ich so sehr „Menschen“ gehört habe, die wirklich miteinander reden. Dialoge, die keine Kunstsprache sind, was nicht nach Papier klingt. Im Gegenteil. Ich habe das Drehbuch gelesen und gedacht, dass mich da jemand hätte abhören und es danach aufschreiben können. Denn ich finde die Art und Weise, wie man hier miteinander spricht, sehr real und echt. Das hätten alles auch Texte von Mala sein können, die Jule da von sich gibt. Das war natürlich auch eine große Herausforderung und dank der großen Zusammenarbeit zwischen Hans, Anton und mir konnte all das so hervorragend umgesetzt werden.

AJOURE´: Du warst ja noch Führerscheinanfänger, als ihr gedreht habt. Du hast einen 4 Tonnen schweren und 7 Meter langen Bus gefahren. Wie war das durch halb Europa?

Ehrlich gesagt war das eine der größten Herausforderungen. Dieses Fahren hat mich fertig gemacht. Ich habe dann nachts meinen Papa angerufen und gesagt: „Okay Papa, geh nochmal alles mit mir durch. Wie mache ich das?“ Du musst dir vorstellen, dass dieses Auto 40 Jahre alt ist und somit natürlich auch seine Macken hat. Er überhitzt ständig und immer, wenn wir bergab gefahren sind, haben wir den Gang rausgenommen, damit er abkühlen kann. Wenn wir die Autobahn hochgefahren sind, sind wir teilweise mit 40 km/h hochgekrochen. Manchmal war es auch so, dass wir auf Serpentinen gedreht haben und dann mit dem Wagen da entlang mussten und Hans rief „dreht um“ – auf einer engen, kurvigen und einspurigen Straße. Der Horror (lacht)! Aber ich habe dieses Gefährt lieben gelernt, so ehrlich muss ich dann schon sein.

AJOURE´: Im Film spielst du eine 24-Jährige. Beim Dreh warst du erst 19 und heute bist du 22 Jahre alt. Welches Alter ist dir denn im echten Leben lieber? Die 19-Jährige von früher oder die 24 Jahre alte Jule?

Ich glaube, ich konnte diese Rolle so spielen, weil ich mit 19 in einem Lebensabschnitt war, wo mir die Rolle wie gerufen kam. Darum habe ich mich so in die Welt einer 24-Jährigen geworfen. Heute, mit 22, könnte ich das sicherlich wieder, aber dazwischen gab es eine Zeit, in der mir das vielleicht nicht so gut gelungen wäre. Bei den Drehs mit Hans ist es so, dass deine ganze Rolle wie eine Blase ist. Du befindest dich die ganze Zeit in dieser Blase, deiner Rolle. Da gibt es kein links und rechts. Du lebst deine Rolle. Das ist auf der einen Seite sehr schön, auf der anderen Seite muss man lernen, sich auch mal über eine längere Zeit komplett aus dem Spiel zu lassen und nur für den Film da zu sein. Und das konnte ich zum damaligen Zeitpunkt unheimlich gut, denn ich hatte tierisch Lust darauf. Ich fand es toll, für eine Rolle besetzt worden zu sein, in der ich eine fünf Jahre ältere Frau spiele. Da ist man ein bisschen selbstbewusster. Aber das ist letzten Endes auch nur subjektiv, denn mit 24 ist ja jeder anders.

303
Mala als Jule in 303

AJOURE´: Wie viel Persönlichkeit und Realität von deinem eigenen Leben steckt denn im Film?

Wir haben den Charakter Jule lange erarbeitet und dabei heraus kam eine Person, die sehr rund ist. Während des Drehs war Jule immer präsent und konnte jederzeit, Malas Platz einnehmen. Jule und Mala sind nicht identisch! Und so, wie ich mich Jan (Anm. d. Red.: Anton Spiker; Hauptdarsteller an Jules Seite) peu á peu öffne, will ich mich auch dem Zuschauer peu á peu öffnen. Da das natürlich mit Worten nicht nur geht, da mir diese durchs Drehbuch in den Mund gelegt werden, versuche ich, dies mit dem Öffnen meiner Seele zu tun.

AJOURE´: Wie war es denn, einen Film zu spielen, in dem eigentlich nur zwei Personen vorkommen? Wie schwer war es denn, diese teilweise super langen Takes auswendig zu lernen und dann dementsprechend abzuliefern?

