Wer bin ich wirklich? So findest du es heraus!

Wenn man uns die Frage „Wer bist du?“ stellt, meinen wir immer, diese ganz schnell beantworten zu können. Auf der Party sind wir die Freundin des Geburtstagskindes, beim Elternabend die Mutter vom Lars, Angestellte, Hausbesitzerin, Hobbytaucherin – die Liste, wie wir unser Ich definieren, ist endlos.

Schauen wir dann etwas genauer hin, so merken wir, dass unsere Erklärungsversuche, wer wir sind, immer nur einen Teilaspekt von uns beleuchten – eben den Aspekt, von dem wir annehmen, dass er für unser Gegenüber interessant ist und den wir ihm auch freiwillig zeigen wollen. Aber was ist eigentlich genau das „Ich“ und was unterscheidet das Ich vom Selbst oder gar vom Ego, das wir eher nicht so positiv bewerten, weil es so nach Egoismus klingt?

Was ist das Ich?

Fragt man einen Biologen, wo das Ich sitzt, so erhält man die Antwort, dass es so etwas wie einen festen Ich-Kern aus Sicht der Hirnforschung gar nicht gibt. Die meisten Forscher sind sich einig, dass das Ich eine variable Größe ist und im Wesentlichen aus einer Fülle an Emotionen besteht, die sich in ständiger Kommunikation mit dem Außen befinden.

Unser alltägliches Erleben zeigt allerdings, dass unser Ich-Gefühl tatsächlich sehr präsent und fast immer vorhanden ist. Die meisten Menschen empfinden ihr Ich als die oberste Instanz ihrer Persönlichkeit. Dieses Gefühl der eigenen Identität steht im permanenten Austausch mit unserer inneren und äußeren Welt. Dabei bestimmt das Gehirn, wie wir diese beiden Welten wahrnehmen und folglich auch, wie wir uns selbst wahrnehmen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist mit dem Ich das Bild gemeint, dass du von dir selbst hast. Dieses Bild wird maßgeblich von den Eltern und von der Umwelt und ihren Meinungen über dich geprägt und hat einen großen Einfluss auf dein Verhalten.

Wie entwickelt sich das Ich?

Das Ich-Bewusstsein entwickelt sich bei Kindern etwa ab dem zweiten Lebensjahr. Erst dann fängt das Kleinkind an, ein Ich herauszubilden, während es bis dahin von sich selbst noch in der dritten Person gesprochen hat. Gleichzeitig setzt damit auch allmählich die Abgrenzung von dem Ich gegen ein Du ein und damit auch das NEIN gegenüber den Eltern. Jugendliche stellen sich in der Identitätsfindung oft die Frage, wer sie sind oder wer sie gerne sein wollen. Um das herauszufinden, nehmen sie nacheinander verschiedene Rollen ein und erkennen ihre Identität in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen sozialen Rollen.

Auch als Erwachsene neigen wir zu Rollenverhalten, vor allem im Beruf. Im Job geht es oft mehr um die Außenwirkung als um den Selbstausdruck. Die Balance von Authentizität und Performance Management ist nicht immer einfach und oft verschwimmen die Grenzen zwischen der eigenen Persönlichkeit und der Rolle, die man einnimmt.

 

 

Wie Selbst-Entfremdung zur Krise führen kann

Wenn man von der Hirnforschung einmal absieht, scheint das Ich in unserem Leben eine feste Größe zu sein. Unsere Identität fühlt sich meist sehr präsent und stark an. Dieses Gefühl vermittelt uns Sicherheit und Halt und das Wissen, wo wir im Leben stehen.

Es gibt jedoch Situationen, in denen das Ich sich weniger stabil anfühlt. Das kann beispielsweise durch eine innere Veränderung entstehen. Privatleben und Beruf stellen immer höhere Leistungserwartungen an uns und wir haben kaum noch Zeit, unsere eigenen Bedürfnisse auszuleben. Alles andere scheint immer wichtiger zu sein und unser eigentliches Ich mit seinen Werten und Wünschen muss zunehmend zurückstecken. Über kurz oder lang führt die Vernachlässigung deines Ichs zu einer inneren Entfremdung. Wenn du in deinem Job nur noch wenig Freude und Leidenschaft verspürst, hast du dich vielleicht schon sehr weit von dir entfernt.

Warum wir uns manchmal selbst nicht mehr kennen

Manchmal steht die Identitätskrise auch am Ende eines Wendepunkts im Leben. Oft sind es persönliche Krisen wie Trennung oder Tod des Partners, der Auslöser kann aber auch im Job liegen. Die Karriere erhält einen Dämpfer, der Arbeitgeber setzt dich aufgrund von Strukturveränderung frei – solche Situationen können Angst machen und plötzlich empfindest du eine tiefe Distanz zu dir selbst und stellst deine bisherige Lebensweise und alles, an was du bisher geglaubt hast, infrage.

Wer bist du, wenn du nicht mehr Ehefrau, Partnerin oder Abteilungsleiterin bist und wie stark ist deine Identität an deine Rollen gekoppelt, die du eingenommen hast? Wer sich zu stark mit seiner Rolle identifiziert und zu wenig Vertrauen in die Stärke des eigenen Ichs hat, dessen Welt kann dabei schnell aus den Fugen geraten.

Was nützt es mir, mich selbst zu kennen?

