LGBTQ-Fakten

Fast jeder hat schon in irgendeiner Weise von LGBTQ gehört oder kennt sogar Menschen, die sich zu den neuen Geschlechtern bekennen. Wir teilen jetzt 20 interessante und kuriose LGBTQ-Fakten mit dir, die du garantiert noch nicht kanntest.

LGBTQ steht ĂŒbrigens fĂŒr Lesben, Schwule (gays), Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender und Queer. Auch intersexuelle, pansexuelle, omnisexuelle und asexuelle Menschen zĂ€hlen sich zur bunten LGBTQ-Gemeinde, die alleine in Deutschland rund sechs Millionen Mitglieder hat.

LGBTQ-Fakten Nr.1: Gay, schwul und lesbisch

Alles begann scheinbar mit MÀnnern, die MÀnner liebten. In der Neuzeit waren schwule MÀnner tatsÀchlich die Pioniere der LGBTQ-Bewegung.

Das deutsche Wort „schwul“ entstand vermutlich im Berlin des 19. Jahrhunderts und soll von „schwĂŒl“ in Sinne von „drĂŒckend warm“ abgeleitet worden sein.

Vermutlich stammt der Begriff vom heiß-feuchten Klima in damaligen Schwulenclubs: In schlecht gelĂŒfteten KellerrĂ€umen tanzten und feierten spĂ€rlich bekleidete MĂ€nner und gingen ihren Lustbarkeiten nach.

Das Wort „Lesbe“ leitet sich von der griechischen Insel „Lesbos“ ab. Dort soll im Altertum die Liebe unter Frauen weit verbreitet gewesen sein. Überliefert wurde das durch eine Dichterin namens Sappho.

In der englischen Sprache etablierte sich der Begriff „gay“ (deutsch „fröhlich“, „ausgelassen“) zunĂ€chst fĂŒr freizĂŒgige Liebe unter Heteros. „Gay women“ waren ganz normale Prostituierte und der „gay man“ ein frivoler Frauenheld. Erst viel spĂ€ter wandelte sich der Begriff „gay“ in eine Bezeichnung fĂŒr die gleichgeschlechtlichen Liebe.

Nr. 2: Homo gab es schon immer

Manchmal wird angenommen, die Homo- und Transgender-Bewegung sei eine Erfindung der Neuzeit. Doch dem ist nicht so. Sex unter MĂ€nnern oder lesbische Liebe ist aus dem Alten Ägypten ĂŒberliefert und wurde bei den antiken Griechen und in Rom teils sogar öffentlich ausgelebt. MĂ€nner, die sich als Frauen verkleideten gab es in vielen Kulturen und vermutlich auch Lesben und andere GeschlechtsvarietĂ€ten.

Selbst im Orient waren Sex und Liebe unter MĂ€nnern vor der Islamisierung bekannt.

LGBTQ-Fakten Nr.3: KĂ€mpfen Schwule besser?

Im alten Königreich Theben soll es sogar eine ganz besondere Kampfeinheit gegeben haben: Der thebanische Feldherr Gorgidas war Oberbefehlshaber ĂŒber die „Heilige Schar von Theben“. Kern dieser Spezialeinheit des Altertums waren 150 mĂ€nnliche Liebespaare. Persönliche GefĂŒhle fĂŒr den Kampfgenossen galten als effektives Mittel, den Zusammenhalt, die Kampfkraft und die Treue in der Truppe zu optimieren.

Nr. 4: Ein MĂ€nner-Puff in London

GerĂŒchten zufolge befand sich im Mittelalter in London ein Bordell, in dem MĂ€nner Sex mit MĂ€nnern kaufen konnten. Das besonders prickelnde Detail an dieser Einrichtung war der Standort des „MĂ€nner-Puffs“. Der soll nĂ€mlich genau dort existiert haben, wo die englischen Könige ab 1703 den Buckingham Palast errichteten.

LGBTQ-Fakten Nr.5: Queer ist auf dem Vormarsch

Junge Menschen, die derzeit ihre SexualitĂ€t entdecken und ausleben, werden auch als „Generation Z“ bezeichnet. Als Nachfolger der sogenannten Millennials sind diese jungen Menschen so queer wie keine andere Generation vor ihnen!

Immer mehr Frauen und MÀnner können sich in den alten Geschlechteridentifikationen und sexuellen Normen nicht mehr finden. WÀhrend 9,1 % der Millennials sich als andersliebend empfinden, sind es bei der Generation Z schon 15,9 %. Weltweit ist die Tendenz steigend.

