Bye bye Auto: Nachhaltig unterwegs mit dem Rad

Das Fahrrad hat nicht ohne Grund einen besseren Ruf bei Umweltschützer:innen als das Auto. Denn wer für die Fortbewegung selbst in die Pedale tritt, statt den Motor beim Auto mit einem Tritt aufs Gaspedal in Gang zu setzen, stößt deutlich weniger CO2 aus. Doch auch ein Rad hat – in seiner Herstellung und Entsorgung – eine gewisse Emission. Grundsätzlich solltest du, wenn du nachhaltiger unterwegs sein möchtest, zwar unbedingt vom Auto aufs Rad umsteigen. Damit dieser Umstieg gelingt und möglichst umweltschonend wird, solltest du aber eben auch hier auf einige Dinge achten.

Das Zweirad – Ein deutlich umweltschonenderes Fortbewegungsmittel

Dass das Radfahren umweltschonender ist als das Autofahren, ist den meisten Menschen bewusst. Inwieweit sich das jeweilige Unterwegssein aber mit den entsprechenden Emissionen auf die Umwelt auswirkt, ist komplex und bedarf stets neuer und genauerer Forschung.

Erst kürzlich konnten Forschende mit einer Stichprobenanalyse auf Basis der Daten des Projekts „PASTA“ (Physical Activity through Sustainable Transportation Approaches) neue Fakten ermitteln, die ein eindeutiges Bild zeichnen. Folgende Fakten sind am beeindruckendsten:

  • Radfahrende hatten insgesamt 84 % weniger CO2-Emissionen bei allen täglichen Fahrten als Nicht-Radfahrende.
  • Die CO2-Emissionen sanken um 14 % für jede zusätzliche Fahrradfahrt.
  • Die obersten 10 % der Teilnehmer waren für 59 % der CO2-Emissionen verantwortlich.
  • Jede durchschnittliche Person, die vom Auto auf das Fahrrad umstieg, konnte ihre CO2-Emissionen im Schnitt um 3,2 kg CO2 pro Tag verringern.

Die Erhebung kam somit auch zu dem Fazit, dass die Einbindung, Investition und Förderung des aktiven Verkehrs ein Eckpfeiler von Nachhaltigkeitsstrategien, -politiken und -planungen sein sollte. Nur so könnte man den anspruchsvollen Zielen für nachhaltige Entwicklung in Zukunft gerecht werden.

Aktuell muss man jedoch sagen, dass sich Autos und Fahrräder in Deutschland etwa die Waage halten. 2020 gab es immerhin 79,1 Millionen Räder in Deutschland; doch auch 65,8 Millionen Autos waren gemeldet. Diese Zahlen sagen noch nichts über deren Nutzung aus. Hier wiederum zeichnet die bereits zitierte Studie ein eindeutiges und eher erschreckendes Bild: Die meisten Strecken in bis zehn Kilometer werden mit dem Auto zurückgelegt. Dies ist ausgerechnet der Bereich, der zumindest bei Verbrennern die größte Ineffizienz und die höchsten Emissionswerte aufweist.

Doch wichtig ist nicht nur, dass du, wenn du gerade für kürzere Entfernungen viel mit dem Auto unterwegs bist, häufiger zum Fahrrad greifst. Oder dass du, wenn du aktuell kein verkehrstaugliches Rad mehr besitzt, dir irgendein Rad kaufst. Wichtig ist auch, dass du beim Kauf auf ein Rad achtest, was möglichst umweltschonend produziert wurde und eine gewisse Qualität hat.

Auch Fahrräder sind unterschiedlich nachhaltig

Wenn du bereits ein Fahrrad besitzt, das verkehrstauglich ist und mit dem dir das Fahren einigermaßen Spaß macht, ist natürlich die nachhaltigste Option, einfach weiterhin mit diesem Rad zu fahren. Gerade die angesprochenen kürzeren Entfernungen – vielleicht für kleinere Einkäufe oder auch zur Arbeit in der Nähe – kannst du einfach mal mit dem Rad zurücklegen und schauen, wie du damit zurechtkommst.

Möchtest du dir allerdings ein neues Rad zulegen, hältst du am besten Ausschau nach einem solchen, das als möglichst umweltfreundlich einzustufen ist. Dafür sollte es verschiedene Kriterien erfüllen.

  • In Deutschland oder zumindest Europa produzierte Räder – bestenfalls auch hergestellt aus hiesigen Materialien – sind besonders umweltfreundlich. Denn sie legen keine langen Transportwege zurück, um zu dir oder dem Händler deines Vertrauens zu gelangen.
  • Fahrradrahmen gibt es aus verschiedenen Materialien. Besonders üblich sind Stahlrahmen, Rahmen aus Aluminium und aus Carbon oder Titan. Außerdem gibt es auch alternative Rahmen aus Holz und Bambus (was ein Gras ist und kein Holz).

    Rad aus Holz

    Stahl benötigt in der Gewinnung sowie der Herstellung deutlich weniger Energie als Aluminium. Auch die direkten Umweltauswirkungen sind bei Stahl geringer. Hinzu kommt, dass ein Stahlrahmen deutlich haltbarer ist. Das liegt daran, dass er elastischer ist und somit weniger schnell kaputt geht.

    Aluminium hat zwar auch viele Vorteile und lässt sich sehr gut recyclen, doch wozu sollte man einen Fahrradrahmen nach Gebrauch noch einmal nutzen?

    Das Problem mit Carbon wiederum: Das Material ist zwar sehr leicht, es ist aber auch anfällig für Schäden. Außerdem muss es nach seiner Gebrauchszeit zum Sondermüll.

