Nina Vorbrodt

Nina Vorbrodt kennen alle eingefleischten Comedy-Fans und Sketch-Liebhaber: Als Teil des „Sechserpacks“ flimmert sie jede Woche auf Sat.1 über unsere Fernseher. Angefangen hat aber alles schon mit der Lindenstraße Einblicke in die Schauspiel-Branche gibt Nina im exklusiven Interview mit AJOURE und verrät dabei die Sonnen- und Schattenseiten.

Wir sehen dich regelmäßig als Teil des Sechserpacks auf Sat.1. Die Sendung ist super erfolgreich und hat ganze 7 Staffeln. Was ist dir in den 7 Jahren Sechserpack am meisten im Kopf hängen geblieben?

Die tollsten Schauspielerkollegen (und NICHT Comediankollegen) und ein wirklich familiäres Team. Fast immer die selben Leute in all den Jahren. Da konnte man sich sehr gut aufgehoben fühlen. Wir hatten natürlich immer wahnsinnig viel zu lachen. Vor allem, wenn wieder jemand von uns dem Kostüm/Maskenbus entstieg… Allerdings ist mir auch im Kopf hängen geblieben, daß wir keine Wiederholungshonorare bekommen. Seit fünf Jahren wird nichts Neues produziert.
Der Sender wiederholt und wiederholt und wir sehen nichts davon. Das ist bitter.

Hat man es als Frau in der Comedy-Branche schwerer? Die ist ja bekanntermaßen von Männern dominiert.

Da ich mich nicht als Comedian bezeichne, bin ich ja gar nicht speziell in dieser Branche unterwegs. Im Gegenteil, ich freue mich sehr darüber, daß ich gerade langsam aus dieser Schublade rausklettern darf. Tolle Projekte in letzter Zeit, in denen ich endlich wieder ernste Charaktere verkörpern durfte. Das finde ich schon ziemlich blöd an Deutschland: Einmal Ulknudel (fast) immer Ulknudel. Dabei kapieren die Wenigsten, daß wir selbst beim Sechserpack größtenteils die Sachen „trocken weg“, also ernst gespielt haben und nur der Inhalt die Komik hervorgerufen hat. Aber als Frau hat man es auf jeden Fall in der Schauspielbranche sehr schwer, denn in jedem Film, in jeder Serie gibt es grundsätzlich überwiegend Männerrollen, so wie es auch überwiegend Regisseure, Kameramänner, Tonmeister, Beleuchter etc. gibt. Da ist noch viel Handlungsbedarf, was die Gleichstellung von Frauen und Männern betrifft. Um solche und andere Themen kümmern sich der Bundesverband Schauspiel und die Deutsche Akademie für Fernsehen. In beiden Verbänden bin ich Mitglied der ersten Stunde.

Als Frau hat man es auf jeden Fall in der Schauspielbranche sehr schwer

Wie schwer war es, im Fernsehen Fuß zu fassen? Erinnere dich mal an deine Anfänge zurück. Was muss man mitbringen, um langfristig Erfolg zu haben?

Ich bin mir durchaus dessen bewusst, daß ich da ganz großes Glück hatte. In einer Zeit, als die „Lindenstrasse“ die einzige Soap im deutschen TV war und es nur eine handvoll so junger „Schauspielerinnen“ in Deutschland gab. Das ganze Business war ja komplett anders gestrickt. Während man sich heute mit dem Handy selber zu hause filmend mit einem E-Casting für eine Rolle bewirbt, haben damals 800 Mädels einen Brief geschrieben, um Benny Beimers Freundin zu werden. Davon wurden 38 zu einem ausgiebigen Vorstellungsgespräch mit Hans W. Geißendörfer, Horst Scheel, dem Casting Dirctor und einigen WDR-Obermackern eingeladen. Dann erst wurden „Probeaufnahmen“ mit sechs der Bewerberinnen gemacht. Ein Verfahrenm wie es heute absolut undenkbar ist. Auf jeden Fall habe ich „gewonnen“ und durfte somit die beste Schauspielschule überhaupt besuchen. Die „Lindenstrasse“ und ihre alten Hasen haben mir die wichtigsten Dinge über Schauspiel und Kameraarbeit beigebracht. „Learning bei Tuing“.
Man muss Durchhaltevermögen und ein gutes Selbstbewusstsein mitbringen um langfristig Erfolg zu haben. Sehr wichtig ist auch eine gute Portion Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, Entscheider in den richtigen Positionen, die einen mögen und schätzen.

Welche Projekte stehen bei dir 2015 an?

Ein paar Anfragen, aber noch nichts Konkretes. Das ist aber völlig normal. Die Branche macht jetzt ersteinmal Winterschlaf.

Musst du als Schauspielerin mehr auf dein Aussehen achten als die Otto Normalverbraucherin?

Naja, auf roten Teppichen sollte man natürlich nicht gerade in der Jogginghose erscheinen, aber zu den Dreharbeiten kann ich morgens ganz bequem ungeschminkt antanzen und werde am Set erstmal „wachbetüddelt“. Luxus.

Nina Vorbrodt für Ajoure

Bitte vervollständige noch folgende Sätze:

Als Kind war mein Traumberuf… erst „Forscherin in alten Schlössern und Burgen“ und als man mir sagte, daß das kein wirklicher Beruf wäre switschte das ganz schnell zu Schauspielerin.

Meine schlimmste Rolle war… sie haben ALLE Spaß gemacht. Eine „schlimme Rolle“ würde ich gar nicht erst annehmen. Unangenehm ist es immer nur dann, wenn man im Winter draussen im Kleidchen „Sommer spielt“. Bin eine fürchterliche Frostbeule.

In meiner Handtasche habe ich immer… Taschentücher und Kaugummis.