Wir hören Sie schon bevor wir unsere Augen aufmachen. Sie fegen vor der Tür unserer Beachvilla, stutzen Pflanzen oder klettern auf Palmen um uns vor fallenden Kokosnüssen zu beschützen.

Sie sind allgegenwärtig und irgendwann nehmen wir sie kaum noch wahr bis wieder ein freundliches „Good Morning Sir“ abseits des Weges erklingt. Sie sind höflich und haben ein ehrliches Lächeln, das für unsere westliche Kultur ungewohnt bis in die Augen hervordringt. Sie sind aufmerksam und sprechen oft ein besseres Englisch als die Angestellten der „oberen Reihen“.

Sie kommen aus Bangladesh, Indien, Sri Lanka oder direkt von den Malediven. „Wie schön muss es sein, in einem solchen Paradies zu leben!?“ frage ich mich häufig.

Natürlich ist es schön diese Natur um sich zu haben, umringt vom türkisblauen Ozean. Doch genau dieses Wasser stellt auch die Grenzen dieses Alltags dar. 90% der Resortangestellten leben auf der Insel, meistens im mittleren, für Touristen unzugänglichen Teil des Resorts. „Die Bangladeshis“, so wurde uns erklärt, „wohnen meist in 8er bis 16er Zimmer.“

„Die Spa-Ladies meist zu viert und wenn du eine wirklich hohe Stellung erreicht hast, dann kannst du dich auf ein „Zweibetträumchen“ freuen, mit etwas Glück schläfst du allein.“ So wie der Großteil der europäischen Angestellten.

Von Privatsphäre also keine Spur. Dennoch strahlen die Menschen hier eine Lebensfreude aus, die verglichen mit unseren „Fließbandarbeitern“ wie Tag und Nacht erscheint. Diese Menschen leben und arbeiten trotz der limitierten Fläche, trotz der heißen Temperaturen und trotz der vielen Touristen die sie sicher ab und an „auf die Palme treiben“ gerne hier.

Adam, unser Kellner an jenem wunderbaren „Beach-Dinner“-Abend ist 26 Jahre alt. Er schätzt den täglichen Kontakt mit Fremden, er bildet sich dadurch weiter und lernt mit den fremden Sprachen und Kulturen umzugehen, eine Chance die er zu schätzen weiß.

Adam bekommt alle paar Monate drei Wochen frei. Zeit die er nutzt um seine schwangere Frau Zuhause zu besuchen. Sein Zuhause ist auf den Malediven, was uns staunen lässt, ist dass er zwei komplette Tage zur An- und noch zwei komplette Tage zur Rückreise benötigt.

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20 Stunden auf dem Dhoni, dem traditionellen Fortbewegungsmittel auf den Malediven. Hier wird nicht mal eben kurz mit dem Wasserflugzeug von Insel zu Insel gehoppt, wie wir es in den letzten 11 Tagen gemacht haben, hier ist viel Zeit und Geld nötig und uns wird ein mal mehr bewusst wie gut wir es haben, wie wohlhabend wir sind und wie weitflächig die Malediven für Einheimische doch tatsächlich sind,

Adam bastelt uns dann noch einen Grashopper aus einem Palmenblatt, wir staunen über sein Geschick und er wünscht uns mit einem breiten, zufriedenen Lächeln eine gute Nacht.

Und irgendwo da draußen wartet Adams hochschwangere Frau (22), im Haus ihrer Eltern auf die nächste Heimkehr ihres Ehemannes.

Weitere Geschichten und Erfahrungsberichte aus meiner diesjährigen Malediven-Reise findet ihr auf uberding.