Die verstörendsten Filme aller Zeiten: Nichts für schwache Nerven!

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Bei nur wenigen Dingen trifft dieses Sprichwort derartig gut zu, wie bei Filmen und Serien. Die einen mögen es lustig, die anderen brutal und blutig. Doch nicht immer muss das Blut spritzen und die Gedärme fliegen, damit ein Film eine verstörende Wirkung mit sich bringt. Häufig sind das Setting, die Kameraführung und vor allem die vermittelte Botschaft mindestens ebenso wichtig wie graphische Detaildarstellungen. Wir haben uns ein wenig umgehört und haben für dich einige Filme herausgesucht, welche garantiert nichts für schwache Nerven sind.

1. Die Passion Christi (2004)

Für die Darstellung des Leidenswegs Jesus Christus zeichnet sich Mel Gibson für Drehbuch und Regie verantwortlich. Der Film nimmt den Zuseher mit in die biblische Vergangenheit und begleitet Jesus auf seinem letzten Weg. Beginnend bei seiner Verhaftung führt der Film durch die Grauen, welche der Sohn Gottes erleiden musste. Der verstörende Höhepunkt ist natürlich die Kreuzigungsszene. Im Vergleich zu bisherigen Bibelverfilmungen setzt Die Passion Christi auf blutige Gewaltdarstellungen und vermittelt so einen gänzlich neuen Einblick in das Geschehen. Unterstützt wird die Wirkung davon, dass während des gesamten Films nur in Originalsprachen – Latein, Aramäisch und Hebräisch – gesprochen wird, der Zuseher ist also auf die Untertitel angewiesen.

Aufgrund der expliziten Gewaltdarstellungen ist Die Passion Christi äußerst umstritten. Einige Kritiker loben den neuen Zugang zu einem verstaubten Thema und weisen darauf hin, dass so die Bibel spannend, aber ehrlich vermittelt werden kann. Die Gegenposition hebt hingegen hervor, dass die Gewalt übertrieben dargestellt wird, weswegen der Film von der Masse der Zuschauer eher verstörend als lehrreich empfunden wird. Solltest du Die Passion Christi noch nicht gesehen haben, ist es jedenfalls lohnenswert, dir selbst eine Meinung zu bilden.

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2. (Uhrwerk) Clockwork Orange (1971)

Stanly Kubricks Meisterwerk aus dem Jahr 1971 gilt als einer der verstörendsten Filme aller Zeiten. Die Handlung hat sich stark an dem gleichnamigen Roman von Anthony Burgess orientiert, wurde jedoch um das letzte Kapitel gekürzt.

Es wird die Lebensgeschichte von Alex erzählt, einem Anführer einer Jugendbande aus London. Alles in dem Leben der Bandenmitglieder dreht sich um Gewalt. Sie begehen zahlreiche Verbrechen gegen wehrlose Menschen, doch auch Schlägereien mit anderen Gangs stehen an der Tagesordnung. Im Mittelpunkt steht dabei das Ausleben der exzessiven Gewalt. Sie vergewaltigen und quälen scheinbar wahllos. Auch Auseinandersetzungen innerhalb der Gruppe werden von Alex mit brutaler Gewalt gelöst.

Es kommt wie es kommen muss und eines Tages wird Alex festgenommen und landet im Gefängnis. Dort wird er Teil eines Programms zur Resozialisierung von brutalen Straftätern. In diesem Rahmen wird versucht, sein Gehirn neu zu programmieren und ihm einen Abneigung gegen Gewalt einzupflanzen, ein Versuch, welcher nur teilweise von Erfolg gekrönt ist.

Clockwork Orange zeichnet sich durch die Kombination brutaler Gewaltdarstellungen mit originellen Kameraeinstellungen und verstörenden Szenen aus. So schlägt Alex beispielsweise ein Opfer im Takt zu „Singing in the Rain“ zum Krüppel, während er dessen Frau entblößt und anschließend vergewaltigt. Dennoch ist das wahre Highlight des Films die unterschwellige, aber dennoch omnipräsente Kritik am System. In Kombination mit den genialen Einstellungen und Schnitten wird der Film zu einem wahren Meisterwerk der verstörenden Kunst, welches jeder Liebhaber des Genres gesehen haben sollte.

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3. Oldboy (2003 / 2013)

Das Original aus dem Jahre 2003 ist eine südkoreanische Produktion, welche dementsprechend geringe Aufmerksamkeit erhalten hatte. 2013 wurde der Film für ein weltweites Publikum unter der Regie von Spike Lee neu verfilmt. Es dreht sich alles um den Werbemanager Joe Doucett, welcher nach einem missglückten Meeting auf dem Weg nach Hause bewusstlos wird und anschließend in einem Hotelzimmer aufwacht. Er erhält keinerlei Informationen, weswegen er festgehalten wird. Doch aus dem Fernsehen erfährt er, dass seine Ex-Frau vergewaltigt und ermordet, seine Tochter zur Adoption freigegeben wurde. Er selbst sei der Hauptverdächtige. Nach einem erfolglosen Selbstmordversuch wird er verhaftet und muss für zwanzig Jahre ins Gefängnis, wo er einen Racheplan ausarbeitet.

