Brillen mit Blaulichtfilter gegen Müdigkeit und Kopfschmerzen – helfen sie wirklich?

Die ständige Arbeit vor dem Bildschirm belastet die Augen sehr. Doch gibt es eine Lösung, um die Augen bei der Arbeit zu entspannen. Die Rede ist von Brillen mit Blaulichtfilter, die einen optimalen Augenschutz bieten sollen und der Müdigkeit entgegenwirken. Helfen sie wirklich oder sind sie vielmehr als modisches Gadget zu betrachten?

Warum benötigt man eine spezielle Brille am Arbeitsplatz?

Bei der Arbeit am Computerbildschirm entstehen unterschiedliche Beschwerden, die sich in drei Bereiche unterteilen: Psychische, physische und visuelle Komponenten. Beschwerden physischer Art entstehen meist durch eine ungesunde Sitzhaltung, von der zwischen 22 und 77 Prozent der Bildschirmarbeiter betroffen sind. Psychische Belastungen werden meistens infolge des hohen Arbeitspensums oder Schwierigkeiten im sozialen Umfeld verursacht.

Auch visuelle Probleme treten in Verbindung mit der Bildschirmarbeit auf. Da das Auge bis zu 30.000 Blickbewegungen täglich machen muss, besteht ein hohes Risiko für Überlastung. Diese „Schwerstarbeit“ des Sinnesorgans macht sich nicht bei allen Menschen sofort bemerkbar. Langfristig fördert die kontinuierliche Bildschirmarbeit neben trockenen, müden Augen auch ernstzunehmende Erkrankungen wie Bindehautentzündungen oder Spannungskopfschmerzen. Oft verschlimmern sich die Kopf- oder Augenschmerzen durch das kurzwellige Blaulicht der Monitore zusätzlich. Brillen mit Blaulichtfilter wirken dem entgegen, da sie darauf ausgerichtet sind, die Augen zu entlasten.

Wie funktioniert eine Blaulichtbrille?

Brillen mit speziellem Blaulichtfilter sind dazu gedacht, das kurzwellige Blaulicht abzumildern. Solch ein kurzwelliges Licht mit hohem Blauanteil wird oft von Displays, Monitoren oder LED-Lampen abgestrahlt. In geringem Maße ist das Blaulicht mit 380 bis 500 Nanometern Wellenlänge für das menschliche Auge sogar gesundheitsfördernd. Immerhin unterdrückt das Blaulicht die körpereigene Produktion von Melatonin, wodurch du tagsüber fitter und leistungsfähiger bist.

Wie bei allem macht jedoch die Dosis das Gift – in zu hohen Dosen könnte das Blaulicht dem menschlichen Sinnesorgan zusetzen. Verantwortlich dafür ist ein Molekül namens Retinal, das sich durch den Einfluss von Blaulicht toxisch verändert. Trifft ungefiltertes Blaulicht in hoher Dosis langfristig auf das Retinal, könnten Sehzellen der Netzhaut absterben. Weiterhin kann eine übermäßige Bestrahlung deinen Augen abends falsche Signale senden, was deinen Schlafrhythmus negativ beeinflusst. Entscheidest du dich aufgrund dessen für eine Brille mit Blaulichtfilter, reduzierst du die Bestrahlung. Dadurch fühlen sich deine Augen bei der Bildschirmarbeit weniger beansprucht.

Blaulichtfilterbrille kaufen – was gibt es bei der Auswahl zu beachten?

Grundsätzlich eignen sich Blaulichtfilterbrillen für Menschen mit oder ohne Sehschwäche, die entspannter am Bildschirm arbeiten möchten. Preislich kosten die Brillen mit zumeist bläulichen oder violetten Gläsern, abhängig vom Ausstattungsumfang, mindestens 80 Euro. Meistens kosten Modelle mit Sehstärke etwas mehr. Es ist auch möglich, eine bereits vorhandene Brille mit neuen Gläsern mit Blaulichtfilter „nachzurüsten“.

Dafür lohnt sich eine Beratung bei einem professionellen Augenoptiker, der auf dem neusten Stand der Technik ist. Einen umfassenden Einblick erhalten Augenoptiker und andere Experten auf einer speziellen Fachmesse im Herzen Nordrhein-Westfalens. Die Interlook fasst interessante Trends rund um das Optikerequipment zusammen und ermöglicht es Fachleuten, sich über neue Entwicklungen zu informieren. Dazu gehören auch die Brillen mit Blaulichtfilter, die die Bildschirmarbeit erleichtern sollen.

