Der Verzicht auf Lebensmittel – Wo macht er wirklich Sinn?

Noch immer beherrscht ein Schönheitsideal die Medien und die Werbung: Nur, wer schlank ist und eine reine Haut hat, gilt als universell schön. Dass diese Ansicht nicht nur sehr oberflächlich, sondern vor allem auch unreflektiert ist und längst als antiquiert gelten sollte, muss sich erst noch durchsetzen – obwohl es schon Gegenbewegungen, wie die Body-Positivity-Bewegung gibt, die sich im Web immer mehr verbreiten. Abseits jeglicher Ideale, für die Schönheitskämpfer jedes Leid in Kauf nehmen (Wie heißt es so schön: Wer schön sein will, muss leiden) gibt es allerdings gerade hinsichtlich der Ernährung bestimmte Maßnahmen, die tatsächlich jeder, der gesund leben möchte, ergreifen sollte. Auf manche Lebensmittel sollte etwa verzichtet werden, um eine gesunde Figur zu halten und den Körper nicht unnötig zu belasten. Andere wiederum können problemlos zu sich genommen werden, auch wenn häufig anderes propagiert wird.

Low Carb – Der Verzicht auf zu viele Kohlenhydrate

Die Low Carb-Diät ist keine Neuheit mehr, erfreut sich aber vor allem unter denjenigen, die gerne schnell abnehmen möchten, immer noch einer konstant großen Beliebtheit. Es geht ganz einfach darum, auf die Zufuhr von Kohlenhydraten weitgehend zu verzichten und dafür mehr Eiweiß und Fette zu sich zu nehmen. Sprich: Weniger Nudeln, Brot, Reis, Kartoffeln & Co. und dafür mehr Fleisch, Fisch, Eier, Käse usw.

Der Effekt, auf den alle hoffen, die auf viele Kohlenhydrate verzichten ist folgender: Wer viel Zucker und Stärke in Form von Kohlenhydraten zu sich nimmt (insbesondere kurzkettiger Kohlehydrate, die der Körper schnell umsetzt) erhöht die Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse. Zu viel Insulin wiederum begünstigt die Einlagerung von Fett in den Zellen und erschwert gleichzeitig den Abbau dieses Fettes. Außerdem kommt es schneller zu Heißhungerattacken, die sich dann wieder nicht etwa auf Salat, sondern auf Zucker und Stärke richten. Wer es maßlos übertreibt, kann sogar eine Insulinresistenz entwickeln, die als Vorstufe von Diabetes angesehen werden kann. Wer nun wenig Kohlenhydrate zu sich nimmt und den Verzehr von Stärke und Zucker auf ein Minimalmaß senkt, geht davon aus, dass sich der Insulinstoffwechsel normalisiert. Oft werden besonders strenge, auf einen bestimmten Zeitraum beschränkte, Diäten eingehalten, um danach wieder mehr Kohlenhydrate zuzuführen.

Der Ansatz der Low Carb-Verfechter ist nicht falsch. Allerdings ist die Gefahr groß, dass beim Verzicht auf viele Kohlenhydrate, um eine Sättigung zu erreichen und genügend Energie für den Alltag zuzuführen, der Konsum von tierischem Eiweiß zu sehr steigt. Oft wird nämlich als Ersatz enorm viel Fisch, Fleisch, aber auch Eier und Milchprodukte verzehrt – auch Käse etwa enthält tierisches Eiweiß. Der Körper wird dadurch mitunter mit Harnsäure und Arachidonsäure überschwemmt und übersäuert eventuell. Im ungünstigsten Fall kann das zu entzündlichen Prozessen führen, womit langfristige Folgen, wie Gicht, Rheuma oder auch bestimmte Allergien riskiert werden.

Auf Kohlenhydrate eine kurze Zeit zu verzichten kann also gut sein; allerdings haben sich andere Diätformen, wie etwa eine fettreduzierte Mischkost, als gesünder und einfacher erwiesen.

