Wartesemester: So kannst du die Zeit sinnvoll nutzen

Grundsätzlich herrscht an deutschen Hochschulen freie Studienplatzwahl. Wenn da nur der Numerus Clausus, oder wie er auch kurz genannt wird, NC, nicht wäre. Dahinter verbirgt sich eine Zulassungsbeschränkung für bestimmte Studienfächer, die als sehr beliebt gelten, in denen pro Semester aber nur eine begrenzte Anzahl an Studienplätzen vergeben werden können. Zugelassen werden in diesem Fall vor allem diejenigen Bewerber, die das beste Abitur abgelegt haben.

Falls du nicht zu diesen Glücklichen gehörst, aber dennoch gerne Medizin, Jura, Pharmazie, oder einen der anderen zulassungsbeschränkten Studiengänge studieren möchtest, dann musst du die Flinte jedoch nicht gleich ins Korn werfen. Denn wenn dir vor Studienbeginn angesammelte Wartesemester angerechnet werden, dann verbessert sich für jedes Wartesemester automatisch deine Chance, dass du am Ende einen der begehrten Studienplätze bekommst und dein Traumfach studieren kannst.

Für die Berechnung des in jedem Semester neu berechneten Numerus Clausus ist übrigens die Stiftung für Hochschulzulassung zuständig. Sie ermittelt den Numerus Clausus anhand der zur Verfügung stehenden Studienplätze, der Anzahl der Studienbewerber und deren Abiturnoten.

Was genau ist ein Wartesemester?

In Wartesemestern wird der Zeitraum zwischen dem Ablegen deines Abiturs und dem Beginn des Studiums berechnet. Allerdings musst du bei der korrekten Berechnung deiner Wartesemester einige Dinge beachten.

Ein Wartesemester besteht jeweils aus sechs Monaten, was der Dauer eines regulären Studiensemesters entspricht. Wenn du also zwischen deinem Abitur und dem Studienbeginn zwei Jahre verstreichen lässt, dann hast du vier Wartesemester gesammelt.

Denke aber daran, dass das Halbjahr, in dem du dein Abitur gemacht hast, dabei noch nicht mitgerechnet wird. Wenn du also zum Beispiel im April oder Mai dein Abitur abgelegt hast und dich für das folgende Wintersemester eingeschrieben hast, dann hast du noch kein Wartesemester gesammelt.

Die Zeit zwischen dem Abitur und dem nächstmöglichen Studienbeginn wird also als eine reguläre Wartezeit behandelt, mit der du einfach rechnen musst. Außerdem kannst du nicht beliebig viele Wartsemester sammeln. Die Höchstanzahl ist auf 16 begrenzt.

Welchen konkreten Vorteil haben Wartesemester eigentlich?

Falls es dir wegen eines zu hohen Numerus Clausus nicht gelingen sollte, im ersten Anlauf einen Studienplatz für dein Traumfach zu bekommen, dann kannst du deine Ausgangsposition für deinen nächsten Versuch über das Sammeln von Wartesemestern verbessern.

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Was viele nicht wissen ist, dass sich der Durchschnitt deiner Abiturnote durch Wartesemester nicht verbessert. Du kannst also nicht erwarten, dass sich die Note pro Wartesemester zum Beispiel um 0,1 Notenpunkte, oder ähnliches, verbessern würde. Deine Abiturnote bleibt für immer deine Abiturnote.

Allerdings ist es so, dass deutsche Hochschulen die Pflicht haben, einen Teil ihrer zur Verfügung stehenden Studienplätze nicht nur nach reiner NC-Berechnung zu vergeben. Ein gewisser Anteil muss immer an die Bewerber mit Wartesemester vergeben werden. Je höher die Anzahl der Wartesemester ist, die angehende Studenten dabei nachweisen können, desto besser. Denn desto weiter vorne stehen sie in der Besetzungsliste für diese Studienplätze.

