Die Macht der Hormone: Wie die biochemischen Botenstoffe unsere Haut beeinflussen

Pickel, schlaffe, trockene Haut, Falten, dünner werdende Haare: Verschiedenste Probleme von Haut und Haar begegnen uns im Laufe unseres Lebens. Oftmals treten sie in Zusammenhang mit hormonellen Zyklen auf wie während Pubertät, Menstruation, nach der Schwangerschaft und in den Wechseljahren. Wie Hormone schalten und walten und auf was du achten musst, haben wir für dich recherchiert.

Von Hormonen gesteuert

Ohne Hormone läuft eigentlich nichts in unserem Organismus. Von der Geburt bis ins Alter steuern und beeinflussen die biochemischen Botenstoffe nahezu alle Körperfunktionen. Zu diesen Hormonen gehören vor allem Östrogene, Gestagene und Androgene, die allesamt Geschlechtshormone sind, und sich auch in der Qualität von Haut und Haar bemerkbar machen.

Androgene sind meist für Probleme wie Akne, unreine Haut und Haarausfall verantwortlich und das Östrogen für volles Haar, reine und pralle Haut. Übrigens: Hormone wirken nicht nur auf die Haut, die Haut produziert auch selbst Hormone. Aber dazu später mehr.

Hormone sind aber nicht alleine „Schuld“ an diversen Hautproblemen. Die genetische Veranlagung, die Sensitivität von beispielsweise Talgdrüsen oder Haarwurzeln auf Hormone und die Anzahl der Androgenrezeptoren ist ebenso entscheidend. Die gute Nachricht: Gegen viele dieser Probleme kann man etwas tun.

Androgene, Östrogene und Akne

Die Pubertät wird durch die zunehmende Bildung von Sexualhormonen eingeleitet, das heißt, bei den Jungs werden vermehrt Androgene gebildet, bei den Mädchen Östrogene. Beide Geschlechter besitzen aber auch das jeweils andere Geschlechtshormon.

„Die Umstellung des Hormonhaushalts und hier besonders das sich ändernde Verhältnis zwischen Androgenen und Östrogenen während der Pubertät kann zu Beschwerden, wie der Akne, führen“, erläutert der Endokrinologe Prof. Dr. Reinhard Zick.

Hielt sich lange die These aufrecht, dass falsche Ernährung für ihre Entstehung verantwortlich sei, konnte diese widerlegt werden. „Heute weiß man, dass Androgene Akne hervorrufen“, so der Dermatologe Dr. med.  Claus-Peter Kronisch aus Osnabrück. Mitesser, die Zunahme des Talgdrüsenvolumens und die Talgproduktion werden unter anderem durch dieses Hormon stimuliert. „Hieraus resultiert dann ein Missverhältnis zwischen Porengröße und Talgproduktion“, erklärt Prof. Dr. Zick weiter. „Es kommt zu einem Stau des Talges sowie zu einer bakteriellen Sekundärproduktion, da die Hautbarriere geschädigt und somit anfälliger für Bakterien ist.“

Akne richtig behandeln

Prof. Dr. Zick rät, die Pickel auf keinen Fall auszudrücken, dies kann zu einer Narbenbildung führen. Des Weiteren sollte man auf Make-up verzichten und die Sonne meiden. „Sonnenbrand und Hitze verstärken Akne. Das ist wie ein bakterieller Brandbeschleuniger.“

Tabu sind deshalb auch Sauna, Solarium und Dampfbäder. Darüber hinaus sollte man auch Peelings vom Pflegeplan streichen. Aber hier die gute Nachricht von Prof. Dr. Zick: „Die Akne verschwindet, wenn sich das Verhältnis der Hormone wieder reguliert hat.“

Um Akne in den Griff zu bekommen, gibt es verschiedene Ansätze. Zum einen die äußerliche Therapie in Form von Medikamenten begleitet von zweckmäßiger Reinigung und Pflege: milde, Akne-geeignete Waschlotionen ohne Alkohol und eine Akne-geeignete Feuchtigkeitscreme sind die richtige Wahl. Alkohol trockne die Haut aus, greife die Hautbarriere an und reize zusätzlich. „Wichtig ist es darauf zu achten, dass man Produkte wählt, die als ‚nicht komedogen‘ ausgewiesen sind. Komedogene Stoffe fördern die Entstehung von Mitessern“, erklärt Dr. Kronisch.

Ist die Akne schwer, so kann bei weiblichen Patienten, die bereits einen etablierten Menstruationszyklus haben, eine verhütende und gleichzeitig Akne-hemmende Pille zum Einsatz kommen. Wichtig ist natürlich stets die Rücksprache mit Hautarzt und Gynäkologe. Durch das in diesen Pillen neben Östrogen enthaltene Antiandrogen wird die Umwandlung der Talgdrüse zum Mitesser behindert.

