So verwandelst du deine Wohnung in einen Bauhaus-Traum

Du hast keine Lust mehr auf uneinheitlichen Möbelmarkt-Look? Möchtest eine Wohnung, die absolut zeitlos, nüchtern und aufgeräumt ist und davon zeugt, dass du architektonische Kunst so richtig zu schätzen weißt? Dann haben wir etwas für dich. In unserem How-To erfährst du, wie du dein Heim völlig verwandeln kannst. Nicht in irgendeinen Stil, sondern den ganzheitlichsten Bau- und Einrichtungsstil, der jemals ersonnen wurde, das Bauhaus.

Step one: Lies dich ein

Über das Bauhaus wurde viel geschrieben und gesagt. Leider aber sorgte das vornehmlich dafür, dass sich in den Köpfen von Nicht-Architekten eine ganze Menge Un- und Halbwissen versammelt hat.

Damit du den Look jedoch wirklich richtig anwenden kannst, musst du zunächst mal wissen, was Bauhaus überhaupt bedeutet, was seine Wurzeln sind und worin sich die wichtigsten Eigenschaften manifestieren.

Grundgedanke des Bauhauses war es, dass man wegwollte von allem, was „unnötiger Zierrat“ war und dazu auch bereit war, Schranken einzureißen:

„Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! Denn es gibt keine „Kunst von Beruf“. Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerker. Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers.“

So formulierte es Walter Gropius im sogenannten Bauhaus-Manifest, welches er 1919 verfasste.

Für dich und deine Umsetzung sind dabei vor allem vier Punkte elementar:

  1. Handwerk ist immer Kunst, Kunst muss immer auch Handwerk sein.
  2. Form follows Function. Schönheit ergibt sich aus durchdachter Funktion.
  3. Zierrat hat keine Funktion, er ist deshalb abzulehnen.
  4. Weniger ist mehr.

Folgt man diesen Lehren, erhält man eine Wohnumgebung, in der nichts zufällig ist. Alles, was sich darin befindet, hat eine (oder auch mehrere) klare Funktion.

Step two: Hol dir Inspo

Fernhalten solltest du dich von allem, was nicht mit Architektur und Design zu tun hat. Auch viele Ratgeber und Shops zeigen dir nicht wirklich, was es fürs Bauhaus benötigt. Deine Inspiration solltest du von Profis beziehen:

  • Die originalen Gebäude, welche von den Bauhaus-Meistern und/oder ihren Schülern entworfen wurden.
  • Ausstellungen, wie sie von vielen Museen und manchen Hochschulfakultäten abgehalten werden. Google-Tipp: „Bauhaus-Ausstellung“.
  • Die im Netz oft frei zu bekommenden Unterlagen für Architekturvorlesungen.

Mit so viel geballter Information bist du bestens versorgt und kannst dir für deine Wohnung die passenden Grundlagen überlegen.

Step three: Räume leer

Wenn du dir die bisherigen Infos angesehen hast, wirst du festgestellt haben, dass Bauhaus sich dramatisch von dem unterscheiden kann, was dein Zuhause bislang ausmacht. Der erste Schritt besteht deshalb darin, leerzuräumen.

Wirf allerdings nichts weg. So manches kannst du auch umändern, du möchtest ja keine abertausenden Euros für eine komplett neue Einrichtung bezahlen.

Bauhaus Stil
Die besten Bauhaus-Inspirationen findest du nach wie vor bei den Originalen in Weimar, Dessau und Berlin.

Step four: Die Wände

Das Bauhaus hasst Zierrat. Deine erste Baustelle sind deshalb die Wände. Sie sind mit Farbmischungen gestrichen, haben Struktur- oder stark gemusterte Tapeten? Weg damit.

Was du möchtest, ist ein einheitlich glattes Konzept. Dafür existiert eine spezielle Masse, ähnlich wie ein Putz. Die hat den Vorteil, dass sie dir im Grundzustand eine Sichtbetonoptik liefert, auch Bauhaus. Du kannst sie ganz einfach applizieren, indem du sie mit Wasser anmischst und dann mit einer ganz feinen Farbrolle aufträgst, hinterher ist Streichen ebenso easy.

Ganz wichtig: Jeder Raum sollte ein einheitliches Farbkonzept bekommen. Das Bauhaus fokussiert sich nur auf

  • Weiß
  • Schwarz
  • Grau
  • Gelb
  • Rot
  • Blau

Weiß bzw. Sichtbetongrau sollten dabei die Grundlage darstellen. Andere Farben solltest du nur sparsam einsetzen und dich idealerweise pro Zimmer auf eine beschränken, etwa drei Wände in Weiß, eine in Rot. Alternativ kannst du den Farbklecks auch durch Möbel erzielen.

Step five: Die Decken

Schaut man sich die originalen Meisterhäuser an, fällt auf, dass dort die Decken meist ebenso glatt sind wie die Wände. Falls deine Decken nur gestrichen bzw. tapeziert sind, kannst du auch sie mit der genannten Masse behandeln.