Ob im Job oder privat, es ist wichtig, dass du weißt, wer du bist. Nur wenn dir klar ist, welches deine Position im Leben ist, kannst du eigene und verantwortliche Entscheidungen treffen und herausfinden, was du willst. Das ist eine wesentliche Voraussetzung, um deine Ziele zu verfolgen und sie zu erreichen. Um dein Leben nach deinen Bedürfnissen und Vorstellungen zu gestalten, musst du erkennen, ob der Weg zu dir passt oder vielleicht doch nicht. Was nützt es dir, wenn du deinen Karriereweg beschreitest, aber sich im Nachhinein herausstellt, dass es nicht der richtige Weg für dich war! Genauso nachteilig ist es, wenn du dich aus Unsicherheit lieber für gar keinen Weg entscheidest. Als authentisches Gegenüber wirst du ernst genommen und respektiert.

Wer nicht mehr vom Wohlwollen oder dem positiven Feedback anderer abhängig ist, gewinnt viel Freiheit. Das bedeutet auch, dass du nicht mehr so schnell zum Spielball von Manipulationsversuchen deiner Kollegen wirst. Wer nicht weiß, wer er ist und was er will, wird dagegen schnell zum Opfer von anderen, die ihm ihre Meinung aufzwingen wollen. Die Erkenntnis, wer du bist, schenkt dir eine große Unabhängigkeit und Zufriedenheit. Das bringt dir in allen Bereichen im Leben Sicherheit und Halt und du erreichst deine Ziele schneller.

Wie viel Ich braucht die Frau?

„Ego“ ist Lateinisch und bedeutet „Ich“. Doch während wir uns mit unserem Ich gut anfreunden können, stehen wir dem Ego mit seinen Worterweiterungen wie Egomanen, Egoisten oder Egozentrikern skeptisch gegenüber. Keiner lässt sich gern vorwerfen, ein Egoist zu sein. Trotzdem ist ein gesundes Maß an Egoismus auch gesund. Dabei geht es hier nicht um den Egoisten, der sich selbst stets in den Mittelpunkt rückt und nur auf seinen eigenen Nutzen bedacht ist. Wie immer, geht es um das richtige Maß.

Ein gesunder Egoismus schützt dich davor, ausgenutzt zu werden. Er hilft dir, klare Grenzen zu setzen und Nein zu sagen, wenn du das Gefühl hast, dass immer du Überstunden machst, um den Job der anderen zu erledigen.

Ein gewisses Maß an Egoismus ist auch nötig, um Erfolg zu haben. Wenn hier dein Ego nicht stabil genug ist, wirst du schnell vor der Kritik der neidvollen Kollegen einknicken und dein Ziel aus den Augen verlieren. Oder noch schlimmer: Du lässt dich von deinen Kollegen vor den Karren spannen und verfolgst deren Ziele, ohne es zu merken.

Wenn du lernst, auf deine Bedürfnisse zu achten, lebst du selbstbestimmter und glücklicher. Mit einer kleinen Portion Egoismus entwickelst du das nötige Selbstbewusstsein dafür und kannst auch mal an dich selbst denken.

Was kannst du tun, um dein Leben zu leben?

Die Persönlichkeit entwickelt sich permanent weiter. Wer du bist, ist kein Zustand, der irgendwann einmal abgeschlossen ist. Das bedeutet, dass auch deine Werte und Ziele sich ändern können. Wenn du auf deine innere Stimme hörst und weniger auf andere, findest du heraus, wer du in diesem Moment bist und was du wirklich im Leben willst. Erkenne deine Wertvorstellungen und setze sie um. Das ist die beste Voraussetzung für ein glückliches und erfülltes Leben. Den Sinn im Leben zu finden, bedeutet zu erkennen, was dir wirklich wichtig ist. Frage dich hierzu: Was tue ich wirklich mit Leidenschaft und Freude?

Lerne, negative Gefühle auszuhalten. Der Weg zu einem starken Ich ist nicht immer leicht und du wirst sicherlich auch mit Kritik, Neidern und schwierigen Mitmenschen zu tun haben. Ein wichtiger Schritt besteht darin, nicht sofort zu reagieren, sondern Gedanken und Gefühle erst einmal neutral zu beobachten. Du hast jederzeit die Wahl zu entscheiden, wie und ob du auf unangenehme Situationen reagieren willst.

Tipps, um das Ich zu stärken: So geht’s

Alle Übungen, die das Selbstbewusstsein trainieren, wirken sich auch positiv auf deine Ich-Stärke aus. Wenn du dich bisher eher an anderen Menschen orientiert hast, mag es sich anfangs ungewohnt anfühlen, deinem Ich und dem Selbstbewusstsein mehr Aufmerksamkeit zu schenken, doch du wirst schnell mit mehr Selbstachtung und positiver Ausstrahlung belohnt. Folgende Tipps haben sich bewährt:

  1. Finde heraus, welche Stärken du hast.
  2. Akzeptiere deine Schwächen.
  3. Du darfst Fehler machen.
  4. Nimm dich nicht zu ernst und lache auch mal über dich.
  5. Vermeide Vergleiche mit anderen.
  6. Höre auf, dich selbst zu kritisieren.
  7. Nimm Kritik an – aber nimm sie nicht persönlich.
  8. Setze dir Ziele, die deinen Werten entsprechen.
  9. Lerne deine Grenzen kennen und gehe immer einen kleinen Schritt weiter.
  10. Sei geduldig mit dir.

Wer bin ich? Unser Fazit

Dein Ich zu kennen bedeutet, die vielen Aspekte deiner Identität und deiner Persönlichkeit zu verstehen. Dabei geht es weniger darum, nur die guten Eigenschaften zu betrachten, um zu einem tollen Selbstwertgefühl zu kommen, sondern es gilt, sowohl die vermeintlich negativen Seiten genauso zu akzeptieren wie die positiven. Wenn du dich mit allen deinen Facetten annimmst und sagen kannst „So bin ich“, wirkst du authentisch und glaubwürdig. Selbsterkenntnis ist eine Möglichkeit, neue Dinge über dich zu lernen und führt zu einem erfolgreichen Selbstmanagement.

 

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