Drei Monate war Ruby nun beruflich in Los Angeles. Eine Stadt, die es ihr im wahrsten Sinne des Wortes angetan hat. Sie liebt L.A. und könnte sich durchaus ein Leben dort vorstellen. Frisch zurückgekehrt im schönen Berlin haben wir uns mit ihr in ihrem Lieblings-Café Rose Garden getroffen, da sie vor allem zum aktuellen Thema Nachhaltigkeit viel zu erzählen hat. Wie sie selbst versucht, Gutes für die Umwelt zu tun, wie sie aufgewachsen ist und was Ruby schon früh in ihrem Heimatland Brasilien gelernt hat, erfährst du hier.

Geboren in Costa Rica (San José; 1996), aufgewachsen in Brasilien und dann 2008 der Umzug nach Berlin. Neben Deutsch und Englisch sprichst du fließend Portugiesisch und hast durch diese Kombination wohl einiges an südamerikanischem Temperament in dir. Gibt es denn etwas, was du in Brasilien nach wie vor besser findest als hier – etwas, woran du dich hier einfach nicht gewöhnen kannst oder willst?

Das ist schwer zu sagen, denn ich mag es, mich auf Situationen einzulassen. Brasilien hat unglaublich viele schöne Seiten, die super toll sind. Andererseits gibt es hier in Berlin aber Seiten, die ich in Brasilien nie zu Gesicht bekommen hätte. Beruflich ist es für mich natürlich viel besser in Berlin zu sein, aber ich liebe Brasilien und besonders Bahia, den Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Ich weiß nicht, ob man sagen könnte, dass es in Brasilien besser ist als hier, aber was ich am Leben in diesem südamerikanischen Land schön finde ist, dass man sehr viel in der Natur ist. Man ist einfach viel naturverbundener. Das ist etwas, was mir hier fehlt. Dann ist da natürlich noch der Strand, den ich sehr liebe. Klar haben wir hier in Berlin auch Sommer, doch das Wetter ist in meinem Heimatland schon um einiges besser und angenehmer.

Und dann sind da noch die Menschen, die alle so herzlich, offen und positiv sind, wo ich mir hin und wieder wünsche, man könnte das hier manchmal auch ein bisschen mehr rauslassen. Hier sind viele einfach sehr für sich selbst eingestellt und oftmals auch verängstigt und nicht wirklich offen der Welt gegenüber. Ich freue mich immer, wenn ich nach Brasilien fliege. Ich versuche, dass ich wenigstens einmal im Jahr dort sein kann, um meine Freunde und Familie zu besuchen.

Wo fühlst du dich denn mehr zuhause?

Ich muss zugeben, dass es fast ausgeglichen ist: Ich liebe Berlin und ich bin seit meinem zwölften Lebensjahr hier, was ja schon eine ganze Weile ist und weshalb ich Berlin auch als mein Zuhause sehe. Wenn ich dann nach Brasilien fliege, fällt mir allerdings auf, was ich alles vermisst habe. Für mich ist es die Abwechslung zwischen Berlin und Brasilien, die mir ein außergewöhnliches Zuhause bietet. Ein Zuhause auf zwei Kontinenten.

Ruby O. Fee

Ein Thema, welches dir unheimlich wichtig ist, ist Nachhaltigkeit. Du hast schon als Kind mit deiner Mutter viel Zeit auf Flohmärkten verbracht, um dort eure Kleidungsstücke an Bedürftige weiterzugeben. Wie kam es dazu?

Wir haben das nicht bewusst gemacht, es war vielmehr normal für uns, anderen helfen zu wollen. Meine Mutter hat damals immer meine Kinderklamotten an Bedürftige weitergegeben, da man als Kind so schnell wächst. Auch wenn wir längere Zeit auf Reisen waren, was ja des Öfteren vorkam, haben wir Koffer voller Kleidungsstücke an die Menschen und Kinder im jeweiligen Land verschenkt. Ich muss auch sagen, dass es eine sehr schöne Erfahrung ist, wenn man seinen Mitmenschen etwas Gutes tut. Wir sind in sehr vielen Ländern gewesen, Indien, Afrika und Thailand und dort sind die Menschen über Hilfe sehr dankbar.