Akne ist aber nicht nur ein Phänomen der Pubertät. Hat man die Veranlagung zu Akne, so kann dieses Hautproblem auch noch im Erwachsenenalter bestehen oder durch Medikamente beziehungsweise Kosmetika ausgelöst werden (siehe auch Abschnitt „Wechseljahre“)

Hormone während der Regel

Der weibliche Zyklus wird durch Östrogene und Gestagene in sich verändernder Konzentration bestimmt. Diese Hormonänderungen haben deshalb auch oftmals Einfluss auf Haut und Haare. Die Östrogene steigen in der ersten Zyklushälfte – besonders kurz vor dem Eisprung – rasant an: Die Haut strahlt, die Haare glänzen. Danach fällt der Östrogenspiegel ab: Die Haut bildet mehr Talg, wird unrein, die Haare fetten schneller. Vom 22. bis 24. Tag sind Haut und Haare oft gar nicht gut drauf: Das Progesteron (ein Gestagen) nimmt das Zepter in die Hand. Die Folge sind Augenringe, Rötungen, Bad Hair Days. Hier helfen: abschwellende Augencremes, Concealer, eine Feuchtigkeitsmaske für Haut und Haare.

Frauen, die die Pille nehmen, bleiben von diesen Hoch- und Tiefphasen weitgehend verschont.

Östrogenspiegel fällt ab

Setzen Frauen die verhütende Pille ab, so kann es auch hier für etwa ein halbes Jahr zu Haut- und Haarproblemen kommen. „Wurde durch die Pille der Östrogenspiegel künstlich konstant hoch gehalten, so falle er nun wieder ab auf das eigentlich normale Level“, sagt Dr. Kronisch. Viele Damen berichten von diffusem Haarausfall, brüchigen Nägeln oder unreiner Haut.

Ähnlich sieht es nach der Schwangerschaft aus. Nach einer monatelangen konstant hohen Konzentration des Östrogens nimmt diese nach der Entbindung ab. Es dauert auch hier seine Zeit, bis sich der Körper auf die veränderte Hormonsituation wieder eingestellt hat und sich Haut und Haare regeneriert haben.

Tipps: Bei dünner werdendem Haar eignen sich zum sofortigen Effekt spezielle, Haarschaft-kräftigende Shampoos, die zudem über Volumen gebende Eigenschaften verfügen und das Haar sprichwörtlich etwas aufplustern. Bei brüchigen Nägeln helfen oftmals spezielle pflegende Nagellacke, die den Nagel stärken.

Zeigt die Haut Probleme, so kannst du dem Hautbild entsprechend handeln:

  • Ist sie trocken, so muss viel Feuchtigkeit auf und in die Haut, beispielsweise in Form eines Feuchtigkeitsserums mit Hyaluronsäure, über das man eine fetthaltige Creme gibt. So kann man die Feuchtigkeit versiegeln.
  • Ist sie unrein, so sind milde, alkoholfreie Reinigungslotionen sowie eine ausreichende Feuchtigkeitspflege ohne viel Fett und komedogene Inhaltsstoffe perfekt. Auch ein Feuchtigkeitsserum unter der Pflege ist eine gute Wahl.
  • Bei gereizter, geröteter Haut (übrigens können Pickel und unreine Haut auch Zeichen gereizter Haut sein) sollten weder alkoholhaltige Produkte noch Peelings oder Dampfbäder zum Einsatz kommen, denn die Hautbarriere ist bereits gestört. Auch hier ist Feuchtigkeit wichtig. Inhaltsstoffe wie Kamille oder Urea solltest du vermeiden, denn sie reizen zusätzlich. Hier eignen sich beruhigende Wirkstoffe wie Panthenol. Generell gilt hier: Weniger Pflege ist mehr!

Gegen den diffusen, hormonell bedingten Haarausfall kann man ebenfalls etwas unternehmen: Ist man nicht schwanger, kann eine Lokaltherapie im Bereich der Kopfhaut mit Östrogenen oder dem Wirkstoff Minoxidil zum Einsatz kommen. Minoxidil ist stärker wirksam und unter dem Handelsnamen „Regaine“ auf dem Markt – für Dr. Kronisch die beste Therapie. Stillt man noch, so muss mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden.

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Die gute Nachricht für Männer: Auch sie können „Regaine“ verwenden, um das Lichter werden des Haares zu stoppen. Sind allerdings Haarwurzeln bereits zerstört, so kommen diese nicht wieder. Für den männlichen Haarausfall ist der Wirkstoff Finasterid eine gute Wahl, der in dem Medikament „Propecia“ enthalten ist. Er soll effektiv die Glatzenbildung unterdrücken.