    Bleiben also noch Titan, Holz und Bambus als Alternative zum klassischen Stahlrahmen. Machen wir es kurz: Titan ist zwar sehr zuverlässig und langlebig, die Umweltbilanz ist vergleichsweise aber verheerend. Holz und Bambus dagegen – wenn sie teilweise auch längere Transportwege haben – schneiden umwelttechnisch gut ab. Denn sie wachsen nach und sind leicht zu gewinnen. Heimisches Holz hat die beste Bilanz. Holzräder sehen zudem auch oft noch sehr stylisch aus und können ebenfalls robust sein. Das größte Hindernis bei ihnen: Der oftmals doch recht hohe Preis.

  • Letztlich sollten auch die am Rad verbauten Teile, wie die Ketten, Bremsen und Schaltungen nachhaltig sein. Hier gilt das Stichwort Qualität so sehr, wie nicht einmal beim Rahmen. Denn Kleinteile minderer Qualität gehen besonders schnell kaputt. Markenprodukte sind deshalb zu bevorzugen. Außerdem: Auch hier auf regional produzierte Produkte achten.

Worauf achten beim Radfahren?

Wie bereits erwähnt solltest du, vor allem, wenn du länger nicht Rad gefahren bist, beim Umstieg vom Auto zum Drahtesel auf ein paar Dinge achten. Die angesprochene Verkehrstauglichkeit steht hierbei an oberster Stelle, denn sie gewährt dir Sicherheit im Verkehr.

Nach Angaben des adfc, des allgemeinen deutschen Fahrradclubs, ist ein Rad dann verkerhssicher, wenn…

… eine helltönende Klingel angebracht ist.

… zwei voneinander unabhängige Bremsen angebracht sind.

… zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale vorhanden sind, an denen sich je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler befinden.

… ein weißer Frontscheinwerfer angebracht ist.

… ein rotes Rücklicht angebracht ist.

… zudem ein weißer Reflektor vorn und ein roter Großrückstrahler hinten angebracht sind.

… Reflektorstreifen an den Reifen oder gelbe Speichenreflektoren verbaut sind.

Zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber absolut empfehlenswert sind einige weitere Dinge, die dein Rad, bzw. du besitzen solltest. Allen voran steht das Fahrradschloss. Hast du kein solches, ist es dringend zu empfehlen, dies noch vor deiner ersten Fahrt zu besorgen. Andernfalls kann die erste Fahrt mitunter schon die letzte gewesen sein. Vor allem in Großstädten bleiben nicht abgeschlossene Räder nicht lange an ihren Parkplätzen. Gerade in Bremen und Hamburg, aber auch in Berlin und sächsischen Großstädten, wie Dresden und Leipzig sind die Diebstahlszahlen besonders hoch. Hier kommst du um ein gutes Schloss nicht herum.

Fahrradschloss

Für deine eigene Sicherheit sorgst du mit einem guten Helm. Achte hierbei genau auf Passform und Komfort und vor allem auf die Qualität. Die Optik sollte zweitrangig sein. Während der Fahrt schaut dich sowieso kaum jemand so genau an.

Auch Schutzbleche sind sinnvoll – wenn auch nicht vorgeschrieben. Erwischst du einmal einen regnerischen Tag, versaust du dir bereits nach einer kurzen Fahrt mitunter die Rückseite deiner Hose und deines Oberteils. Das passiert nur ein einziges Mal, davon kannst du ausgehen…

Darüber hinaus solltest du dein mitunter eingerostetes Rad, selbst, wenn es bereits verkehrssicher ist, auf ganzer Linie wieder fit machen – ganz egal, ob für den Frühling, wie in einem unserer Beiträge erwähnt oder für Sommer und Herbst. Reifen aufpumpen und Bremsen checken sowie die Schaltung überprüfen, das ist das Minimum.

Fünf weitere gute Gründe fürs Radfahren

Neben dem Umweltaspekt gibt es noch ein paar weitere Gründe, die fürs Radfahren sprechen und die dich abschließend überzeugen könnten, die Autoschlüssel manchmal zuhause zu lassen.

  1. Beim Radfahren bewegst du dich und machst automatisch ein bisschen Sport am Tag. Im Auto hingegen musst du mit deinem Körper kaum etwas tun.
  2. Gerade in Innenstädten kann die Parkplatzsuche mit dem Auto oft zur echten Qual werden. Eine stabile Stange fürs Rad findet sich dagegen immer. Notfalls kann es sogar mit ins Büro genommen werden.
  3. Stau mit dem Rad? Ebenfalls Fehlanzeige. Wenn es sich irgendwo staut, findet sich immer eine Lücke, die einen Ausweg zu einer alternativen Route zum Zielort bietet.
  4. Mit dem Rad zahlst du weder Spritkosten, noch Steuern oder sonstige Kosten, die für ein Auto permanent anfallen. Radfahren ist damit das deutlich günstigere Fortbewegungsmittel.
  5. Bist du mit dem Rad in deiner Freizeit unterwegs, hast du mehr von deiner Umgebung. Nicht nur schnupperst du automatisch die ganze Zeit frische Luft, das langsame Vorankommen erlaubt dir auch, die Landschaft oder manche Bezirke der Stadt mit mehr Ruhe zu inspizieren. Dabei fallen dir vielleicht Dinge auf, die du aus dem Autofenster stets verpassen würdest. Kurzum: Mit dem Rad erlebst du nur Gutes. Zeit, zumindest ab und an „umzusteigen“!

 

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