Emma Steinbakken

Sie ist erst sechzehn Jahre alt, doch sie ist bei weitem erwachsener als man anfangs glauben möchte. Ihre Musik geht ins Ohr und gleichzeitig sind ihre Texte keineswegs kindlich, sondern haben einen Tiefgang, den man anfangs nicht vermuten würde. Emma steht mit beiden Beinen im Leben. Während ihre Schulfreundinnen nach der Schule ihr Leben genießen, geht es für sie ins Studio. Ein Leben, welches man nur durchziehen kann, wenn man seit der Kindheit weiß, dass Musik für jemanden das Leben bedeutet – so wie bei ihr. Was sie zur Musik bewegte, wie ihre Tage aussehen und was Tiefgründigkeit bei Songtexten für sie bedeutet, erfährst du hier.

Was möchtest du mit deiner Musik bei deinen Fans bezwecken?

Ich möchte ihnen einfach das Gefühl geben, dass ich ihr Freund bin. Ich liebe es, über Dinge zu schreiben, die ich durchgemacht habe, wie meine Gefühle und Gedanken, und ich hoffe, dass sich einige Leute damit identifizieren können. Ich denke, dass allein der Versuch füreinander da zu sein, wichtig ist. Wenn ich Musik höre, hilft es mir, genau das zu spüren. Ich hoffe, dass ich so etwas auch für jemand anderen tun kann. Das wäre sehr cool.

Welche Art von Musik hörst du denn selbst gerne?

Ich mag Popmusik, R&B und Rap. Aber ich denke, die Musik, die mich das meiste fühlen lässt, ist wahrscheinlich ein bisschen tiefer, vielleicht etwas, das man als „traurige Musik“ bezeichnen würde.
Du singst seitdem du 10 Jahre alt bist, richtig?

Ich singe eigentlich schon mein ganzes Leben lang. Meine Mutter hat mir gesagt, dass ich mit dem Singen angefangen habe, bevor ich anfing zu reden. Ich habe es auch immer geliebt, vor meinen Eltern und meiner Familie zu singen oder aufzutreten. Das war also sozusagen schon immer genau mein Ding (grinst).

Emma Steinbakken im Interview

Es gab also niemanden, der dich zum Singen inspirierte, es kam einfach aus deinem Inneren von selbst?

Ich glaube schon, ja. Als ich zwei Jahre alt war – ich weiß nicht, wer mich inspiriert hat – aber ich habe mich immer für Fernsehsendungen wie „America‘s Got Talent“ interessiert. Ich habe das von Norwegen aus beobachtet und ich wollte mich dort immer anmelden. Aber meine Eltern haben es mir nicht erlaubt. Ich glaube, andere Kinder singen und Musik schreiben zu sehen, war also sehr inspirierend. Jetzt finde ich die meiste Inspiration durch das Reisen. Das, und einfach nur ein Teenager zu sein.

Gibt es einen Lieblingsort, wohin du gerne reist?

Ich glaube nicht, dass ich einen Lieblingsort habe. Okay, vielleicht New York, weil ich New York liebe. Doch es gibt natürlich auch Sachen, die ich dort nicht besonders gut finde. Ich liebe es, weil es so geschäftig ist und man alles hat, was man braucht. Es ist einfach ein großartiges Plätzchen Erde. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen dort sehr freundlich und offen sind und immer mit einem reden wollen. Was ich nicht mag ist, dass sich alles etwas grau und schmutzig anfühlt und ich mich in dieser riesigen Stadt so klein und unwichtig fühle. Das Reisen lässt mich eine Menge fühlen und ich glaube, dass dies der Grund ist, warum ich dabei so viel Inspiration bekomme. Ehrlich gesagt denke ich, dass ein Ort irgendwo weit weg von Norwegen, ein Ort, der auch nicht aussieht wie Norwegen, am besten für mich ist. Ich mag diesen Augenblick, wenn ich das Gefühl bekomme: „Okay, ich bin definitiv nicht mehr in Norwegen und hier erinnert mich so rein gar nichts an mein Heimatland.“

Aber gefällt dir Norwegen nicht?

