Frauen wollen keine netten Kerle
Nett ist die kleine Schwester von ...?

Die Situation…

Ein beliebiges italienisches Restaurant, 23.00 Uhr: ein Paar verlässt seinen Tisch, man hat gut gegessen und lange geredet. Die Dame bedankt sich höflich für die Einladung und entschwindet mit dem vagen Verweis auf möglichen Anruf. Der Herr hilft ihr noch ins Taxi und verharrt eine Weile unschlüssig. Den Abend hat er sich ganz anders vorgestellt, denn endlich sollte aus seiner attraktiven Bekannten eine heiße Geliebte werden. Seit Jahren hilft er ihr in jeder Lebenslage. Was hat er nur falsch gemacht? Die bezaubernde Lady an der Bar kann ihm den Abend auch nicht mehr retten – die hat seine Blamage sicher mitbekommen.
 

Aber noch schlimmer…

Die schöne Frau auf dem Barhocker aber hat sowieso ein ganz anderes Problem: Der Typ zwei Plätze weiter mit seinem dritten Whisky in 10 Minuten beachtet sie einfach nicht. Schweigsam kippt er die Drinks zwischen seinen Drei-Tage-Bart und scheint in seinen eigenen Sphären zu schweben. Wenn eine Frau etwas nicht ertragen kann, dann ist es Desinteresse. Sie rührt laut in ihrem Cocktail, wechselt hörbar die Sitzposen und schickt kleine Blitzblicke herüber. Endlich, bei der Entgegennahme des vierten Whiskys, wendet sich der Mann ihr zu und lässt ein tief-sonores „Cheers“ vernehmen. Fünf Minuten später verlassen die beiden gemeinsam die Bar.
 
harte Kerle sind gefragt

 

Paradoxe Situation?

Der eine kümmert sich mit viel Aufwand und kommt nicht zum Ziel, der andere investiert scheinbar nichts und räumt ab. Ein Großteil der Männer verzweifelt an diesem Phänomen. Wie kann es sein, das liebevolle Zuwendung, Verständnis, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft offenbar weniger wert sind als eine billige Anmache? Sind Frauen etwa wirklich die hilflosen Wesen aus den traditionell überkommenen Vorstellungen? Ist es besser, den Gentleman über Bord zu werfen und lieber als raubeiniger Seebär den Erfolg zu suchen? Was wollen Frauen denn nun – respektiert werden oder doch lieber hart angefasst?
 

Der Denkfehler der Gentlemen

In der Regel verfügen nette Kerle auch über mehr Intelligenz als einfache Rohlinge. Das hindert sie jedoch nicht, einen entscheidenden Fehler zu begehen: Sie brillieren mit ihrem Wissen, um Bewunderung bei Frauen zu erreichen. Esprit-Fontänen werden versprüht und Unmengen von Bonmots verschleudert. Die Damen amüsieren sich gut und denken: „Was für ein guter Unterhalter. Mit dem kann man sich öffentlich sehen lassen.“

Und was ist mit den intimen einfühlsamen Gesprächen und dem Verständnis jedweden Problems? Auch das ist angenehm für Frauen. Jeder Mensch braucht eine persönliche Sozialstation, bei der er (in dem Falle eben: sie) Frust abladen kann. Ganz zu schweigen von handwerklichen Hilfeleistungen, die jede Frau in Form eines guten Freundes gern in der Reserve hat.
All das aber hat nichts mit Sex zu tun.
 

Der Vorteil der Bad Boys

Bad Boys mögen einfacher gestrickt sein, aber sie setzen das Wenige, das sie haben, zielgerichtet ein. (Natürlich gibt es auch genügend kluge Männer, die einfach nur das Hardcore-Image kultivieren.) Sie setzen nicht auf den Geist, sondern auf die Instinkte. Und die haben sich seit der Steinzeit kaum gewandelt. Die größte Reputation besitzen seit jeher die so genannten Alphatiere – früher die Anführer einer Horde, heute tatkräftige Männer, die sich in der Masse durchsetzen. Sie verfügen über ein hohes Selbstbewusstsein und diktieren das Geschehen. Mit einem solchen Partner ist das Überleben gesichert – auch wenn körperliche Stärke in unseren Zeiten nicht mehr ausschlaggebend ist. Aber es ist immer noch so, dass ein maskuliner Körper auf Frauen ebenso aufreizend wirkt wie weibliche Kurven für Männer das Sinnbild der Erotik darstellen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass sich Gegensätze anziehen – und als Einheit ein größere Vollkommenheit erreichen. Im Sex ist dieses Gefühl zu erleben.
 

Aber was wollen wir Frauen jetzt nun eigentlich?

Nette Kerle sollten einfach mehr das eigene Ich zur Geltung bringen und die Zuvorkommenheit nicht übertreiben. Zu viele Wahlmöglichkeiten überfordern jeden Menschen. Nur wer authentisch als Mann auftritt und Selbstbewusstsein zeigt, kommt auch bei den Frauen an.
 

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