Anika Landsteiner Kolumne

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau – vielleicht eine größere Distanz, als zwischen Deutschland und den Fidschi-Inseln herrscht. Sie zu überwinden – vielleicht genauso unmöglich, wie Putins Politik zu verstehen. Und doch bin ich ein Fan der Unterschiede, weil man so viel vom anderen Geschlecht lernen kann – vorausgesetzt man will.

Nehmen wir eine Frau, die ein Problem hat. Ich glaube, dass ich für die Mehrheit spreche, wenn ich hier nun verallgemeinernd behaupte, dass sie noch während sie sich ihre eigene Meinung dazu bildet, schon mal vorsorglich die von drei Freundinnen einholt. Meist auch inklusive Mama, denn auf Mamas Lebensweisheit ist einfach Verlass.

So. Heraus kommen meist ein paar schlaflose Nächte beziehungsweise seltsame bis schlechte Träume, die es ebenfalls parallel zu erörtern gilt. Die Angelegenheit wird also besprochen, diskutiert, beleuchtet, auf den Kopf gestellt und von allen Seiten begutachtet. Ist man damit durch, fängt man von vorne an. Das macht keinen Sinn, allerdings meistens Spaß. Und es beschäftigt, denn so lange man diskutiert, muss man keine Entscheidungen treffen. Man hat das Recht, sich aufzuregen und alle Emotionen zu durchleben. Ist die Entscheidung nämlich mal gefallen, heißt es Abschied nehmen vom #1 Thema der Frau – Reden – und sich eine neu zu besprechende Angelegenheit suchen.

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Der Punkt, an dem das Ganze allerdings leider oft absurd wird: Frau handelt am Ende oft genau so, wie sie es auch schon am Anfang getan hätte. Bei den meisten Frauen, die ich in meinem Alltag beobachte, sehe ich leider, dass das Bereden von Problemen mit anderen Personen lediglich eine Ablenkung und manchmal auch das Suchen einer Absolution ist. Jedoch werden oftmals Kritikpunkte, die man nicht hören möchte, einfach aus dem gedanklichen Programm gestrichen – und heraus kommt, dass die stundenlangen Interventionen auf eine Stunde hätten heruntergekürzt werden können. Spart Nerven und bringt Zeit für Freizeitbeschäftigungen, die den Kopf frei pusten.

Nehmen wir einen Mann, der ein Problem hat. Er löst das Problem. Zumindest seiner Meinung nach. Ende. Damit sei der Abschnitt über den Mann ebenfalls zu Ende.
Nein, Spaß beiseite. Die Männer, die ich kenne, behalten meist den Elefanten im Raum erst mal für sich. Zumindest, bis sie sich darüber gründlich Gedanken gemacht haben beziehungsweise wissen, mit wem sie die Angelegenheit besprechen wollen. Außerdem schlafen sie auch manchmal einfach ne Nacht drüber.

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Der ein oder andere sucht (beispielsweise in Liebesgelegenheiten) sogar gerne mal das Gespräch mit einer Freundin: Neulich fragte mich ein Freund nach meinem Rat. Ich habe ihm an mehreren Beispielen erklärt, was passieren könnte, wenn er sich so oder so verhalten würde. Wir haben innerhalb von 15 Minuten geklärt, dass es eine sehr schlechte Idee sei, den Weg A zu gehen und haben uns einstimmig für Plan B entschieden. Bemerkenswert fand ich wirklich, dass ich spürte, ein wichtiger Teil in dieser Problembewältigung zu sein. Meine Meinung zählte eklatant und es wurde durch meine Hilfestellung für ihn gelöst. Phänomenal.

Beide Vorgehensweisen haben ihre Vor- und Nachteile. Und natürlich gibt es immer Männer, die sich den Kopf zerbrechen und Frauen, die Dinge mit sich alleine ausmachen. Aber die Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel und ich persönlich möchte als Frau an dieser Stelle sagen, dass ich es manchmal sehr entspannend fände, wenn ich mir nicht eine Woche lang das gleiche Problem anhören müsste, um dann ebenfalls eine Woche lang immer den gleichen Ratschlag zu geben und am Ende beobachten zu müssen, wie meine Freundin letztendlich genau das macht, was sie sowieso gemacht hätte.

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Auf dass wir ab und an einfach mal die Klappe halten können – und unseren eigenen Gedanken Raum schenken.