Kolumne: Ja, ja, jahaaa!

Kolumne: Ja, ja, jahaaa!

Freundinnen! Die Hochzeitsglocken läuten! Nicht meine, sondern die meiner Freundinnen. Jetzt, wo man Mitte oder Ende 20 ist (ich kann mich noch nicht für eine Kategorie entscheiden), geht’s los. Es wird geheiratet. Und ich kann ganz laut gestehen: Ich L I E B E Hochzeiten. Wer jetzt nörgelt, kann sich verziehen.

Gut, ich bin da auch ein bisschen geprägt durch diverse Hollywood-Filme. Alle, in denen Julia Roberts durchs Bild hüpft und am Ende jeder denjenigen kriegt, den er verdient, machen mich glücklich. Ja, so einfach bin ich gestrickt, man möchte meinen, als Schauspielerin hätte ich höhere Ansprüche. In diesem Fall, nein. Sobald es Frühling und dann Sommer wird, die Haut leicht gebräunt ist, die Vögel zwitschern und Freundinnen verkünden, wie glücklich verliebt sie sind, laufe ich mit ihnen gleichzeitig und Hand in Hand debil-grinsend über die Blumenwiese. Hach.

Ich glaube, dass jede Frau irgendwo und tief drinnen in ihren Herzensvorstellungen den perfekten Hochzeitstag für sich ausgemalt hat. Nicht ohne Grund sitze ich manchmal perplex bei einem Mädelsabend da, wenn mir genau die, die „nie heiraten wird“, auf einmal binnen Sekunden verkündet, wie dieser Tag trotzdem auszusehen hätte. Nein, da hat man sich keine Gedanken vorher gemacht, das kam nur so spontan von innen heraus. Aha.

Wie dem auch sei, mittlerweile ist ja alles möglich. Man kann sich blubbernd im Taucheranzug das Ja-Wort, äh, zeigen, man kann sich aber auch in einer kleinen, griechischen Kathedrale ehelichen und danach auf dem Vorplatz einer Taverne Wein trinken und barfuß Sirtaki tanzen. Meine Güte, ich sollte sofort aufhören, mich in diverse Traumvorstellungen zu katapultieren, denn ich bin gerade schon visuell am Koffer packen. Und jetzt singt auch noch ein Vogel auf meinem Fensterbrett.

Warum ist das also alles so toll und schön und alle sind auf einmal ganz arg glücklich? Alles eine Frage der Ausstrahlung. Die Braut ist happy, klar, der Bräutigam ja meist auch. Das wirkt sich auf alle anderen aus. Außerdem darf niemand schwarz tragen – auch das kann zur Stimmung beitragen.
Aber so allgemein? Ich glaube, neben all den zauberhaften Symbolen, die so eine Hochzeit mit sich bringt, ist es doch vor allem eins, das sich anfühlt wie ein Bad in Zuckerwatte:
Da ist jemand, der will mit mir zusammen sein. Für immer. Trotz deiner Neurosen, deiner Launen, deiner schlechten Kochkünste, deiner Sprunghaftigkeit. Und der zeigt das auch noch allen, indem er es öffentlich macht. Und alle freuen sich mit. Schon sitzen wir mitten in der „Mamma Mia!“-Kulisse und tanzen, obwohl wir gar nicht so wirklich wissen warum.

Momente, in denen das Leben zu einem perfekt beleuchteten Feel-Good-Movie wird. Ein Tag, an dem Singles den Traummann am Nachbartisch entdecken und man beim Erblicken des betrunkenen Exfreundes weiß, warum man weiter gezogen ist.

Heute fehlt hier die kolumnen-typische Kritik? Kommt vielleicht noch ein zynischer Nebensatz? Nö. Heute nicht.
 

Foto: jul14ka / stock.adobe.com

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