Wie viele Studienplätze eine Hochschule an angehende Studenten mit Wartesemestern vergeben muss ist unterschiedlich, aber es gibt eine Art Faustregel. In vielen Bundesländern werden 20 Prozent der zulassungsbeschränkten Studienplätze so vergeben. Nur in Thüringen, Bayern und Hamburg sind es lediglich rund zehn Prozent.

Muss man sich für ein Wartesemester bewerben oder registrieren?

Hier gibt es eine gute Nachricht für dich – für ein Wartesemester musst du dich weder bewerben noch registrieren lassen. Falls du nach dem Abitur nicht direkt mit dem Studium beginnst, kann dir der Zeitraum als Wartesemester automatisch angerechnet werden.

Kannst du dir jeden Zeitraum zwischen Abitur und Studienbeginn automatisch als Wartesemester anrechnen lassen?

Es gibt einige Regeln dafür, was du in der Zeit zwischen deinem Schulabschluss und dem Studienbeginn tun darfst, damit dir die Zwischenzeit als Wartesemester anerkannt wird.

Solltest du zwischenzeitlich an einer deutschen Hochschule eingeschrieben sein, dann gilt die Wartezeit bis zum Antritt eines zulassungsbeschränkten Studiengangs nicht als Wartesemester. Der Grund dafür ist, dass du ja regulär studierst, nur eben in einem Studienfach, das für alle Bewerber offen ist, da genügend Studienplätze für alle zur Verfügung stehen. Das gilt auch für Studiengänge an deutsche Fachhochschulen und Fernuniversitäten und auch, wenn du dich nur einschreibst, aber niemals zur Uni gehst.

Falls du im Ausland eingeschrieben bist, oder zu einem früheren Zeitpunkt warst, dann kommt es auf den Einzelfall an. Auch hier gelten viele Studiengänge nicht als Wartesemester, jedoch gibt es Ausnahmen. Am besten informierst du dich direkt bei der Hochschule, an der du einen zulassungsbeschränkten Studiengang aufnehmen möchtest. Denn die Hochschulen sind hier nicht an allgemeine Vorgaben gebunden. Sie können bis zu einem gewissen Grad selbst entscheiden, wie sie mit den Auslandsstudiengängen umgehen möchten.

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So kannst du Wartesemester sinnvoll nutzen

Auch wenn für dich im Fokus steht, dich für dein Wunschstudienfach einzuschreiben, solltest du dafür eventuell nötig werdende Wartesemester nicht einfach so ungenutzt verstreichen lassen. Am besten füllst du die Wartezeit bis zu dem Zeitpunkt, zu dem du dein liebstes Fach studieren kannst, möglichst sinnvoll. Dafür hast du eine ganze Menge an unterschiedlichen Möglichkeiten zur Verfügung.

Du kannst zum Beispiel ein Praktikum machen, ein Freiwilliges Soziales Jahr einschieben, eine Weltreise unternehmen, die dich als Mensch weiterbringt und deine Persönlichkeit stärkt, als Au-Pair ins Ausland gehen, oder zunächst eine Berufsausbildung absolvieren.

Dabei bietet es sich an, dass deine Aktivitäten etwas mit deinem angestrebten Studienfach zu tun haben. Denn so kannst du bereits in dein zukünftiges Berufsfeld hineinschnuppern und sehen, ob der Bereich wirklich zu dir passt. Falls er das tut, dann profitierst du außerdem von den beruflichen Kenntnissen, die du in deiner Ausbildung, oder bei deinem Praktikum, ansammelst.

Für den Fall, dass du kein entsprechendes Praktikum findest, dir eine Berufsausbildung zu lange dauert, oder du einfach nur ein wenig Geld für deine Zeit als Student:in zur Seite legen möchtest, sind auch Gelegenheitsjobs bestens dafür geeignet die Zeit zu nutzen, während du Wartesemester ansammelst. Du kannst zum Beispiel kellnern, in einer Fabrik oder im Einzelhandel arbeiten. Dabei verdienst du nicht nur Geld und sammelst Berufserfahrung, sondern kannst unter Umständen auch noch etwas für dein Rentenkonto tun. Denn auch, wenn du nur einen Neben- oder Zwischenjob hast, zahlst du in die Rentenkasse ein.

