Gut am Bildschirm, gut im Bett?

Dass sich Computerspiele positiv auf soziale und berufliche Fähigkeiten auswirken können, ist durch wissenschaftliche Studien hinreichend belegt. Aber sind Gamer auch die besseren Liebhaber? Das würde wohl auf den ersten Blick niemand vermuten. Denn schließlich sind hier eher Beweglichkeit und Ausdauer gefragt als die typischen Gamer-Eigenschaften. Unsportliche Zeitgenossen, die den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen, dürften doch insgesamt eher schlechter abschneiden.  Oft heißt es sogar, Gamer entscheiden sich im Zweifelsfall lieber für eine weitere Runde PUBG als für eine Runde Matratzensport. Tatsächlich ist die Lage aber nicht ganz so eindeutig, wie ein Blick in die Medien verrät.

Gamer ist nicht gleich Gamer

Zunächst sei eines vorweg gesagt: den einen Gamer, über den sich so etwas sagen ließe, gibt es nicht. Und das nicht nur, weil es genauso viele Gamerinnen gibt. Sondern auch, weil sich der Geschmack und das Spielverhalten der Spielefans deutlich unterscheiden. Der eine zockt jeden Tag bis in die frühen Morgenstunden World of Warcraft und hat seine Ernährung deshalb ganz auf Chips und Energy Drinks umgestellt. Der nächste sieht sein Spiel als einen Sport und übt seine Zielgenauigkeit in Call of Duty anhand eines ausgefeilten Trainingsplans. Und wieder ein anderer möchte in der Mittagspause lieber hin und wieder Online Casinos besuchen oder Super Mario Run aufmachen als mit den lästigen Kollegen plaudern. Sie können alle als Gamer bezeichnet werden – und sind trotzdem so verschieden wie Tag und Nacht. Studien über Gamer sind daher mit Vorsicht zu genießen denn sie lassen sich nicht auf jeden übertragen, der gerne vor dem Spielbildschirm sitzt.

Mehr Lust, weniger Lust – was denn nun?

Verlangen ihrer Nutzer auswirken. Die Forscher befragten dazu einige hundert Gamer und werteten anschließend deren Antworten aus. Dabei stellten sie fest, dass Gamer insgesamt weniger Wert auf die schönste Nebensache der Welt legen. Über die Ursachen konnten die Autoren der Studie nur spekulieren. Sie vermuteten, dass die Gamer durch zu viel Dopamin abgestumpft waren und daher gegenüber anderen Reizen abgestumpft waren. Im Klartext heißt das: Sie hatten zu viel Spaß und daher weniger Interesse an anderen Aktivitäten. Das Klischee wäre somit also bestätigt. Aber halt! Es gibt auch Gegenstimmen. Denn der Unterschied zwischen Gamern und Nicht-Gamern in dieser Studie war nicht besonders hoch. Und schließlich gibt es auch zahlreiche Fans von Videospielen, die eine ausgeprägte romantische Ader haben.  Und es gibt sogar Berichte, nach denen ein paar gemeinsame Runden Wii Tennis Paare in die richtige Stimmung für ein wenig Spaß im Bett versetzen.

Nicht öfter, aber länger

Die Studie fand nämlich auch einen positiven Effekt für Gamer: Sie sind deutlich ausdauernder. Und das, obwohl sie doch eigentlich als Couch-Potatoes verschrien sind – ein erstaunliches Ergebnis. Allerdings glauben die Autoren auch hier, dass das Phänomen sich vor allem im Gehirn und nicht im Körper abspielt. Mit körperlicher Fitness hat diese Beobachtung also anscheinend nichts zu tun. Es ist das Belohnungssystem im Gehirn, das durch Computerspiele neu programmiert wird. Und noch eine positive Nachricht hatten die Forscher für Gamer: Leistung auf dem Bettlaken hin oder her, sie haben jedenfalls genauso viel Spaß wie andere auch.

 

Foto: djile / stock.adobe.com