LOTTE von melancholisch zu happy: Ihr neues Album „Glück“

LOTTE veröffentlichte gerade am 11. Oktober ihr neues Album „Glück“ und sie ist auch noch nach einigen Jahren im Musikbusiness sehr aufgeregt. Denn in ihrem neuen Album stecken eineinhalb Jahre harte Arbeit. Die super sympathische Ravensburgerin, die seit Jahren in Berlin Fuß gefasst hat, wusste, dass es in ihrem Business wichtig ist, glücklich zu sein und zu bleiben, was nicht immer einfach war. Sie selbst sagt mittlerweile, dass für sie Glück ein Leben voller liebevoller Momente und eine Art Dinge zu sehen ist. Damit hat die 24-jährige sicherlich recht. Doch wie klein der Spagat zwischen Glück und Einsamkeit sein kann, woher sie die Inspirationen für ihre Lieder nimmt, was dieses Jahr noch alles ansteht und worauf die Fans sich während ihrer kommenden Tour freuen dürfen, erfährst du jetzt.

Am 11. Oktober erschien dein zweites Album „Glück“. Wie groß sind deine Erwartungen und wie aufgeregt bist du?

Das erste Album kam so gut an und da möchte ich natürlich, dass auch mein neues Album „Glück“ so gut ankommen wird. Für mich beginnt jetzt eine sehr aufregende Zeit, denn das Album ist im Prinzip seit einem halben Jahr fertig und jetzt darf ich es mit meinen Fans teilen. Zum einen ist das sehr aufregend für mich und zum anderen freut es mich natürlich unheimlich. Ich erhoffe mir, dass es von ganz vielen Menschen gehört wird, doch was am Ende passiert, kann man nicht vorhersehen. Aber ich bin guter Dinge, denn ich finde das Album super (lacht).

Man hört, dass ich mich musikalisch verändert habe und dass das Album weniger organisch ist. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel eine Gitarre eingespielt und darauf dann einen elektronischen Sound gelegt haben. Von daher ist es auf jeden Fall eine Veränderung. Aber ich würde nicht sagen, dass es etwas komplett Neues ist, denn die Art wie ich texte, hat sich nicht groß verändert. Ich denke, dass die Leute, die mich kennen, sich darin wiederfinden können und diejenigen, die eigentlich in einem anderen Musikbereich unterwegs sind, spricht es aber vielleicht auch an.

In wie weit hat sich deine Musik auf „Glück“ im Vergleich zum vorherigen Album „Querfeldein“ aus 2017 verändert?

„Querfeldein“ hat sehr viel Melancholie mit dabei, viele traurige Singer-Songwriter-Texte sozusagen. Das neue Album heißt ja „Glück“ und ich finde, dass man dieses Glück auch heraushört. Weniger introvertiert und mehr „Geil, das Leben ist schön!“ Es sind mehr tanzbare Songs. Denn bevor ich das Album geschrieben habe, habe ich mich viel mit mir selbst beschäftigt und mir die Frage gestellt, was für Musik eigentlich ich höre. Ich glaube, dass „Glück“ insgesamt optimistischer und auf jeden Fall glücklicher ist.

Lotte im Interview

Wie kam es zu der Veränderung? Einst eher melancholisch, jetzt eher hoffnungsvoll?

Ich habe für dieses Album viel mehr geschrieben als für das letzte. Das heißt, ich habe mich bewusst hingesetzt und habe überlegt, wie die Songs klingen und wie sie überhaupt sein sollen. So kam es dann auch, dass ich nicht zwanzig Songs schrieb, sondern sechzig. Von denen habe ich mich dann für die Songs entschieden, die mir am besten gefallen haben. Bei meinem ersten Album wollte ich noch komplett ungefiltert sein und so kam es, dass ich alles reingepackt habe, was mich damals bewegte. So entstanden diese ganzen melancholischen Songs.

