Bindungsangst: Warum wir die Liebe fürchten und was wir dagegen tun können

Kennst du das Gefühl: Du bist frisch verliebt, alles läuft wunderbar und du könntest glücklicher nicht sein. Aber irgendwann kommst du immer wieder an den gleichen Punkt. Plötzlich ziehst du dich zurück, bist gelangweilt oder brichst den Kontakt zu deinem Partner gar komplett ab? Oder hast du dich schon wieder Hals über Kopf in den verheirateten Mann aus dem Büro verliebt? Dann ist es durchaus möglich, dass du unter Bindungsangst leidest.

Wir erklären dir, warum Menschen unter Bindungsangst leiden, wie eine Bindungsangst entstehen kann und wie sie sich zeigt. Aber vor allem wollen wir wissen: Kann eine Bindungsangst vergehen? Kann eine bindungsfähige Person einen Menschen länger als sechs Monate lieben, ohne das Verlangen zu verspüren, ins Auto zu springen und für immer zu verschwinden?

Wie erkennst du, ob du oder jemand in deinem nahen Umfeld an einer Bindungsstörung leidet?

Flüchtest du immer wieder aus einer Beziehung? Hast du Angst, zu viel Nähe zuzulassen und dich auf eine exklusive Liebesbeziehung einzulassen? Kommst du irgendwann an den Punkt, dass du deinen Partner von dir wegstößt? Oder boykottierst du es sogar komplett, eine Beziehung überhaupt einzugehen? Wenn du den Großteil dieser Fragen mit ja beantwortet hast, bist du vermutlich bindungsunfähig. Das Gute ist: Du bist damit nicht alleine. Ca. 20 % der Menschen bezeichnen sich als ängstliche Bindungstypen und können keine längerfristige Beziehung eingehen. Weitere 20 % der Menschen vermeiden eine Beziehung lieber, als ihre Freiheit und Unabhängigkeit herzugeben.

Vielleicht stehst du aber auch auf der anderen Seite. Hast du eine Freundin, die sich immer wieder in den falschen Mann verliebt und nach kurzer Zeit wieder todunglücklich ist und dir ihren Liebeskummer klagt? Zieht sich deine Freundin in Beziehungen zurück und lässt plötzlich keine Nähe mehr zu? Wirkt sie unentschlossen in der Auswahl ihrer Partner? Dann kann es gut möglich sein, dass deine Freundin eine Bindungsstörung hat. Sprich sie in einem ruhigen Moment darauf an. Vielleicht ist sie es sich bereits bewusst, vielleicht aber auch nicht. Hilf ihr dabei, mit ihrer Bindungsangst umzugehen und biete ihr die Unterstützung an, die sie benötigt.

Jetzt lesen:  Die schönsten Komplimente für deinen Freund

Hast du das Gefühl, dein Partner leidet an einer Bindungsangst? Nach den folgenden Abschnitten kannst du dich vermutlich besser in sie hineinversetzen, um deine Mitmenschen mit ihrer Angst besser verstehen zu können.

Warum hast du Bindungsangst?

Die Gründe, warum du unter einer Bindungsangst leidest, sind vielfältig. Oft wird die Ursache einer Bindungsangst bis in die Kindheit zurückgeführt. Wenn du im frühen Kindesalter von deinen Eltern oft vernachlässigt wurdest, kann das zu einem späteren Zeitpunkt dazu führen, dass du Mühe hast, emotionale Nähe zulassen zu können. Wenn du in für dich bedrohlichen Situationen als Kind von deinen Eltern alleine gelassen worden bist, kann dies eine später auftretende Bindungsangst verstärken. Du wirst vermutlich Mühe damit haben, ein tiefes Vertrauen aufzubauen. Die Folge davon ist, dass du deine eigenen Gefühle am liebsten versteckst.

Auch der frühe Verlust eines Elternteils kann dazu beitragen, dass du Angst davor hast, Nähe zuzulassen. Neben Beziehungsstörungen in der frühen Kindheit können vergangene Beziehungen, die unschön geendet sind, zu einer späteren Bindungsangst führen. Wurdest du in deiner Beziehung betrogen, belogen oder ohne ersichtlichen Grund von heute auf morgen verlassen? Du willst diesen Schmerz, der tief in dir drinsitzt, nie wieder erleben müssen. Dann bleibst du lieber alleine oder lässt dich nur noch auf oberflächliche Beziehungen ein – alles besser, als noch einmal diesen emotionalen Schmerz empfinden zu müssen.

Vielleicht denkst du dir jetzt aber auch folgendes: Ich hatte eine behütete Kindheit und meine bisherigen Beziehungen sind eigentlich alle relativ harmonisch – mit Ausnahme auf das Ende – verlaufen. Und trotzdem kann ich keine längerfristige Beziehung mit ein und demselben Partner eingehen. Woran liegt das? Vielleicht liebst du deine Freiheit einfach viel zu sehr, um sie für das gemeinsame Leben mit einem Partner eintauschen zu wollen. Kompromisse möchtest du nicht eingehen. Du hast nur das eine Leben und das willst du genau so leben, wie DU dir das vorstellst.