Nr. 6: Auch nicht anders als Normalos

Schrille Dragqueens, Lesben in strengen HosenanzĂŒgen oder Frauen mit Bart Ă  la Conchita Wurst – diese Extreme und Klischees machen nur einen winzigen Teil der modernen LGBTQ-Gemeinde aus.

TatsÀchlich gaben Andersliebende und neue Geschlechter in Umfragen an, neben ihrer sexuellen Gesinnung eigentlich ganz Durchschnitt zu leben. LGBTQs sehen hÀufig nicht viel anders aus als Heteros, stehen morgens wie alle anderen Menschen auf, gehen zur Arbeit, suchen nach Liebe und Beziehungen, essen normal und schauen sich sonntags mit dem Lieblingsmenschen den neuen Tatort an.

LGBTQ-Fakten Nr.7: Lesbische HolzfĂ€llerinnen machen China verrĂŒckt

2009 erlaubte sich die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua einen Spaß mit Folgen. Sie berichtete in einer Fakemeldung von einer Kleinstadt im Norden Schwedens namens Chako Paul City. Dieser idyllische und wilde Ort sollte der Meldung gemĂ€ĂŸ ausschließlich von lesbischen HolzfĂ€llerinnen bewohnt sein. Nachdem die Nachricht in China die Runde gemacht hatte, gingen bei der schwedischen Tourismusbehörde so viele Anfragen aus China ein, dass die Server fĂŒr Tage zusammenbrachen.

Nr. 8: Nicht nur Offenheit

Trotz dieser Neugierde und Offenheit gibt es immer noch viele Ressentiments und Abneigungen gegen Menschen, die mit den alten Geschlechterrollen brechen. Eine Umfrage der Antidiskriminierungsstelle ergab, dass 80 % der normalen sowie andersliebenden Menschen angaben, von Diskriminierung gegen LGBTQ-Menschen zu wissen. Sie werden am Arbeitsplatz, in Schulen, Vereinen oder auf der Straße beleidigt, angefeindet oder sogar Opfer von Gewalt.

Am wohlsten und sichersten fĂŒhlen sich einer europaweiten Umfrage zufolge Schwule, Lesben, Queers und Transen in DĂ€nemark, gefolgt von Island, Luxemburg und den Niederlanden. Diese LĂ€nder pflegen grundsĂ€tzlich eine hohe Toleranz Neuem gegenĂŒber und freuen sich ĂŒber eine hohe Lebenszufriedenheit aller BĂŒrger.

LGBTQ-Fakten Nr.9: LGBTQ in der Unterhaltungsindustrie

Ob in der Popmusik, im Film oder Fernsehen – LGBTQ ist in den Medien lĂ€ngst schick geworden.

So sang Sarah Connor vom schwulen „Vincent“, dessen erste große Liebe „ein Typ, den er nicht mehr aus dem Kopf bekommt“, war.

Katy Perry gestand singend „I Kissed a Girl“ und Christina Aguilera hat schon 2002 das Thema LGBTQ besungen: Im Top-Hit „Beautiful“ ging es unter anderem um ein schwules Paar und eine Transfrau, die sich im wahren Geschlecht nun endlich schön finden konnte.

Im Kino sind Filme wie „Brokeback Mountain“ zu Klassikern geworden. Neuere Produktionen wie „Pride“, „Blau ist eine warme Farbe“ oder „Call me by your name“ haben LGBTQ in allen Spielweisen einem breiten Publikum zugĂ€nglich gemacht.

Nr. 10: Netflix ist LGBTQ-freundlich

Der Internet-Streaming-Dienst Netflix setzt dem noch eines obendrauf und hat sogar eine eigene Kategorie nur fĂŒr LGBTQ-Serien und –Filme.

Zu den Punblikumslieblingen zĂ€hlen die TV-Serien „Queer Eye“, bei der fĂŒnf queere Menschen gemeinsam ein Haus renovieren. Die Serie „Pose“ gibt Einblicke in die Welt der Transsexuellen und Homosexuellen wĂ€hrend der 1980er Jahre, als Verfolgung und Konflikte mit der Polizei noch an der Tagesordnung waren.

Der Sender wÀhlt geschickt Formate, die die schönen und witzigen, aber auch die dramatischen Seiten des LGBTQ-Lebens zeigen.

LGBTQ-Fakten Nr.11: Besonders LGBTQ-freundliche Firmen

International ist der Möbelkonzern IKEA eines der federfĂŒhrenden Unternehmen, wenn es um Anti-Diskriminierung von neuen Geschlechtern am Arbeitsplatz geht.

