StartFinanzenSlasher: Sind Multijobber das Businessmodell der Zukunft?

Slasher: Sind Multijobber das Businessmodell der Zukunft?

Einst war es ungewöhnlich, mehrere berufliche Rollen parallel zu haben. Heute ist das für viele Menschen Realität: Angestellt und selbstständig, Freelancerin und Gründerin, Content Creatorin und Beraterin, Hauptjob und Nebeneinkommen. Auf die Frage „Was machst du beruflich?“ gibt es immer häufiger keine einzige klare Antwort mehr. Das kann Freiheit schaffen, aber auch überfordern. Entscheidend ist, ob aus mehreren Projekten ein bewusstes Modell entsteht oder nur ein voller Kalender.

AJOURE´-Einordnung

Mehrere Einkommensquellen können Sicherheit geben, aber sie ersetzen keine Strategie. Für AJOURE´ ist Slashing dann spannend, wenn daraus ein bewusst aufgebautes Nebeneinkommen, ein klarer Business-Test oder eine schrittweise Selbstständigkeit entsteht. Mehr dazu findest du bei Nebeneinkommen für Frauen und nebenberuflich selbstständig machen.

Viele Wege führen zur multiplen Karriere

Sicherlich kennst auch du den ein oder anderen Multijobber. Jeder dieser Menschen kann von seinem ganz persönlichen Weg erzählen, denn oft führen verschlungene Lebenswege zu einer multiplen Karriere. Was manchmal durch Zufall begann, entwickelt sich weiter: Eine Festanstellung bleibt die finanzielle Basis, während nebenbei ein eigenes Angebot entsteht. Oder aus einem Hobby wird erst ein Nebenprojekt, dann ein kleines Business. Andere kombinieren mehrere freie Tätigkeiten, weil sie sich fachlich nicht auf nur eine Rolle reduzieren möchten.

Slashing leitet sich übrigens vom Schrägstrich, dem Slash, auf der Tastatur ab. Erstmals nutzte die US-Autorin Marci Alboher 2007 den Begriff in ihrem Buch „One Person/Multiple Careers – A New Model For Work/Life Success.“ In ihrem Buch nahm sie eine Gruppe Multijobber genauer unter die Lupe und prophezeit, dass die Anzahl der Slasher stark steigen wird.

Eine der bekanntesten Multijobberinnen oder Slasher ist „Grey’s Anatomy“-Star Katherine Heigl. Sie selbst gibt an Schauspielerin, Filmproduzentin und Tierschützerin zu sein. Zusätzlich Mutter und Ehefrau eines Musikers. Hinzu kommt auch, dass der Star einen persönlichen Lifestyle-Blog unterhält. Inklusive der Aufgaben als Mutter und Ehefrau kommt Katherine Heigl so auf sechs Jobs. Das Model Alexa Chung präsentiert sich beruflich noch breiter aufgestellt. Sie bezeichnet sich als Model, Designerin, Moderatorin, Autorin, Streetstyle-Koryphäe, Feiermaus und DJane.

Immer mehr Multijobber

Doch auch abseits vom Rampenlicht werden nichtlineare Lebensläufe sichtbarer. Menschen wechseln häufiger Rollen, bauen sich neben dem Hauptjob etwas Eigenes auf oder kombinieren unterschiedliche Tätigkeiten. Eine der bekannten Stimmen zum Thema ist die Französin Marielle Barbe, die als Regieassistentin, Dozentin und Spielshow-Entwicklerin schon früh Multi-Jobbing betrieb. Heute ist sie als Beraterin, Dozentin und Autorin tätig und beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie sich mehrere berufliche Identitäten sinnvoll verbinden lassen.

