Wie du dir deine eigene Capsule Wardrobe erstellst

Free your wardrobe – wie die richtige Capsule Kollektion unser Mode-Leben leichter macht

Wenn Designer eine Capsule Kollektion entwerfen, dann ist das gleichbedeutend mit einem ganz speziellen Anlass. Lagerfeld hat eine für Hogan entworfen, Valentino für GAP, das Berliner Label Kaviar Gauche für die Schuh-Marke Görtz und selbst Lanvin für H&M. Mutiger, bunter und kleiner – das sind die drei Kriterien für eine Capsule Kollektion der großen Designer. Capsule steht für eine überschaubare Anzahl von Kleidungsstücken. Sie steht für Teile, die im Mix and Match gut funktionieren. Sie ergänzen sich gegenseitig, stehlen sich nicht untereinander die Show und lassen sich je nach Stimmung und Anlass individuell prächtig kombinieren.

Was tut eine Capsule Kollektion überhaupt für modeaffine Frauen, die eigentlich lieber aus dem Vollen schöpfen würden?

Was heißt es jetzt für uns, wenn wir uns aufmachen, aus unserem Sammelsurium aus Kleidern, Schuhen und Accessoires einen echten Capsule Kleiderschrank werden zu lassen? Es heißt zunächst eines: Befreie deinen Kleiderschrank von Ballast. Jeder kennt doch das Gefühl nach einem anstrengenden Tag im Büro. Das Wetter ist schlecht, das Gefühl, dass unser bescheidener Erfolg bei der Präsentation auch auf unser missglücktes Outfit zurückzuführen ist, wächst im Laufe des Abends. Wir haben einfach nichts Passendes im Kleiderschrank? Stimmt nicht! Wir haben zu viele Wahlmöglichkeiten. Darunter sind Blusen, Hosen und selbst Dessous, die wir schon seit Jahren nicht mehr getragen haben. Es liegt übrigens nicht an Gewichtsschwankungen. Die Kleider sind uns einfach irgendwann entglitten, aus unseren Geschmacksnerven, unserer Lust auf Mode und manchmal auch aus unserm Alter. Das Prinzip deiner privaten Capsule Kollektion folgt dem Motto von Donna Karan, die bereits 1985 erstmals postulierte, dass die perfekte Garderobe nur sieben (sichtbare) Kleidungsstücke umfasst.

Wie stellst du dir deine eigene Capsule Kollektion zusammen?

Großer Beliebtheit erfreuen sich gerade Bücher zum Thema „Ich kauf nix“. Den Trend unterstützt du schon, wenn du erst einmal eine ehrliche Bestandsaufnahme deines Kleiderschranks machst. Was trage ich wirklich gerne? Was sind meine Lieblingsstücke, die ich selbst bei unpassendem Wetter aus dem Schrank hole? Mag ich wirklich noch so viel Schwarz oder gefallen mir frische Farben mittlerweile besser an mir? Stehen mir Skinny Jeans, die ich in allen Farben besitze, wirklich so gut, wie ich es fühle, oder ist eine lässige Hose nicht deutlich figurfreundlicher und bequemer? Kenne keine Gnade mit dir selbst. Die Hüfthosen betonen deine schwächste Stelle? Die halbhohen Stiefel betonen deine Waden, weil sie genau an der kräftigsten Stelle enden? Es ist Zeit für schonungsloses Aussortieren, wenn du dein Vorhaben der Capsule Wardrobe wirklich verfolgst.

Trägst du Teile wirklich gerne und oft, dann haben sie bis auf weiteres Bleiberecht in deiner Garderobe. Heißt die Antwort auf die Frage: Tut das Kleidungsstück etwas für mich und macht es mir oft Freude? Nein, macht es nicht! Dann kannst du es verkaufen oder verschenken. Eine individuelle Capsule Kollektion entsteht, wenn du auf Basis des Bestands deines Kleiderschranks verstanden hast, welche Farben und Schnitte du bevorzugst, welche Anlässe in deinem Leben wichtig sind und auf welche Hosen, Kleider oder Mäntel du wirklich oft zurückgreifst, gerade wenn die Zeit am Morgen knapp ist und Experimente nicht wünschenswert sind. Sind diese beiden Aspekte fest in deinem Kopf verankert, dann ist du schon einen großen Schritt weiter. Es ist jetzt an der Zeit, dich von Freundinnen, Modeblogs und dem alltäglichen Streetstyle inspirieren zu lassen. Was passt genau zu den Lieblingsstücken aus meinem Schrank? Kannst du sie ohne großen Aufwand um ein oder zwei neue Ideen ergänzen?

Capsule Hardcore

Du kannst dein Vorhaben sanft oder heavy angehen. Die leichte Annäherung an Capsule ist das vorsichtige Weglassen von Kleidungsstücken, die eigentlich noch nie gepasst haben, und die allmähliche Ergänzung der Garderobe um weitere Tops und Röcke, die du für die kommende Saison noch brauchst. Du kannst dich aber auch in die Challenge mit dir selber begeben, indem du 20 oder 30 Teile definierst – von Schuhen über Gürtel bis hin zu Kleid und Mantel – auf die du in den nächsten Monaten ausschließlich zurückgreifen darfst. Nach Ablauf von drei Monaten weißt du definitiv, was du gerne trägst, auf was du niemals verzichten würdest und ob du wirklich noch etwas für die kommende Saison brauchst.

Minimalismus macht zufrieden

Jeder spricht von Ernährungsumstellungen nach einer Diät, die einen langfristig erst zufrieden sein lässt. Wir sprechen bei der Entscheidung für die private Capsule Kollektion von Modeumstellung, die glücklich macht. Du kannst am Morgen in aller Ruhe eine Viertelstunde später aufstehen, denn der Griff in den Kleiderschrank liefert immer Zufriedenheit. Ein Teil passt zum anderen. Du entscheidest nur noch, ob es heute die dunkelblaue Hose zum hellblauen T-Shirt oder das kleine Schwarze mit flachen Sandalen sein soll. Das nimmt enorm viel Druck aus deinem Ankleidezimmer – und letztendlich aus deinem Leben als Mode-Junkie.

 

AJOURE´ Buchtipp

Das Kleiderschrank-Projekt

Systematisch zum eigenen Stil und zu bewusstem Modekonsum

Das Kleiderschrank-Projekt

von Anuschka Rees
gebundene Ausgabe
€ 28,00
Auf Amazon bestellen »

 

Fotos: dumont Verlag; Africa Studio / stock.adobe.com