Paula Beer im Portrait

Das Motto von Paula Beer: Da geht noch mehr!

Ja, ehrgeizig ist sie in der Tat. Und manchmal auch perfektionistisch. Der Spruch: “Immer, wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her” könnte extra für Paula Beer geschrieben worden sein. Doch eher so: “Immer, wenn man denkt, es geht nix mehr, kommt Paula mit noch einem Vorschlag daher”. Wenn ihr eine Filmszene nicht gefällt, wird diese so lange neu eingespielt, bis sie zufrieden damit ist. Und das ist nicht so einfach, da sie sich ihre Filme auch noch in zehn Jahren anschauen können will, ohne sich ständig darüber ärgern zu müssen, was sie besser hätte machen können. Wenn man aussieht wie Paula Beer, könnte man meinen, dass einem jede Tür in der Filmbranche offenstünde. Doch erstens ist gutes Aussehen allein noch kein Erfolgsgarant und zweitens würde sich jemand wie Paula niemals allein darauf verlassen. Viel zu einfach.

Wer bereits im zarten Alter von 12 Jahren als Kinderdarstellerin in Filmen wie „Kinder der Bounty“ oder „Poll“ Erfolg hat, das Abitur quasi nebenbei durchzieht und mit 25 bereits bei der Berlinale den Europäischen Filmpreis als beste Darstellerin im Liebesdrama „Undine“ gewinnt, muss wahrlich mit einer ordentlichen Portion Ehrgeiz und Tatkraft gesegnet sein. Paula Beer gehört nicht zu denjenigen, die sich mit weniger zufriedengeben, wenn mehr Potential vorhanden ist. Vielleicht hat sie es gerade durch diese Hartnäckigkeit geschafft, sich in die Liga einer gefragten Aktrice zu spielen, was ihr mit weiteren, anspruchsvollen Filmen wie „Frantz“, „Das finstere Tal“ oder „Transit“ gelungen ist. Doch wer steckt hinter der Person „Paula Beer“?

Paula Beer in Undine
Paula Beer in Undine (2020)

Paula Beer – Die Künstlerseele

Wenn sie, wie in der Serie „Bad Banks“, als toughe Managerin auftritt, die wiederum gleichzeitig auch zart und verletzlich wirken kann, fragt man sich unweigerlich, wie tickt jemand, der solch krasse Gegensätze so überzeugend spielt, wohl im wahren Leben? Auch wenn Paula Beer sicherlich ein echtes, ganz normales Leben hat, definiert sie das Wort „normal“ wahrscheinlich etwas anders als die meisten von uns.

Normal geblieben ist sie jedoch insofern, als dass sie bei jeder Rollenanfrage neu überlegen muss, ob sie der Sache wirklich gewachsen ist und sich manchmal nicht erklären kann, warum man gerade sie ausgewählt hat. Und das trotz ihrer bisherigen Erfolgsgeschichte. Eine typische Künstlerseele eben, sensibel, emphatisch, manchmal auch voller Selbstzweifel. Doch ebenso klug und vor allem, trotz ihrer Jugend, weise. Diese Weisheit zeigt sich unter anderem darin, dass sie niemanden Genaues über ihr Privatleben wissen lässt. Richtig so. Andere Personen der Öffentlichkeit brauchen für diese Erkenntnis Jahrzehnte, manche bekommen sie nie.

Paula Beer ist aber auch ein kluges Köpfchen, wie sonst hätte sie es geschafft, in der Schule zwei Klassen zu überspringen und auf diese Weise ihr Abitur bereits nach der 11.Klasse zu machen? Und das, obwohl sie, während ihre Mitschüler büffelten, nebenher bereits hin und wieder schauspielerte. Wenn sie die Abi-Aufgaben mit der gleichen Präzision angegangen ist, mit der sie heute neue Rollencharaktere studiert, wundert es keinen, dass sie auch diese Hürde im Leben problemlos geschafft hat.

