So entstehen Modetrends
Modeschauen und Fashion Weeks sowie deren Besucher sind maßgeblich an der Entstehung von Trends beteiligt. Aber wie genau entstehen Modetrends eigentlich?

Wahrscheinlich kannst du genau sagen, welche Trends derzeit kursieren, welche Kleidungsstücke oder Accessoires man lieber nicht mehr tragen sollte und was im kommenden Sommer für Farben und Schnitte angesagt sein werden. Du weißt außerdem, welche Designer Kleidung entwerfen, die dem Trend entspricht, wer den Trend weiterdenkt und wer sich ihm verweigert. Aber weißt du auch, ob die Modedesigner die Urheber eines Trends sind? Und falls sie das nicht sind, wer kreiert einen Trend denn dann? Wir versuchen in diesem Beitrag eine möglichst genaue Antwort darauf zu geben, wie Modetrends heute eigentlich entstehen.

Zwei verschiedene Arten, wie Modetrends entstehen können:

1. Der Trickle-down-Effekt

Der Trickle-down-Effekt funktioniert folgendermaßen: Ein großes, bekanntes und derzeit angesagtes Modehaus bzw. Label, wie beispielsweise Balenciaga, Gucci oder Vetements – die drei im ersten Quartal 2018 angesagtesten Labels der Welt – präsentieren auf einer ihrer Shows einen Look oder ein Kleidungsstück. Nehmen wir an, das ist eine Jacke mit großen goldenen Knöpfen. Diese Jacke wird im Laufe der kommenden Tage oder Wochen vermehrt von Promis und in der Modebranche einflussreichen Personen getragen oder gar beworben. Aufgrund der wachsenden Popularität des Kleidungsstücks bekommen auch Bekleidungsketten von der Jacke Wind und produzieren nun ähnliche Kleidungsstücke mit großen goldenen Knöpfen. Die Jacke und vielleicht sogar die goldenen Knöpfe an Kleidungsstücken sind inzwischen zum Trend geworden. Indem sie von immer mehr großen Modeketten auch global und für die breite Maße verfügbar gemacht werden, wird der Trend nach und nach zum Mainstream. Nach einiger Zeit kann nicht einmal mehr von einem Trend die Rede sein. Ab diesem Zeitpunkt lässt der nächste, den alten Trend überholende und neue Trend nicht mehr lange auf sich warten.

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2. Der Bubble-up-Effekt

Beim Bubble-up-Effekt läuft es im Grunde genommen genau anders herum: Ein bestimmter Personenkreis, meist eine Jugend- oder Subkultur entwickelt einen ganz speziellen und ausgeprägten Look. Der Hip-Hop als Subkultur, innerhalb welcher sich die diversen Trends von etwa Ende der 70er Jahre bis heute auch wiederum stets verändert haben, ist hierfür eines der besten Beispiele. Musiker wie Drake oder Kanye West (der seit einiger Zeit selbst Mode designt) leben in ihren Videos beispielsweise einen Style vor, den Anhänger ihrer Musik kopieren. Nach einiger Zeit bekommen von diesem speziellen Look, den plötzlich immer mehr Hip-Hopper und viele, die sich als Teil der Subkultur verstehen, nachmachen, auch große Häuser und Marken Wind und übernehmen ihn. Erst dann wird es manchmal zu einem Trend, beispielsweise Sneaker zu schicker Kleidung zu tragen, ohne dass man dadurch gleich ein Hip-Hopper ist oder sich dieser Subkultur zugehörig fühlen muss.

Die Rolle von Influencern und Trendscouts

Was vor einigen Jahren lediglich Subkulturen und Designern vorbehalten war, wird langsam auch immer mehr nicht nur zur Möglichkeit, sondern gar zum Beruf für viele Influencer. Sie spielen bei der Entwicklung von Trends heutzutage eine immer größere Rolle. Zu ihnen gehören Blogger, YouTuber sowie Instagramer/innen mit teilweise mehreren Millionen Followern. Hinzu kommen Promis und It-Girls. All diese Personen sind in der Lage, mit einer kreativen Idee oder einem neuen Look einen Trend zu setzen – denn sie haben die Reichweite, ihre Idee schnell zu verbreiten.