Unverträglichkeiten – Der Verzicht auf Laktose und Gluten

Immer mehr Menschen verzichten freiwillig und ohne, dass sie etwa vom Arzt den Rat dazu bekommen hätten, auf Laktose und seit einiger Zeit nun auch auf Gluten. Bei Laktose mag dieser Verzicht teilweise noch begründet sein, da fast 15% der Bevölkerung unter einer Laktoseintoleranz leiden. Grund für diese Unverträglichkeit ist ein Mangel an Laktase, der sich bei vielen Menschen feststellen lässt. Es handelt sich dabei um ein Enzym, das die Funktion hat, den Milchzucker, der sich etwa in Kuhmilch, Schafskäse oder auch in der Butter findet, im Dünndarm aufzuspalten. Ist zu wenig Laktase im Körper vorhanden, bleibt der Milchzucker im Darm und wird nicht aufgespalten.

Die Folgen können Durchfall, Blähungen und andere Symptome sein, da der Milchzucker beginnt, langsam im Darm zu gären. Grundsätzlich auf jegliche Milchprodukte zu verzichten ist dennoch übertrieben. Zum einen macht es nur Sinn, auf einen Inhaltsstoff zu verzichten, den man auch tatsächlich nicht verträgt. Dies ist im Falle von Unsicherheiten beim Hausarzt nachprüfbar. Zum anderen gibt es unterschiedliche Abstufungen und Formen der Laktoseintoleranz. Der eine verträgt beispielsweise tatsächlich gar keine Milchprodukte, während die andere problemlos Butter und Käse essen und nur keine pure Milch konsumieren kann. Es kann also nicht pauschalisiert werden.

Immer unbeliebter werden außerdem jegliche Produkte aus Weizenmehl. Man kann fast schon von einer Verschwörung sprechen, von der, angesichts der Tatsachen, einfach nichts zu halten ist. Betrachtet man sich nur einmal die Zunahme an Produkten, auf denen sich der ‚glutenfrei‘-Hinweis findet, scheint die Popularität dieses Trends dennoch nicht abzunehmen. Dabei ist es noch eindeutiger, als bei Laktose: Es macht, einfach gesagt, keinen Sinn. Nur etwa 0,2% der Deutschen leiden unter Zöliakie, der Glutenunverträglichkeit. Es handelt sich bei ihr um eine chronisch entzündliche Darmerkrankung; genauer gesagt um eine Autoimmunerkrankung. Wer Gluten zuführt, obwohl er es nicht verträgt, riskiert chronische Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall, aber etwa auch Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Verstopfung, Untergewicht und Gelenkbeschwerden.

Wer aber auf den Weizenkleber einfach so verzichtet, weil er gehört hat, dass dies gesund sein könne, tut sich selbst keinen Gefallen. Denn gerade der Wegfall von Vollkornprodukten, in denen sich wichtige Bestandteile für die Darmflora finden, welche die Darmtätigkeit regulieren oder den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen lassen, ist nicht ungefährlich. Auch Polyamine, die dem Körper mit glutenfreier Ernährung vorenthalten werden, sind der Gesundheit zuträglich.

Gluten-Unverträglichkeit
Alle Produkte, die aus Weizenmehl hergestellt werden, enthalten auch Gluten. Dennoch muss eigentlich kaum jemand auf Nudeln und Brot verzichten.

Fertigmahlzeiten – Der Verzicht auf Nahrung aus der Kühltruhe

Neben dem Verzicht auf bestimmte Nährstoffe oder Allergene verzichten viele Konsumenten auch auf gewisse Produkte und Lebensmittel. Besonders die Fertigmahlzeiten haben den Ruf, ungesund zu sein und viel Zucker und Fett zu enthalten. Der günstige Preis und die schnelle Zubereitung würden das Risiko nicht rechtfertigen, dass man eingehe, wenn man regelmäßig fertige Produkte und insbesondere diese in kleinen Tüten oder aus der Kühltruhe, wie etwa Tiefkühlpizzen, ganze Eintöpfe und Pfannengerichte und beispielsweise Suppen konsumiere. Doch ist da wirklich etwas dran?