Zwanzig Jahre später beginnt Joe damit, den wahren Schuldigen zu finden. Doch seine Suche entpuppt sich als schwierig und erfolglos. Erst nachdem er den Ort seiner kurzfristigen Gefangenschaft gefunden hatte, lassen sich langsam, aber sicher Spuren zu dem wahren Täter zusammensetzen. Er trifft auf eine unbekannte Person, welche ihm den überraschenden Vorschlag macht, Joe reichlich zu entlohnen und außerdem seine Tochter NICHT zu töten, wenn er binnen 46 Stunden entdeckt, warum er als Mörder gebrandmarkt wurde. Er schafft es und übermittelt dem Fremden die entsprechenden Informationen, nur um anschließend zu erkennen, dass alles nur ein krankes Spiel war und sämtliche Erlebnisse inszeniert wurden, um ihn möglichst effektiv zu quälen.

Oldboy ist eine fantastische Kombination aus verwirrenden und verstörenden Episoden, gepaart mit einzelnen, überraschend auftretenden Szenen körperlicher Gewalt. Während des Films haben viele Zuseher das Problem, der Story zu folgen, doch wenn offenbart wird, wie tief die psychischen Qualen von Joe gehen, werden selbst Leute mit starken Nerven schwach.

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4. Mulholland Drive (2001)

Mulholland Drive gilt neben Lost Highway als eines der Paradewerke des Kultregisseurs David Lynch. Zwei Frauen – die eine blond, die andere brünett – treffen im Laufe des Films regelmäßig aufeinander. Im Laufe der Geschichte kommt heraus, dass eine von ihnen offensichtlich einem Mordanschlag entgangen ist. Auch zwei männliche Hauptpersonen werden auf mysteriöse Art und Weise eingeführt.

Zahlreiche unabhängige, leicht verstörende Szenen später, kommt ein Wechsel im Film, und ein zweiter Handlungsstrang wird erzählt. Hier wird der Zuseher mit einer weiteren Frau konfrontiert, welche optisch sehr der brünetten Frau von Vorhin ähnelt. Diese ist jedoch blond und führt auch einen anderen Namen und ein unterschiedliches Leben. Die Verwirrung wird immer größer, wenn einzelne Szenen auf den ersten Teil des Films Bezug nehmen, dennoch ganz offensichtlich unterschiedliche Situationen und Personen darstellen.

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Selbst nach Ende des Films wird nicht aufgeklärt, wie das Verhältnis zwischen den einzelnen Personen tatsächlich war. Ebenso wenig wird klar, ob alles oder nur Teile der Handlung Realität waren. Dass dieses Resultat gewünscht war, wird anhand einer Aussage von David Lynch klar. Als ein Reporter zu ihm gesagt hatte, er hätte den Film endlich verstanden, meinte Lynch: „Da haben sie mir ja einiges voraus“.

Dennoch kann und soll vieles in Mulholland Drive interpretiert werden. Zu diesem Zweck liegt der DVD des Films ein Zettel mit wichtigen Dingen, auf welche geachtet werden sollen bei. Mit dieser Hilfestellung ist es empfehlenswert, den Film ein weiteres Mal zu genießen. Auch wenn es sich dank der verwirrenden Szenen um einen sehr verstörenden Film handelt, regt dieser stark zum Denken an. Aus diesem Grund hebt er sich auch derartig von der Masse aller anderer Filme ab und gilt vollkommen zu Recht als einer der schrägsten, doch zugleich genialsten Filme aller Zeiten.

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5. Requiem For A Dream (2000)

Das US-Drama, basierend auf einer Romanvorlage, erzählt den sozialen Niedergang von vier Drogensüchtigen. Dabei wird auf eine düstere Stimmung dank dunkler Farben, aber auch auf innovative Bildtechniken gesetzt.

In vier Kapiteln –Sommer, Herbst, Winter, Frühjahr – wird die Geschichte der vier Drogensüchtigen erzählt. Aus Drogensucht wird Drogenhandel. Aus dem Wunsch abzunehmen ergibt sich eine Sucht nach Amphetaminen. Aus Drogenhandel resultiert eine Gefängnisstrafe. Diese konnte zwar dank einer Kaution umgangen werden, doch nun waren die Geldmittel knapp. Das logische Resultat ist ein verstärkter Fokus auf illegale Aktivitäten. Diese Abwärtsspirale setzt sich durch den gesamten Film fort und vermittelt ein Bild der Hoffnungslosigkeit von Drogensüchtigen, welches unter die Haut geht.

