Das Video „Danielle“ von Anthony Cerniello hat mich zu den heutigen Gedanken inspiriert. Zusammen mit drei Visual Artists hat er sich dem Reifeprozess eines jungen Mädchens angenommen. In vier Minuten können wir uns in diesem Video ansehen, wie Danielle vom kleinen Mädchen zur reifen Frau (f)altert. Ein Prozess der täglich in unserem Spiegel stattfindet. Aneinandergereiht und im Zeitraffer abgespielt. Das ist so ähnlich wie wenn Oma uns nach einigen Monaten wieder sieht und uns immernoch entzückt in die Wange kneift „Mensch Kind, bist du groß geworden!“. Wer kennt es nicht.

Vermutlich bist auch du zwischen 20 und 35 Jahre alt, hast super viel erlebt aber noch mindestens genau so viel vor. Du hast Erfahrungen gesammelt die dich manchmal alt und weise vorkommen lassen und im nächsten Moment fühlst du dich wie frisch aus dem Schoß gepresst, grün hinter den Ohren und weißt eigentlich nicht einmal wo Mykonos liegt oder ob man das essen kann.

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Wahrscheinlich gehörst du auch zu dieser Zwischen-Generation die in die Soziale Onlinewelt hineingewachsen ist, aber nicht mit ihr. Diese Generation die sich ziemlich selbstbewusst behauptet, aber noch nie wirklich Macht hatte. Weder kulturell noch politisch. Die Generation die haltlos ist, sich mit nichts wirklich definieren oder identifizieren kann. Und gleichzeitig ahmen wir jede Epoche nach. Die Generation die keinen Zusammenhalt, aber dafür ganz viel Individualität kennt. Keine Minderheiten, dafür ganz viel Mainstream. Die Generation die sich am liebsten auf allen Social Network Plattformen halb nackt präsentiert, dann beim Thema Datenschutz aber ganz furchtbare Angst hat. Und natürlich ist dieser eine Drops auch längst gelutscht: Wir gehören zu jener Generation die noch brav Rente für unsere Eltern zahlen – die selbst im Alter aber dumm aus der Wäsche gucken wird.

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Aber was ist das überhaupt „im Alter“? Wann ist dieser „Reifeprozess“ denn eigentlich erreicht? Sind die fetten Jahre längst vorbei? Oder kommen die erst noch, wie bei einem richtig guten Wein „im besten Jahrgang“? Im Jahr 2013 hatte ich nun schon öfter das Gefühl ich hätte auf irgend einer meiner Reisen den falschen Sitz abbekommen und befinde mich seit her in einer unaufhaltsamen Zeitmaschine.

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Aber hey, es ist Freitag und ich werde nicht jammern. Immerhin geht es uns ja auch so gut. Wir haben das Internet und den Euro (noch). Wir haben winzig-kleine Datenträger auf denen wir eine ganze Sammlung, oder nennen wir es lieber „einen ganzen Kassettenkoffer“ voll Mixtapes speichern können. Wir haben keinen Krieg – zumindest nicht den, den wir typischerweise als „Krieg“ bezeichnen. Und wenn wir uns dann doch noch ein Mal in die „gute alte Zeit“ nach dem Babyboom Ende der 60er wünschen – dann brauchen wir doch nur die Fossilien auf den Wahlplakaten anschauen, denn hier scheint der technische Fortschritt noch lange nicht angekommen zu sein.

 

Fotos: Mia Bühler