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Influencer Modetrends
Influencer haben die Möglichkeit, über ihre vielen Follower schnell zur Entstehung eines Trends beizutragen.

Eine wichtige Rolle spielen beim Prozess der Trendentwicklung hier auch die sogenannten Trendscouts. Das Ausschauhalten nach neusten Modeeinfällen, Ideen und kreativen Styles und Stylings ist ein eigener Beruf. Kein Wunder, denn Trendscouts müssen nicht nur eine Menge Ahnung von Mode haben, sie müssen stets auch beobachten, was auf den Straßen und auf Blogs und in den sozialen Medien im Internet gerade so angesagt ist. Alle Mode-Einfälle, die für sie relevant wirken und das Potenzial haben, ein neuer Trend zu werden, werden dann in Styleguides gesammelt. Diese Styleguides wiederum können Modefirmen und -designer für nicht gerade wenig Geld erwerben. Die Berichte und Vorhersagen dienen ihnen dann als wichtige Inspiration für Schnitte, Stoffe und Farben für etwa die kommende Kollektion.

Ab da ist der Prozess wie gehabt: Die Designer und Modefirmen nutzen ihren bekannten Namen, um ihre Produkte an ihr Zielpublikum zu bringen. Dabei kommen in bedeutender Weise zum Beispiel auch Medienvertreter angesagter und großer Fashion-Magazine ins Spiel, um für die Kollektionen zu werben. Das geschieht einerseits durch Berichte in den Magazinen und anderen Medien, andererseits auch durch Kritiken von Modeschauen und Fashion Weeks. Mittels derer werden die Ideen an die großen Modeketten und letztlich dann auch an die Käufer und Endverbraucher übermittelt.

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Die Dauer von Trends

Es gibt keine festen Definitionen dafür, ab wann man ein Phänomen in der Modewelt als Trend bezeichnen kann. Dennoch lässt sich vielleicht etwa dann von einem Trend und nicht mehr von einem Hype oder einer kurzen Modewelle sprechen, wenn ein Look oder ein Kleidungsstück sich zum einen konstant länger als ein Jahr lang hält und wenn es auch von den großen internationalen Bekleidungsketten angeboten wird.

Da jeder Trend eine Art Eigenleben entwickelt, kann pauschal nicht gesagt werden, wie lange sich ein solcher Trend dann hält. Biker-Lederjacken beispielsweise sind ein Trend, der inzwischen schon über mehrere Jahrzehnte hält, Skinny Jeans gibt es seit knapp zehn Jahren. Rucksäcke dagegen, Culottes oder Jumpsuits könnten schnelllebigere Trends darstellen. Das wird allerdings nur die Zukunft zeigen.

Biker-Lederjacke
Die Biker-Lederjacke – inzwischen auch in allen Farben vertreten – ist vom Trend schnell zum Kult-Piece geworden.

Man könnte sagen, das i-Tüpfelchen für einen Trend ist letztlich der Kultstatus. Diesen erreicht ein bestimmtes Kleidungsstück etwa nur dann, wenn es auch mit einer Person mit Kult-Status in Verbindung gebracht wird. Für die Popularität und den Kult um die Biker-Jacke etwa zeichnet Marlon Brando verantwortlich, für das kleine Schwarze Audrey Hepburn. Kate Moss übrigens war eine der ersten einflussreichen Personen, die eine Skinny Jeans trug und diese salonfähig machte. Wir dürfen gespannt sein, ob das nächste Kult-Piece nicht vielleicht sogar ein bekannter Influencer hervorbringt!

 

Fotos: © oksanazahray (#186310170); marioav (#180630009); Victoria Chudinova (#205788125) / fotolia.de