Requiem For A Dream ist auf seine ganz besondere und eigene Art ein sehr verstörender Film. Denn hier wird die Realität schonungslos aufgezeigt und gibt dem durchschnittlichen Menschen einen Einblick in das triste, deprimierende und aussichtslose Leben von drogenabhängigen Personen. Zahlreiche Auszeichnungen und Nominierungen zeigen, dass der Film auch von internationalen Kritikern trotz dieser verstörenden Wirkung als ausgezeichnet empfunden wurde. Vor allem Ellen Burstyn sticht mit ihrer Darstellung der älteren Witwe Sara Goldfarb, welche in die Drogensucht abrutscht, hervor.

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6. Human Centipede (2009)

Mehrere Personen werden von einem verrückten Doktor entführt und für Experimente missbraucht. Denn Dr. Heiter hat vor, ein Geschöpf, bestehend aus mehreren Menschen, zu erschaffen – den menschlichen Tausendfüßler. Zu diesem Zweck operiert er die entführten Personen aneinander, wobei jeweils der Mund an den After der vorderen Person genäht wird. Die verstörendste Szene des Films ist, als eine der Personen sich erleichtern muss und die darauffolgende gezwungen ist, die Fäkalien zu schlucken.

Die Geschichte des Films ist derartig krank und abstrus, dass die Kritiken zu Recht sehr zwiegespalten waren. Denn einerseits ist dieser „Horror“ nichts für ein breites Publikum, andererseits gehen die Gedankenexperimente weit über den üblichen Thrash von Horrorfilmen hinaus und regen trotz ihrer Abartigkeit zum Denken an. Dank einer grandiosen schauspielerischen Leistung von Dieter Laser in der Rolle von Dr. Heiter ist der Film hartgesottenen Fans von verstörenden Horrorfilmen dennoch zu empfehlen.

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7. A Serbian Film (2010)

A Serbian Film verfolgt die Ereignisse im Leben des ehemaligen Pornodarstellers Milos, welcher aufgrund von mangelnden Ersparnissen dazu gezwungen ist, an speziellen Produktionen im Pornobereich teilzunehmen. Diese sind durch körperliche und sexuelle Gewalt an Frauen geprägt. Diese Szenen werden im Film erschreckend realistisch und offen dargestellt, weswegen A Serbian Film als äußerst umstritten gilt.

Die Gewalt sorgt schließlich dafür, dass sich Milos gegen die Produzenten wendet. Diese entführen kurzerhand dessen Frau und Sohn und zwingen Milos, diese zu quälen und vergewaltigen, ohne dass er jedoch Bescheid weiß, um wen es sich handelt. Als es ihm offenbart wird, geht er gewaltsam gegen seine Peiniger vor. Die Auseinandersetzung gipfelt darin, dass er einen von ihnen tötet, indem er ihm seinen erigierten Penis ins Auge rammt.

Als Milos und seine Familie schließlich nach Hause zurückkehren, wird klar, dass sie ihr Leben so nicht weiterführen können, und er bringt die beiden sowie sich selbst um. Abschließend wird gezeigt, wie die Produzenten der Gewaltpornos in Milos Haus kommen und Anweisungen geben, dass die Leichen missbraucht werden sollen.

Der Film zeigt schonungslos jene Zustände auf, wie sie zum Teil im illegalen Pornogeschäft herrschen sollen und überzeichnet diese auf einzigartige Weise. Die Darstellungen sind jedoch selbst für starke Nerven häufig schwer zu verdauen, weswegen der Film nur für wenige Personen zu empfehlen sein dürfte.

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8. Funny Games (1997)

Anna und Georg machen gemeinsam mit ihrem Sohn Schorschi Urlaub in einem kleinen Ferienhaus. Kurz nachdem sie angekommen sind, werden sie von Peter besucht, welcher um ein paar Eier bittet. Als Anna so abgelenkt wird, wird von Peters Begleiter Paul der Hund der Familie getötet und Georg niedergeschlagen. In weiterer Folge werden Anna und Georg gequält und gedemütigt. Schorschi kann zwar kurzzeitig entkommen, findet die Leiche der Nachbarn, wird anschließend jedoch gefangen und getötet. Im Laufe des Films werden nun auch Georg und abschließend Anna getötet, bevor gezeigt wird, wie Peter und Paul zu einem weiteren Haus pilgern, wo sie freundlich und harmlos um Eier für die Nachbarn bitten.

Die Handlung des österreichischen Films klingt zwar etwas verstörend, jedoch relativ einfach und seicht. Die grandiose Wirkung des Films wird dadurch erzielt, dass die beiden Psychopaten regelmäßig durch Blicke in die Kamera oder sogar durch direkte Ansprache mit dem Zuschauer interagieren. So wirst du direkt ins Geschehen versetzt und fühlst dich verzweifelt und hilflos dem Geschehen ausgeliefert. Gemeinsam mit der überzeichneten Darstellung der Charaktere ergibt sich so ein Film, welcher zwischen Unglaubwürdigkeit und Genialität schwankt und durch seine provokative Gewaltdarstellung polarisiert. Alleine der Vergleich von Kritikern mit Clockwork Orange sollte Empfehlung genug sein, um diesem verstörenden Film eine Chance zu geben.

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Foto: Requiem for a Dream / © Central/Highlight