Wir haben das sehr viel geprobt und irgendwann haben Anton und ich uns vertraut und haben es genossen, miteinander so lange zu spielen. Und das war ja auch die große Herausforderung. Also ja, sehr schwer, aber auch sehr geil. Und das Harte war, dass wir keinen Platz für Freiraum in den Texten hatten. Die ganzen Dialoge sind Wort für Wort gescriptet gewesen. Da war Hans auch rigoros, denn es lag an der Genauigkeit der Worte, dass die ganzen Dialoge nicht verschliffen werden.

AJOURE´: Auf einem Roadtrip auf und davon: Ein Wunsch von dir?

Auf jeden Fall. Ich hätte große Lust, mit den richtigen Leuten so etwas zu machen. Vielleicht würde ich eine andere Route nehmen, auch wenn sie genial war. Aber da war ich ja jetzt schon. Vielleicht würde ich Richtung Osten fahren. Aber das reizt mich schon sehr.

AJOURE´: Was ist die schönste Erinnerung während der Dreharbeiten, an die du dich erinnern kannst?

Es gab einen Tag, an dem wir eine Szene am See drehen wollten und irgendwie hat das die ganze Zeit nicht funktioniert. Entweder haben wir es nicht richtig begriffen oder es waren äußere Umstände, da es hier und da mal laut war. Irgendwann haben wir es dann doch hingekriegt, sind zum Campingplatz zurückgelaufen und alle wussten, dass es das irgendwie doch noch nicht richtig gut war. Man hat uns allen das irgendwie angesehen. Aber die Sonne war ja schon untergegangen und wir hatten kein Licht-Team dabei, wie es sonst üblich gewesen wäre. Doch das war uns egal. Wir wollten diese Szene gut spielen, also sind wir nachts um zwei Uhr auf eine Wiese gegangen und haben gedreht. Das Ganze bei Vollmond und mit einem Scheinwerfer an. So lange, bis wir selbst davon überzeugt waren, was wir abgeliefert haben. Und dieses Gefühl, dass sich niemand für irgendetwas zu schade war, war überwältigend.

AJOURE´: Im Film 303 geht es Jule in Sachen Liebe nicht besonders gut, denn ihr Freund ist nicht das Wahre. Aber was macht Liebe denn für dich privat als Mala aus?

Wenn ich eine Beziehung führe, dann ist das Wichtigste, dass ich bei mir bin, dass ich sozusagen ich bin und sein darf und dass mein Partner so ist, wie er ist, ohne sich zu verstellen. Und dann treffen wir uns dort. Ich kann meinem Partner nicht mehr geben, als ich bin. Das ist zwar ein Zufall, doch es ist sehr ähnlich wie im Film. Was für mich als Mala aber super wichtig ist, ist, dass ich Menschen jeden Tag die Chance geben möchte, mir ihr jetziges Ich zu zeigen. Natürlich habe ich ein Bild von dieser Person und sie kann darauf vertrauen, dass ich loyal mit ihr bin, aber genau deswegen darf sie sich auch jeden Tag entwickeln und weiterentwickeln.

AJOURE´: Baut man bei so einer intensiven Rolle eine Art Beziehung zu Jan bzw. Anton auf, die auch nach Ende der Dreharbeiten fortbesteht?

Ich empfinde es als großes Geschenk, Anton begegnet zu sein. Nach solchen Dreharbeiten kann man nicht einfach auseinandergehen und nichts mehr miteinander zu tun haben. Ich will das auch gar nicht, denn Anton ist toller Mensch und ich bin froh, wenn ich ihn in meinem Leben haben kann.

AJOURE´: In Zeiten von Wisch-und-weg-Beziehungen, wie wünschenswert ist da so eine Liebesgeschichte für dich?

Ich finde, dass sich das gar nicht widerspricht. Ich glaube, dass Wisch-und-weg auch irgendwie die Suche nach Resonanz ist. Ich möchte also Menschen begegnen, wo ich nicht alleine meine Wellen schlage, sondern wo sich so zwei treffen und einen Weg gemeinsam gehen. Ich finde, man kann sich immer Zeit nehmen, ohne sich selbst zu stressen, selbst wenn man den Gegenüber auf einer Onlineplattform kennengelernt hat. Und in dem Moment, in dem ich nicht forciere, dass ich mich verlieben muss, verschwindet der ganze Druck und man ist so viel freier und ehrlicher miteinander.

Mala Emde

AJOURE´: So Mala, hier kommen drei ganz kurze Fragen, die du mir spontan in aller Kürze beantworten sollst.

303 ist ein Film für…
…Liebende.

Gegensätze in einer startenden Beziehung sind…
…Chancen für neue Räume.

Ein Roadtrip mit deinem Partner ist…
…eine Reise (lacht).

 

Fotos: Florian Hammerich; AJOURE´ Redaktion; Alamode Film

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