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Arbeiten in der Welt der Schönen und Reichen – Ein Traumberuf oder knallharter Stressjob? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss: Sayuri Bloom arbeitet als Designerin und Stylistin für die ganz Großen und mit den Top-Namen aus der Modebranche zusammen. Ihr Arbeitsplatz sind die glamourösen Shootings für Magazine und Kampagnen. Dass es dabei um mehr geht als die Welt bereisen und schöne Klamotten zu tragen, erzählt sie uns im Interview.

Du bist Designerin und Stylistin und hast es auch schon in große Modeproduktionen und angesehene Magazine geschafft. Das ist ein Traum vieler junger Mädchen: Fuß fassen in der glamourösen Welt von Fashion und Beauty. Wie schwierig ist der Einstieg in solch einer hart umkämpften Branche? Wusstest du schon immer, dass das dein Berufsziel ist?
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Sehr schwer. Da möchte ich gar nichts schön reden. Aber davon lasse ich mich nicht abschrecken oder aufhalten und gehe weiter meinen Weg. Auch Karl Lagerfeld hat erst neulich in einem Interview gesagt;…“Der Zufall ist der wichtigste Partner. Am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt.“….. Karl Lagerfeld ist seit meinem 14. Lebensjahr der Grund für mein starkes Interesse an Design und Mode. Allerdings fanden meine Eltern, ich solle etwas „anständiges“ lernen und so bin ich erst in den Grafiker-Beruf eingestiegen bevor ich im Jahr 2009 meine alte Liebe zur Mode wieder aufgegriffen habe und ab nach Paris gezogen bin und dort als Styling-Assistentin für Peggy Schuller gearbeitet habe. Aber es gab eine Zeit, in der ich nicht an Mode denken wollte. Nun bin ich sehr froh dass ich nicht auf meine Eltern gehört habe (lach ;-))

Für viele ein Traumjob, für andere der sichere Ruin: Was sind die guten, was die schlechten Seiten des Designer-Berufs?

Die guten Seiten sind eindeutig sich kreativ austoben zu können. Neuen Herausforderungen entgegen zu treten und viele nette Menschen kennen zu lernen. Manchmal sogar Freundschaften dabei entstehen. Sich auszutauschen und gemeinsam kreativ tätig zu sein. Das funkeln in den Augen wenn ein Model oder eine Kundin in einem meiner Kleider steckt. Oder auch nur das funkeln wenn sie eine Kiste mit einem meiner Kleider öffnen. Das positive Feedback, dass die Designs auf Gefallen treffen und auf Begeisterung.
Aber dieser Beruf fordert auch seine Opfer. Man muss schon sehr ehrgeizig und diszipliniert sein um z.b. Neid und Kritik ausblenden zu können. Und finanziell hat man manchmal auch nichts im Kühlschrank und ist froh wenn ordentlich Stress entsteht weil man zu viel Arbeit hat. Viele sehen nicht, dass in einem meiner Kleider z.b. 20-60 Meter Stoff stecken können und dies viel Arbeit kostet. Dementsprechend nicht wirklich Verständnis für die Preise mitbringen oder es unachtsam behandelt wird.

Man sagt ja immer, Designer haben nie frei: Es wird immer gearbeitet, sei es auch nur, sich Gedanken um neue Styles und Designs zu machen. Stimmt das?
Man geht immer mit offenen Augen durch die Welt. Mein Skizzenbuch begleitet mich auch in jeder Tasche die ich mit mir führe. Manchmal kommen die Ideen bei Gesprächen mit Freunden oder auch Unterwegs wenn ich im Zug sitze und einfach nur aus dem Fenster schaue und etwas mein Interesse geweckt hat. Ich habe mir das innerliche Kind bewahrt. Als Kind ist man viel neugieriger und möchte Dinge einfach ausprobieren. Auch in den Phasen meines Design Findungsprozesses gehe ich eher mit Augen eines Kindes durch die Welt.

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Du kommst mit deiner Arbeit ganz schön viel rum, lernst die unterschiedlichsten Menschen kennen. An welche Projekte, welche Orte und welche Persönlichkeiten erinnerst du dich gerne zurück? Wie haben sie deine Arbeit, dein Denken und dein Leben beeinflusst?
Das reisen ist ja das schönste an diesem Beruf und unerlässlich um wieder frischen Wind in seinen Kopf zu bekommen. Die schönsten Orte waren bisher Tokyo und Kapstadt, mit dieser unglaublichen Wärme und Freundlichkeit die einem entgegengebracht wird. Zudem ist Tokyo der Wendepunkt in meinem Leben gewesen. Diese verrückte Modewelt und der Style haben mein Interesse an der Mode wieder entfacht. In Kapstadt war das Leben einfach so befreiend. Es war eine riesige Spielwiese mit freundlichen Bekanntschaften und Erlebnissen. Ich finde diese beiden Städte sollte jeder einmal erlebt haben. Sie könnten kaum unterschiedlicher sein und doch bleibt ein positiver Eindruck zurück. Paris ist sehr kreativ und durfte ich mein zuhause nennen. Ich vermisse den Marché aux Puces mit seinen stylischen kleinen Shops und Verkäufern. Man trifft dort auf sehr viele kreative Menschen, das ist sehr einladend. Dubai empfand ich als sehr imposant, Mailand hatte einen wonnigen Wohlfühlfaktor (was wohl an gutem Eis fest zu machen ist), New York war für mich leider nicht so spannend. Da waren meine Erwartungen einfach zu groß. Aber jede Stadt hat für mich ihre persönlichen Reize und ich reise gerne wieder an diese Orte.