In ihrem Buch „Profession Slasheur“ (Beruf Slasher) berichtet sie über ihr Dasein als Frau mit wenig Vertrauen in sich selbst und einer eher holprigen Karriere. Sie berichtet, wie sie über das Thema Slashing stolperte und wie sie so den Impuls bekam, ihr Leben zu verändern und beruflich neue Wege zu gehen. Die Autorin benutzt den schönen Begriff „Chamäleon-Arbeiter“ und ihr Buch zeigt auf, wie sich das Leben eines Slashers gestaltet. Sie weist daraufhin, dass Multi-Jobbing ein gesellschaftliches Phänomen ist und in Zukunft auch Arbeitgeber zunehmend auf Multitasker angewiesen sein werden.

Slasher: Adieu stereotyper Lebenslauf

Die geradlinigen Karrierewege gehören gerade bei jungen Leuten unter 30 der Vergangenheit an. Häufige Jobwechsel, mehrere Jobs gleichzeitig, Selbstständigkeit, soziales Engagement, Weiterbildung, Selbstfindung und vieles mehr ist heute Teil des Karriereweges. Auch wenn hier jeder Arbeitsvermittler schwarz sieht, so kann es dennoch eine Chance sein, sich nicht an einen einzelnen Job zu klammern, sondern in vielfältigen Bereichen Erfahrungen zu sammeln und somit auch das eigene Spektrum zu erweitern.

Vielleicht hast auch du noch nicht deinen Traumjob gefunden, befindest dich in einer Orientierungsphase oder möchtest beruflich noch einmal neu starten. Dann kann Slashing ein Weg sein, um mit neuen beruflichen Möglichkeiten auf Tuchfühlung zu gehen. Wer sich in unterschiedlichen Berufsfeldern betätigt, erkennt häufig schneller, welche Aufgaben Energie geben und welche nur nach außen gut klingen. Wichtig ist aber: Mehr Rollen bedeuten nicht automatisch mehr Freiheit. Ohne Prioritäten, Preise und klare Grenzen kann aus Vielfalt schnell Erschöpfung werden.

Mit Spaß an der Arbeit geht es voran

Vielleicht fehlte dir bisher auch der Mut, dich den Konventionen der Arbeitswelt zu widersetzen, aber du sehnst dich nach Unabhängigkeit und Freiheit, dann könnte Slashing durchaus der richtige Weg für dich sein. Dank höherer Flexibilität durch das Internet und seitens der Unternehmen, wird es immer interessanter, sich vom 9-bis-17-Uhr-Job zu verabschieden und neue Wege zu gehen. Viele junge Menschen versuchen es erst gar nicht mit einem Standardjob, sondern setzen bereits zu Beginn ihrer Karriere auf Slashing. Es gibt die erstaunlichsten Kombinationen, von der CEO/Mutter, über den Polizisten/Therapeuten bis hin zum Anwalt/Personal Trainer. Dank der Abwechslung im Arbeitsalltag berichten viele Multijobber davon, sich erfüllt zu fühlen.

Die Realität der Slasher

Sicherlich hört sich Slashing durchaus interessant an, aber nicht jeder ist der geborene Multijobber. Klar muss auch sein, dass es beim Slashing in der Regel nicht darum geht, möglichst viel Kohle zu verdienen, sondern darum, etwas Sinnvolles zu tun. Viele junge Menschen möchten auch beruflich ihren Idealen treu bleiben. Doch unter den Multijobbern finden sich auch viele Menschen, die vorher einen scheinbar sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz innehatten. Auch hier fühlen sich viele glücklicher als vorher.

Erstaunlich ist, dass die einst vorherrschende Karriere-Orientierung bei vielen Menschen kaum mehr eine Rolle spielt. Vielmehr geht es darum, auch Zeit für Herzensprojekte zu haben, neue Möglichkeiten für sich zu entdecken und für sich selbst die optimale Work-Life-Balance zu finden.

Slasher als berufliche Chance?

