Alle reden davon, plastikfrei(er) zu leben. Doch die konsequente Umsetzung ist viel schwerer als gedacht. Viele Bereiche unseres Lebens sind mittlerweile mit unzähligen und für unverzichtbar gehaltenen Kunststoffutensilien bestückt. Uns ist die Unmenge an Müll, die jeder einzelne Deutsche damit produziert, kaum noch bewusst.

Wenn du einmal den Kunststoffmüll eines Monats in einem großen Papiersack sammelst und am Monatsende diese Menge mit 12 multiplizierst, ahnst du, wo das Problem liegt: bei jedem einzelnen. Die Industrie beruft sich auf eine hohe Nachfrage nach hygienischen Verpackungen. Nur wenn diese nicht mehr gegeben ist, wird sie ihre Haltung ändern.

1. Coffee to go – Kaffeetrinken geht auch anders

Weil 320.000 weggeworfene Coffee-to-go-Einwegbecher mit Plastikdeckel in der Stunde für Deutschland zu viel Müll sind, solltest du dir noch heute einen wiederverwendbaren Kaffeebecher für unterwegs kaufen. Es passt genauso viel hinein, aber die Müllberge schrumpfen um einiges.

2. Flüssigseife und Seifenspender adé, Handseife genügt

Flüssigseife im Kunststoff-Dosierspender ist zweifelllos hygienisch und praktisch. Aber am Ende landet die Flasche im Müll. 50 Jahre später wird sie zu Mikroplastik. Minimal besser ist es, die Flasche mehrfach zu verwenden und Nachfüll-Flüssigseife zu kaufen. Umweltfreundlicher sind Handseifen in Kartonverpackungen oder selbstgemachte Flüssigseife.

3. Plastikfreie Zahnhygiene ist möglich

Blitzende Zähnchen sollten nicht um den Preis von Müllbergen erreicht werden. Tausche deine Kunststoffzahnbürste gegen eine aus nachwachsenden Materialien, die Zahnpasta-Tube gegen ein Gläschen mit Zahnpulver oder achte auf umweltfreundliche Zahnseide mit Bienenwachs-Beschichtung. Auch kleine Beiträge helfen, Müllberge zu verkleinern.

4. Getränke nur noch in der Glasflasche

Der Handel denkt in Sachen Plastikflaschen nur um, wenn immer mehr Kunden nach Getränken in Glasflaschen verlangen. Getränke in Dosen und Plastikflaschen sollten aus deinem Haushalt verschwinden. Plastikflaschen benötigen mehr als 50 Jahre, um zu verrotten. Umweltfreundlicher ist Leitungswasser aus nachfüllbaren Trinkflaschen.

5. Silikon und Kunststoff adé – Holzlöffel sind besser

Selbst auf Weihnachtsmärkten werden bunte Silikongeschirre und Plastiklöffel als Trend-Küchentools vermarktet. Kauf lieber nebenan einen langlebigen Rührlöffel aus Oliven- oder Thuja-Holz. Was unsere Großmütter schon nutzten, hält ein Leben lang. Wer will schon Mikroplastik und Weichmacher ins Essen rühren?

6.Wiederverwertete Schraubgläser ersetzen Plastikboxen

In Unverpackt-Läden wird alles ohne Kunststoff-Umverpackung verkauft. Vorbildliche Supermärkte haben nichts dagegen, wenn du an der Frischetheke deine Brotdose über den Tresen reichst. Ein wiederverwendetes Schraubdeckelglas spart im Jahreslauf jede Menge Alu- oder Frischhaltefolie ein. Nutze ab jetzt Gläser für Büroklammern, Bleistifte, Nudeln oder deinen Mittags-Nudelsalat.

7. Kauf Smoothies oder Joghurt nur im Glas

Es gibt fast immer Alternativprodukte aus Glas im Verkaufsregal. Verzichte ganz bewusst auf den 1.000sten Joghurtbecher aus Plastik oder den Smoothie in Plastikflaschen. Die Fruchtsäure löst Weichmacher und anderes aus dem Kunststoff. Selbstgemachte Smoothies haben übrigens auch einen höheren Gesundheits- und Genusswert.