Ich finde jetzt aber nicht, dass man weit reisen muss, um helfen zu können, denn das kann und sollte man im eigenen Land genauso tun. Bei uns ist dies im Ausland passiert, weil wir eben viel unterwegs gewesen sind. Mittlerweile ist das Reisen natürlich weniger geworden, also nehme ich die Kleidungsstücke, die ich nicht mehr trage, um sie Leuten zu geben, die hier bei uns leben. Generell muss ich sagen, dass ich dieses ganze Movement, was gerade so passiert, sehr wichtig finde. Wir alle sollten sehr viel achtsamer werden. Ich erinnere mich, als ich noch in Brasilien gelebt habe, dass die Bewohner dort, besonders da sie so viel in der Natur unterwegs sind, generell nachhaltiger leben als Menschen in dichtbesiedelten Großstädten, wo von der Natur nicht mehr viel übrig ist.

Gibt es denn aktuelle Projekte zum Thema Nachhaltigkeit, an denen du arbeitest?

Ich befasse mich erst seit kurzem so stark mit dem Thema Nachhaltigkeit im eigenen Land, denn vieles, was nachhaltig ist, habe ich vorher automatisch gemacht, ohne groß darüber nachzudenken. In letzter Zeit habe ich mich viel mit anderen Interessierten über das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz austauschen können. Jetzt möchte ich selbst aktiver werden und überlege, was genau ich machen könnte. Ich bin mir sicher, dass ich sehr bald eine passende Aufgabe finde, die mich zu diesem Thema etwas beitragen lässt. Vielleicht kommt ja auch jemand auf mich zu und erzählt mir von einer tollen Idee, die wir dann gemeinsam umsetzen.

Wir Deutschen bilden uns ja immer ein, super nachhaltig und umweltbewusst zu sein. Im Vergleich zu dem, was du aus Brasilien kennst, wie schneiden wir da ab und was sollte hier vielleicht deutlich besser laufen?

Ich glaube, es ist immer und überall noch Verbesserungsbedarf. Jeder einzelne Haushalt kann mehr zum Schutz unserer Erde beitragen, als er aktuell vielleicht bereits tut. Da ist es sicherlich egal, ob das hier in Deutschland oder in Brasilien ist, denn niemand verhält sich diesbezüglich perfekt. Man kann natürlich nicht alles von heute auf morgen auf den Kopf stellen, aber das, was jedem Einzelnen individuell möglich ist, sollten wir auch umsetzen. In meinem Beruf ist es so, dass ich auch nicht auf alles verzichten kann, was jetzt nicht zwingend super nachhaltig ist. Aber ich kann darauf achten, was ich persönlich ändern kann, um auch beruflich nachhaltiger zu sein. Was ich sehr gut finde ist, dass mittlerweile am Set darauf geachtet wird, dass weniger Plastik verbraucht wird. Es gab immer Plastikbecher und Plastikflaschen und jeder ließ die ständig irgendwo liegen. Irgendwann kam es dazu, dass man einen einzigen Wasserkanister deponiert hat und jeder bekam einen Becher, den er oder sie sich an die Hüfte klippen konnte. Ebenso wie die Mülltrennung am Set – damals gab es nur einen großen Mülleimer, heute stehen da manchmal drei bis vier und das ist gut so. Dies sind zwar nur Kleinigkeiten, doch auch diese sind bereits ein Schritt in die richtige Richtung.

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Du sagtest kürzlich: „Wenn jeder im kleinen Rahmen nachhaltiger agiert, ist schon viel getan.“ Wo und wie versuchst du persönlich diesem Streben nach Nachhaltigkeit gerecht zu werden?