Tiefkühlgerichte werden, damit sie länger haltbar sind, oftmals mit Sodium angereichert. Es handelt sich dabei um einen natürlichen Konservierungsstoff, der Wasser im Körper speichert. Nimmt man ihn in größeren Mengen zu sich, wie es beim regelmäßigen Tiefkühlgerichte-Konsum nicht selten der Fall ist, so riskiert man, dass der Bauch sich bläht und man fülliger aussieht, als zuvor, selbst wenn man beispielsweise eine Art Diät einhält. Viel schlimmer ist aber, dass sich in den meisten Fertigmahlzeiten tatsächlich eine Menge Salz, Fett und Zucker findet. Hinzu kommen oft Zusatzstoffe, Aromen und Geschmacksverstärker, die nicht einmal unbedingt gekennzeichnet sein müssen. Gerade Fette und Transfette können gesundheitsschädliche Auswirkungen haben und sollten deshalb gemieden werden.

Nicht zu vergessen ist außerdem, dass die Fertigmahlzeiten oft in kleinen und handlichen Verpackungen daherkommen und so den Anschein erwecken, gar nicht so viele Kalorien zu haben. Schließlich kann eine so kleine Portion ja nicht dick machen oder zu ungesund sein. Allerdings ist dies ein Trick der Industrie. Auch kleine Mahlzeiten können zu viel Energie für den Körper bedeuten. Ein ganzer Block Butter zum Beispiel ist auch kompakt – dass man ihn allerdings nicht am Stück essen sollte, ist den meisten klar.

Es gibt jedoch auch Ausnahmen unter den Fertiggerichten, auf die nicht verzichtet werden muss. Manches Tiefkühlgemüse, dem keine Butter oder sonstiges zugesetzt ist, kann gesünder sein, als frische Ware, da es nicht selten noch mehr Vitamine enthält. Wichtig ist grundsätzlich, auf die Inhaltsstoffe zu achten. Denn die sprechen für sich.

Softdrinks und Shakes – Der Verzicht auf süße Säfte

Egal ob Limonade mit oder Limonade ohne Zucker: Der Verzicht auf jegliche Softdrinks ist begründet und sinnvoll. Denn selbst die zuckerfreien Getränke sind, um den Geschmack zu intensivieren, in der Regel mit künstlichen Süßstoffen angereichert, die den Blutzuckerspiegel in die Höhe treiben. Sie unterscheiden sich in dieser Hinsicht kaum von Tiefkühlprodukten. So mögen sie vielleicht kurz den Durst stillen und lecker schmecken, sie machen aber auch Lust auf mehr. Diese Endlosschleife macht ungesund und auf Dauer auch dick.

Wer sich denkt, er könne stattdessen auf „natürliche“ Getränke umsteigen und zu Saftschorlen oder puren, frischen Obstsäften greift, begeht einen Denkfehler. Gesünder als die Getränke aus der Industrie sind Säfte und Shakes, die sich aus Früchten selber machen lassen oder die es inzwischen auch an viele Ständen etwa in Innenstädten zu kaufen gibt schon. Allerdings enthalten sie auch sehr viele Kalorien. Die Ballaststoffe hingegen gehen beim Pressen und Mixen allerdings zum Großteil verloren. Besser also: Auf Softdrinks, Fruchtsäfte und Shakes verzichten und stattdessen Wasser trinken und den Rest snacken oder nur in Form eines kleinen Nachtischs konsumieren.

Fruchtshakes
Sehen lecker uns gesund aus, sind es aber bei regelmäßigem Konsum nicht: Natürliche Fruchtshakes.

Genussmittel – Der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten

Im Grunde genommen kann es sich fast jeder denken: Die beiden beliebtesten deutschen Genussmittel, die Volksdrogen Alkohol und Tabak, schaden der Gesundheit enorm. Wer also beschließt, auf sie zu verzichten, macht alles richtig. Aber wie gefährlich sind Alkohol und Tabak eigentlich genau?

Um es kurz zu machen: Wer über Jahre hinweg viel Alkohol konsumiert, verkürzt sein Leben um etwa 3,1 Jahre. Das haben Epidemiologen des DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum) um Prof. Rudolf Kaaks errechnet. Das Rauchen schlägt noch deutlich drastischer zu Buche. Raucht beispielsweise ein Mann über zehn Zigaretten am Tag, so verliert er 9,4 Jahre an Lebenserwartung. Bei einer Frau sind es immerhin 7,3 Jahre. Selbst von einem moderaten Zigarettenkonsum ist, wenn es um die Gesundheit geht, abzuraten.

 

Fotos: fotolia.de © karepa (#194860282), photocrew (#35274455), Printemps (#201548455)