Dein Stil ist sehr romantisch, sehr weiblich und weich. Ist es wichtiger, dem eigenen Stil treu zu bleiben oder aber sich selbst immer wieder neu zu erfinden?
Ja und Nein. Es ist wichtig sich selbst treu zu bleiben. Zudem kennt man mich eben genau unter diesem Stil. Es gibt nur wenige die mich auch mit eher futuristischen Designs oder Accessoires in Verbindung bringen. Aber generell interessiere ich mich für viele Richtungen. Sich weiter zu entwickeln ist auch ein wichtiger Prozess. Ich kehre immer wieder gerne in die romantische opulente Welt zurück. Bin aber klaren Linien mit viel Grafik nicht abgeneigt. Man muss für sich selbst entscheiden welches Ziel man anstreben möchte. Deshalb würde ich auch niemanden empfehlen sich aus Verkaufsgründen zu verbiegen. Man wird nicht glücklich wenn man sein „wahres Ich“ hinter Schloß und Riegel setzen muss. Geld allein macht niemanden glücklich. Es macht einen nur befreiter und nimmt ein paar Sorgen ab. Als Stylistin gehe ich da natürlich anders heran, bleibe meinem Stil jedoch immer treu. Ich kann ihn Kundenorientiert immer abstimmen. Zudem werde ich zum größten Teil eben wegen meinem eignen Stil auch gebucht.

Ist der Stil, den du als Stylistin an großen Produktionen bevorzugst, auch dein privater? Läufst du selbst im Alltag so durch die Gegend, wie du deine Models einkleidest?
Ich bin privat in schwarz, weiß und pastel-alt-rosa eingekleidet. Wobei ich ab und an auch Blumen im Haar trage. Aber ich habe noch kein Gefolge das mir mein Kleid trägt ;).
In meinen Arbeiten möchte ich aber auch keinen Trend vermitteln, sondern den Betrachter in ferne Welten entführen und zum träumen einladen. Den Alltag für einen Moment vergessen lassen.

Man sagt immer, dass die Mode in New York sehr kommerziell ist, in London sehr edgy und in Paris ganz klassisch. Stimmt das? Hat jede Stadt, jedes Land tatsächlich seinen eigenen Stil? Wie würdest du die Mode hier in Deutschland beschreiben?
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Jede Stadt hat seinen eignen Stil, jedoch gibt es immer wieder Bezirke in denen man sich wieder finden kann. Paris war von Elegant bis Streetstyle alles dabei. Es kam drauf an wo man sich befand. Aber ich habe es schon sehr genossen auf den Straßen top gestylten Frauen entgegen zu laufen. Das war aber nicht überall so.
Tokyo war nicht von dieser Welt…. sowas verrücktes und zugleich mutig und kreatives habe ich nie wieder gesehen. Ich kam mit meinem eigenen Tokyo-style wieder nach Deutschland und wunderte mich warum ich angesehen wurde als käme ich vom Mars. In Tokyo war man eine von Tausenden.
Mit Deutschland ist es wie mit jedem anderen Land/Stadt. Es kommt auf die Stadt an. Jedoch erscheinen mir die Deutschen eher als gemütliche Menschen und weniger mutig. Eben Businessorintiert doch eher. In Japan kann man sogar noch auf dem Dorf sich ausleben und verrückten Trends folgen. Ich lebte in Deutschland für 20Jahre auf dem Land und wundere mich doch sehr wie wenig offen wir sind. Eventuell einer der Gründe warum es mich nach Jahren nun doch in die Stadt bewegt hat.

Hand auf’s Herz: Wer sind die bestangezogenen Promis, wer deine Stilvorbilder?
Viktoria Beckham ist immer top angezogen und elegant was mich sehr anspricht und in Karl Lagerfeld finde ich eine sehr interessante Persönlichkeit wieder.Der ebenfalls immer top gekleidet ist.

Was sind deine Trendprognosen für kommende Saison?
Blau und florale, tropisch, botanische Muster.
Aber jeder trägt das in dem er/sie sich wohl fühlt. Ich halte nicht viel davon irgendwelchen Trends zu folgen. Ich finde es immer sehr schön anzuschauen wenn ich persönliche Looks auf der Straße antreffe.

Mehr zu Sayuri gibt’s hier.

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Fotos: Sayuri Bloom