Besonders gut ausgebildete Multijobber können in Deutschland durchaus vom aktuellen Wandel des Arbeitsmarkts profitieren. Wer gut vernetzt ist und ein Händchen für Selbstvermarktung hat, kann sich durchaus eine sichere Existenz aufbauen. Besonders, da in den letzten Jahren auch große und renommierte Firmen Arbeitsplätze abbauen oder gar ganze Standorte schließen mussten und für viele der vermeintlich sichere Arbeitsplatz in die Arbeitslosigkeit führte. Unter den Multijobbern finden sich Menschen mit den unterschiedlichsten Ausgangspunkten und doch haben alle gemein, dass sie sich mit den Zwängen der althergebrachten Arbeitswelt nicht auf Dauer belasten möchten.

Wer sich nicht freiwillig für das Multijobmodell entscheidet, sondern aus der Not heraus, ist häufig auf mehrere Jobs aus finanzieller Sicht angewiesen. Aber auch dies kann eine Chance sein, sich weiterzuentwickeln. Viele machen auch aus der Not eine Tugend und werden kreativ, was oft in neuen Geschäftsideen mündet.

Wenn du Sicherheitsbedenken hast, aber gerne eine multiple Karriere anstreben möchtest oder vielleicht den Schritt in die Selbstständigkeit bereits gewagt hast, dann kann ein zweites Standbein sinnvoll sein. Aber es ist kein Selbstläufer. Mehrere Einkommensquellen machen dich nur dann stabiler, wenn sie profitabel sind, zu deinem Energielevel passen und du finanziell den Überblick behältst. Gerade am Anfang solltest du auch deinen Notgroschen kennen und wissen, welche Einnahmen wirklich planbar sind.

Realitätscheck

Bevor du mehrere berufliche Wege gleichzeitig gehst, prüfe drei Dinge:

  • Welche Tätigkeit zahlt verlässlich deine Basis?
  • Welche Tätigkeit hat echtes Wachstumspotenzial?
  • Welche Tätigkeit kostet dich mehr Energie, als sie zurückgibt?

Slashing die Zukunft des Arbeitsmarktes?

Ja und Nein. Denn auch wenn kurzfristig noch die bisherigen Arbeitsmarktstrukturen vorhanden sind, so wird sich dies auf lange Sicht ändern. Mit zunehmender Automatisierung und dem Wegfall von Arbeitsplätzen wird es nötig werden, dass neue Wege eingeschlagen werden.

Wenn du herausfinden möchtest, welcher Weg für dich realistisch ist, starte lieber konkret: Prüfe mögliche Tätigkeiten, rechne dein Einkommen durch und entscheide dann, ob du nebenberuflich starten, freelancen oder ein digitales Produkt entwickeln möchtest.

Die Spezialisierung auf einen bestimmten Bereich kann weiterhin eine gute Stellung auf dem Arbeitsmarkt mit sich bringen. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, mehrere Fähigkeiten so zu kombinieren, dass daraus ein eigenes Profil entsteht. Besonders stark wird Slashing dann, wenn deine Tätigkeiten sich gegenseitig stärken: zum Beispiel Content, Beratung und digitale Produkte oder Festanstellung, Freelancing und ein wachsendes Nebenprojekt.

Nächster Schritt

Wenn du mehrere Einkommensquellen aufbauen willst, starte nicht mit fünf Ideen gleichzeitig. Lies zuerst Nebeneinkommen für Frauen, prüfe deine Absicherung mit dem Notgroschen-Rechner und vertiefe danach Freelancerin werden oder digitale Produkte erstellen.

 
Foto: luckybusiness / stock.adobe.com

Tanja
Tanja
Tanja ist eine vielseitige Redakteurin mit einer tiefen Leidenschaft für Tiere, Reisen und Gesundheit. Sie bringt umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit Tieren mit, insbesondere in den Bereichen Hundetraining und Clickertraining für Katzen, und engagiert sich ehrenamtlich im Tierheim. Ihre Reiselust hat sie durch zahlreiche Länder in Europa und Asien geführt, wo sie sich intensiv mit lokaler Kultur und Geschichte auseinandergesetzt hat. Zudem vertieft Tanja ihr Wissen in der Traditionellen Chinesischen Medizin durch eine spezialisierte Ausbildung, ergänzt durch ihre Erfahrungen mit Naturheilkunde und Heilkräutern.

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