Emma Bunton

Lange war es still um die britische Sängerin Emma Bunton gewesen. Ihr letztes Album veröffentlichte das ehemalige Spice Girl mit „Life in Mono“ im Jahr 2006. Daraus koppelte sie die Singles „Downtown“ und „All I Need to Know“ heraus. Von sensationellen Erfolgen kann man damals jedoch nicht sprechen. Album und Singles kommen nicht über Platz 65 bzw. 60 der britischen Musikcharts hinaus. In Deutschland können sich die Platten nicht einmal in den Top 100 platzieren.

Doch nun meldet sich Bunton eindrucksvoll mit einem neuen Album zurück. Es nennt sich „My Happy Place“ und spiegelt nicht nur im Titel, sondern auch in der Auswahl der gecoverten Songs, aber auch in einigen selbstkomponierten Liedern das äußere und innere Leben Buntons wider. Ja, der Musikerin und Mutter zweier Kinder könnte es im Moment nicht besser gehen. Doch von Anfang an.

Würzige Weltkarriere mit der Girlgroup Spice Girls

Emma Bunton wird Mitte der 1990er Jahre als Mitglied der Spice Girls weltberühmt. Zusammen mit ihren Kolleginnen Melanie Brown (Scary Spice), Geri Halliwell (Ginger Spice), Victoria Adams (Posh Spice) und Melanie Chisholm (Sporty Spice) schreibt Baby Spice, so ihr Künstlername, Popmusik-Geschichte. Mit 59 Millionen verkauften Tonträgern weltweit ist die Band bis heute die erfolgreichste Pop-Girlgroup aller Zeiten. Ihr Aufstieg ist rasant, die Karriere jedoch von recht kurzer Dauer. Nach der Debütsingle „Wannabe“ und dem dazugehörigen Album „Spice“ im Jahr 1996 veröffentlichen die Spice Girls zwei weitere Alben, bevor sie sich 2001 trennen.

Zwar tun sich die Mitglieder in den nächsten Jahren immer wieder zusammen, etwa für eine Welttournee in 2007 oder anlässlich der Olympischen Sommerspiele 2012 in London, wo sie zusammen bei der Abschlussveranstaltung auf der Bühne stehen. Als Reunion kann man diese und andere Kollaborationen jedoch kaum bezeichnen. Nach 2001 gehen die fünf Mädchen künstlerisch getrennte Wege.

Vom Bandmitglied zur Alleinunterhalterin

Auch Emma Bunton startet als Solo-Musikerin durch. Schon vor der Auflösung der Spice Girls tritt sie hin und wieder alleine auf, so zum Beispiel 1998 mit Rod Steward im britischen Fernsehen. 2001 veröffentlicht sie mit „A Girl Like Me“ ihr Debütalbum. Aus der Platte werden drei Singles ausgekoppelt, von denen „What Took You So Long?“ in Großbritannien an die Spitze der Musikcharts klettert. Dem erfolgreichen Einstand lässt Bunton in den nächsten fünf Jahren zwei weitere Studioalben folgen, doch weder „Free me“ aus 2004 noch „Life in Mono“ (2006) können an den Erfolg der Debütplatte anknüpfen.

Bunton legt ihre Musikkarriere bald auf Eis, um sich mehr auf ihr Privatleben zu konzentrieren. 1998 kommt sie mit dem britischen Musiker Jade Jones zusammen, der mit der R&B-Boyband Damage bekannt wird. Die beiden führen lange eine On/Off-Beziehung, bis sie sich im Januar 2011 verloben. Zwar lässt die Hochzeit seitdem auf sich warten, dafür haben die beiden Musiker schon das eine und andere Kind auf die Welt gesetzt. Am 10. August 2007, also lange vor der Verlobung, wird ihr Sohn Beau Lee geboren. Am 6. Mai 2011 folgt Söhnchen Nummer zwei, Tate Lee.