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Doch, ich liebe Norwegen! Es ist nur das Gefühl, etwas anderes sehen zu wollen, etwas anderes erleben zu wollen. Einfach etwas Neues erfahren können.

Was würdest du Jemandem raten, der noch nie in Norwegen gewesen ist?

Du solltest hinfahren! Norwegen ist wunderschön! Aber es ist kalt und es gibt viele Berge. Es ist sehr schön, aber ich mag den Dschungel-Vibe. Den haben wir in Norwegen leider nicht und ich sehne mich förmlich danach.

Du sagst, du erhältst deine Inspirationen durch das Reisen. Aber gibt es auch Künstler, die deinen Sound oder deine Texte beeinflussen?

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich einen Künstler habe, der mich am meisten inspiriert. Es ist eher so, dass wenn ich einen coolen Song höre, ich diesen in meine Playlist aufnehme, dann meinem Produzenten vorspiele und ihm sage: „Das ist sehr cool. Ich möchte nur, dass du weißt, dass ich dieses Lied mag.“ Dann gibt es vielleicht Elemente in diesem Lied, die wir auch für meine Musik versuchen könnten, ohne sie dabei zu kopieren. Aber vielleicht gelingt es uns, mit diesen Elementen die gleiche Stimmung zu erschaffen oder ein ähnliches Gefühl zu transportieren.

In einigen Liedern geht es um Trennungen, in anderen wieder um die Liebe. Zum Beispiel dein Song „Young“, in dem es darum geht, die Jugend zu umarmen, die Zeit zu nutzen und verrückte Dinge zu tun. Schreibst du in deinen Songs über jemand Bestimmten? Versuchst du mit deinen Liedern Menschen in deinem Alter zu erreichen oder hoffst du, dass jeder etwas daraus für sein eigenes Leben mitnehmen kann?

Wenn ich ein Lied schreibe, denke ich nie darüber nach, wer es sich anhören wird. Es ist mehr für mich selbst. Es ist nicht für eine bestimmte Gruppe. Ich habe das Gefühl, wenn man sich aufeinander bezieht, dann bezieht man sich darauf. Die meisten meiner Lieder sprechen wahrscheinlich Menschen in meinem Alter an und ich bin sechzehn Jahre alt. Aber ich habe auch Nachrichten von viel älteren Menschen erhalten, die sagen, dass sie sich in bestimmte Lieder hineinversetzen können, was wirklich cool ist. Es geht mir also nicht um eine bestimmte Altersgruppe, sondern um alle.

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Denkst du, dass deine Nähe zu älteren Menschen in der Musikindustrie älteren Zuhörern helfen könnte, sich mit deiner Musik zu identifizieren? Ich meine speziell die Leute in deinem inneren Kreis, wie zum Beispiel deinem Produzenten.

Mein Hauptproduzent ist etwas mehr als 10 Jahre älter als ich. Wenn wir Musik schreiben, schreiben wir zwar gemeinsam, aber es ist immer meine Geschichte und ich singe immer, was ich will. Aber dass er mit Ideen kommt, wie: „Vielleicht sollten wir über dieses oder jenes Thema reden“ oder „Vielleicht sollten wir es auf diese Art und Weise sagen“, hilft mir tatsächlich. Das ist einfach großartig und ich denke, dass diese Konstellation meine Musik nicht zu kindlich erscheinen lässt.

Bist du durch deine erwachsenere Musik auch ein gleichzeitig reiferer Mensch als andere in deinem Alter?

Ja, das glaube ich wirklich. Ich reise nur mit erwachsenen Menschen und ich glaube, das macht mich reifer. Aber ich habe auch das Gefühl, dass ich das bereits tat, bevor ich mit der Musik angefangen habe.

Wir haben uns deine Songtexte durchgelesen, insbesondere „Without You“. Es ist in der Tat ein erwachsenes Lied mit einem tiefgründigen Text. Hast du denn das Gefühl, zu schnell erwachsen zu werden?