Gemeinsam mit Lufthansa, der Deutschen Bank, DHL, Adidas, Nike und Zara hat der Möbel-Fabrikant einen von den United Nations in Auftrag gegebenem Verhaltenskodex fĂŒr den Umgang mit LGBTQ-Menschen ausgearbeitet.

International haben sich 200 weitere große Unternehmen an der Entstehung des Verhaltenskodex beteiligt und dessen Einhaltung zugesagt.

Als LGBTQ-freundlichste DAX-Unternehmen wurden der IT-Konzern SAP, die Deutsche Bank und Siemens gewĂŒrdigt.

Nr. 12: 1993 waren Homos noch „krank“

HomosexualitĂ€t galt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch bis 1993 offiziell als eine Krankheit. Obwohl die Überlieferungen aus dem alten Griechenland und anderen angesehenen Kulturen bekannt waren, wurde HomosexualitĂ€t vor allem auf DrĂ€ngen der religiös-kirchlichen und radikalen MĂ€chte dieser Welt lange als krank, sĂŒndhaft oder teuflisch dargestellt. Die WHO musste diesen Gesinnungen bis Ende der 1980er folgen. Die Änderung der Klassifizierung wurde 1987 beschlossen, offiziell waren Homos und Queers aber erst ab 1992 wieder völlig gesund – und eben nur ein bisschen anders!

LGBTQ-Fakten Nr.13: Schwulen-Heilung ist verboten

Therapeuten und Teufelsaustreiber, die Homos heilen wollten, gab es ĂŒber viele Jahrhunderte hinweg. Mit Salben, Tinkturen oder in der Neuzeit Psychotherapie sollten Queers zur Vernunft und in die bekannten Bahnen von Mann, Frau, Ehe und Kindern gelenkt werden.

Die Idee, die zunehmende Anzahl an LGBTQ-Menschen „heilen“ zu mĂŒssen, flammte in der Gegenwart wieder auf.

Der WeltÀrztebund reagierte auf das Aufkommen von Pseudotherapien und dubiosen Heilversprechen unter anderem, weil Homos, Bisexuelle und Transen nach den Therapien auffÀllig oft in Depressionen verfielen, sich dem Drogenkonsum hingaben oder sogar Selbstmord begingen. In Deutschland sind Therapien, die LGBTQs Heilung versprechen, seit Mitte 2021 verboten.

Nr. 14: Seit 2017 gibt es die „Ehe fĂŒr alle“

Vor einhundert Jahren haben Frauen noch fĂŒr ihre Rechte und Gleichberechtigung gekĂ€mpft, MĂ€nner fĂŒr bessere Arbeitsbedingungen und spĂ€ter Homosexuelle fĂŒr Freiheiten. Die Gesellschaft befindet sich in einem stĂ€ndigen Wandel und strebt nach immer mehr Freiheit und Gleichberechtigung.

Nach der Jahrtausendwende forderten gleichgeschlechtliche Paare das Recht auf die Eheschließung ein. Neben der Gleichstellung waren praktische GrĂŒnde aus dem Erb- und Mietrecht treibende KrĂ€fte fĂŒr diese Neuerung.

2017 kam die „Ehe fĂŒr alle“ in Deutschland. Heiraten dĂŒrften Homos, Queers und Transen allerdings nur standesamtlich, denn die Kirche ist von einer Akzeptanz der neuen Geschlechtlichkeit noch weit entfernt.

Übrigens gibt es auch 20 anderen LĂ€ndern (darunter die Niederlande, Frankreich, Großbritannien und die USA) bereits die Homo-Ehe.

LGBTQ-Fakten Nr.15: GefĂ€ngnis oder Todesstrafe fĂŒr LGBTQs

So viel Offenheit herrscht leider noch nicht ĂŒberall. In ĂŒber 100 LĂ€ndern dieser Welt werden Homo- oder TranssexualitĂ€t strafrechtlich verfolgt (u.a. Ägypten und Tansania).

11 LĂ€nder kennen sogar die Todesstrafe fĂŒr Homosexuelle. Morde an LGBTQ-Menschen werden in solchen LĂ€ndern nicht verfolgt oder sogar begrĂŒĂŸt (u.a. Brunei, Iran, Jemen, Mauretanien, Nigeria, Saudi-Arabien und Somalia).

Das deutsche AuswĂ€rtige Amt fĂŒhrt ein eigenes Register mit aktuellen Reiseinformationen fĂŒr LGBTQ-Menschen und empfiehlt Betroffenen, solche LĂ€nder strikt zu meiden oder sich vor Ort „unauffĂ€llig zu verhalten“.

