Pärchenclub Mythos

Wenn man die Schlagworte „Trennung“ und „Urlaub“ googelt, kommen 1.630.000 Ergebnisse. Anscheinend herrscht Redebedarf, was den Pärchenurlaub betrifft. Da ich selbst gerade auf der Veranda eines kleinen Bungalows in Kreta sitze, das Meer vor mir betrachte und auf meinen Freund warte, der gerade unseren Mietwagen abholt, denke ich mir, dass es doch passend wäre, sich mit diesem Thema mal zu beschäftigen.

Der erste Urlaub stellt für alle Paare etwas Besonderes dar. Denn es geht meistens erst in den gemeinsamen Urlaub, wenn die Beziehung ernst geworden ist. Urlaubstage aufeinander abstimmen, beim Arbeitgeber einreichen, sich auf ein Reiseziel einigen, Flüge buchen, Unterkünfte aussortieren, trallala, die Liste ist endlos, doch Fakt ist: Urlaub will geplant sein, zumindest bei den meisten, und da geht der Stress und wohlmögliche Streit auch schon los.

Warum sich viele Paare im Urlaub zoffen und oftmals sogar noch währenddessen trennen, ist eine Angelegenheit, für die es viele Antworten gibt. Einerseits wird die bevorstehende, gemeinsame Auszeit überhäuft mit überdimensional großen Erwartungen. Wenn etwas schief geht, lassen es viele am Partner aus – an wem sonst? Und der schießt entweder zurück oder schweigt. Ein Grund, warum immer so viele Paare im Restaurant beobachtet werden, die nicht miteinander kommunizieren. Ich kann mich gut an ein Video erinnern, das vor Jahren mal im TV gezeigt wurde. Es zeigte Ehepaare beim Abendessen im Urlaub. Die längste Zeit, in denen sich eines von vielen Pärchen nicht unterhielt, war eine geschlagene halbe Stunde. Und nein, es gab keine schöne Aussicht zu genießen, es gab nur den Menschen gegenüber.

Auch gibt es Partnerschaften, in denen beschlossen wird, die kaputte Beziehung durch einen romantischen Karibikurlaub zu retten. Palmen gegen Plattenbau, endlose Strände gegen unendliche Streitereien austauschen, das scheint vielen die Lösung des Problems. Leider bedenken die meisten dabei nicht, dass man erstens im Urlaub viel Zeit hat, die Probleme deutlich zu erkennen und zweitens, das triste Zuhause irgendwann wieder näher rückt – und dann? Palme mitnehmen? Die wird verkümmern, genauso wie die Beziehung.

Man nimmt seine Probleme immer mit. Alles andere ist Flucht. Ich kann mich selbst leider sehr detailliert daran erinnern, wie mein Exfreund mich an einem Strand in Afrika lautstark verlassen hatte. Am zweiten Urlaubstag. Was leider dazu führte, dass wir den gemeinsamen Urlaub noch überstehen mussten, bevor ich zurück nach Hause fliegen konnte. Es war die Hölle damals, denn auch wir tappten in die Beziehungsfalle, alles retten zu wollen in sonniger Umgebung und orientalisch geprägten Ausflügen. Ein Urlaubs-Pustekuchen.

Am schlimmsten steht es um die Menschen, die ihre Beziehung am Urlaub messen, sprich: Wir haben es geschafft, uns in diesem paradiesischen Ressort zu streiten, also werden wir auf kurz oder lang nicht miteinander glücklich sein.

Weil es zu viele Einträge bei Google gibt, die das bestätigen. Weil es zu viele Menschen gibt, die gerne Horrorgeschichten verbreiten. Und weil zu viele Verliebte sich gerne unbewusst Probleme herbeiführen, und das sandige Strandhandtuch auf dem frisch bezogenen Bett als Katalysator ihrer Trennung betrachten. Selbst Schuld.

In diesem Sinne hier ein passender Spruch, der auf einer meiner vielen Postkarten steht: „Wenn die Liebe baden geht, müssen wir schwimmen lernen.“

Ich bin mit meinem Bloggen vor Ort, Fotos hier, Instagram da und meinen Ausrufen à la „bitte noch nicht anfangen zu essen, ich muss das noch für den Blog fotografieren“ sicherlich nicht die Einfachste. Aber mit dem richtigen Mann an der Hafenpromenade klappt das wunderbar.

 

Foto: Anika Landsteiner privat