Ich habe lustigerweise durch meine beste Freundin Zsá Zsá sehr viel dazugelernt. Ich war ja damals kein Stadtkind und vieles war für mich neu. Sie ist Vegetarierin, trennt akribisch den Müll, kauft Lebensmittel aus der Region und achtet darauf, dass ihre Lebensmittel Bioqualität haben. All das war für mich neu und dank ihr konnte ich mein Bewusstsein dahingehend erweitern. Wir waren gerade wieder bei der Veranstaltungsreihe BE A MOVER von Daimler zu Gast, wo es ausnahmslos um Nachhaltigkeit und E-Mobilität ging. Angefangen bei fairer Mode aus der Region, über diverse recycelte Produkte und vieles mehr. Ich finde dieses Thema interessant und gleichzeitig ist es sehr wichtig sich zu informieren. Ich denke, wir sollten alle gemeinsam dazulernen und voneinander lernen: wenn ich z.B. ein Interview dafür nutzen kann, um mich über diese alltäglichen „Kleinigkeiten“, die unsere Welt ein wenig besser machen austauschen zu können, dann freut mich das und ich nutze die Möglichkeit natürlich.

Aktuell spaltet die junge Schwedin Greta Thunberg die Gemüter weltweit. Wie stehst du zu dem was sie sagt, tut und denkt? Wie realistisch oder unrealistisch sind ihre Denkansätze?

Ich glaube, sie ist auf die Welt gekommen und hat diesen Auftrag für sich entdeckt. Ich finde es ist wichtig, dass die Klimabewegung eine so starke Stimme gewonnen hat, aber natürlich kann sich nicht jeder einhundertprozentig nachhaltig verhalten. Was ich gut finde ist, dass das Thema Umweltschutz durch Greta aktuell so sehr in den Medien ist und dass diese Tatsache viele zum Nachdenken bewegt und man sich selbst die Frage stellen kann, was man ändern könnte. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, weshalb Greta von immer noch so vielen so sehr verurteilt wird. Ich denke, dass liegt vielleicht auch daran, dass Menschen, die vor etwas Neuem stehen, erst einmal verunsichert werden. Es kann und muss sich natürlich jeder seine eigene Meinung bilden, aber ich bin da sehr wissbegierig, offen und höre mir das gerne an, um dann entscheiden zu können was ich persönlich in meinem Wirkungsfeld zum Klimaschutz beitragen kann.

Vor kurzem wurde eine Woche lang Berlin durch die Umweltschutzbewegung „Extinction Rebellion“ lahmgelegt. Sitzblockaden und gesperrte Straßen wohin man geschaut hat. Warst du dabei?

Ich war zu dieser Zeit selbst in New York, wo so viele Menschen bei „Fridays For Future“ auf der Straße waren. Es war sehr krass, denn wir standen zwischen so vielen Hochhäusern und überall waren Kinder mit Schildern, die geschrien haben: „Wir wollen eine Zukunft, wir wollen eine Zukunft!“ Es war ein heftiges Gefühl, zwischen all den alten und jungen Demonstranten zu stehen.

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Bist du der Meinung, es wären auch so viele junge Menschen auf der Straße gewesen, wenn es ein Samstag gewesen wäre und kein Freitag, an dem sie für die Demo die Schule haben schwänzen dürfen?

Ich glaube tatsächlich, dass sie auch samstags gekommen wären. Man kann natürlich behaupten, dass junge Menschen solche Großveranstaltungen ausnutzen, um blau zu machen, aber ich bin der Überzeugung, dass sie dennoch gekommen wären. Die Kinder wissen nicht, was die Zukunft bringt und ich hatte echt das Gefühl, dass sie Angst davor haben.

Findest du, dass man für einen guten Zweck auch Gesetze brechen darf?

Ich weiß es nicht. Das ist eine echt schwierige Frage. Die Sache ist doch die, dass man sich fragen muss, wie und wann Leute aufwachen und wirklich zuhören. Klar ist so ein Verhalten auch nachteilig für die, die arbeiten müssen und durch Straßenblockaden in Mitleidenschaft gezogen werden. Es entsteht ein riesiges Chaos, aber gleichzeitig ist es wichtig, um Aufmerksamkeit zu generieren, weil uns sonst weitestgehend die Hände gebunden sind und sonst niemand zuhört. Also entstehen solche Ausnahmezustände wie Sitzblockaden quer durch Berlin, Paris und New York.