Paula Beer in Frantz
Paula Beer in Frantz (2016)

Schön locker bleiben

Doch zu viel Ehrgeiz verkrampft nur und tut alles andere als gut, das hat auch eine Paula Beer erkannt. Daher legt sie keinen großen Wert auf glamouröse Auftritte außerhalb des unbedingt Erforderlichen. Ständig top gestylt aussehen und repräsentieren zu müssen, ist anstrengend. In ihrer Freizeit setzt sie sich deshalb auch gern einfach Mal unerkannt in ein Café, liest ein Buch oder beobachtet die Leute um sie herum. Vielleicht studiert sie sie aber auch genau, um ihrer nächsten Rolle mehr Authentizität verleihen zu können? Wer weiß.

Da sie erkannt hat, dass man, um Rollen überzeugend spielen zu können, zunächst einmal verstehen muss, wie man selbst funktioniert, nimmt sie sich auch die dafür nötige Zeit. Sie sei ein recht ernsthafter Mensch, behauptet sie über sich selbst. Zumindest, was die Arbeit angehe. Darüber hinaus zeugen ihre blitzenden Augen davon, dass auch eine gute Portion Humor und Spaßbereitschaft zu ihr gehören, was ihr privates Umfeld wohl bestätigen könnte, wenn es denn dürfte. Doch da ist Paula Beer knallhart, man findet sie auf keinem einzigen Social Media Netzwerk. Wer Paula also gemütlich vor dem Fernseher in Jogginghose und Schlabberpulli auf dem heimischen Sofa herumgammeln sehen will, muss es entweder schaffen, sie privat als Freundin zu gewinnen, was nicht ganz einfach werden dürfte, oder sich eben mit der bloßen Vorstellung dieses Bildes begnügen.

Ein bisschen Mut zur Imagination kann nicht schaden, würde Paula sagen. Hätte sie diese Fähigkeit jedoch nicht schon mit der Muttermilch aufgesogen, dürfte sie es sicherlich nicht so schnell bis nach ganz oben geschafft haben. Da beide Eltern ebenfalls künstlerisch begabt sind, standen die Chancen nicht schlecht, dass sich dieser Zug auch bei ihr durchsetzen würde. Wenn sich zu außerordentlicher Begabung dann noch Ehrgeiz, Fleiß, Hartnäckigkeit und Schönheit gesellen, muss als Ergebnis etwas in der Art von Paula Beer herauskommen. Und trotzdem hat sie sich privat ihre bescheidene Art und Natürlichkeit bewahrt, was man nicht von allen Promis behaupten kann.

Paula Beer in Poll (2011)
Paula Beer in Poll (2011)

Arbeit ist nicht alles im Leben

Auch stellt sie ihr Privatleben immer über ihre Arbeit. Vielen bekannten Persönlichkeiten mag das wie reines Wunschdenken vorkommen, Paula Beer hingegen lebt dieses Prinzip tatsächlich. Wenn privat etwas ansteht, kommen Familie und Freunde immer an erster Stelle. Jemand wie sie kann sich das leisten, mag manch einer denken. Doch vielleicht traut sie es sich nun mal einfach?

Ihre Rollenauswahl trifft Paula Beer nicht nur aus dem Bauch heraus, sondern auch mit dem Verstand. Während sie in „Undine“ eine Historikerin spielt, die sich in einen Taucher verliebt, spielt die gebürtige Mainzerin, die übrigens nie eine Schauspielschule besuchte, im Nachkriegsdrama „Frantz“ die Rolle eine Frau, die sich in den Mörder ihres toten Verlobten verliebt. Sich mit gerade mal 18 Jahren ein Jahr lang allein in Frankreich durchzuschlagen, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, gehört genauso zu Paula wie die Eindringlichkeit, mit der sie in „Bad Banks“, der Serie, die ihr in Deutschland den Durchbruch brachte, eine gerissene Managerin mit Größenwahn spielt. Wenn jemand viel über sich selbst weiß, merkt man das. Bei Paula Beer jedenfalls ist das so und man darf gespannt sein, denn bei ihr geht ja bekanntlich immer noch was.

Paula Beer zum Start der zweiten Staffel „Bad Banks“:


 

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Fotos: Titelbild: Bad Banks: ZDF/Fabrizio Maltese; Undine: Schramm Film/Marco Krüger; Frantz: X-Verleih/Mars Films; Poll: Arne Höhne Presse