Cornell-Methode: Erfolgreiches Lernen mit besseren Notizen

Ob in der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz – das Lesen wissenschaftlicher Lektüre oder das Zuhören eines Vortrags: in vielen Bereichen unseres Lebens müssen wir in der Lage sein, Informationen schnell und umfassend aufzunehmen. Dafür machen sich die meisten Lernenden Notizen, welche dann später die Grundlage zum Lernen bieten. Doch nicht selten versinkt man in ein Zettelchaos oder kann sich beim Lesen der eigenen Aufzeichnungen nicht mehr an den Kontext erinnern.

Um dies zu vermeiden, stellen Lehrer, Dozenten oder Arbeitskräfte meistens ihre verwendete Powerpoint-Präsentation zur Verfügung. Doch auch hiermit lernt es sich oftmals schwer, da das Gelesene einfach nicht im Gedächtnis bleiben will.

Handgeschriebene Notizen bleiben besser in Erinnerung

Auch wenn der Trend zu Digitalisierung geht – wer handschriftlich seine Notizen festhält, ist klar im Vorteil. Besonders wenn es um komplexe Zusammenhänge geht, können handgeschriebene Notizen besser abgerufen werden. Beim Schreiben mit Stift und Papier muss sich der Schreibende oftmals auf notwendige Fakten beschränken, während diejenigen, die am Laptop schreiben, bemüht sind, jedes einzelne Wort mitzuschreiben.

Schreiben heißt denken

Es ist ein Unterschied, ob du etwas nur liest bzw. hörst, oder die Informationen in eigenen Worten wiedergebend aufschreibst. Beim Schreiben geschieht ein Denkprozess im Gehirn. Eigens durchdachte Informationen lassen sich wiederum leichter abrufen als das rein Gelesene oder Gehörte.

Die Fakten sprechen demnach klar für das Notizen machen. Doch wie? Wir wollen nicht am Ende einer Vortragsreihe oder kurz vor der Prüfung in einer Zettelflut versinken. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl an Methoden, welche das Notizen machen erleichtern. Eine besonders empfehlenswerte Methode ist die Cornell-Methode.

Die Cornell-Methode

Die Cornell-Methode hilft dir kurz gesagt, deine Notizen zu strukturieren. Grundlegend bietet sie eine bestimmte, immer gleichbleibende Vorlage, sodass es leicht ist, sich in seinen Notizen zurechtzufinden. Sie wurde 1949 von dem Professor Walter Pauk an der Cornell-University in Amerika entwickelt und ist auch als Cornell Note Taking System bekannt.

Einsatzgebiete

Die Methode eignet sich in vielfältiger Weise. Hier einige Beispiele:

  • in Seminaren
  • auf Weiterbildungen
  • in Vorlesungen
  • beim Lesen von Fachlektüre
  • beim Lesen von Online-Lektüre
Übrigens: Die Cornell-Methode eignet sich nicht, wenn Informationen 1:1 an andere Personen weitergegeben werden sollen. Dies liegt daran, dass eine verkürzte Formulierung verwendet wird, die wir später noch beschreiben.

Ablauf der Cornell-Methode

Schritt 1: Vorbereiten des Notizblocks

Nimm dir ein Din-A4-Blatt. Im unteren Teil ziehst du mit etwa 5 cm Abstand zum unteren Rand eine waagerechte Linie. Im oberen Teil des Blattes ziehst du nun im Abstand von etwa 6 cm zum linken Rand eine weitere senkrechte Linie. Über den Spalten kannst du das Datum sowie den Titel der Vorlesung, des Vortrags oder der Literatur schreiben. Dies ist wichtig, damit du beim späteren Durchgehen deiner Notizen immer auf den ersten Blick erkennst, um welches Thema es sich handelt. Anderenfalls wirst du schnell die Übersicht verlieren und endest im Zettel-Chaos. Während der Veranstaltung wird nur in der breiten rechten oberen Spalte geschrieben.

Schritt 2: Notizen machen

Zu den Notizen zählen das Gehörte oder Gelesene, eigene Fragen sowie Fragen oder Anmerkungen von Mitlernenden. Bei der Formulierung solltest du unbedingt Abkürzungen, Symbole und Stichwörter nutzen, um Zeit einzusparen. Hilfreich sind auch kleine Zeichnungen oder Sketchnotes, welche dem Gehirn beim Verarbeiten und Abrufen der Informationen helfen.