Oftmals geht Nachhaltigkeit mit dem Thema Vegetarismus einher. Deine beste Freundin und WG-Mitbewohnerin Zsá Zsá Inci Bürkle, mit der wir vor einiger Zeit ebenfalls zusammensaßen, hat dich der vegetarischen Ernährung etwas nähergebracht. Ist das jetzt genau dein Ding oder steht Fleisch nach wie vor aus der Speisekarte?

Ich bin in Brasilien aufgewachsen und dort wird Fleisch in der Ernährung ganz großgeschrieben. Man sollte sich jedoch auch bewusst machen, dass Fleisch nicht sehr gesund für unseren Körper ist. Hier entstehen dann sozusagen zwei Ansatzpunkte: Zum einen ist der Massenkonsum von Fleisch nicht nachhaltig und schadet dem Weltklima, auf der anderen Seite schadet es aber auch dir selbst. Ein umweltschonenderer Fleischkonsum wäre schon erreicht, wenn man nur noch ein oder zweimal pro Woche Fleisch isst und darauf achtet dieses aus ökologischer und artgerechter Haltung zu beziehen. Dadurch wird dein Verhalten automatisch nachhaltiger – auch wenn du es in erster Linie für dich selbst tust. Wenn man dann noch versucht seinen Einkauf bei lokalen Landwirten zu tätigen, dann hat man schon wieder einen weiteren Schritt zur Nachhaltigkeit gemacht, ganz ohne, dass es einem selbst weh tut.

Du bist schon früh vor der Kamera gestanden und bist diesem Beruf bis heute treu geblieben. War das schon immer dein Traum? Wie kam es dazu?

Ich wollte als Kind eigentlich Malerin werden. (lacht) Ich weiß deshalb nicht, ob die Schauspielerei schon immer mein Traum war, es wurde es aber. Nach dem wir nach Berlin gezogen sind musste ich mich erst einmal schlaumachen, was ich tun muss, um meinem Wunsch nachzukommen. So landete ich in einer Agentur und durfte meinen allerersten Film spielen. Das war sehr aufregend und schön.

Ich war schon immer ein Freigeist und fand schon früh, dass Filme eine faszinierende Welt waren, wo man Dinge kreieren kann, die es im echten Leben nicht gibt. Eine Art Fantasiewelt. Als Kind nimmst du Sachen wahr, die du als Erwachsener nicht mehr wahrnimmst und darüber die Macht zu haben, hat mich gefesselt. In eine Fantasiewelt einzutauchen und dies als Beruf zu machen, war das Beste, was mir hätte passieren können.

Als Kind bin ich in den Wald gegangen und habe überall Kekse verteilt und darauf gewartet, dass die Elfen kommen, um diese zu holen. Diese Traumwelt hat mich damals schon gepackt. Als ich entdeckt habe, dass ich einen Beruf ausüben kann, in dem ich den ganzen Tag spielen darf, da war für mich klar, dass dies mein Weg sein soll. Bis heute liebe ich es Filme zu machen und hoffe, dass ich das noch eine lange Weile machen darf.

Deine Filmografie kann sich mittlerweile sehen lassen und im Januar 2020 startet im Kino die Lebensverfilmung Udo Lindenbergs, einem echten deutschen Urgestein. Welche Rolle spielst du und wie waren die Dreharbeiten?

Die Dreharbeiten waren sehr schön. Ich übernehme nur einen kleinen Teil in seiner Geschichte in den 70er Jahren. Ich spiele eine verflossene Liebe und bin gespannt, wie der Film am Ende geworden ist. Jan Bülow spielt Udo Lindenberg, der echt super dazu gepasst hat und ihn sehr authentisch spielt. Udo Lindenberg selbst wird aber nicht im Film zu sehen sein.

Liebe Ruby, weiterhin viel Erfolg beim Film und wir hoffen, dass deine Ansatzpunkte zur Nachhaltigkeit bei vielen Lesern ankommen und umgesetzt werden.

 

Fotos: Kerem Bakir / @keba; Kristian Fenselow