Slow Sex
Hingabe ist der Schlüssel zu befriedigendem Sex.

Slow Sex – nach Kamasutra und Fessel-Sex, Domina-Spielen und Partnertausch eine neue, schnelllebige Modewelle – oder doch etwas mehr? Schauen wir mal genauer hin.
 

In der Ruhe liegt die Kraft

Die südafrikanische Sex-Therapeutin Dana Richardson hat etwas (wieder) entdeckt, was eigentlich banal ist – und gleichzeitig wichtig: Langsam machen! Sich Zeit lassen – kein (Zeit)Druck, keine Erfolgserwartung oder Orgasmuspflicht im Hinterkopf behalten – das alles macht den Sex zum Leistungssport (und das ist er ja nicht).

Stattdessen kannst du diese fünf Ratschläge beherzigen:
 

Fünf Schritte zum Gipfel

1. Es zunächst mal langsam angehen. Erogene Zonen entdecken, sich Zeit lassen für Streicheleinheiten und Neugierde – und vor allem spielerisch sein! Sex ist kein Sport – keine Religion und auch keine Droge. Stattdessen die schönste Nebensache der Welt (manche Männer halten zwar Fußball dafür, aber die Kerle irren oft).

2. Die Fantasie benutzen – auch ganz konkret: Sich zum Beispiel vorstellen, dass man in einen Topf Honig getaucht wäre und sich entsprechend langsam bewegen muss – klingt irre, funktioniert aber – denn der Sex findet nun mal vor allem im Kopf statt!

3. Den Erfolgs- und Erwartungsdruck rausnehmen. Berührungen können zu Sex führen – müssen es aber nicht. Zärtlichkeit kann durch Sex abgelöst werden – muss es aber nicht. Den Augenblick genießen, ohne Hintergedanken.

4. Eins werden – was nicht mit der Suche nach dem Orgasmus verwechselt werden sollte, sondern mit dem Sich-ganz-auf-den-anderen-einlassen. Den anderen fühlen, spüren – die Regungen, die Erregung spüren und teilen – denn das Erlebnis ist, je gemeinsamer, desto schöner. Hingabe öffnet die Tore zum verborgenen Schatz.

5. Und vor allem: Kreativ sein! Sex ist ein Spiel – eine Möglichkeit, neue Sachen an sich zu entdecken! Man muss nicht direkt zu Fesselspielen Zuflucht nehmen – nein, eine kleine Fantasie, eine gemeinsame Atemübung, ein Stellungswechsel, ein Hilfsmittel, eine neue Örtlichkeit – aber das Entscheidende ist wirklich, die Lockerheit und das Spiel zuzulassen – aus dem Spiel kommt alles weitere. Schiller sagte sehr treffend: Der Mensch ist nur da Mensch, wo er spielt.

Das gilt auch für den Sex. Gerade für den Sex!
 

Was noch?

Die Hauptsache ist: Weg von dem Porno-Erwartungs-Bild permanent williger Frauen und ebenso triebiger Dauerrammler. Das ist nur ein Zerrbild, was eben aus der künstlichen Situation eines Pornos entsteht (stell dir mal vor, DU würdest beim Sex gefilmt und von zehn bis fünfzehn Leuten beobachtet werden – wenn dir die Vorstellung gefällt…. Nun, die Pornoindustrie wächst).

Aber Scherz beiseite – sich vom Hochglanz-Hollywood-Bild von Sex zu lösen – das ist wichtig! Shades of Grey hat mit der Realität etwa so viel zu tun, wie die Siebziger Jahre Reihe „Liebesgrüße aus der Lederhose“.

Hingabe ist der Schlüssel zu befriedigendem Sex. Die ist mit Vertrauen am stärksten. Und Zeit ist etwas, was den Sex einengen – aber auch entzerren kann. Es spricht nichts gegen Fastfood – hin und wieder. Aber man sollte auch ein Fünf-Gänge-Menü genießen können. Beim Sex ist es genauso.

Es spricht nichts gegen den Quickie in der Mittagspause. Aber genauso gehört ein langes, langsames, sich von selber steigerndes, gemeinsames Sex-Erlebnis dazu…. Wozu man sich aber eben nicht zwingen sollte!

Sex ist spontan – und dann am besten, wenn er aus dem Augenblick geschieht. Slow Sex erinnert uns daran, dass es beim Sex nicht auf Körpereinsatz, Standvermögen oder Orgasmus-Schauspielerei ankommt – sondern darauf, sich aufeinander ein zu lassen.

Zu entdecken – zu spielen – und sich daran zu erfreuen. Gemeinsam.

 

Foto: oleg66/iStock.com