Jede Woche schreibe ich hier kleine Geschichten, Gedanken und Anekdoten rund um das Thema Liebe. Manchmal ist das gar nicht so leicht, wenn man nichts Spannendes zu berichten hat und trotzdem eine Kolumne schreiben möchte, der man(n) etwas abgewinnen kann. „Dann schreib’ doch über Nicht-Liebe“, riet mir gestern ein Vertreter des männlichen Geschlechts. Gesagt. Getan.

Darf ich also mal provokant behaupten, dass sich Männer mit dem Thema Nicht-Liebe anscheinend beschäftigen, ich möchte nicht sagen, eventuell sogar ganz gut auskennen?

Ich habe Männer in meinem Freundeskreis, denen ich immer wieder sage, sie sollen bloß die Finger von meinen Mädels lassen. Das ist zwar eher augenzwinkernd als wirklich böse oder ernst gemeint, aber einige von ihnen sind definitiv Typ Mann, über den ich froh bin, mich nicht in ihn zu verlieben. Sie gehören zu denen, die nach einer Trennung gerne mal mehrere Eisen im Feuer haben, sogar in verschiedenen Städten oder Ländern. Ein Freund von mir ist erst gerade mit einer Australierin durch Spanien gereist, hat dann eine Andere in Berlin besucht und bekommt am Wochenende Gesellschaft von einer dritten Bekanntschaft. Seine friends with benefits stellen durchaus abendfüllende Themen dar und bereichern die Clique immer wieder mit Pleiten, Pech und Pannen, über die man schallend lachen kann. Auch er.

Nur stelle ich nach einer gewissen Zeit immer die Frage, ob die weiblichen Kandidatinnen ersten von ihrer Konkurrenz wissen und zweitens das ganze Abenteuer genauso unverbindlich sehen, wie er das tut. Meistens antworten diese betreffenden Männer dann mit „Ja klar, weiß sie das“ und ich entgegne „ach, du hast das also mit ihr geklärt? Super!“. Und dann verstummen sie kurz und stammeln: „Ne, aber das ist doch klar!“

Äh. Ne, meist ist es das nicht. Machen wir uns doch nichts vor, selbst eine Australierin auf der Durchreise hat schon von diesen überromantischen Liebesgeschichten gehört, die alle Zeitzonen und Sprachbarrieren überwinden. Wir träumen alle von der großen Liebe und sogar wenn im voraus abgesprochen ist, dass es sich hier nur um eine nette Affäre handelt, so ist es leider meistens so, dass sich einer von beiden verliebt. Früher oder später erliegen wir immer unseren Gefühlen.

Anika Landsteiner, Schauspielerin, Muenchen

Vor zwei Wochen habe ich für eine Onlinezeitschrift einen Artikel über Halbbeziehungen geschrieben, der davon handelt, dass viele junge Menschen gerne von allem etwas hätten und sich somit zwischen Single-Dasein und Partnerschaft wiederfinden. Der Artikel hatte sich so wahnsinnig schnell geklickt, dass die Redaktion zu mir meinte, ich hätte wohl einen Nerv der Zeit getroffen. Und so ist es auch, ohne Urteil oder Meinungsbildung dazu, aber: Es gibt sie immer mehr, die alternativen Paarungen, ein bisschen mehr Spaß, aber bitte nur ganz wenig Verantwortung.
Warum? Weil wir Generation „Alles ist möglich“ sind und wenn eine Partnerschaft all diese Optionen nicht mittragen kann (oder will), dann trennt man sich und geht alleine seinen Weg beziehungsweise findet eben jemanden, der keine Anforderungen oder Fragen stellt.

Das Schöne ist allerdings, dass die meisten wirklich stillstehen, wenn der oder die Richtige den Weg kreuzt. Das Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel ist plötzlich beendet und das Gefühlskarussell dreht sich nur noch um zwei Menschen. Die Zeit der Nicht-Liebe ist auf einmal vorbei und man möchte denjenigen ganz für sich.
Ich kenne ein Pärchen, das zwischen den USA und Deutschland pendelt, und das schon seit Jahren. Sie führen – soweit ich das einschätzen kann – eine glückliche Beziehung. Natürlich wären sie gerne jeden Tag zumindest mal im gleichen Land und jede Nacht im gleichen Bett, aber es funktioniert, weil der Wille da ist. Und die Liebe. Damit schließt sich der Kreis der Generation „Alles ist möglich“ und die Nicht-Liebe wird auf einmal so unglaublich langweilig und überflüssig, dass sie nicht mehr ist, als ein Platzhalter, bis jemand kommt und ihn sich einfach nimmt.