Ich habe das Gefühl, dass ich ein gutes Tempo habe. Als ich etwas jünger war, konnte ich es nicht erwarten, erwachsen und älter zu werden.

Diese Denkweise hat mich wahrscheinlich in gewisser Weise ein bisschen zu schnell erwachsen werden lassen. Aber ich bin fast siebzehn und ich mag es, dass meine Freunde und ich an den gleichen Dingen interessiert sind. Ich will nicht mehr älter sein als ich bin, also gleicht sich das wieder aus.

Emma Steinbakken

Es klingt so, als brächten dich deine Freunde wieder auf den Erdboden zurück, während deine Arbeitsbeziehungen dir helfen, nach den Sternen zu greifen. Wie sieht der Songwriting-Prozess für dich aus?

Wenn ich ins Studio gehe, setze ich mich mit meinem Produzenten zusammen und wir sprechen über das Leben. Wir halten uns auf dem Laufenden und wenn wir anfangen, über etwas zu sprechen, das uns sehr interessant erscheint, fangen wir an, darüber zu schreiben. Manchmal sitzen wir am Klavier und spielen ein paar Akkorde und wenn wir etwas finden, das uns gefällt, versuchen wir, eine Melodie daraus zu machen und schreiben drauf los.

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Das hört sich so an, als hättet ihr eine wirklich gute Beziehung. Ist es schwer, Musiker zu sein, während man noch zur Schule geht?

Es ist eine Menge Arbeit, weil ich oft in der Schule bin und dann ins Studio gehen muss. Ich habe also sehr lange Tage, das ist die harte Seite davon. Aber wenn ich nicht in der Schule wäre, würde ich viel mehr arbeiten, was bedeutet, dass ich unter viel mehr erwachsenen Menschen wäre und weniger Zeit hätte, mit meinen Freunden zusammen zu sein. Einfach in der Schule zu sein, alle meine Freunde sehen zu können und umgeben zu sein von Menschen meines Alters, tut mir gut. Außerdem tut es gut, auch mal über etwas anderes als Musik zu reden. Durch die Arbeit und den Schulbesuch habe ich auch gelernt, strukturierter zu sein und bessere Routinen zu haben. Es ist also ein Segen und ein Fluch zugleich.

Du machst also deinen High School-Abschluss, aber möchtest du danach auch noch aufs College?

Ja, die High School will ich unbedingt abschließen. Danach werde ich Vollzeit Musik machen, zumindest ist dies momentan der Plan.

Auf Spotify findet man deine Songs bereits, dürfen sich deine Fans vielleicht über ein baldiges Album freuen?

Dazu werde ich leider nicht viel sagen außer: Vielleicht!

Im März bist du mit Astrid S. auf Tournee, richtig?

Ja, das mache ich. Ich bin sehr aufgeregt! Ich war schon auf kleineren Touren, doch dies wird meine erste große sein.

Was ist es, dass dich veranlasst Popsongs zu schreiben und zu singen?

Als ich jünger war, war Popmusik die erste Art von Musik, die ich hörte. Das war die Musik, die im Radio gespielt wurde und die meine Familie hörte. So bin ich irgendwie dazu gekommen. Popmusik ist aber auch die große Sache, in der ich lebe. Das war der Schwerpunkt. Es fühlt sich also ganz natürlich an. Es wäre seltsam für mich, Countrymusik oder Rockmusik zu singen, weil ich nicht wirklich eine Beziehung zu diesen Genres habe.

Wo trittst du am liebsten auf?

Oh, tolle Frage! Da meine Musikkarriere in Norwegen begann, finde ich es sehr cool, dort aufzutreten. Aber ich mag auch Berlin als Stadt. Ich habe das Gefühl, dass die Leute hier sehr cool und offen sind. Berliner sind einfach ein großartiges Publikum! Abgesehen von diesen beiden Locations, Norwegen und Berlin, habe ich noch keine großen Favoriten. Die kommen aber sicherlich noch im Laufe der Zeit.

Liebe Emma, vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast. Viel Glück bei deiner ersten großen Tournee.

 

Fotos: Marius Knieling; Malin Ingrid Johansson