Für „Glück“ hatte ich ein Konzept – ich wusste, dass ich darüber schreiben möchte, wie schön das Leben mit seinen ganzen Höhen und Tiefen ist. So entstand auch der Song „Auf das, was da noch kommt“. Selbst wenn ich darüber schreibe, dass jemand nicht mehr in meinem Leben ist und ich durchaus traurig darüber bin, habe ich trotzdem versucht, hier einen positiven Ansatz zu finden. Der Song „Wenn Liebe kommt“ hätte durchaus melancholisch sein können. Denn es geht darum, dass man sich nach einer Trennung irgendwann auf der Straße begegnet, man einfach ignoriert wird und selbst ein „hallo“ zu viel verlangt ist. Statt sich darüber zu ärgern, sagt man sich aber: „Wenn Liebe kommt, will ich, dass sie bleibt!“ Es war mir wichtig, die positiven Aspekte aus negativen Situationen herauszuheben.

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Ein Lied, an dem man aktuell nicht vorbeikommt, wenn man deinen Namen hört, ist dein Ende August erschienener Song „Auf das, was da noch kommt“, den du im Duett mit Max Giesinger singst. Was steckt hinter diesem Ohrwurm, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ich finde, dass das Duett thematisch super zum Album passt. Es geht um die guten und die schlechten Zeiten im Leben, das ganze Auf und Ab und immer wieder mal gegen eine Wand rennen, um sich danach wieder eine andere Richtung suchen zu können, ohne dabei das Positive aus den Augen zu verlieren.

Max und ich haben uns vor drei Jahren in Mannheim kennengelernt. Dort habe ich mit meiner E-Gitarre ein kleines Konzert gespielt und er hat es gesehen und fand es sehr gut.

Er fragte mich dann, ob ich nicht vielleicht seine große Album-Release-Show in Hamburg supporten möchte zu seinem ersten erfolgreichen Album „Der Junge, der rennt“. Ich fuhr natürlich hin und stand zum ersten Mal alleine mit meiner E-Gitarre vor 800 Leuten. Daraus entstand dann diese Freundschaft.

Er hat sich viel Zeit genommen, mich zu unterstützen und zu zeigen, wie Dinge in diesem Business laufen. Mittlerweile haben wir beide dasselbe Management und wir schreiben viel gemeinsam. Für das Album „Glück“ wollten wir auch einen Song gemeinsam schreiben. Einen Song, der dieses ganze Thema zusammenfasst. Max kann einfach nicht die Klappe halten, das ist unglaublich (lacht) – wenn du mit ihm schreibst, dann singt er einfach die ganze Zeit und so kam es, dass er auch die ganze Zeit im Studio gesungen hat. Da sich alle an Max im Song „Auf das, was da noch kommt“ gewöhnt hatten, war es dann so, dass wir ihn gemeinsam sangen.

Du bist ja eine Sängerin und Songschreiberin. Was inspirierte dich für dein neues Album? Woher kamen all deine Ideen für die Lieder?

Dieses Mal inspirierte mich tatsächlich mein eigenes Leben, denn es ist beinahe alles autobiographisch. Es gibt ein, zwei Songs, die sich um Themen drehen, die ich bei Freunden gesehen habe, aber ansonsten geht’s um mich. Ich habe mich in den letzten drei bis vier Jahren verändern dürfen und so geschahen immer neue Dinge. Ich bin aus dem kleinen Ravensburg über Hamburg ins „große und gefährliche“ Berlin gezogen. Überhaupt hat sich wohl mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt! Ich habe das Gefühl, dass wenn man so viele Veränderungen durchlebt, man sich auch selbst immer wieder neu finden muss.

Es gibt so viele Künstler, die auf den größten Bühnen spielen, täglich auf anderen Partys unterwegs sind und dennoch sind sie unfassbar unglücklich und einsam. Ich habe mich sehr viel mit der Frage beschäftigt: „Was macht mich glücklich?“ Nur Konzerte zu spielen macht mich nicht glücklich, aber nur zuhause bei meiner Familie zu sein, macht mich ebenfalls nicht glücklich. Deshalb habe ich in den letzten Jahren mein Glück für mich neu definieren müssen. Genau über diese ganzen Geschichten geht das neue Album.

