ASMR: Das emotionale Kopfkribbbeln

ASMR: Das emotionale Kopfkribbbeln

ASMR: Das emotionale Kopfkribbbeln

Das große Flüstern auf YouTube ist ausgebrochen! Das liegt aber keineswegs an boshaften Influencern, die ihre Zuseherschaft vergraulen möchten, sondern an einem neuen Trend – ASMR.

Was ist ASMR eigentlich?

Das Akronym steht für Autonomous Sensory Meridian Response. Kurz gesagt handelt es sich um ein angenehm empfundenes Kribbeln der Haut. Wissenschaftlich erforscht ist dieses kribbelnde Hautgefühl bislang noch kaum. Personen, die dieses Gefühl wahrnehmen, bemerken es zunächst am Kopf. Dauert der Effekt länger an, kann er sich auch im Nacken oder sogar an der Wirbelsäule bemerkbar machen. Das empfundene Gefühl wird auch Tingles genannt und kann dabei über einen längeren Zeitraum anhalten. Es wird als angenehm, beruhigend und einschläfernd beschrieben.

Der Auslöser der Tingles muss nicht unbedingt ein Flüstern sein, hat aber meist mit Klängen zu tun. Sanfte Trommelgeräusche oder das Reiben zweier Gegenstände aneinander können ebenso impulsgebend sein, wie visuelle Reize – beispielsweise langsam kreisende Handbewegungen. Oft wird die Benutzung von Kopfhörern empfohlen, das soll den Effekt noch verstärken. Doch nicht alle Personen scheinen dafür empfänglich zu sein, wie ein interner Test in unserer Redaktion gezeigt hat. Ob du dazugehörst oder nicht, testest du also am besten selbst aus. Die Fangemeinde wächst jedenfalls täglich weiter an und inzwischen gibt es auch zahlreiche deutsche YouTuber, die sich dem Thema widmen.

Das angenehme Kribbeln erreicht Deutschland

Größere Ausbreitung fand ASMR erst in den vergangenen Jahren. Im Jahr 2009 kam der Begriff in englischen Teilen des Internets erstmals vor. Seitdem steigt die Verbreitung stetig und der Effekt wird von Fans bejubelt, sogar Schlafstörungen sollen damit verschwinden. Die bekanntesten Videos haben Klickzahlen im Millionenbereich. Den Varianten sind bei dieser Entspannungstechnik keine Grenzen gesetzt. Eine langsam einlaufende Badewanne, essende Menschen, das Geräusch eines sprühenden Sprays, das Tippen auf einer Tastatur, schneidende Scheren – all das und noch vieles mehr verwenden YouTuber in ihren Videos. Der Trend umfasst aber wie gesagt auch das Flüstern und erreicht damit nun das deutschsprachige YouTube. In unzähligen Rollenspielen flüstern Influencer ihren Zusehern ins Ohr: Das kann ein Haarschnitt, eine sanfte Massage oder sogar ein Arztbesuch sein. Ein Friseurbesuch kann ja durchaus entspannend sein, klar. Doch wir fragen uns, wer denn wirklich bei einem Arztbesuch entspannen kann?! Aber Geschmäcker sind eben verschieden. Neben Videoplattformen wie YouTube ist das angenehme Hautgefühl aber nicht nur bei den dortigen Influencern „im Kommen“…

Bei jedem Trend dabei: Pornos und Werbung mit ASMR

Mit dem Internet änderte sich die Verbreitung von Pornos schlagartig. Längst ist die Herstellung von Liebesfilmchen nicht mehr nur in den Händen einiger Produktionsfirmen. Auf Pornoseiten sind private Nutzer ebenso vertreten wie auf YouTube. Schon immer nahm die Pornoindustrie gängige Trends dankend auf. Doch heute schwappen sie sogar noch schneller von einem Portal auf die anderen über. Das betrifft nun auch ASMR. Statt lautes Gestöhne ist in solchen Pornos sanftes Flüstern mit ASMR-Dirty Talk zu hören. Auch das langsame Reiben von Geschlechtsteilen am Partner oder Kussgeräusche können in solche Videos involviert sein. Auf Pornoseiten ist das angenehme Gefühl mittlerweile genauso beliebt wie auf YouTube – ASMR war einer der meistgesuchten Begriffe auf Pornhub im letzten Jahr. Auch wenn die Beliebtheit personenabhängig ist, stellen solche Videos immerhin eine Alternative zu harten Pornos dar.

Mittlerweile ist dieser Trend sogar schon so beliebt, dass auch Werbefirmen auf den Zug aufspringen. Dabei präsentieren die Firmen ihre Produkte meist flüsternd und in Kombination mit verschiedenen Triggern. Eine der ersten Firmen war der Schokoladenhersteller Dove, der bereits 2015 einen solchen Werbespot ins Fernsehen brachte. Doch auch Firmen wie IKEA, McDonalds oder Renault setzen mittlerweile auf den Effekt. Sogar die teuerste Sendezeit in den USA wurde damit befüllt – während des letzten SuperBowls wurde ein Skittles-Werbespot mit ASMR-Inhalten gezeigt.

 

Foto: Jacob Lund / stock.adobe.com

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