Falls du jedoch zur Miete lebst und die Decke aus etwas anderem besteht, etwa Holz, kannst du nur wenig ändern. In dem Fall empfehlen wir, dich auf normale Farbe zu beschränken.

Bauhaus wohnen
Konträr zum weitverbreiteten Irrtum ist Bauhaus nicht nur schwarz/weiß. Bloß werden die Farbtupfer sorgsam eingesetzt.

Step six: Die Böden

So gut die originalen Bauhaus-Meisterwerke dokumentiert sind, so sehr schweigen sich selbst Fachleute über die Bodenbeläge aus. Lediglich das Hornemann-Institut, eine wissenschaftliche Einrichtung zur Erhaltung von Kulturerbe, gibt in einer alten Publikation einen dezenten Hinweis:

Im Bauhausgebäude prägen Farbigkeit und Oberflächenstruktur der Fußböden aus Terrazzo, Steinholzestrich und Triolin mit ihrer Materialität und mit ihren harten und glänzenden Oberflächen den Gesamteindruck der Räume ganz entscheidend mit […] konnte auch anhand der Bodenbeläge eine Hierarchie der Räume im Bauhausgebäude belegt werden: Wurden die Büroräume mit Triolin auf Zementstrich ausgelegt, erhielten Unterrichtsräume, Werkstätten und Flure einen Belag aus Steinholzestrich […]“.

Für dich bedeutet das, dass du dich auf deinen originalen Estrichboden stützen kannst, den du mit einem passenden Material glättest. Echter Steinholzestrich ist ein ganz anderes Material und viel schwieriger in der Handhabung.

Alternativ kannst du auf Linoleum setzen. Linoleum ist der moderne Nachfolger von Triolin. Schaust du dir das Muche/Schlemmer-Meisterhaus an, bekommst du einen weiteren Hinweis in Form des graumarmorierten Linoleumbodens.

Bauhaus Boden
Linoleum lässt sich so easy verlegen wie ein Teppichboden, sehr gut zum Selbermachen. Für maximales Bauhaus solltest du auf marmorierte Optiken setzen.

Step seven: Restaurieren

Wir haben angekündigt, dass du manches Möbelstück weiterverwenden kannst, wenn du es nur richtig bearbeitest. Was beim Bauhaus auffällt, ist, dass dabei vieles (aber längst nicht alles) aus Chromglanz und Schwarz besteht.

Hast du etwa einen unverschnörkelten Tisch, gehe folgendermaßen vor:

  1. Demontiere die Beine
  2. Besorge dir Chrom-Tischbeine
  3. Reinige den Tisch gründlich, sodass er fettfrei ist
  4. Schleife ihn mit Sandpapier (120er Körnung) an
  5. Besorge dir schwarzen Lack und lackiere den Tisch sachgerecht
  6. Schraube die Chrom-Tischbeine an

Voila, ein Tisch, wie er aus der Feder Marcel Breuers stammen könnte. Auch bei anderen Möbeln kannst du ähnlich vorgehen, du kannst sogar Couches neu streichen. Prüfe abermals deine Inspirationsvorlagen und schau, in wieweit du den Look nachmachen kannst.

Das gilt übrigens auch für Lampen, Leuchten usw. Hier kannst du sogar mit etwas Bastelgeschick eine an die Wagenfeld-Lampe angelehnte Tischleuchte erschaffen.

Step eight: Echte Bauhaus-Tupfer

Wenn du im Netz nach echten bzw. lizensierten Bauhaus-Möbeln guckst, kannst du die Luft anhalten. Die gehen richtig ins Geld. Aber es ist ebenso eine Tatsache, dass:

Mit deinen nun tieferen Kenntnissen kannst du jetzt in einen beliebigen Möbelmarkt fahren und wirst dort überall Spuren der Meister entdecken.

Diese Tupfer sind für den Eindruck äußerst wichtig. Denn deine Restaurierungen werden sich häufig nur anlehnen. Für ein stimmiges Gesamtergebnis ist es jedoch wichtig, dass sich Nachgemachtes/Angelehntes und originär-Bauhaus-iges ungefähr die Waage halten.

Bauhaus Freischwinger-Stuhl
Originale Bauhaus-Nachbauten sind richtig teuer. Aber es gibt unzählige davon inspirierte Möbel, die du für schmales Geld bekommst.

Step nine: Widerstehe der Versuchung

Je nachdem, wie sehr du zuvor Anhängerin des verspielten Sammeltriebes warst, wirst du in den ersten Wochen die große Versuchung verspüren, deine Wohnung wieder mit Wandbildern, Deko-Zeug in Regalen, Kissen, Decken und Co. zu besiedeln.

Unser Tipp: Halte dich im Zaum. Das würde den Look, für den du so hart gearbeitet hast, verwässern. Alles, was du noch einbringst, sollte immer einen Nutzen haben, niemals nur der Optik wegen einziehen. Denke wie die Bauhaus-Meister*innen, du bist jetzt auch eine im Geiste.
 

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