Sie ist einer der schillerndsten Branchen der Berufswelt und trotz vieler Negativschlagzeilen hat die Modeindustrie ihren Reiz nicht verloren. Traumberufe, Ruhm und Reichtum, die schöne Seite des Lebens – die Welt der Mode ist voll von Glitzer und Glamour. Mit Ajouré spricht Designerin und Fashion-Insider Katrin Eulenstein über das Leben und Arbeiten in der schönen Welt der Mode, die Schwierigkeiten, die sich ergeben und dem Traumberuf der Modedesignerin.

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Design von Katrin Eulenstein Foto: Christian Bohnencamp

Modedesigner – Das ist immer noch für viele der Traumberuf schlechthin. Du gehörst noch zu den Einsteigern in der Branche. Wie erlebst du diesen Beruf, in dem es doch auch extrem stressig zugeht? Wie sieht dein Alltag aus?
Mein Alltag gestaltet sich sehr vielfältig. Kundenaufträge sind meist mit engen Fertigstellungsfristen verbunden. Oft fällt der Kundin erst relativ spät ein, dass sie für eine bestimmte Veranstaltung noch etwas Besonderes zum Anziehen benötigt. Dann ist nicht mehr viel Zeit für die Ideenfindung und deren Umsetzung. Gerade bei einer Maßanfertigung benötigt man jedoch viel Zeit um etwas Individuelles zu schaffen. Zuerst muss ich im Gespräch herausfinden was die Kundin möchte und schauen was zu ihr passt. Ich zeichne mehrere Entwürfe und suche passende Materialien. Anschließend konstruiere ich den Schnitt auf die Maße der Kundin. Für die perfekte Passform und weitere Details stehen Anproben an. Zusammen mit einer hochwertigen Verarbeitung entsteht ein nicht zu unterschätzender Aufwand. Dazu kommt das zu bestimmten Anlässen wie dem Semper Opernball nicht nur eine Kundin kommt sondern mehrere und man die Fertigstellung der Kleidungsstücke gewährleisten muss. Oft bedeutet das Überstunden, die häufig auch Nachtschichten werden. Da muss man schon eisern sein und in dem Moment seine eigenen Bedürfnisse zurück stecken. Normale Arbeitszeiten gibt es in dem Fall nicht. Anders sieht es aus wenn ich Zeit habe eine Kollektion zu planen, dann kann ich mir die Zeit frei einteilen. Aber auch hier habe ich irgendwann Termine im Rücken wie z.B. Shootings usw. Wenn ich es mir selbst einteilen kann, arbeite ich lieber gegen Abend kreativ, es macht mir nichts aus länger auf zu bleiben. Da bin ich eine kleine Nachteule und werde meinem Namen gerecht.

Wie kam der Entschluss, Modedesignerin zu werden?
Ich war schon immer kreativ und bin mit meinen Werken im Kunstunterricht usw. positiv aufgefallen. Später auch durch meinen Kleidungsstil der bei Freunden sehr gut ankam und ich immer öfter zur Beratung zu Rate gezogen wurde. Da für mich ausschließlich ein gestalterischer Beruf in Frage kam, habe ich mich dafür entschieden ein Fachabitur in Gestaltung zu absolvieren. Nach dem Abschluss habe ich mich dann endgültig entschlossen meinen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen. Um Modedesign studieren zu können sind Kreativität, zeichnerisch-gestalterische Kenntnissen und gute Nähkenntnisse erforderlich. Daher habe ich mir einen Schneider gesucht bei dem ich nähen lernen konnte. Als dann eine Modeschule in Dresden öffnete, habe mich beworben und wurde sofort angenommen.

