Facebook, Whatsapp, Skype, Instagram, Twitter, Google+, Pinterest, Tumblr, Flickr. Einatmen. Ausatmen. Ungefähr tausend andere Plattformen und virtuelle Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren, habe ich vergessen. Was uns allen dabei immer öfter auffällt, ist: Je mehr Möglichkeiten es gibt, sich auszutauschen, desto mehr Missverständnisse und  unverbindliche Zusagen begleiten die Reise der Worte durch das World Wide Web.

Ich kenne es. Du kennst es. Man tippt schnell einen SMS-Quickie via Whatsapp, vergisst, ein nervendes Smiley dahinter zu setzen, welches die Macht hat, alles Geschriebene zu verharmlosen, und schon steht es schwarz auf weiß: Das Missverständnis. Besser bekannt als das notorische Aneinander-Vorbeireden (ich glaube, das ist eine Wortneuschöpfung). Auch ein Dauerbrenner ist das Absagen von Verabredungen in der letzten Sekunde. Die Klassiker unter den modernen Kommunikationsproblemen.

Warum ist es trotzdem so weit verbreitet, dass man viel öfter etwas tippt und absendet, anstatt zum Hörer zu greifen und anzurufen oder sich mit jemandem wirklich zu treffen? Die Schnelllebigkeit der Gesellschaft ist eine Sache, klar: Schnell mal ein Bild bei Instagram posten vom Abendessen, damit Mutti weiß, dass man nicht verhungert. Schnell mal ’nen Status bei Facebook verfassen, damit die virtuellen Bekanntschaften wissen, wo man sich gerade befindet und was man dort Glanzvolles tut. Oder: Schnell mal via Whatsapp eine Verabredung (einen echten Quickie?) absagen. Tja, all diese Mittel machen es möglich, das Gesicht unter der Bettdecke zu verstecken und trotzdem den Schwanz nicht komplett einziehen zu müssen. Denn: Man hat ja kommuniziert, in diesem Fall hat man abgesagt, selbst wenn es nur eine halbe Stunde vor dem Treffen ist, aber darauf muss man mittlerweile vorbereitet sein.

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Wir sind alle ziemlich feige geworden. Und faul. Trifft man sich wirklich noch in Person, wird das meist vorher tausendmal verschoben, aufgeschoben, von Missverständnissen begleitet, bis am Ende der Standort geschickt wird, damit jeder grob Bescheid weiß.
Bin ich eigentlich die Einzige, die keinen Bock hat, am Tag ungefähr zwei Stunden zu opfern, um SMS und Nachrichten zu beantworten, deren Angelegenheiten via Telefon innerhalb von fünf Minuten abgewickelt sein könnten?

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Aber auch ich tippe munter vor mich hin, versuche Streitereien durch ellenlange E-Mails zu schlichten und habe selbst schon ab und an mit dem Kopf unter der Bettdecke eine Verabredung abgesagt – warum?
Weil es so unglaublich einfach ist. Das Smartphone, my bff, mein treuer Begleiter, das selbst gerade, während ich diesen Artikel tippe, neben mir liegt, warum weiß ich nicht, schließlich haben alle für mich wichtigen Menschen meine Festnetznummer und sollte ich etwas im Internet suchen, habe ich den Laptop direkt vor mir. Es ist eine Sucht, und zwar die Sucht nach schneller Befriedigung, künstlicher Anerkennung und auf dem Silbertablett servierter Unverbindlichkeit. Klingt wie ein Porno? Ist es auch, irgendwie, denn wir haben aufgehört, miteinander zu reden, wir treten zwar gemeinsam in Aktion, aber solange das Internet angeschaltet ist, ist der Kopf aus und es wird webgevögelt, bis das letzte Quäntchen Anstand und freiwilliger Verbindlichkeit verpufft ist.

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Alles hat seinen Höhepunkt. Das ist in der Karriere nicht anders wie im Urlaub oder beim Sex. Und vielleicht, ganz vielleicht, reden wir nach dem Höhepunkt der modernen Kommunikation auch wieder miteinander. Bis der Nächste kommt. Und greifen wenigstens öfter zu Facetime oder Skype, damit wir uns in die Augen schauen können während unserem virtuellen Tête-à-Tête. Und statt dem Fake-Smiley ein echtes Lächeln schicken.
 

Foto: „She is my drug“ von Bryan Brenneman via flickr.com, CC BY 2.0