sabrina-beziehung

In meinem Freundeskreis spiele ich mehr oder weniger aber immer mal wieder Beziehungstherapeutin und höre dadurch alle paar Wochen von großen und kleinen Ehekrisen. Meine gute Freundin hat sich nach 2 gemeinsamen Jahren von ihrem Freund getrennt. „Wir sind aber im Guten auseinander gegangen und wollen Freunde bleiben“, hieß es dann von ihr. Freunde bleiben also…

„Dein Hund ist gestorben, aber du kannst ihn trotzdem gerne behalten.“

Aha. Es war übrigens ihre Idee, die Freundenummer. „Ja ich weiß, das wird schwer, aber bei uns klappt das schon. Wir sehen uns ja nur noch freundschaftlich…“ Nun, das bezweifle ich. Dass Mann und Frau nach 2 (in diesem Fall übrigens sehr turbulenten) Jahren befreundet bleiben können. Vielleicht irgendwann in Zukunft, wenn nicht mehr alles so frisch ist. Aber sofort die Friendsschiene einschlagen, wo man gerade die Beziehung beendet hat? Das ist wie „Dein Hund ist gestorben, aber du kannst ihn trotzdem gerne behalten.“
Es sprechen nämlich so einige Punkte dagegen:

    Egal was gesagt wird: Wer geliebt hat, der braucht nach der Trennung Zeit und Abstand, um alles zu verdauen. Vor allem der Verlassene wird nicht so leicht über das Ganze hinwegkommen. Und schwerer wird’s, wenn man mit dem oder der Ex noch freundschaftlichen Kontakt hält.
    Rückfallalarm!!! Einsam und allein? Da kommen ganz schnell alte Gefühle hoch und man läuft Gefahr, sich in einer Teufelsspirale wieder zu finden. Denn auf einmal war die Beziehung gar nicht so schlimm. Auf einmal weiß man gar nicht mehr, wieso man überhaupt Schluss gemacht hat. Solche Gedanken keimen vor allem kurz nach der Trennung immer wieder auf und werden verstärkt, wenn man den Ex-Partner noch sieht und trifft.
    Eifersuchtsgefahr! Man kriegt mit, dass der andere aktiv sein Single-Leben auslebt. Das ist immer ein schlechtes Gefühl, egal, ob man selbst Schluss gemacht hat oder verlassen wurde. Sieht man seine/n Ex mit jemand anderes, ruft das immer Unwohlsein hervor. Das willst du dir nicht antun!

Es gibt noch viel mehr Gründe, die gegen eine sofortige Freundschaft sprechen. Fakt ist einfach: Nur weil Schluss ist, reißen die Gefühle nicht von heute auf morgen ab. Das braucht Zeit und die sollte man sich und dem anderen gönnen. Es ist immer schwer, jemanden, mit dem man alles geteilt hat, erstmal aus seinem Leben zu streichen. Aber nur so kann man loslassen. Wenn die Vergangenheit ständig um dich herum ist, wirst du nicht von ihr wegkommen. Man redet sich gerne ein „Wir schaffen das schon“ und überschätzt sich dabei oft selbst.

Es spricht prinzipiell nichts gegen eine Freundschaft, es ist sogar ziemlich toll, wenn zwei Menschen, die sich mal geliebt haben, weiterhin füreinander da sind. Dennoch: Damit aus Liebe wirklich Freundschaft wird, muss Gras über die Beziehung wachsen. Und das dauert.