Du hast deinen Abschluss sehr erfolgreich an der Modefachschule Dresden gemacht. Ist es trotzdem schwierig als Neuling in so einer hart umkämpften Branche Fuß zu fassen? Welche Anfangsprobleme hast du selbst erlebt nach dem Studium?
Es ist anfangs nicht leicht in der Branche Fuß zu fassen. Wenn man sich überlegt, dass es kaum größere Modefirmen in Deutschland gibt und diese nur wenige Designer einstellen, wird einem schnell klar, dass da ein gewisses Ungleichgewicht zu den vielen Modedesignabsolventen herrscht. Zudem wird viel über Praktikumsstellen abgedeckt. Praktika kann man mit einem guten Abschluss nahezu überall machen, aber einen richtigen Job zu bekommen ist nicht so leicht. Selbst die Ansprüche an das Können und den Leistungseinsatz des Praktikanten für ein unbezahltes Praktikum sind jedoch recht hoch. Dazu kommt, dass man meist bestimmte Vorstellungen hat, in welchen Bereichen man arbeiten möchte und das eigene Design auch dem der Firma entsprechen sollte. Auch ich habe den Einstieg über ein Praktikum geschafft und anschließend als Designassistentin bei einem Dresdner Couture Label gearbeitet.

Stellst du deine Kollektionen komplett alleine auf die Beine oder bekommst du auch tatkräftig Unterstützung? Mit wem arbeitest du und welche Aufgaben gibst du an dein Team ab?
Da ich noch am Anfang stehe gehen alle Arbeiten momentan durch meine Hände. Von der Idee, zum Schnitt, über das Nähen und die Anproben, Gespräche mit Kundinnen usw. Das ist nicht immer einfach, aber es ist es machbar.

War der Beruf der Modedesignerin schon immer dein Traum? Hat er sich so erfüllt, wie du es dir vorgestellt hast?
Ja, es war schon solange ich denken kann mein Traum Modedesignerin zu werden. Ich habe immer gerne gemalt, gezeichnet und gebastelt. Außerdem habe ich es geliebt meine Barbies einzukleiden und deren Outfits untereinander zu kombinieren. Ich liebe meinen Beruf und sehe es eher als Berufung, ich möchte nichts anderes machen. Natürlich hoffe ich, dass ich mich weiterhin gut etablieren kann und sich mein Traum vom eigenen erfolgreichen Label verwirklicht. Aber ich habe bereits jetzt schon die Möglichkeit bei vielen interessanten Projekten mit tollen Menschen mitzuwirken, wie Modenschauen, Fotoshootings, Filmdrehs, Aufträgen usw. Außerdem hatte ich bereits die Ehre einige prominente Persönlichkeiten einzukleiden und als Finalistin an Designwettbewerben teilzunehmen.

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Design von Katrin Eulenstein

Nichtsdestotrotz gibt es mit Sicherheit Schattenseiten. Vor allem in der Modebranche, die doch als sehr oberflächlich verschrien wird, kämpfen Models und Designer unter tausenden Konkurrenten für Anerkennung und den großen Durchbruch, der manchmal auch leider nicht gelingt. Was sind für dich die härtesten Seiten an diesem Beruf?
Ich finde es schade, dass die Modebranche oft als oberflächlich angesehen wird. Vielen Menschen ist leider nicht bewusst, dass Mode bzw. Bekleidung auch etwas über einen aussagt oder einen helfen kann selbstbewusster zu sein etc. Leider stimmt es, dass in der Branche viel Konkurrenzdruck herrscht. Die Auslese beginnt bereits während der Ausbildung. Oft schafft nur die Hälfte der Modestudenten den Abschluss, weil das Studium zeitaufwendig ist und viel Ehrgeiz erfordert. Trotz der relativ harten Auslese kommen jedes Jahr viele Modedesigner auf den Markt. Es gibt viele Modeschulen die ausbilden, der tatsächliche Bedarf an Modedesignern sieht aber anders aus. Daher steigt der Konkurrenzdruck. Ich wurde schon sehr früh in meiner Karriere damit konfrontiert und habe damals nicht damit gerechnet. Zumal Dresden nicht vergleichbar ist mit anderen Modestädten wie Berlin, wo viel mehr Designer ihren Sitz haben. Das ein oder andere unfaire Mittel kam da mir gegenüber schon zum Einsatz (so wurde ich gekündigt, nachdem ich kurzfristig eine Prominente eingekleidet habe oder mir wurde vorgeworfen eins meiner Kleider sei eine Kopie). Ich sehe es aber eher als Bestätigung, dass meine Arbeit gut ist und es motiviert mich erst recht weiter zu machen. Aber zum Glück gibt es nicht nur schwarze Schafe sondern auch vernünftige andere Designer mit denen man gemeinsam Modenschauen etc. realisieren kann.