Weiterhin solltest du entscheiden, welche Art von Brillen du bevorzugst. Neben Brillen, die Blaulichtfilter im Material haben, gibt es Modelle mit einer speziellen Beschichtung. Brillen mit „eingebautem“ Blaulichtfilter bringen eine minimale, alltagstaugliche Färbung mit. Obwohl die leichte Tönung bei der Arbeit nicht auffällt, absorbiert der Filter das blaue Licht.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren Brillen mit einer Blaulichtfilter-Beschichtung, wobei diese die Strahlen zurückreflektieren. Da die Strahlen auf der durchsichtigen Glasoberfläche lediglich abprallen, können visuelle „Irritationen“ die Folge sein. Falls du also auch in virtuellen Teammeetings auf deine Brille als Modestatement setzt, bietet sich die erstgenannte Variante an. Wieviel Strahlung die Brillen herausfiltern können, ist von Modell und Hersteller abhängig. Die Maximalwerte liegen bei rund 45 Prozent, wobei Modelle mit schwacher Grundtönung etwa 15 bis 20 Prozent Strahlung filtern.

HEV-Licht
Die intensive Nutzung elektronischer Geräte geht an den Augen nicht spurlos vorbei. Das „High Energy Visible Light“ (HEV-Licht) kann nach längerer Zeit Kopfschmerzen und Migräne, verschwommenes Sehen oder trockene, gereizte Augen begünstigen. Brillen mit Blaulichtfilter beseitigen die Probleme nicht gänzlich, können aber in einigen Fällen die Symptome lindern.

Für wen sind Brillen mit Blaulichtfilter sinnvoll?

Blaulichtfilter bei Brillen erfüllen insbesondere in den Abendstunden ihren Zweck. Da die Gläser das Blaulicht filtern, tragen sie zu einer gewohnten Produktion von Melatonin bei. Sofern du abends Unterhaltungsmedien nutzt oder viel am Bildschirm arbeitest, passt eine solche Brille zu dir. Die Vorteile, die eine reduzierte Belastung mit Blaulicht mit sich bringen, lassen sich wissenschaftlich untermauern. Fest steht, dass Blaulicht anregend wirkt und den Körper in einen „Alarmzustand“ versetzt. Morgens mag dies hilfreich erscheinen, da der Organismus dann besser in Gang kommt. Da du wach wirst, fällt es dir leichter, den Tag mit dem Schminken und anderen Morgenroutinen zu beginnen.

Abends kann eine zu hohe Dosis Blaulicht wiederum den zirkadianen Rhythmus stören, auf dem deine innere Uhr basiert. Da das Blaulicht Studien zufolge den Körper dabei hemmt, Melatonin auszuschütten, wirst du langsamer müde. Auf Dauer benötigst du möglicherweise mehr Zeit, um einzuschlafen oder schläfst schlechter durch. Langfristig können sich auf diese Weise infolge des Schlafmangels Leistungsschwächen, nervliche Störungen oder Krankheiten wie Depressionen manifestieren. Mit einer Blaulichtfilterbrille, die deine Augen vor übermäßiger Strahlung schützt, wirst du dem entgegen.

Sind Brillen mit Blaulichtfilter eine echte Hilfe oder lediglich modische Gadgets?

Experten gehen mittlerweile davon aus, dass Brillen mit Blaulichtfilter durchaus sinnvoll sein können. So geht der Leiter des Augenoptik-Instituts der Ernst-Abbe-Hochschule Jena davon aus, dass weniger Blaulicht besser für die Augen wäre. Generell lässt sich das Risiko für Netzhautschäden, das von Monitoren und Displays ausgeht, aber nicht wissenschaftlich bemessen. Dementgegen haben Wissenschaftler bereits erforscht, dass Blaulicht die Ausschüttung von Melatonin hemme. „Blaulichtkritiker“ raten deshalb vorsichtshalber, die Augen mithilfe eines Filters zu schützen. Solange, bis weitere Technologien zur Verfügung stehen, sei es daher sinnvoll, einer möglichen Netzhauterkrankung der Augen mit Blaulichtfilter-Korrekturgläsern vorzubeugen.

Blaulichtfilterbrille
Blaulichtfilter lassen sich, unabhängig von einer vorliegenden Kurz- oder Weitsichtigkeit, problemlos in Gläser integrieren. Neben den Brillen gibt es außerdem Kontaktlinsen mit Blaulichtfilter.

Falls du dir dennoch unsicher bist, solltest du nicht vergessen, dass es neben den Brillen weitere Alternativen gibt. Viele elektronische Geräte sind beispielsweise mit einem Nachtmodus ausgestattet, der den Blaulichtanteil reduziert. Durch das wärmere Farbspektrum werden deine Augen weniger belastet. Schlussendlich ist es auch entscheidend, welchen Abstand die Augen zum Bildschirm einhalten. Manchmal entstehen die Beschwerden nicht durch den Blaulichtanteil, sondern schlicht durch eine falsche Sitzhaltung oder eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr. In diesen Fällen helfen ergonomische Arbeitsmöbel, vermehrtes Trinken und regelmäßige Bildschirmpausen, die Symptome abzumildern.

 

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