Du solltest dich bei den Notizen auf die Kernaussagen des Vortrages oder des Textes konzentrieren. Auf vom Vortragenden gebrachte Beispiele kannst du verzichten. Du solltest auf Signale achten wie: „Die drei wichtigsten Punkte sind…“. Es lässt darauf schließen, dass eine wichtige Information folgt. Auch wenn Informationen wiederholt werden, sind sie vermutlich von Bedeutung.

Beim Lesen eines wissenschaftlichen Textes kannst du auf fett markierte Wörter achten, welche oft Schlüsselwörter sind. Diese kannst du einzeln notieren. Werden Diagramme oder Tabellen benutzt, kannst du diese bei Bedarf vereinfacht übernehmen. Ist dir die Kernaussage dieser Diagramme jedoch auf den ersten Blick bewusst, so reicht es, diese aufzuschreiben.

Schreibe nie in ganzen Sätzen, sondern verwende Bindestriche und schreibe jede Information in möglichst ein bis zwei Wörtern auf. Hab keine Angst, nur Schlüsselbegriffe zu notieren. Du wirst dich beim späteren Überarbeiten an die Einzelheiten zu den jeweiligen Überschriften erinnern – viel besser, als wenn du jede einzelne Information aufschreiben und die Hälfte des Vortrags verpassen würdest.

Wird ein neues Thema, ein Unterthema oder ein neues Kapitel begonnen, solltest auch du eine neue Seite beginnen. Auf den ersten Blick erscheint dir dies vielleicht verschwenderisch, es wird dir aber helfen, die Informationen gedanklich besser zu speichern. Somit kannst du sie später auch einfacher anrufen.

Hast du keine schöne Handschrift, vor allem, wenn du unter Zeitdruck stehst? Sind deine Notizen unleserlich, solltest du sie so bald wie möglich überarbeiten, solange du dich inhaltlich noch erinnern kannst. In diesem Zuge hast du auch die Möglichkeit, einige weitere Informationen, an die du dich erinnerst, zu notieren. Doch achte auch hier darauf, auf Beispiele möglichst zu verzichten und nur die wichtigsten Informationen zu sammeln, um die Kernaussage stets vor Augen zu haben.

 

 

Schritt 3: Nachbereitung der Notizen

Die linke Spalte wird in kurzem Zeitabstand zur rechten Spalte gefüllt. Sie dient der Nachbereitung des Gelesenen oder Gehörten. In diese Spalte werden Fragen notiert, welche dir im Nachhinein in den Sinn kommen, wichtige Schlagworte und Ideen. Die Notizen können durch den Einsatz von Textmarkern farblich noch einmal geordnet werden, was auch der Visualisierung dient.

Schritt 4: Zusammenfassung

Zuletzt geht es an die untere Spalte. Hier wird, ebenfalls in möglichst geringem zeitlichem Abstand, eine Zusammenfassung der Notizen möglichst in deinen eigenen Worten verfasst. Hier kannst du in ganzen Sätzen sowie in Textform arbeiten.


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Lernen mit der Cornell-Methode

Die Cornell-Methode dient dir nicht nur, übersichtlich und nachhaltig deine Notizen zu verfassen. Du kannst diese Notizen anschließend nutzen, um dich auf eine Prüfung oder ähnliches vorzubereiten.

Wenn du allein lernst, kannst du die rechte Spalte zunächst zudecken. Du widmest dich nun den Fragen und Stichworten der linken Spalte. Anhand ihrer versuchst du, die Inhalte zu dem Thema abzurufen. Dein Wissen kannst du mit der rechten Spalte und der unteren Spalte überprüfen. Beim ersten Lernen wirst du feststellen, welche der niedergeschriebenen Informationen besonders wichtig sind. Diese solltest du noch einmal farbig markieren.

Wiederhole das Lernen so oft wie möglich. Wenn du beim Lernen feststellst, dass du die Informationen durcheinanderbringst oder wichtige Punkte vergisst, kannst du die Notizen nochmal auf ein neues vorbereitetes Blatt übertragen und neu anordnen.

Mit der Cornell-Methode zu besserem Lernen

Wie du siehst, ist diese Methode einfach und du kannst mit möglichst geringem Aufwand einen großen Nutzen erzielen. Probiere die Methode doch einfach mal aus, wenn du dich das nächste Mal auf eine Prüfung vorbereitest oder dein Chef dir eine Weiterbildung ermöglicht.

Viel Erfolg beim Lernen!

Hier ein noch paar schöne Beispiele, wie Notizen mit der Cornell-Methode umgesetzt wurden:

 

 

Foto: alfa27 / stock.adobe.com