Warten mit einem Praktikum oder einer Berufsausbildung

Je nachdem, wie viele Wartesemester du ansammeln möchtest, kann ein Praktikum oder eine Berufsausbildung die bessere individuelle Wahl für dich sein. Praktika dauern in der Regel wenige Wochen bis zu einem halben Jahr. Wenn du ein Praktikum an Land ziehst, das mit deinem späteren Traumberuf in Verbindung steht, prima!

Falls du Jurist:in werden möchtest, dann kannst du dich beispielsweise bei der Staatsanwaltschaft, bei einem Notar oder der Rechtsabteilung einer großen Firma um ein Praktikum bewerben. Falls es dir nicht gelingt ein zum Studienfach passendes Praktikum zu ergattern, dann kannst du trotzdem davon profitieren. Denn egal welcher Art dein Praktikum ist, es trainiert immer deine Soft Skills. Du schulst in einem Praktikum also zum Beispiel deine Teamfähigkeit und lernst strukturiertes Arbeiten.

Lohnenswert ist es auch mehrere kürzere Praktika aneinanderzureihen, falls du kein Praktikum für ein halbes Jahr finden solltest. So kannst du mehrere Unternehmen von innen erleben. Eine dem Studium vorgeschaltete Berufsausbildung kann dir bereits viele wichtige Inhalte deines Studienfachs vermitteln, sofern sie mit deinem Wunschfach verwandt ist. Solltest du also planen Medizin zu studieren, dann lohnt sich für dich eine Ausbildung im medizinischen Bereich als Krankenschwester, Rettungssanitäterin, Arzthelferin oder Altenpflegerin.

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Weitere Vorteile von Praktika und Berufsausbildungen zur Überbrückung der Wartezeit sind, dass du häufig dafür bezahlt wirst und dir somit Geld für dein Studium ansparen kannst.

Die Wartezeit mit Freiwilligenarbeit füllen

Freiwilligenarbeit hat viele Vorteile, auch für zukünftige Studenten zulassungsbeschränkter Fächer. Freiwilligenarbeit, wie etwa das Absolvieren eines Freiwilligen Sozialen oder Kulturellen Jahres, wirkt im Lebenslauf immer positiv. Du zeigst darüber, dass du Verantwortung für andere übernehmen kannst und möchtest. Deshalb berücksichtigen Hochschulen bei der Auswahl der Studenten für ihre NC-Fächer unter anderem deren soziales Engagement.

Normalerweise dauern die freiwilligen Engagements ein Jahr lang. Ganz egal, ob du in einem Kindergarten, der Stadtbücherei, einem Bio-Reservat oder im Ausland an einer deutschen Sprachschule arbeitest, für dein Engagement wirst du mit einem kleinen Taschengeld von bis zu 350 Euro pro Monat entlohnt. Manchmal werden Freiwilligen auch Unterkünfte und Verpflegung gestellt, wenn sie nicht am eigenen Wohnort arbeiten. Somit ist auch der Freiwilligendienst eine tolle Möglichkeit, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Für einige Zeit ins Ausland gehen
Die Zeit direkt nach dem Abitur wird von vielen Menschen als die beste Möglichkeit beschrieben für eine Zeit lang ins Ausland zu gehen. Denn je älter du wirst, desto mehr Verpflichtungen wirst du auch haben. Und umso schwieriger wird es dann für dich sein, dir längere Zeiträume für Auslandsabenteuer freizuschaufeln.

Warum also nicht jetzt eine Weltreise machen, oder zu einem Work and Travel Aufenthalt ans andere Ende der Welt aufbrechen? So kannst du gleichzeitig dein Fernweh stillen und ein wenig Geld verdienen.

Auch eine Sprachreise ins Ausland, oder ein Au-Pair-Aufenthalt in einem fremden Land, haben etwas für sich. Mit Sicherheit wirst du dabei deine Fremdsprachenkenntnisse ausbauen. Darüber hinaus wirst du selbständiger werden und lernst dabei auch noch eine andere Kultur kennen.

 

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