Oder ertappst du dich manchmal, wie du deinen Partner anschaust und dir denkst: Was, wenn da draußen jemand rumläuft, der noch besser ist? Der besser aussieht, einen durchtrainierteren Körper hat und dich noch mehr vergöttert? Die Angst etwas zu verpassen oder die Suche nach dem perfekten Partner können ebenfalls Hinweise oder Ursachen für eine Bindungsangst sein.

Jetzt lesen:  10 geniale Babyshampoo Tricks, die du garantiert noch nicht kanntest

Wie zeigt sich deine Bindungsangst?

Die Angst vor einer längerfristigen Beziehung zeigt sich auf verschiedene Weisen. Prinzipiell fallen dir alle Formen von Beziehung schwer. Du hast viele Bekannte um dich rum, mit denen du dich oberflächlich gut unterhalten kannst. Aber echte, langjährige Freundschaften, die einer Partnerschaft ähnlich sind, kommen für dich nicht in Frage. Du legst großen Wert auf deine persönliche Freiheit. DU willst entscheiden, wann und wohin du in den Urlaub fliegst. Und du entscheidest, in welche Wohnung du in welcher Stadt ziehen möchtest, ob du dir ein Haustier zulegst oder im nächsten Monat deinen Job kündigst, um in ein fremdes Land auszuwandern und ein komplett neues Leben zu starten.

Wenn dein aktueller Partner über das Thema Hochzeit oder Kinder sprechen möchtest, fängst du an zu schwitzen, kriegst Herzrasen und Panik und möchtest am liebsten im Erdboden versinken. Denn du hast deinen Partner noch nicht einmal deinen Freunden oder Verwandten vorgestellt. Die Beziehung hält ja sowieso nicht. Wozu dann den Schritt wagen, ihn jemandem vorzustellen. Wenn die Beziehung vorbei ist – und das wird sie ja – musst du nur wieder allen erklären, warum du schon wieder Single bist.

Und wenn wir schon dabei sind: Dein Partner ist alles andere als perfekt. Eigentlich macht er immer mehr Fehler, oder die Fehler werden dir immer mehr bewusst. Streitet ihr viel? Macht dir das Streiten Spaß? Eine harmonische Beziehung kann ja auch nicht echt sein. Dann verheimlicht der Partner dir irgendwas und…eigentlich kannst du gleich wieder Schluss machen.

Er will beim Spazieren gehen deine Hand halten? Das geht für dich gar nicht, du brauchst lieber Distanz. Und eigentlich ist er ja wirklich ein langweiliger Kerl. Und dann läuft es immer wieder nach dem gleichen Schema ab. Bis du an den Punkt kommst und dir sagst: Bevor noch eine Beziehung scheitert, gehe ich lieber gar keine mehr ein.


Unser Buchtipp:

Bindungsangst verstehen und überwinden
Bindungsangst verstehen und überwinden:
Warum Männer und Frauen unter Beziehungsangst leiden und was Sie als Betroffener oder Partner tun können
Erhältlich auf Amazon

Jetzt lesen:  Frühstücksmuffins

Wie kannst du die Bindungsangst überwinden?

Das Gute vorneweg: Du kannst deine Bindungsangst überwinden. Ja, es ist möglich. Aber es bedarf einiges an Arbeit und es braucht vor allem eins: Zeit. Primär wichtig ist es, dass du die Bindungsangst annimmst. Führe dir immer wieder vor Augen: Es ist in Ordnung, Fehler zu machen. Das gilt für dich, als auch für deinen Partner.

Hol dir die Unterstützung von deinem Partner. Rede mit ihm, wenn du bereit bist, dich zu öffnen und über deine Angst zu sprechen. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Kann dein Partner geduldig sein, ist er verständnisvoll und umsichtig? Dann ist er der richtige Ansprechpartner, um über deine Gefühle und deine inneren Konflikte zu reden. Er wird es verstehen.

Und wenn nicht, suche dir eine andere Vertrauensperson. Das kann jemand aus deinem engeren Umfeld sein, Verwandte, Bekannte oder aber auch im Rahmen einer Therapie. In Therapiesitzungen kannst du mögliche traumatische Erlebnisse aus der Kindheit aufarbeiten und diese verstehen und damit abschließen. Im besten Fall findest du heraus, warum du eine Bindungsstörung hast und lernst, damit umzugehen. Auch das kann eine längere Zeit dauern, bleib am Ball.

Bau dir keinen Druck auf und versuch dich deinen Ängsten zu stellen. Hab keine Angst vor Rückfällen. Keiner hat die Garantie, nie mehr verletzt zu werden. Jeder wird mit Verlusten konfrontiert und hat damit zu kämpfen. Es gilt, die bisherigen Handlungsmuster zu durchbrechen und neue Verhaltensregeln zu lernen.

Kommst du wieder einmal an den Punkt, an dem du fliehen und die Beziehung beenden möchtest, widersteh erst einmal dem Gedanken. Versuch herauszufinden, ob du wieder in alte Muster verfallen bist oder ob es einen wirklich triftigen Grund gibt, die Beziehung zu beenden. Die Kommunikation zwischen dir und deinem Partner ist enorm wichtig. Erkläre deinem Partner, wo deine persönlichen Grenzen liegen und versucht gemeinsam, aus deiner Situation zu lernen. Dies stärkt die Beziehung und schafft wichtiges Vertrauen. Vertraue dir selbst. Vertraue darauf, dass du die Angst überwinden kannst.

 

Foto: detailblick-foto / stock.adobe.com