Es gibt aber auch den Song „Neonlicht“, der nicht autobiographisch ist. Er handelt vom Vereinsamen, was ich in der Großstadt ganz oft sehe, vom Anonym-Werden und wo man sich selbst in dieser ganzen vorherrschenden Ekstase verliert.

Hattest du denn im Laufe der letzten zwei drei Jahre Momente, in denen du sehr traurig warst?

Es gab auf jeden Fall Momente, in denen ich dachte: „Oh man, das war doch mein Traum und jetzt habe ich ihn angefangen zu leben, also was soll der Scheiß…“ Es ist schwierig, eine Balance zwischen dem Stehen auf der Bühne vor 20.000 Leuten und dem danach einsamen Liegen im Hotelzimmer zu finden.

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Wenn man so viel zu tun hat und unterwegs ist, dann vergisst man sehr schnell für eine längere Zeit die Familie und seine Freunde. Diese Tatsache passiert einfach so, ohne dass man sich davor schützen kann und dann fragst du dich auf einmal: „Super, und was habe ich jetzt von all dem, wenn ich es mit niemandem teilen kann?“

Wenn man sich diese Gegebenheit bewusst macht und bewusst dagegen angeht, kommt man damit besser zurecht. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass man die Beziehung zur Familie und zu den Freunden aktiv pflegen und sich Zeit für diese nehmen muss und dass das Glück und den „Fame“, welcher dir ein Auftritt auf der Bühne verspricht, einfach nicht real ist. Ich denke, dass das Zeit benötigt und dass man immer wieder mal darauf reinfällt.

Hast du ein Lied auf deinem neuen Album, welches dir besonders viel bedeutet?

Natürlich bedeuten mir alle Lieder viel. Es gibt allerdings ein Lied mit dem Titel „Alles zieht vorbei“, in dem es um meine letzten drei Jahre geht und um die Dinge, die ich in dieser Zeit erleben durfte. Es ist ausnahmsweise ein trauriges Lied, das beschreibt, wie ich 2015 angefangen habe, Musik zu machen und dass alles an irgendeinem Punkt sehr schnell ging. Das ging so weit, dass ich mich teilweise an manche Wochen gar nicht mehr erinnern konnte, da so viel passierte. Wenn ich auf die letzten Jahre zurückschaue, dann fühlt es sich für mich an, als sitze ich in einem Zug und alles zieht so schnell vorbei – egal ob anstrengende oder super schöne Momente. Ich war nicht in der Lage, diese Momente irgendwie festzuhalten.

Was war denn dein bester Moment in den letzten drei Jahren?

Gute Frage… Es waren sicherlich mehrere, um nicht zu sagen viele Momente. Ein richtig tolles Gefühl ist, Musik zu kreieren. Und die ersten drei Monate in 2019, als wir im Studio waren, um das neue Album zu machen, waren Wahnsinn. Wir haben das so entspannt realisiert. Einer meiner beiden Produzenten meinte, man kann sich in solch einer Produktion komplett verkopfen und alles sehr anstrengend durchziehen, oder man macht diese Zeit zu einer Lebenszeit. Er ist der Meinung, dass alles, was man in der Zeit erlebt und was einen glücklich und entspannt macht, man auf dem Album auch hört. So war dann unsere Devise, also haben wir gegrillt, gekocht, waren in der Therme und in der Sauna. Und so entstand ein sehr entspanntes Außenherum, bei dem wir immer wieder zwischendurch sehr relaxt Musik gemacht habe. Ich glaube, dass das der beste Weg war, „Glück“ zu produzieren.

Zwischen dem 6. und 28. Februar 2020 tourst du durch 18 Cities in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Worauf dürfen sich deine Fans freuen?

Meine Fans dürfen sich auf ein neues und sehr glückliches Album und Konzert freuen. Wir haben uns sehr schöne Sachen überlegt. Natürlich haben wir das neue Album hierfür vorbereitet, wir werden aber auch einige Songs vom alten Album nehmen und diese mal anders darstellen. Es wird richtig cool, die Songs sind tanzbar und es wird voll nach vorne gehen. Ich freue mich sehr darauf.