Die beruflichen Nebenpfade

Beruflich macht Bunton nach dem Ende ihrer Solo-Karriere hauptsächlich als Radiomoderatorin von sich reden. Mit der Morgensendung „Heart Breakfast“ schickt sie ihre Hörer regelmäßig und gut gelaunt in den neuen Tag. Daneben sieht man die populäre Entertainerin immer wieder im britischen Fernsehen vor der Kamera. Auch als Schauspielerin überzeugt sie ihre Fans. Nach ersten Auftritten in Fernsehproduktionen ist sie 1997 mit „Spiceworld – Der Film“ auf der Leinwand zu sehen. Die Komödie schildert einige Tage aus dem Leben der Spice Girls. Bunton spielt im Film – wie auch ihre Bandkolleginnen – sich selbst. Darüber hinaus hat sie in der Kult-Comedyserie „Absolutely Fabulous“ sowie der Kinofassung „Absolutely Fabulous: Der Film“ jeweils kurze Auftritte.

Die große Liebe im Beruf bleibt jedoch die Musik, wie Bunton nicht müde wird zu betonen. Deswegen war es nur eine Frage der Zeit, bis die Sängerin wieder ihre Solo-Karriere fortsetzt. 2019 ist es dann endlich soweit, Bunton beglückt ihre Fans mit einem Comeback. Zunächst veröffentlicht sie medienwirksam drei Singles, bevor sie das langersehnte vierte Studioalbum „My Happy Place“ nachschickt.

Sehr persönliches neues Album

„My Happy Place“ ist in mehrfacher Hinsicht ein persönliches Album geworden. Man merkt das nicht nur an der Auswahl und der Komposition der einzelnen Lieder auf der Platte, sondern auch an der Zusammenarbeit der Sängerin mit Menschen und Kollegen aus ihrem sozialen Umfeld. Das Album besteht aus insgesamt zehn Songs – davon acht Coverversionen und zwei neu komponierte Songs. Bei den gecoverten Liedern handelt es sich ausnahmslos um Neufassungen einiger von Buntons Lieblingsliedern, darunter der Klassiker „You‘re All I Need To Get By“ von Marvin Gaye und Tammi Terrell sowie Dusty Springfields „I Only Want To Be With You“. Sie gewähren einen intimen Einblick ins Gefühlsleben der Sängerin. Für den Klassiker „Emotions“ der Bee Gees zum Beispiel entschied sie sich deshalb, weil auch sie sehr emotional ist.

Bunton darf sich für „My Happy Place“ neben ihren Lieblingsliedern und -Interpreten auch mit lieben Menschen aus ihrem Leben umgeben. Für die Coverversion des Spice-Girls-Klassikers „2 Become 1“ stand sie mit keinem geringeren als Robbie Williams im Aufnahmestudio. Bunton und ihre Produzenten Paul Berry und Patrick Marscall dankten es dem Popstar, indem sie das Lied an den Take-That-Song „Back For Good“ anlegten. Weitere Duett-Partner Buntons auf der Platte sind Will Young und Josh Kumra. Mit letzterem singt sie die neue Version von Norah Jones‘ „Come Away With Me“.

Mit Familie und Freunden an einem glücklichen Ort

„My Happy Place“ ist aber nicht nur eine Spielwiese, auf der sich Bunton mit Freunden und Kollegen austobt. Es ist darüber hinaus ein Familienalbum im wahrsten Sinne des Wortes. Den Gaye/Terrell-Song „You‘re All I Need To Get By“ beispielsweise hat sie mit ihrem Verlobten Jade eingesungen. Und auch ihre beiden Söhne Beau und Tate haben fleißig mitgemischt. Auch sie sind hier und da auf der Platte zu hören. Ihnen ist überhaupt das ganze Album zu verdanken, denn es ist von ihnen inspiriert worden, sagt die Sängerin. Daher hat Bunton die Coverversion des Beatles-Klassikers „Here Comes The Sun“ den beiden Sprösslingen gewidmet. Als Beau seinerzeit geboren wurde, hörte die frischgebackene Mama dieses von Grund auf optimistische Lied. Seitdem müsse sie immer weinen, wenn sie den Song hört, so die Sängerin.

Es sind natürlich Tränen der Freude und des Glücks. Daher auch der Titel des neuen Albums. Ja, Bunton könnte es derzeit nicht besser gehen. Sie ist – um noch einmal auf den Titel zu verweisen – an einem glücklichen Ort ihres Lebens. „Ich habe das Album „My Happy Place“ genannt, weil ich mit meiner Familie glücklich bin – mit meinen Freunden, beim Musikhören und im Studio“, sagt sie. Sie fühle sich sehr frei. Glück und Freiheit – all das steht der Sängerin ziemlich gut.

 

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Fotos: BMG