Nr. 16: Schwul im Profisport

Lange galt die Welt des Fußballs und der Profisport als LGBTQ-feindliche Orte. Kaum ein schwuler Spieler hĂ€tte sich outen können, ohne mit dem Karriere-Ende oder noch schlimmeren Konsequenzen rechnen zu mĂŒssen.

Der britische Fußballstar Justin Fashanu hatte sich 1990 als erster aktiver Profi zum Schwulsein bekannt. Acht Jahre wurde der Top-Kicker von den Medien und fanatischen Fußballfans verfolgt, bis er sich 1998 im Alter von 37 Jahren erhĂ€ngte.

Vor diesem Hintergrund ist es verstĂ€ndlich, dass der ehemalige Top-Fußballer Thomas Hitzlsperger mit seinem Outing bis nach seinem altersbedingten Karriere-Ende wartete. Sein öffentliches Bekenntnis löste erneut eine große Debatte ĂŒber HomosexualitĂ€t im Profifußball aus.

Weitere Sportler, die sich bekannten, sind der britische Turmspringer Tom Daley, die NBA-Spieler John Amaechi und Jason Collins, der American-Football-Spieler Michael Sam und der britische Rugby-Profi Gareth Thomas.

LGBTQ-Fakten Nr.17: LGBTQ und die Familie

Neben dem Profisport und am Arbeitsplatz haben es viele LGBTQs vor allem in der eigenen Familie nicht leicht. Eltern und Geschwister schauen sich zwar Schwule und Lesben im Fernsehen an, taucht das PhÀnomen dann aber in der eigenen Familie auf, ist erst einmal Schluss mit der Offenheit.

In einer großen Studie berichteten 47 % junge LGBTQ-Menschen davon, dass Familienangehörige mit Beleidigungen und Abwertungen auf das Outing reagiert haben oder die neue sexuelle Orientierung nicht ernst nehmen beziehungsweise ignorieren wĂŒrden.

Stellen, die auf dieses Problem reagiert haben und Seelsorge fĂŒr LGBTQs anbieten sind die Nummer gegen Kummer, die Techniker Krankenkasse und Diversity in MĂŒnchen.

Nr. 18: Regenbogen fĂŒr freie Liebe

Die Regenbogenfahne ist ein altes Freiheits-Symbol, das unter anderem von den italienischen FreiheitskĂ€mpfern („Pace“ ist italienisch fĂŒr „Frieden“) etabliert wurde.
In den 1980er Jahren griff der US-KĂŒnstler Gilbert Baker die Idee der Flagge wieder auf und wandelte die Friedens-Flagge in eine Freie-Liebe-Flagge.

Obwohl Gilbert Baker von Anfang an Pink und TĂŒrkis integrieren wollte, war die neue Gay-Flagge zunĂ€chst nur sechsfarbig. Grund dafĂŒr war ganz einfach, dass die schwule und lesbische Gemeinde San Franciscos sich das Geld fĂŒr tĂŒrkisen und pinken Stoff nicht leisten konnte.

Das sollte sich mit dem Erfolg der Gay- und Pride-Paraden aber bald Ă€ndern und heute hat die Flagge offiziell acht Farben: Lila (Seele), Dunkelblau (Klarheit), TĂŒrkies (Magie), GrĂŒn (Natur), Gelb (Sonne), Orange (Heilung), Rot (Leben), Pink (Sex).

LGBTQ-Fakten Nr.19: Gay Games fĂŒr Homo-Sportler

Mit den Gay Games startete 2010 eine Gegenbewegung zur homophoben AtmosphÀre des Spitzensportes. 1982 versammelten sich internationale Queer-Athleten erstmals in San Francisco. Die Gay Games 2022 waren in Hongkong geplant, werden aufgrund der Pandemie aber vermutlich auf 2023 verschoben.

Nr. 20: Eine lesbische Vampirin aus der Steiermark

Heute denken wir ja gerne, dass Bram Stoker die Vampire quasi erfunden hat. Mit seinem Bestseller „Dracula“ aus dem Jahr 1897 wurden Vampire salonfĂ€hig.

Du wusstest bisher aber garantiert nicht, dass eine blutsaugende Lesbe das Vorbild fĂŒr Stokers blutdĂŒrstigen FĂŒrsten der Dunkelheit war. Die Novelle „Carmilla“ erschien bereits 1872 und stammte aus der Feder des weniger bekannten irischen Autors Sheridan Le Fanu. Carmilla ist im Buch eine lesbische Vampirin aus der österreichischen Steiermark, die sich an junge Frauen heranmacht, um sie dann auszusaugen. Die Geschichte soll Bram Stoker maßgeblich zu seinem Dracula inspiriert haben.

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