er steht einfach nicht auf dich

„Wie, du steigst noch mit anderen in die Kiste? Du hast doch einen Freund!“

Als mir meine Freundin vor kurzem beim Kaffee eröffnete, dass ihr Freund und ihr selbst sexuelle Treue nicht wichtig sei, konnte ich es kaum glauben. „Na eine offene Beziehung eben“, sagte sie, als wäre es das Normalste der Welt, „Zur Treue werden wir doch sowieso nur durch Sitten und Kultur gezwungen. Wenn es gesellschaftlich nicht so schlecht angesehen sein würde, was meinst du wie viele Menschen da untreu wären?“

Eine durchaus berechtigte Frage, wenn man länger so drüber nachdenkt. Und solche offene Beziehungen scheinen doch öfter vorzukommen, als wir glauben. Monogamie wird zwar gepriesen, doch Hand auf’s Herz: Untreue ist mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. Belügen wir uns also selbst, wenn wir dem Partner ewige Treue versprechen? Ist es überhaupt berechtigt, dass man Polygamie zu einer Art Tabuthema macht? Ist es nicht vielleicht die bessere und vor allem ehrlichere Art zu lieben und eine Partnerschaft aufrechtzuerhalten, wo doch hinter vorgehaltener Hand sowieso schon fremdgegangen wird? Eine Art Alternative zu einer monogamen Beziehung? „Ja“ zu einer Partnerschaft, aber „Nein“ zur sexuellen Treue. Ist das überhaupt möglich – oder machen wir uns nur was vor?

Jetzt lesen:  Anzeige: Gib Erkältungen keine Chance – ViruProtect im Test

Wissenschaftlich gesehen haben Psychologen an der Universität Michigan feststellen können, dass die Ansichten, dass Monogamie der Polyamorie bzw. der Polygamie – also der freie Liebe und der Beziehung zu mehreren Partnern statt zu einem Partner – nicht überlegen sei. Vielmehr ist dies kulturell verankert. Es gäbe keine Basis, dass Monogamie überlegen sei. Klar, es gibt durchaus Kulturen, in denen die Vielehe – also die Polygamie – gesetzlich erlaubt sei, wobei dies eher für den Mann zutrifft. Letztendlich ist er der Versorger der Familie und mehrere Frauen wären abgesichert.

Es gibt Menschen, die hervorragend offene Partnerschaften führen können

Mir persönlich schießen immer sofort Fragen durch den Kopf, wie: Kocht in einem nicht die Eifersucht hoch? Eigentlich müsste ich ja meinen Partner nämlich teilen…und was ist mit der Treue? Treue ist doch so zu definieren, dass man dem Partner auf jeglicher Art und Weise loyal bleibt – auch die sexuelle Ebene mit einbezogen.
Vielleicht sollte man aber eine Sache berücksichtigen: Menschen sind Individuen. Wir haben zwar alle das Bedürfnis, zu lieben und geliebt zu werden, aber wie, das ist uns selbst überlassen. Es gibt Menschen, die hervorragend offene Partnerschaften führen können, und die sich darauf einigen, neben dem eigentlichen Partner, mit dem man das Leben teilt, auch weitere sexuelle Partner zu haben. Menschen, die offene Beziehungen führen, ist oftmals klar, wer der richtige Partner ist, und mit dem ist man z.B. auch verheiratet und hat sogar Kinder. Doch eine sexuelle Treue ist in diesem Fall nicht nötig, um eine stabile Partnerschaft zu führen.

Jetzt lesen:  Diese 10 Instagram Accounts bringen dich in Form

Oft geht es auch darum, weitere Facetten und Fantasien der Leidenschaft auszuleben, was vielleicht mit der Ehefrau oder dem Ehemann nicht möglich ist. Oder es geht um den Reiz und das Gefühl, begehrt zu sein und auch eine gewisse Art an Macht zu haben – du darfst mich anfassen, du aber nicht – und wirklich haben darf mich keiner, weil ich ja schon mit jemanden fest liiert bin.

Ja oder Nein zur offenen Beziehung und zurück zur monogamen Beziehung?

Ob diese Art von Beziehung auf Dauer funktionieren kann, hängt davon ab, in wie weit man die Gefühle des Partners respektiert. Denn es ist sehr wichtig, dass man sich darauf einigt – und beide Partner dieser Art von Beziehung zustimmen. Solange dies gegeben ist und man signalisiert, das Thema offen anzusprechen, wenn es vorkommen sollte, dass man auf diese Art und Weise die Beziehung nicht weiterführen kann. Es kann durchaus zutreffen, dass nach monate- oder jahrelanger Führung einer offenen Beziehung die Verlustängste, also den Partner zu verlieren, doch zu groß sind, denn es kann durchaus auch vorkommen, dass man sich durch die sexuelle Untreue fremdverliebt. Oder dass Eifersucht eine zu große Rolle spielt. Spätestens hier ist es wichtig, das Thema anzusprechen und eine Entscheidung zu treffen – Ja oder Nein zur offenen Beziehung und zurück zur monogamen Beziehung – oder ob eine Trennung in Erwägung gezogen wird, wenn einer der Partner dennoch eine offene Beziehung führen will.

Jetzt lesen:  Zero Waste: Wie funktioniert plastikfrei leben und einkaufen?

Schwieriges Thema, eigentlich aber dann doch nicht, vorausgesetzt, man weiß, was man will. Ich weiß für mich, dass ich der monogamen Beziehung treu bleibe – ich liebe meinen Partner und ich könnte nicht anfangen, Treue in Stufen zu unterteilen. Treue ist Loyalität auf allen Ebenen. Und zudem würde meine Eifersucht definitiv die Oberhand gewinnen – und somit wäre Stress vorprogrammiert. Letztendlich darf man nicht urteilen, denn jeder sollte für sich entscheiden, welche Art von Beziehung man leben will – schließlich lebst du dein Leben und triffst Entscheidungen, und niemand sonst!