Wer aktuell so viel arbeitet und unterwegs ist wie du, bei dem bleibt das Privatleben nicht selten komplett auf der Strecke. Ist das okay für dich oder zweifelst du manchmal an allem, da du so tust?

Ich versuche ganz bewusst, nicht alles um mich herum zurückzustellen, doch das ist ein Spagat, der teilweise sehr schwierig zu bewerkstelligen ist. Du bist einfach immer am Straucheln zwischen Arbeit und Menschen, die dir wichtig sind. Ich merke es, wenn ich mal drei Tage in der Heimat bin und das Handy weglege – das geht einfach nicht, denn ich verpasse dann so viele wichtige Anrufe und E-Mails. Ich bin halt selbstständig, lebe meinen Traum und der macht mir auch noch Spaß, deshalb möchte ich auch dafür da sein. Man muss sich zu manchen Dingen zwingen, damit sie nicht verloren gehen.

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Vermisst du denn deine Heimatecke Ravensburg und das Ländliche drumherum?

Ich vermisse die Ruhe manchmal, denn alles ist so aufregend um mich herum. Die nächsten drei Wochen habe ich jetzt jeden Tag irgendetwas und ich freue mich unfassbar auf diese Zeit. Heute Morgen wachte ich auf und dachte so „GEIL!“ Ich vermisse sicherlich irgendwann das Gefühl, zuhause in Ravensburg zu sein, wo die Luft so frisch ist und ich runterkommen kann. Aber ich würde nicht tauschen wollen, denn es ist gut, so wie es gerade ist.

Wann war denn das letzte Mal, dass du etwas zum ersten Mal erlebt hast?

Woah! Das ist ja mal eine echt schwere Frage! Ich habe mir, als ich vor kurzem in Griechenland war, zum ersten Mal ein Auto gemietet. Das war so eine richtig räudige Autovermietung. Die haben mir ein unfassbar altes Auto zur Verfügung gestellt, mit dem ich mir dachte, dass ich jetzt doch mal die Berge hochfahre. Es war so unglaublich alt, nicht einmal der Anschnallgurt ist im Halter steckengeblieben und hat sich immer wieder gelöst. Das Fenster ging nicht und bei jeder Mautstation musste ich die Tür öffnen und aussteigen. Das war so eine furchtbare Autofahrt, die gleichzeitig viel Spaß gemacht hat. Wir haben die Fenster dann runtergezogen und einfach offengelassen. Ich war hier mit meiner Schwester unterwegs und es war ein richtig schönes Abenteuer.

Was sind deiner Meinung nach – neben dem fehlenden Privatleben – die Schattenseiten deines Jobs? Wie gehst du mit ihnen um?

Ignorieren (lacht)! Nein, Quatsch. Einsamkeit ist sicherlich Nummer eins. Den Spagat, die Familie und Freunde nicht im Stich zu lassen, schafft man einfach nicht bzw. nicht immer. Eine Balance zu finden, während man sich von einem Extremen zum nächsten bewegt, ist sehr schwierig. Entweder bin ich mega busy mit vielen Leuten unterwegs oder halt alleine und habe plötzlich nichts mehr zu tun. Entweder ist alles ultra-laut oder unbeschreiblich leise. Doch dies liegt natürlich auch an meinem Wesen, denn ich bin super emotional und deshalb sauge ich alles um mich herum auch so sehr auf. Wenn ich glücklich bin, dann bin ich glücklich für zwei und wenn ich traurig bin, dann ist Ende Gelände und ich merke, dass dieses Business dies alles noch verstärkt.

Durch dein junges Alter bedienst du natürlich auch Fans, die in den sozialen Medien sehr aktiv sind. Wie viele Nachrichten flattern denn täglich bei dir auf Insta und Co rein und hast du die Zeit, diese zu lesen und persönlich zu beantworten?

Ich bekomme viele Fragen, vor allem via Instagram. Ich habe leider nicht die Zeit, alle Fragen zu beantworten. Ich versuche immer, alles zu lesen und manchmal schaffe ich es auch zu antworten. Aber es ist unmöglich, alle Nachrichten zu beantworten.

Liebe LOTTE, vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg. Auf das, was da noch kommt!

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Foto: Christoph Köstlin