Jeder Designer hat seine ganz persönliche Note, Modehäuser bringen immer wieder Teile auf den Markt, die als ihr Markenzeichen betrachtet werden. Wie würdest du deine Mode beschreiben? Gibt es Stoffe und Schnitte, vielleicht auch Kleidungsstücke, mit denen bzw. an denen du besonders gerne arbeitest?
Ich fühle mich besonders im gehobenen Abendmodebereich zu Hause. Ich arbeite gerne mit Seide und anderen edlen Materialien. Dabei sind mir eine hochwertige Verarbeitung und die Liebe zum Detail sehr wichtig. Auch das schönste Design kann man mit minderwertigen Materialien und schlechter Verarbeitung ruinieren. Inspirieren lasse ich mich dabei gerne von der Natur, da sie reich an unterschiedlichsten Farben und Formen ist. Ich habe in meinen Kollektionen schon Themen wie Blüten, Papageien oder das Meer umgesetzt. Meine Formensprache ist daher auch eher organisch mit fließenden Formen. Ich versuche immer eine gewisse Raffinesse einzubauen, jedoch ohne das Kleidungsstück überladen wirken zu lassen. Das typische Kleidungsstück ist bei mir das Kleid, ob für den Tag oder den Abend. Wahrscheinlich, weil ich selbst so gern Kleider trage und weiß, worin sich Frau wohlfühlt.

Welche Modehäuser und Designer beeinflussen dich und deine Arbeit? Wer sind deine Vorbilder?
Ich versuche bei meinen Arbeiten hauptsächlich in mich selbst rein zu hören, aber natürlich gibt es Designer zu denen ich aufschaue, z.B. Elie Saab und Valentino. In den Häusern gibt es immer wieder wunderschöne Couture Kleider mit schönen Details, die liebevoll umgesetzt sind.

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Design von Katrin EulensteinFoto: David Annel

Was sind deine Mode- und Beautytrends für die kommende Saison?
Nach wie vor sind derzeit Transparenz und Spitze in der Mode interessant für mich. So viel soll verraten sein, beides ist und wird dieses Jahr noch in meinen Kollektionen zu sehen sein. Meist aus Seidenchiffon, teilweise besetzt mit Perlen, Steinen usw. oder in der Kombination mit Spitze. Auch unterschiedliche farbige Drucke sind dabei. Die Farben reichen von pastellig bis kräftig. Dazu kombiniere ich farbig passende Nagellacke, lockere Frisuren und relativ dezentes Make up mit nudefarbenen oder farbig passenden High Heels. Schmuck setze ich dezent farblich passend zum Outfit ein, zum Beispiel in Form von Armbändern oder schlichten Ohrringen.

Vor allem Frauen machen sich jeden Tag Gedanken um das perfekte Outfit, die perfekte Garderobe. Was darf in keinem Kleiderschrank fehlen und was geht denn so gar nicht?
Ich finde das kann man so allgemein nicht sagen. Es muss immer zum Typ und den jeweiligen Vorlieben passen. Jedem steht etwas anderes besonders gut. Man sollte nicht den Fehler machen jedem Trend zu folgen, wenn es einem gar nicht steht oder man sich nicht richtig wohl fühlt. Ich achte bei meinen Kundinnen immer darauf, Farben zu wählen die dem Typ entsprechen und Schnitte zu wählen, die der Figur schmeicheln. Das wichtigste dabei ist sich nicht zu verkleiden, sondern was zu finden, worin man sich wohlfühlt. Das strahlt man dann auch aus.

Welche Ziele hast du als Designerin? Wo willst du hin?
Ich träume davon mein eigenes Label im Bereich Abendmode erfolgreich zu etablieren und meine Kleider auf der Fashionweek präsentieren zu können. Natürlich möchte ich auch gern weiterhin Prominente zu besonderen Anlässen einkleiden. Es wäre schön, wenn der Name Eulenstein später ein Begriff im Modebusiness wäre und ich meine hochwertige Kollektion auch international verkaufen könnte.

Mehr zu Katrin Eulenstein und ihre Mode gibt es hier:

http://www.facebook.com/katrin.eulenstein?fref=ts
http://katrineulenstein.com/

Foto top: Design von Katrin Eulenstein, Foto: Tobias Bojko