8. Komplett verpackungsfrei statt Nachfüllpack

Viele Shampoos oder Duschgels gibt es heute schon im Nachfüllkanister zu kaufen. Noch besser sind Produkte, die in komplett plastikfreien Online-Shops wie „Monomeer“ oder „Beechange“ zu kaufen sind. Hier findet sich beispielsweise vollkommen verpackungsfreie Haarseife mit verschiedenen Duftnoten, Zahnputzpulver im Glas oder feste Salbei-Zitronen-Zahncreme am Holz-Stiel. Einfach mal probieren.

9. Einwegrasierer sind unnötig, plastikfrei ist machbar

Einweg-Rasierer sind absolut überflüssig. Auch ein Nassrasierer stellt wegen seiner austauschbaren Klinge Abfall her. Heute gibt es bereits Holzrasierer, bei denen nur die Klinge auf dem Müll landet. Rasierhobel, Rasiermesser oder elektrische Rasierer halten jahrelang. Sie verursachen den geringsten Müllanteil. Dazu kaufst du Rasierseife in der Pappschachtel.

10. Schwierig, aber möglich: müllfreie Damenhygiene

Auch deine Damenhygiene-Artikel sind am Anwachsen der Plastik-Müllberge beteiligt. Etwa 10.000 bis 17.000 Tampons landen in einem einzigen Frauenleben auf dem Müll. Probiere es einmal mit sauberen Alternativen: mit jahrelang verwendbaren Menstruationstassen oder waschbaren Monatsbinden bzw. Slip-Einlagen von „Lunapads“ oder „Kulmine“ aus Bio-Baumwolle.

11. Obst und Gemüse ohne Kunststoffverpackungen

Es ist nicht nachvollziehbar, warum selbst Bio-Obst und -gemüse mehrfach in Kunststoff verpackt wird. Kauf nur lose Gemüse und Obstsorten – zum Beispiel auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen. Wenn die Nachfrage nach in Plastik verpacktem Obst und Gemüse sinkt, passt sich nach einer Weile auch das Sortiment der Supermärkte den Kundenwünschen an.

12. Plastiktüten sind absolut verzichtbar

Hättest du alle Plastiktüten gesammelt, die du im Jahreslauf erhalten hast, wäre dein Küchenfußboden einen oder zwei Meter hoch bedeckt. Verzichte zukünftig darauf, Einkäufe in Kunststofftaschen zu transportieren. Nimm stattdessen einen Einkaufskorb mit oder nutze einen Shopper zusammen mit mehrfach verwendbaren Papiertüten, um einzukaufen.

13. Plastik-Strohhalme – Unmengen davon schwimmen im Meer

Dass auch kleine Beiträge eine große Wirkung entfalten können, belegt das Beispiel Plastik-Strohhalm. Allein der Verzicht darauf würde die Weltmeere um 40 Milliarden Strohhalme im Jahr allein aus Deutschland entlasten. Inzwischen gibt es gute Alternativen aus Glas, Aluminium oder auch Papier.

14. Alles Deo oder was? Selbstgemacht ist besser.

Ein Deodorant ohne Plastikspender ist kaum zu bekommen. Mancher Hersteller hat bereits feste Deos in Pappverpackung im Angebot. Umweltfreundlicher sind aber Deos aus Eigenherstellung. Aus drei Esslöffeln Kokosöl, zwei Teelöffeln Natron und zwei Teelöffeln Kartoffelstärke kannst du ganz einfach ein Neutral-Deo herstellen. Zuerst wird das Kokosöl auf dem Herd geschmolzen, mit den anderen Zutaten versetzt und gegebenenfalls mit einigen Tropfen eines ätherischen Öls deiner Wahl versetzt. Die Zutaten kannst du so anpassen, dass die Konsistenz stimmt. Das Ganze kommt in ein Schraubdeckelglas. Mit den Fingern verteilst du bei Bedarf etwas Selfmade-Deo unter den Achseln.

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Unser Buchtipp:

Plastikfrei für Einsteiger
Christoph Schulz: „Plastikfrei für Einsteiger“ (mvg, 14,99 Euro)

 

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