Als ich letzte Woche in der Küche mit meiner Mitbewohnerin ins Gespräch kam, stellte sich heraus, dass auch sie Schauspielerin ist. Und nicht nach New York gekommen ist, um zu shoppen und Sightseeings abzuklappern, sondern, um ein Stück aufzuführen. Da sie hier niemanden kennt, weiß sie bisher noch gar nicht so recht, wie sie das anstellen soll. Und somit wurde ich durch sie endlich mal wieder direkt konfrontiert mit den Träumen der Menschen, die im Herzen Kind geblieben sind.

Amanda, die ich kurz nach unserem Gespräch für meinen Blog interviewt habe, hat sich off broadway eine Studiobühne gemietet, um ein One-Woman-Stück aufzuführen. Sie hat das relativ spontan entschlossen, um durch diese Aktion neue PR in Irland zu bekommen, dem Land, aus dem die junge Schauspielerin stammt. Eigentlich eine ziemlich gerissene Idee. Ihre Intelligenz gepaart mit ihrer kindlichen Naivität, einfach mal nach New York zu fliegen und ohne Verbindungen oder offene Türen sich auf die Bühne zu stellen, rührte mich sehr an diesem Morgen in einer Küche in Brooklyn.

Manche Menschen mögen meinen, Amanda sei verrückt. Aber ich habe sie kennengelernt, dieses zarte und schüchterne Mädchen, das durch ihr Aufwachsen in den größten Krisenzeiten Irlands sicherlich vernünftiger und bodenständiger ist, als viele andere. Einzig sind es ihre Kreativität, Spontanität und eben vielleicht das Fünkchen mehr Wunsch nach Leben, welche sie zu solchen Entscheidungen antreibt. Und sie von denen unterscheidet, die sich überhaupt nicht vorstellen können, ihren Traum in die Realität zu verwandeln.

Es zwingt uns allerdings auch niemand, ein Leben zu führen, das wir gar nicht führen wollen. Außer eben wir selbst

Wir verlernen das Träumen irgendwann im Laufe unserer Erziehung. Gemeinsam mit dem Nikolaus und der Zahnfee wird auch irgendwann der Glaube an Träume zum Müll gebracht und wir fangen an, die knallharte Realität zu akzeptieren. Versteht mich nicht falsch, es ist richtig und gut, nicht in einer Seifenblase zu leben und zu wissen, wie es da draußen außerhalb unseres pinken Schaumbades aussehen kann. Aber wenn wir vom Traum zur Realität hüpfen, ohne die beiden verknüpfen zu wollen, nein, ohne uns zu trauen, die beiden zu vereinen, dann werden wir eben zu den Menschen, die sich lediglich ab und an beim Träumen erwischen. Und sich am Ende auch noch deswegen schlecht fühlen.
Es gibt keine Garantie, dass unsere Wunschvorstellungen in Erfüllung gehen. Es zwingt uns allerdings auch niemand, ein Leben zu führen, das wir gar nicht führen wollen. Außer eben wir selbst, unser Kopf, unsere Gedanken.

Das Schöne ist ja, dass man Träumen nicht verlernen kann. Das ist wie mit allem anderen, was wir in der Kindheit gelernt haben. Gepaart mit dem Wissen um Realität und Umstände haben wir eigentlich allesamt eine unschlagbare Kombination in uns. Und könnten, wie Amanda, die Lebenslethargie von unseren Hintern pusten und etwas dafür tun, damit die rosafarbenen Seifenblasen Wirklichkeit werden.

Gerade von Künstlern kann man genau diese Kombination oftmals lernen: Die meisten von ihnen sind gar nicht so verrückt oder schweben in einem anderen Kosmos umher, wie viele belächelnd behaupten. Nein, Künstler haben manchmal genau diese Balance voraus: Zu wissen, wie das Leben manchmal spielen kann und trotzdem den Mut haben, sich etwas Neues zu erschaffen.

Ich habe keine Ahnung, ob auch nur eine Person zu Amandas Stück gekommen ist. Aber warum eigentlich nicht? Keiner garantiert, dass Träume wahr werden. Aber es garantiert auch niemand, dass sie es nicht tun.
 

Foto: Soap bubble von Raphael Quinet (Flickr) via cc by-sa 2.0