„Mutterflecken“

In der Schwangerschaft wird das Hormon Melanin vermehrt produziert, welches für die Pigmentierung der Haut verantwortlich ist. Sommersprossen können stärker hervortreten, aber auch Hyperpigmentierungen an Stirn, Wangen und Kinn sind möglich. Diese Dunkelfärbung kann sich nach der Entbindung innerhalb von Monaten zurückbilden beziehungsweise mit geeigneten Produkten behandelt werden.

Hormone in den Wechseljahren

Eine wahre Achterbahnfahrt der Hormone durchleben Frauen während der Wechseljahre, nicht selten beschreiben betroffene diese Phase wie eine zweite Pubertät, nur rückwärts.

„In der Menopause kommen die Östrogen-und Progesteronproduktion des Eierstocks nahezu zum Erliegen, wieder kommt es zu einem Missverhältnis zwischen Androgenen und Östrogenen“, erläutert Dr. Kronisch. Da Östrogene aber für die Teilung der Zellen und somit für deren Regeneration, für die Durchblutung und Durchfeuchtung der Haut sowie für die Bildung von den „polsternden“ Collagenen du Hyaluronsäure verantwortlich sind, kann es zu einem Elastizitätsverlust der Haut, zu Falten, zu dünner werdender, schlechter durchfeuchteter Haut oder Altersflecken, aber auch zu Haarausfall und dem Wuchs eines Damenbartes kommen. Man wirke blasser, eingefallener, da die die Gefäße der Haut enger werden.

Es trifft aber nicht jeden in gleichem Maße. Etwas fülligere Menschen beispielsweise werden weitaus weniger unter den Folgen der Menopause leiden. Denn nach den Wechseljahren stellt die Produktion der Östrogene im Unterhautfettgewebe einen relevanten Anteil dar: Androgene werden im Eierstock und in den Nebennieren trotz Menopause weiterproduziert.

Das Enzym Aromastase, das in den Fettzellen gebildet wird, kann diese Androgene zu Östrogenen umwandeln. Das heißt, dass fülligere Frauen deshalb einen höheren Östrogenanteil besitzen als sehr schlanke Damen und man ihnen deshalb die Alterung nicht so abrupt ansieht. Umgekehrt führt dies bei fülligeren Männern zu einem feminineren Erscheinungsbild.

Zudem kommt in der Menopause die eigene Hormonproduktion der Haut zum Tragen: Unsere größte Drüse produziert ebenfalls Östrogene, die in den Wechseljahren zum Teil die Östrogenproduktion der Ovarien übernimmt.

Was aber kann man gegen die Symptome der Wechseljahre machen?

  • Vermeidung von Oxidantien: Verzichte auf Nikotin und auf zu starke Sonneneinstrahlung und lebe stattdessen sehr bewusst und gesund.
  • Finger weg von östrogenhaltigen Tabletten oder Cremes/Gele: Zwar können gerade die Östrogene in Tablettenform die Symptome nahezu zum Erliegen bringen, allerdings steigt hierdurch auch das Risiko von Brustkrebs und Herzinfarkt. Die östrogenhaltigen Cremes/Gele und deren Wirkung sind noch nicht gut genug erforscht, um sie richtig dosieren zu können. Ist die Östrogenkonzentration zu gering, zeigen sich keine Effekte. Ist die Östrogenkonzentration zu hoch, zeigen sich dieselben Risiken wie bei den Tabletten.
  • Ja zu Cremes mit Hyaluronsäure, Collagenen, Retinol und Vitaminen ACE: Diese polstern die Haut effektiv sichtbar auf, geben der Haut Feuchtigkeit zurück. Retinol sorgt eine verstärkte Geschmeidigkeit der Haut. Und die Vitamine schützen vor freien Radikalen.

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Dr. Kronisch rät zudem, über die ästhetische Dermatologie nachzudenken. Die Mesotherapie, bei der lokal ein Cocktail aus Vitaminen und Hyaluronsäure in die Haut injiziert wird, schenkt für Monate eine prallere, jugendlichere Haut.

Phytohormone

Cremes mit Phytohormonen (Pflanzenhormonen) können ebenfalls schöne Haut begünstigen. Pflanzenhormone oder Flavonoide, beispielsweise in Soja, Rotklee, Amaranth, Granatapfel und Leinsamen enthalten, besitzen eine ähnliche Struktur wie die menschlichen Steroidhormone. Sie „docken“ daher an den gleichen Hormon-Rezeptoren an und wirken in Verbindung mit Phosphatidylcholin unter anderem hautglättend, antioxidativ und antikomedogen.

 

von Dagmar Lühn

Foto: Kalim / stock.adobe.com

 

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